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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Wie in alten Zeiten...
Eingestellt am 27. 04. 2004 13:38


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Herzog
???
Registriert: Apr 2004

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Als sie mit Wolfgang aus dem Kino kam, hatte es geregnet. Der dunkle Asphalt gl├Ąnzte wie abgeschabtes, schwarzes Leder, und sie musste unwillk├╝rlich l├Ącheln, als ihr klar wurde, woran dieser Vergleich sie erinnerte. ÔÇô

Und dann musste sie nat├╝rlich auch wieder an diesen anderen Kinobesuch denken: Damals, vor immerhin jetzt schon fast zwei Jahren, ("Zauber der Venus" hie├č der Film, viel Musik von einem Typ namens Wagner) hatte ein anderer neben ihr gesessen... Und seine Fingerspitzen hatten ganz zuf├Ąllig ihren d├╝nnen Pullover an einer gewissen Stelle ber├╝hrt, ganz zuf├Ąllig, wie gesagt, und das mehr als eine Stunde lang... (mit Pausen zwischendurch, in denen sie halb wahnsinnig wurde)! - Dass er dann hinterher kein Wort dar├╝ber verlor, schlie├člich sie es war, die ihn anrufen musste am n├Ąchsten Tag, damit er sie endlich ├╝ber Nacht zu sich holte - das war schon eine Geschichte, die sie so schnell nicht vergessen w├╝rde...

"Es hat geregnet", stellte Wolfgang fest und riss sie aus ihren Erinnerungen.

"Stimmt!" bemerkte sie trocken und hatte gleich ein schlechtes Gewissen, dass sie sich so wenig um ihn k├╝mmerte.

Sie hakte sich ein.

"Lass uns noch in die Disco fahren."

"Wenn du meinst", erwiderte er ohne Begeisterung. Sie wusste, was er dachte. Aber auf die kalte Bank in der Gr├╝nanlage hatte sie jetzt wirklich keine Lust...

Als sie auf den Parkplatz einbogen, entdeckte sie es sofort: Irgend jemand hatte etwas hinter den rechten Scheibenwischer geklemmt! Sie wollte ihren Begleiter ablenken, aber auf die Schnelle fiel ihr nicht ein, wie.

"Guck mal da", sagte er und nahm die Blume in die Hand. "Was 'n das?"

Sie tat erstaunt.

"Eine Blume aus Papier. Ist ja komisch."

"Ne, Papier ist das nicht. Irgend so'n Stoff", und er reichte sie ihr.

Es war eine Seidenrose, und der dezente Tropfen After Shave w├Ąre nicht n├Âtig gewesen. Sie wusste auch so, wer dahintersteckte.

"Ich schmei├č sie in den Papierkorb", sagte sie laut, aber Wolfgang widersprach.

"Ne, lass doch, sieht doch irgendwie gut aus. Kannste dir ja ins Haar stecken, oder?"
Und dann, schon im Auto:

"Also Typen gibt's. M├Âchte wirklich wissen, wer auf diese bl├Âde Idee gekommen ist."

"Was 'n f├╝r 'ne Idee?" fragte sie.

"Na, die Sache mit der Rose."

"Ach so", erwiderte sie m├Âglichst beil├Ąufig, und damit war das Thema erledigt zwischen ihnen.

***********


Als sie am sp├Ąten Sonntagmorgen erwachte, lag die Rose auf ihrem Nachttisch. Daneben ein Zettel von ihrer Mutter: Sind bei Klaus und Barbara zum Mittag- und Abendessen. Schlaf dich aus. - Und darunter, von zwei neckischen Herzchen eingerahmt: War die Nacht sch├Ân mit deinem Rosenkavalier?





Sie war noch nicht ganz wach, und so dauerte es einen Moment, bis sie die absurde Komik dieser Frage begriff. Ausgerechnet ihre Eltern mussten das fragen! Wenn die w├╝ssten! Ausgerechnet sie, die so ├╝bergl├╝cklich waren, dass sie "endlich zur Vernunft" gekommen war. Nun konnten sie sich doch bei Tante Barbara und Onkel Klaus auch wieder sehen lassen, ohne diese mitleidigen Blicke oder halb-neugierigen, halb-schadenfrohen Fragen bef├╝rchten zu m├╝ssen: War Monika denn nun immer noch mit diesem so viel ├Ąlteren Mann zusammen? Ob sie einen Vaterkomplex hatte? Was war denn da in der Erziehung schiefgelaufen, irgendwas stimmte doch nicht mit dem M├Ądchen? Sollte man nicht vielleicht einen Arzt...

Sie wollte sich gerade eine Zigarette anz├╝nden, als es zweimal leise an der Wohnungst├╝r l├Ąutete. - Ihr Herz machte einen kleinen Sprung vor ├ťberraschung. Ob er es wirklich gewagt hatte? Einen Moment z├Âgerte sie, dann legte sie die Streichh├Âlzer zur Seite und warf sich den Bademantel ├╝ber.

Durch den Spion in der Wohnungst├╝r war niemand zu sehen. Hastig drehte sie den Schl├╝ssel herum und lief barfu├č hinaus. Sie blickte durch das Gel├Ąnder hinab und lauschte angestrengt. Vergebens.

Als sie sich umwandte, entdeckte sie eine zweite schwarze Rose und eine Plastikt├╝te an dem T├╝rknauf.

Unwillk├╝rlich musste sie sich an der Wand festhalten.

Und da h├Ârte sie auch schon die Stimme, die sie erwartet hatte. F├╝r einen Moment schloss sie die Augen.

"Guten Morgen, Prinzessin", sagte er leise. "Ich bin hier oben."

Er sa├č auf dem oberen Treppenabsatz, die Haare leicht verwuschelt, ein blasses, ├╝bern├Ąchtigtes Gesicht, die Augen hinter der Brille riesengro├č vor Anspannung. Die hei├čgeliebte, uralte Lederjacke hing lose ├╝ber den schmalen Schultern. In seinen abgewetzten Jeans sah er wieder mal viel j├╝nger aus als er war, und jedenfalls ganz anders, als man sich einen Mann wie ihn im allgemeinen vorzustellen pflegt.

"Mein Gott", fl├╝sterte sie und presste den Handr├╝cken gegen den Mund.

Er grinste verlegen.

"Du musst nicht gleich so ├╝bertreiben, ich bin's doch nur."

Damit kam er die Treppe herunter und nahm sie ungeschickt in die Arme.

"Ich habe dir ein paar Br├Âtchen gebracht, meine Sch├Âne. Sie sind noch warm. Es gibt nur einen einzigen B├Ącker in der Stadt, der am Sonntagmorgen offen hat."

"Du bist verr├╝ckt", fl├╝sterte sie nach einer Pause, in der es ihr einigerma├čen gelungen war, ihre Fassung wiederzufinden.

"Stimmt", gab er unumwunden zu.

Irgendwo in einer der oberen Etagen wurde eine T├╝r ge├Âffnet. Sie griff ihn hastig am ├ärmel und zog ihn in die Wohnung hinein.

"Was willst du?" fragte sie, immer noch fl├╝sternd vor Aufregung.

Er nahm die Br├Âtchen aus der Tasche und zeigte sie ihr.

"Es sind insgesamt drei. Eins f├╝r dich und..."

"...und zwei f├╝r dich", erg├Ąnzte sie. "Das hast du dir ja prima ausgegedacht. Du meinst: Wie in alten Zeiten."

Er sah sie an, Unsicherheit im Blick.

"Ich wei├č ja, dass die alten Zeiten vorbei sind, dass es nie wieder so werden wird, wie es war. Aber ich hatte ganz schlicht Sehnsucht nach dir, verstehst du, schon die ganze Zeit, und da dachte ich..."

Er brach ab und sah sie bittend an.

Sie erinnerte sich daran, wie oft er sie in fr├╝heren Jahren heimlich in dieser Wohnung besucht hatte. Und so manches Mal hatte sie ihm auch ein Fr├╝hst├╝ck gemacht. Das war ja eigentlich noch gar nicht so lange her.

Er senkte den Blick, machte eine hilflose Bewegung und wandte sich zur T├╝r.

"Entschuldige bitte. Ich gehe ja schon wieder. Ich wei├č, es war dumm von mir. Da ist dieser Wolfgang und da sind deine Eltern... Ich wollte dich wirklich nicht..."

Sie legte ihm die Hand auf den Arm.

"Hast du dich wirklich so ver├Ąndert? Bisher bin ich doch immer diejenige gewesen, die weggelaufen ist. Das warst doch niemals du, mein Liebster..."

Ihre Stimme war mit einemmal sehr weich und ein bisschen zittrig. Dann stellte sie die Plastiktasche auf den Boden und legte die Arme um seinen Hals.

Er stie├č ein kleines ├╝berraschtes St├Âhnen aus, und sie k├╝ssten sich. Erst sanft und vorsichtig, so als k├Ânnten sie gar nicht glauben, was geschah, dann immer heftiger und st├╝rmischer, mit einer Leidenschaft, die ihnen beiden den Atem nahm.

"Wir werden zusammen fr├╝hst├╝cken", fl├╝sterte sie schlie├člich, w├Ąhrend sie ihn behutsam, aber mit dieser Entschlossenheit, die er schon fr├╝her so sehr an ihr geliebt hatte, in Richtung ihres Zimmers bugsierte.

"Irgendwann sp├Ąter werden wir auch zusammen fr├╝hst├╝cken. Ganz bestimmt. Das verspreche ich dir..."







************



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IKT
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Registriert: Not Yet

Ach, da kann man glatt dahin schmelzen. Aber Du zeigst sehr deutlich, wie Vorurteile Liebe und Leben zerst├Âren k├Ânnen. (Obwohl es meist "normaler" angesehen wird, wenn ein ├Ąlterer Mann eine junge Freundin hat. Umgekehrt ist das noch viel schlimmer!)
Mich ber├╝hrt Deine Geschichte jedenfalls sehr in ihrer Z├Ąrtlichkeit.
LG IKT

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