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Leselupe.de > Humor und Satire
Wie man würdevoll in ein Hundstrümmerl steigt
Eingestellt am 22. 01. 2006 06:57


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Marius Speermann
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Wien
Die vielen Kaugummiflecken vor den Würstelständen und Eissalons, die sich auf dem teuren Granitpflaster der Mariahilferstrasse tummeln, stellen ein Zeichen des gastronomischen Erfolges dar. Eingeweihte und anonyme Testesser können schon von weitem die Qualität und den Kundenkreis erkennen. Die ausgekauten und von ihren Geschmacksstoffen fachmännisch befreiten Restgummibestände wurden und werden von den Wienern, die sehr stolz auf ihre Stadt sind, mit großer Selbstverständlichkeit wiederverwertet, bevor man ein Eisstanitzel oder ein Würstel mit Semmel bestellt. Was bietet sich für eine künstlerische Stadt wie Wien besser an, als ein Kunstprojekt? »Spit Art« war geboren und die Wiener formten in dem Dauerkunstprojekt ein Kunstwerk am Boden.

Zuckerfreier Wrigley Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack, von der Altersschicht zwischen 25 und 40 bevorzugt, eignet sich besonders für die dünkleren Schattierungen, während die von Kindern und Jugendlichen beliebten Hubba Bubbas mit den kleinen Comicstreifen, mehr die helleren bis bunteren Farbtöne einbringen. Die älteren Bevölkerungsschichten tragen nur unwesentlich dazu bei, da die früher so beliebten Haftgummis schon vor Jahren fast zur Gänze von der Haftcreme abgelöst wurde.

Die Kaugummifleckendichte ist, wie uns wissenschaftlich von Gourmetführern bestätigt wurde, direkt proportional zur Güte des Etablissements. Und wenn nicht, dann hatte es zumindest die meisten Kunden.

Man sollte es nicht glauben, aber die solcherart von der Bevölkerung zur Schau gestellte Solidarisierung mit und in die eigene Hand genommene Kunst im öffentlichen Raum, wird von anderen schamlos ausgenutzt, um nicht zu sagen, sabotiert. Zwischen den gräulichen Kaugummiflecken verschwindet chamäleonartig immer wieder ein Verdauungsprodukt des gemeinen Wuffwuffiens, besser bekannt unter dem populärwissenschaftlichen Begriff Koeter vulgaris.

Nähert sich nun ein Spontankünstler einem Eissalon und greift mit nonchalanter Geste in den Rachenraum, um das künstlerische Puzzlesteinchen zu entnehmen und seinem eigentliche Zweck zuzuführen, so muss er damit rechnen, von einem als Kaugummifleck getarnten Hundstrümmerl attackiert zu werden. Dies spielt sich in Wien in der Regel in drei Stufen ab:

In der ersten Stufe lauert das Hundstrümmerl auf seine Chance und schmuggelt sich unerwartet und vor allem plötzlich unter die Schuhe. Es bevorzugt dabei einerseits Gehwerkzeuge mit stark profilierten Sohlen oder andererseits seitlich gut ausgeschnittenen Sandalen.
In der zweiten Stufe bemerkt der an der spontanen künstlerischen Aktion verhinderte Wiener die Anwesenheit des caninen Verdauungsproduktes und bricht in lautes Wehklagen und Zähneknirschen aus. Das Wienern angeborene Talent in der Schaffung von blumigen Ausdrücken unter Verbindung musikalischer Elemente kommt dabei vollends zum Erblühen. Einer eingehenderen Erforschung bedarf dabei der bisher geringe Einfluss dieser zweiten Stufe auf die Texte der Wienerlieder.
In der dritten und zugleich letzten Stufe steigern sich der erste und zweite Teil zu einem Trigesang zwischen dem sabotierten Künstler, weiteren vorbeikommenden Spontankünstlern und dem nun auch die Anderen attackierenden und fein verschmierten Saboteur.

Wer also behauptet, Kunst ist tot und alles schon erfunden, der hat noch nie von der Scheißkunst in Wien gehört.

Heidelberg
Auf der Heidelberger Hauptstrasse geschieht das Unerwartete, das Unerklärliche. Ja, mitten auf dem Kopfsteinpflaster der Hauptstrasse, nicht unweit von Käthe Wohlfahrts Laden liegt, ja was sag ich, thront das Corpus Delicti. Unverschämt räkelt es sich im Sonnenlicht und verströmt tückisch sein Deo. Die Heimtücke solcher Dinger liegt bekanntermaßen in ihrer Verwandtschaft mit der in Mordfällen so beliebten Blausäure. Erfassen die Nasenflügel den Geruch, ist es für das Opfer auch schon zu spät. Entweder ist man dann gestorben oder gestiegen, und zwar letzteres hinein.

Dieser unerhörte Vorfall erregt die Aufmerksamkeit eines älteren Herrn, schon allein deshalb, weil er unvermutet dieses weiche Etwas unter seinen Komfortschuhen spürt. Mit dem Hörgerät aus einem deutschen Meisterfachbetrieb kann er das hysterische Kichergebell leider nicht mehr hören, das sich in einer Seitengasse rasch entfernt. Der betagte Passant hatte nämlich vergessen, Hörbenzin nachzutanken.

Fast hätte der Gehstock des älteren Herrn gewütet und es erbost der Jugend von heute gezeigt, wäre nicht ein Polizist des Weges gekommen, der das Hundstrümmerl an Ort und Stelle verhaftete. Den Strafbescheid wegen diverser Vergehen gegen die Stadtordnung und Staatssicherheit nahm es, solcherart zusammen geschissen und bereits zermürbt, nur mehr eingetrocknet und geruchlos zur Kenntnis.

Was uns trotz gegenteiliger Behauptungen wieder einmal zeigt, dass in deutschen Städten doch noch eine Scheißordnung herrscht.

Paris
In einem Seitengässchen des Boulevard Saint-Germain nahe beim Café de Flore. Vor einem Kinoausgang rastet unbeachtet ein frisch verschwitztes Häufchen zwischen den parkenden Autos. Ein kühles Dezemberlüftchen wirbelt gelegentlich Dampf aus der milchschokoladebraunen Masse auf, leichte Farbnuancen lassen den Experten die Ausgeglichenheit im Speiseplan des Erzeugers erkennen. In der Dämmerung ist das aber fast nicht zu bemerken. Dabei lechzt das öffentlich Ausgelegte geradezu nach Aufmerksamkeit, zeigt doch die Form das künstlerische Talent des Erschaffers im »Action Shitting« Stil. Ein Jackson Pollock unter den städtischen Vierbeinern, wer hätte das gedacht? Aber wo sonst, wenn nicht in diesem Viertel in Paris?

Ein junger, gut aussehender Herr schlendert das Gässchen entlang, bleibt vor dem Kino stehen und sieht auf seine Armbanduhr. Vor den hell erleuchteten Auslagenscheiben des Lichtspieltheaters kann man seine Cartier-Herrenuhr am Lederarmband gut erkennen. Er sieht wiederum auf und lässt seinen Blick ergebnislos herum schweifen. Offensichtlich hat er ein Rendezvous und ist zu früh erschienen oder seine Verabredung zu spät. Sein eleganter Anzug in gedämpften Tönen, sein gut sitzender Mantel und seine maßgeschneiderten Lederschuhe zeigen Pariser Chic. Trotz seiner zur Schau getragenen Ruhe bemerkt man seine Nervosität. Er geht langsam auf und ab, schielt mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Wird sie rechtzeitig kommen? Wir können nur spekulieren, Frauenversteher sehen anders aus.

Ein Klappern von Stöckeln wird aus der Ferne hörbar, der junge Herr wendet hoffnungsfroh seinen Kopf und macht einen Schritt vom Trottoir herunter. Leise erschallt ein gequetschtes Schmatzen, unter das sich ein durch Leder-Asphalt-Reibung entstandenes Schmirgelgeräusch mischt. Der Herr erstarrt. Sein Gesichtsausdruck zeigt keinerlei Regung während er den Kopf senkt und an seinem Mantel entlang zum Boden blickt. Die selbstsichere Spannung in seinen Schultern sinkt. Im Zeitlupentempo bahnt sich das geplättete Kunstwerk einen Weg durch die seitlichen Nähte der Schuhsohlen. Der junge Herr wirkt geknickt, kein Ton entfleucht seinen Lippen. Sein sich langsam wieder aufrichtendes Haupt trägt deutliche Zeichen einer unendlichen Trauer über die Entweihung des einzigartigen, an künstlerischer Spontaneität unübertrefflichen Meisterwerkes. War „sie“, mit ihren klappernden, hoch absätzigen Winterstiefelchen, dem eleganten Abendkostüm und kecken Hütchen, den Verlust der »Shit Art« Wert?

Der folgende Kuss als Antwort darauf lässt uns erkennen, dass Paris nicht nur eine Stadt der Literatur und Künste, sondern vor allem eine der Liebe ist. Das süße Rot auf ihren erhitzten Wangen, das kirschrote Mäulchen und ihre schuld bewussten Kulleraugen, machen jedes Braun am Boden zu doch nichts anderem als einen Haufen Scheiße.

San Francisco
Was einem in den Straßen von San Francisco sofort ins Auge sticht, sind nicht so sehr die niedlichen Häuser, die gewagten Straßenneigungen oder Männer in Frauenkleidung, nein, einem Fäkalologen beunruhigt die vollständige Abwesenheit von natürlichen Ausscheidungen der sonst bei Menschen so beliebten und treuen Vierbeiner. Unwissenden und auf Besuch befindlichen Hundefreunden rinnt nach dem Erkennen dieser Tatsache, die ersten paar Tage in San Francisco ein Gruseln über die Streichelhand, wird doch gleich an der Menschlichkeit der Einwohner gezweifelt. Nur Hundebesitzer sind für sie gute Menschen.

Dieses Missverständnis wird aber bald ausgeräumt, sobald die gesetzliche Situation in San Francisco und den USA im speziellen klar werden. Hundebesitzer werden nicht so sehr durch die Verwaltungsstrafen abgeschreckt, als vielmehr durch die Unsitte der handfesten Verletzungsklagen, die so manches Herrchen oder Frauchen um ihre letzte Hundeleine gebracht hatte.

Es wird immer wieder auf einem mehrere Jahre zurückliegenden Fall hingewiesen, wo ein San Franciscaner sich beim Niederbücken, um seine gelösten Schuhbänder zuzubinden (andere Quellen sprechen von einer Cent-Münze, die er aufheben wollte), auf der Fillmore Street, und zwar auf der Seite Richtung Alcatraz, das Gleichgewicht verloren hatte und die steilen Straße zuerst langsam und dann immer schneller hinunterkullerte. Er prallte dabei gegen mehrere Mülltonnen, verwüstete ein paar sich in den Weg stellende Büsche und schlug unablässig mit dem Kopf gegen die seitlich geparkten Autos und zerschlug deren Stoßstangen. Alles wäre noch relativ glimpflich ausgegangen, hätten sich auf dem Weg nach unten nicht die Wege des Runterkullerers mit denen eines gerade gassi-geführten Zwergpinschers gekreuzt. Der Vierbeiner, der in diesem Moment damit beschäftigt war, es den anderen Kötern im Revier mal so richtig zu zeigen und mit hämischem Grinsen seine Duftmarken an einem Laternenmast anbrachte, erschrak beinahe zu Tode und es entfuhr ihm eine Flatulenz. Mit diesem Wölkchen entwich auch Material, es war ihm angesichts der Situation nicht gelungen, das zu verhindern. Der Kullerer jedenfalls verlor durch die betäubende Wirkung des gasförmigen Grußes aus dem Verdauungstrakt des Hundes endgültig die Kontrolle über seinen Weg nach unten und fiel kopfüber in das feste, und angesichts der Hundegröße erstaunlich mengenreiche Begleitprodukt. Die Konsistenz kann nur als tückisch beschrieben werden, da sie in dieser Frische einen Gleitfaktor wie Öl besitzt. Die Fahrt des San Franciscaner gewann an Geschwindigkeit und endete erst nach mehreren bei rot überrollten Kreuzungen. Es kann von Glück gesprochen werden, dass den querenden Verkehrsteilnehmern nichts passiert war, der Kullerer wurde aber von einem sehr rasch herbeigerufenen Police Officer mit Strafzetteln eingedeckt. Der Kullerer wiederum klagte den Hund wegen Verunreinigung von öffentlichem Eigentum und bekam in zweiter Instanz Schadenersatz in der Höhe von 50 Millionen US Dollar zugesprochen. Der Hund ging Pleite, sein Herrchen ließ sich von ihm scheiden.

Nach diesem tragischen Zwischenfall lauerten viele San Franciscaner täglich auf ihre Gelegenheit. Sobald sich ein Hündlein in die Öffentlichkeit wagte, strömten sie wie die Geier aus allen Ecken der Umgebung, und setzten ihm nach. Es spielten sich dabei allerorts ausgesprochen peinliche Szenen ab. Sobald der belauerte Vierbeiner Anstalten machte, ein Beinchen zu heben oder sein Hinterteil zu senken, stürzten sich die Möchtegernkläger mit Verve unter den Hund, in freudiger Erwartung des »Golden Shit«. Man kann sich den nervlichen Zustand der solcherart belästigten Hunde vorstellen. Hundesuizide und die Verweigerung zur Fortpflanzung nahmen überhand, die Zahl der vierbeinigen Freunde dramatisch ab und die sinkenden Erlöse bei der Hundesteuer führten San Francisco an den Rande des Bankrottes.

Seit es aber das neue Gesetz gegen Stalking gibt, das dem Nachstellen von Personen einen Riegel vorschieben soll, und eigentlich für die von Paparazzi verfolgte Filmprominenz in Hollywood geschaffen wurde, ist ein hörbares Aufatmen durch die Welt der Hundebesitzer, quer durch sämtliche Hunderassen und die Stadtverwaltung gegangen. Noch traut man der Ruhe nicht ganz, aber die Keckheit der Geier hat spürbar nachgelassen.

Die Scheißkläger müssen sich nun auf die Suche nach neuen Scheißgesetzen machen.

__________________
Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor für Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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dennis petsch
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da fällt mir nur hans söllner ein:

"...des is 'der sakrament warum steig a grad I aweil in Hundsdreck eini blues'..."

( yippie... mein erstes zitat auf der leselupe... wo is der schampus? wo sind die weiber? )

gruß,
-dennis-

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