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Wie gewonnen so zerronnen
Eingestellt am 06. 07. 2010 11:27


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Michael Schmidt
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Gefreut hatten sich die Uruguayer. Als letzte von 32 Mannschaften hatten sie sich f├╝r die WM qualifiziert und waren in ihrer Gruppe Au├čenseiter.
Im ersten Spiel gelang den S├╝damerikanern ein Achtungsremis gegen Frankreich und zeigte die St├Ąrke der Mannschaft: Sehr gut organisiert und eine kaum zu ├╝berwindende Defensive. Gegen ├╝berforderte S├╝dafrikaner zeigte auch die Offensive, allen voran Forlan, ihre Qualit├Ąten und gewann mit 3:0. Im entscheidenden Spiel wurde Mexiko geschlagen, die zwar spielst├Ąrker waren, aber Probleme in der Defensive hatten.
Auch im Achtelfinale gelang ein Sieg gegen kompakte S├╝dkoreaner und folglich gab es Kritik am Qualifizierungsmodus. Schlie├člich erlangte Uruguay die WM Endrunde erst im letzten Moment durch ein Entscheidungsspiel gegen Costa Rica, dem dritten in der Nordamerika Gruppe.

Dazu muss man wissen, dass eine Fu├čballweltmeisterschaft ein Politikum ist und dahinter diverse regionale Interesse bestehen.
So wurde die WM in all den Jahren immer wieder reformiert. Das bedeutete zuletzt immer wieder ein Mehr an Teilnehmern. 1982 gab es erstmals 24 Mannschaften und nach der Vorrunde gab es eine Zwischenrunde anstelle des K.O. Systems. Dort konnte man in rassigen Spielen erleben, wie Maradonnas Argentinier und Zicos Brasilianer sich den Au├čenseitern aus Italien geschlagen geben mussten, die sp├Ąter Weltmeister wurden. Die Spielweise der Italiener w├╝rde heutzutage eine Flut an Roten Karten hinter sich ziehen, doch damals kaufte man den S├╝damerikanern entsprechend den Schneid ab oder die Selbstkontrolle, wie Maradonnas Karatetritt und die anschlie├čende Rote Karte zeigte.
Sp├Ąter wurde die Teilnehmerzahl auf 32 erh├Âht. Das lag auch an dem politischen und wirtschaftlichen Wandel.
Allein in Europa gibt es seit den 90er Jahren eine Vielzahl neuer L├Ąnder, die Jugoslawien, die Sowjetunion und auch die Tschechoslowakei abl├Âsten.
Wirtschaftlich stieg die Bedeutung der asiatischen Staaten. Und Afrika, dessen Spieler die europ├Ąischen Ligen verst├Ąrkten, forderte ebenfalls einen gr├Â├čeren Anteil an Teilnehmern.
So wurden Formeln gesucht, Kompromisse geschlossen, doch nie sind alle zufrieden.

Die letzten acht Mannschaften der WM 2010 stammten aus folgenden Kontinenten: 4 S├╝damerikaner, 3 Europ├Ąer und 1 Afrikaner.
Zwei Nordamerikaner und zwei Asiaten hatten schon im Achtelfinale die Segel gestrichen.
So war die Forderung Uruguays, den f├╝nften Platz in der S├╝damerikagruppe als direkte Qualifikation zuzulassen, scheinbar durchaus mit Sachargumenten untermauert.
Die Leistungen Nordkoreas, Honduras und mancher afrikanischer Mannschaften sprachen eine ├Ąhnliche Sprache. Und nur 3 von 16 Europ├Ąern im Viertelfinale r├╝ttelt auch am Status des gr├Â├čten Fu├čballkontinents.
S├╝damerika war die gef├╝hlte Supermacht des Fu├čballs. Und das mit der WM 2014 in Brasilien vor Augen.

Doch wie gewonnen so zerronnen.
Im Halbfinale sieht es dann ganz anders aus. Gut, waren es 2006 noch vier Europ├Ąer in der Vorschlussrunde, sind es dieses Mal nur drei.
Uruguay, die nominell schw├Ąchste Mannschaft der S├╝damerikaner hielt als einzige die Fahne hoch und warf die letzte afrikanische Mannschaft mit viel Gl├╝ck im Elfmeterschie├čen raus. Die Favoriten Argentinien und Brasilien scheiterten an Deutschland und Holland.

Wieder zeigt sich, die etablierten Mannschaften setzen sich meistens durch.
Mit Holland, Deutschland, Brasilien, Argentinien waren die etablierten L├Ąnder im Viertelfinale. Auch Spanien als Europameister und Topfavorit kam bisher weit.
Andererseits zeigen Uruguay, Paraguay und Ghana, auch Au├čenseiter haben Chancen und setzen Glanzlichter, Favoriten wie Italien und Frankreich scheitern kl├Ąglich in der Vorrunde. Gerade das macht den Reiz des Turniers aus. Auch die schw├Ącheren Mannschaften wie Honduras oder Nordkorea bereichern eine Endrunde, sorgen f├╝r Achtungserfolge oder einfach Abwechslung im Kreis der Etablierten.

Was ich mir aber w├╝nschen w├╝rde, w├Ąre eine mehr interkontinental ausgerichtete Qualifikation. Zwar spielen die S├╝damerikaner mit den Nord- und Mittelamerikanern einen Platz aus, die Europ├Ąer machen ihre Qualifikation unter sich aus. W├Ąre doch viel interessanter, wenn den letzten Platz nicht Frankreich gegen Irland ausspielt (wie geschehen), sondern Frankreich gegen Algerien und gleichzeitig Irland gegen Tunesien. So w├Ąre die L├Ąnderverteilung nicht nur ein Produkt der Kl├╝ngelei in diversen Hinterzimmern, sondern auch sportliche Entscheidung, die auch immer wieder f├╝r ├ťberraschungen sorgt, wie man den Ergebnissen der Endrunde ablesen kann.
Das w├Ąre ein Schritt zu mehr Offenheit und gegen Nationalismus. Zwar besteht die Gefahr, dass dann anstatt 6 Afrikanern nur 3 teilnehmen. Aber wenn es sportlich gut l├Ąuft, k├Ânnten es dann auch 10 Mannschaften sein und sie somit die gr├Â├čte Gruppe stellen.

Heute starten die Halbfinale. Und vielleicht ├╝berrascht Au├čenseiter Uruguay wieder und zieht ins Finale ein.
Und wir k├Ânnen wieder sagen: Wie gewonnen so zerronnen
Denn am Ende z├Ąhlt nur der Weltmeistertitel.


__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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