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Leselupe.de > Kurzprosa
Wie peinlich
Eingestellt am 17. 12. 2004 12:50


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dasZottel
???
Registriert: Nov 2004

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Wie peinlich

Ich trete ein und denke mir: Wie peinlich! Der erste im Klassenraum zu sein findet jeder ÔÇ×uncoolÔÇť. Obwohl es eigentlich nicht meiner Gew├Âhnung entspricht solchen Klischees Vorlauf zu verschaffen, traf mich in diesem Moment doch der Gedanke.
Vorsichtig, als bef├╝rchtete ich gesehen zu werden, huschte ich durch den noch dunklen Raum bis zu meinem Platz in der zweiten reihe, ganz au├čen am Fenster. Die Jacke h├Ąngte ich, wie jeder, ├╝ber den Stuhl und die Mappe fand ihren Platz, wie immer, unterm Tisch nahe der Heizung. Einen kurzen Augenblick ├╝berlegte ich, das Licht einzuschalten, entschied mich dann doch dagegen und blieb wortlos im Dunkeln sitzen.
Allein sein, nachdenken, vielleicht auch nicht, schweigen d├╝rfen: Das wollte ich jetzt! Hoffentlich besitzt mein Gl├╝ck die G├╝te mir noch einige Minuten der Ruhe zu lassen, w├╝nschte ich innerlich.
Ich sa├č ganz ruhig da, die H├Ąnde in den Scho├č gefaltet, mit einer Mimik voll von Fragen und ├ťberlegungen. Die Fenster atmeten wohltuende K├Ąlte um mein erhitztes Gem├╝t. Die Stille bet├Ąubte fast das Stechen in meinem Kopf, das pflegte sich einzustellen, wenn kein Ausweg sich bot, auch nicht teilweise in Sicht ist. Ruhig denkt sichÔÇÖs besser.
├ťberschl├Ąge und Abz├╝ge rotierten und lie├čen mir keinen gr├╝nen Zweig, kein rettendes Ufer. Warum musste jeder Schritt, jeder Handschlag, ja jeder Atemzug vorher kalkuliert und unter Beachtung finanzieller Aspekte berechnet werden in unserer Welt. Man w├╝nscht sich oft eine andere.
Mittlerweile war es so still, dass meine Atemz├╝ge, die Luft wie auf Schienen fahrend zerschnitten und hinter sich wieder zusammenf├╝gten.
Unbarmherzig wurde das grelle Licht angeschalten. Es blendete mich kurz. Ich erwartete eine Flut von satirischen Anmerkungen und kleinen Kicheranf├Ąllen hinter vorgehaltenen H├Ąnden. (Man war eben einfach nicht zuerst im Unterrichtsraum.)
Stattdessen sah ich eine kleine rundliche vollkommen verwirrte Frau in der T├╝r├Âffnung stehen. Meine Mathelehrerin fragte nur, weshalb ich hier im Dustern sitze, und ohne auf meine Antwort zu warten meinte sie, wir w├╝rden jetzt ein Stockwerk h├Âher unterrichtet.
Die Stunde hatte schon seit 10 Minuten begonnen, also griff ich mir schnell Jacke und Rucksack und folgte ihr rasch.
Im richtigen Raum angekommen, sah ich mich einer Welle von grinsenden Gesichtern gegen├╝ber. Der einzige freie Tisch war in der ersten Reihe, zum Gl├╝ck. Immer wieder flogen Wortfetzen zu mir her├╝ber: ÔÇ×Typisch!ÔÇť, ÔÇ×Wie immer!ÔÇť, ÔÇ×Peinlich!ÔÇť.

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Wer sagt, er lese Gedichte, um sich daran zu erfreuen, l├╝gt. Wer sagt, er lese Gedichte, ohne sich daran zu erfreuen, l├╝gt ebenfalls.

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