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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wie ich die Erde rettete
Eingestellt am 16. 07. 2005 23:04


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mattes
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Registriert: Jun 2005

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Wie ich die Erde rettete

Sie landeten an einem fr├╝hen Sonntag Abend.
Sie kamen, um zu sehen, wie weit wir waren.
Sie brachten ihr Raumschiff am Rande der Stadt herunter und teleportierten in eine Wohnung, um mit den Leuten zu reden.
Zu ihrem Ungl├╝ck war es 19:00 Uhr.
Die Menschen, die sie antrafen, sa├čen vor einem Bildschirm und folgten atemlos irgendeinem Geschehen.
Sie versuchten es noch in zwei weiteren Wohnungen, doch das Ergebnis war das gleiche. Sie wurden von den Menschen einfach nicht bemerkt.
So kamen sie auch zu mir.
lch dachte zuerst, dass es mich jetzt endlich erwischt habe, als sie so unvermittelt in meiner Bude materialisierten.
Ich hatte soeben meine zweite Flasche Roten entkorkt und war nicht un├╝bler Laune, weshalb ich beschloss, den ungew├Âhnlichen Auftritt als gegeben hinzunehmen, kramte noch zwei Gl├Ąser hervor und schenkte ein.
Wir prosteten uns zu und ich sagte ihm, dass seine Schwester echt scharf aussehe, worauf er mich dahingehend korrigierte, dass sie seine Lebensgef├Ąhrtin sei.
Er erz├Ąhlte mir, was sie hier wollten und fragte mich, warum sie einfach ignoriert w├╝rden.
lch sagte ihm, dass er sich einen sehr ung├╝nstigen Termin ausgesucht habe, es w├Ąre "Lindenstra├čen Time".
Nach einigen Erkl├Ąrungen meinerseits war er zwar etwas entt├Ąuscht dar├╝ber, dass sein Erscheinen auf geringeres Interesse stie├če als eine Fernsehserie, aber er gab Ruhe.
Sie fragte mich mit einem absolut himmlischen L├Ącheln, warum ich nicht vor dem Fernseher sitze, worauf ich ihr gestehen musste, dass ich das Teil verkaufen musste.
Wir leerten noch f├╝nf weitere Flaschen und ich stellte fest, dass der weibliche Teil dieser Weltraumexpedition absolut phantastisch aussah.
lch sagte ihnen dann, dass sie, falls sie irgendwelche politischen Infos haben wollten, zu unserem Bundeskanzler gehen sollten.
Sie gingen.
Am n├Ąchsten Morgen hatte ich das Erlebnis schon in den Bereich meiner `Alkoholnebel von Aachen` eingeordnet, als sie wieder auftauchten.
Man glaubt es nicht, aber sie hatten beide je zwei ALDl-T├╝ten mit meiner Lieblingsbilligrotweinmarke dabei.
Er goss ein, und sie hatte wieder dieses "Du bist ein so toller Junge" L├Ącheln drauf, das ich nur so dahin schmolz.
lch fragte, nachdem wir das erste Glas getrunken hatten, nach dem Besuch bei unserem Kanzler.
Er erz├Ąhlte, dass sie direkt vor einer Frau materialisiert seien. Man habe ihr das Anliegen erkl├Ąrt, und sie sei in ein anderes Zimmer gegangen.
Hinter der T├╝re h├Ârte man den Fernseher laufen und zwei ged├Ąmpfte Stimmen: "Doris, du wei├čt doch, dass ich nicht gest├Ârt werden will, wenn ich mir die Aufzeichnung der LINDENSTRA├čE ansehe!"
"Aber Gerhardt, drau├čen sind zwei Au├čerirdische, die dich sprechen wollen." "Au├čerirdische? Frag sie, ob es Gr├╝ne sind, oder besser, schick sie zum Joschka, der ist daf├╝r zust├Ąndig."
Daraufhin seien sie lieber etwas auf dieser Welt herumgeflogen und haben sich alles angesehen.
Mir wurde etwas komisch, als er das sagte, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass solch eine Besichtigung sehr positiv ausfallen k├Ânnte. Trotz meines etwas ungl├╝cklichen Gesichtsausdruckes kam auch schon die erste Frage:
"Wieso seid ihr hier alle satt und reich, und nur wenige Kilometer weiter verhungern die Menschen? Warum werden auf deinem Kontinent Lebensmittel vernichtet, die andere zum Leben ben├Âtigen? Warum gebt ihr Geld aus, dass der ganzen Welt Wohlstand bringen k├Ânnte, um Waffen zu produzieren? Warum t├Âtet ihr eure Br├╝der und Schwestern, wo es doch viel einfacher ist, miteinander zu leben? Warum hasst ihr euch, wenn es doch viel sch├Âner ist, sich zu lieben? Sag es mir!"
Mir fiel nichts ein.
"Ihr t├Âtet unschuldige Kinder, ohne mit der Wimper zu zucken!!"
"Aber letztlich ist es doch die Schuld der Politiker," entgegnete ich ziemlich lahm.
"Ihr duldet es, also ist es eure Schuld. Es ist jedermanns gottverdammte Schuld auf diesem Schei├čplaneten!!" Er fing an zu weinen.
"Man muss etwas ├Ąndern," schluchzte er, "das ist doch f├╝rchterlich!!"
"Ich werde diesen Planeten vernichten, denn wer Intelligenz benutzt, um zu t├Âten, ist es nicht wert zu leben! Ihr seid Monstren!!

ALLE !!!"

Er weinte laut los und ich konnte seinen Jammer gut verstehen.
Allerdings wusste ich, dass es nicht nur die M├Ârder, sondern auch die Opfer gab, und die sollten nicht f├╝r die Verbrecher sterben.
Wen man in erster Linie mit dem Wort Verbrecher betiteln sollte, ├╝berlasse ich der Phantasie der Leute.
Fakt ist, dass es genug Politiker, Gro├čindustrielle und andere Machtmenschen gibt, die die Menschheit und unseren Planeten einzig und allein aus pers├Ânlicher Gier in den Tod schicken.
Aber vielleicht gibt es ja noch Hoffnung, dachte ich.
Vielleicht gelingt es mir, allen Arschl├Âchern dieser Welt den Sch├Ądel einzuschlagen.
Ich nahm den weinenden Jesus bei der Hand und sagte ihm, dass er nach einem Zug durch die Gemeinde immer noch Zeit h├Ątte, die Erde zu vernichten.
Wir zogen durch s├Ąmtliche Kneipen Aachens, und als wir endlich morgens um sechs Uhr bei `Ludwig` rausgeschmissen wurden, waren die beiden total besoffen. Maria-Magdalena k├╝sste mich, aber ich hatte keine Zeit f├╝r ein Intermezzo.
Ich schleppte beide in ihr Raumschiff, stellte die Startautomatik an und wartete drau├čen, bis es abhob.
Ich glaube nicht, dass sie noch einmal wiederkommen.
Vor knapp zweitausend Jahren hat er sich an ein Lattenger├╝st schlagen lassen, um uns zu retten, und nun setzt ihn ein S├Ąufer vor die T├╝r.
Er wird wissen, dass wir so oder so verloren sind.
Wenn wir alle get├Âtet haben, die sich t├Âten lassen, werden wir uns selbst t├Âten. Vielleicht habe ich die Erde nicht gerettet, sondern nur die Folter verl├Ąngert.
Aber solange es Rotwein gibt, solange gibt es auch Hoffnung.

__________________
Mattes

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Quidam
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo mattes,

das hier ist ja was ganz anderes, im Vergleich zu deinen anderen geschichten. Und ich wei├č jetzt nicht, ob ich es schlecht, oder klasse finden soll ... Zumindest finde ich die Story ziemlich abgefahren! Und Denkanst├Â├če bietet sie auch - daher muss ich wohl sagen, dass ich es mit Vergn├╝gen gelesen habe. Ich bin ein mattes-Geschichtenfan.

Gr├╝├če
Quidam

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