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Leselupe.de > Humor und Satire
Wie pflege ich meinen Kontrabass?
Eingestellt am 16. 11. 2003 10:15


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pleistoneun
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Registriert: Apr 2002

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Neulich kaufte ich mir einen Kontrabass. Einen Scolari Typ I. Der ist in der Pflege sehr aufwändig und deshalb gebe ich die besten Tipps an alle anderen Kontrabassneulinge weiter.

Beginnend von unten nach oben, gehe ich wie folgt vor:

1) Ich entferne die Parkettschoner Marke Stachelpuffer 35 hoch 17 Strich 2 und den Stachelanker Terzett 04. Diese lege ich in frische Igelmilch ein. Die Igelmilch ist der Urin eines oder mehrerer Hundsigel und ist bitte nicht mit der Muttermilch des Tieres zu verwechseln. Diese w√ľrde die empfindlichsten Teile meines Instrumentes sofort zersetzen. Ich empfehle ein Doppelsicherung durch Stachelpuffer und Stachelanker nur bei sehr widerspenstigen Instrumenten. Bei handzahmen ist auch ein gew√∂hnlicher T√ľrstopper von Nutzen.

2) Ich gebe dem Saitenhalter - bei mir ist er freiberuflich t√§tig - zweimal t√§glich frisches Hundefutter. Er hat weitaus die gr√∂√üten Anstrengungen zu vollbringen, vor allem, wenn es ein F√ľnfsaiter aus Metall ist, wie meiner. Dankbar wird er seinen Napf leer schlecken, wenn ihr etwas Zitronenblatt beimengt.

3) Den Untersattel, auch Steg genannt, benetze ich f√ľr drei auseinanderfolgende N√§chte abwechselnd mit nassen Fasern einer Pferdedecke und dann mit frischem Seetang. Das h√§lt diesen geschmeidig und l√§sst ihn die Saiten ideal f√ľhren.

4) Die F-L√∂cher (Abk√ľrzung f√ľr Feuerloch) brenne ich regelm√§√üig mit einem beliebigen Schwei√übrenner nach, da diese sonst zuwachsen. Um dabei die Form der L√∂cher zu wahren, was ja erheblich auf den Klang Einfluss nimmt, sollte man die nicht zu behandelnden Teile des Klangk√∂rpers mit Tesafilm abkleben. Flammen k√∂nnen nur allzu schnell auf das empfindliche Holz tropfen. Nach der Flammenbehandlung ist der gesamte Korpus in Meerwasser zu tauchen und hernach mit einem Haartrockner und einem P√ľrierstab wieder in Form zu bringen.

5) Den Klangkörper, oder Hohlraum - ist nicht ein Arztwartezimmer auch ein Holraum? Und sind nicht vor allem in einem Zahnarztwartezimmer potentiell minderwertige Hohlräume in höher wertigen gefangen? Wie dem auch sei - pflege ich, indem ich innerhalb der F-Löcher Befeuchter anbringe. Ich bevorzuge Teile mit 30 Watt und 2,7 PS, doch auch der Hubraum ist nicht unerheblich. Wichtig ist, dass das Hygrometer im Rauminneren 92,4% relative Luftfeuchte nach der Einsteinskalierung anzeigt.

6) Die Decke bohnere ich mit gew√∂hnlichem Kern√∂l an einem Spiegel aus Bellacura Polliertuch und etwas Luthier Profi Pollierfl√ľssigkeit.

7) Den Dämpfer habe ich nicht mehr eingebaut. Er verhindert die Höchstgeschwindigkeit und missbildet den Schall. Wer sich nicht traut, den Dämpfer, der laut StVO vorgeschrieben ist, auszubauen, sollte diesen wenigstens mehrmals mit einem 12 mm Bohrer aufbohren.

8) Das Griffbrett schnitze ich in Wochenabst√§nden aus alten Autoreifen selbst, da dieses zu pflegeintensiv ist. Wer m√∂chte das Ding schon st√§ndig mit lauwarmem Wasser absp√ľlen.

9) Die Saiten creme ich mit Kolophonium ein. Manche tun es auf den Bogen, v√∂lliger Bullshit. Das w√§re, als t√§te man das Benzin in den Tank, bevor man es dem Motor zuf√ľhrt. An die Wirkungsst√§tte geh√∂rt das Mittel, an die Wirkungsst√§tte! Zum Reinigen der verschmierten Saiten nehme ich nicht den empfohlenen Pirestro Saitenreiniger, weil der zu teuer ist. Schuhcreme tut es auch.

10) Der Wirbelkasten wird nur einmal im Jahr mit frischen M√§usewirbeln gef√ľllt. Es sollte keine Maus daran h√§ngen, da eine unsaubere Verarbeitung ein Quietschen und nicht das √ľbliche sch√∂nere Kontrbassknattern zur Folge h√§tte.

11) Die gebrauchten Wirbel aus dem Wirbelkasten k√∂nnen f√ľr drei weitere Monate noch als Wirbeln au√üen angebracht werden, um den Kasten zu stimmen. Hier liegt es im Auge des Betrachters, wo er die Knochen anbringt. Sch√∂n muss es halt aussehen und ein leicht raschelndes Ger√§usch tut dem Klang des gesamten Instrumentes nur gut.

12) Jetzt zum Herzst√ľck unseres Instruments, der Schnecke. Hier sind einige Wirbellose aber umso heimt√ľckischere Kriechtiere zu stellen, aber lebend zu fangen. Adressen von Gro√üwildj√§gern in der n√§heren Umgebung erhalten Sie unter der Adresse gernotschi@gmx.at. Die Bestien sind auf dem losen Sitz einer gew√∂hnlichen Schaukel zu befestigen und die Schaukel wird so in Schwung gebracht, dass sich der Sitz nach drei Umdrehungen genau l√∂st. Hier ist entscheidend, dass die Tiere vor dem Holzst√ľck aufschlagen, da sie nur so das n√∂tige Sekret zur Pflege absondern. Wichtig ist auch die Fallh√∂he. Der Panzer der Ungeheuer muss zerbersten, aber der Inhalt selbst darf nur benommen sein. Nageln sie bitte die freigelegten Teile auf ein St√ľck Holz und cremen sie mit langen gleichm√§√üigen Strichen die Schnecke ein.

13) Am Bogen knalle ich den Wolftöter fest und fessle meinen Paganino Quinto eisern an meiner Hand fest. Dann knalle ich die Waffe 30 mal ins Aquarium. 50 mal, wenn das Fischbecken unter 2 mal 2 Meter mißt.

So liebe Hobbymusikanten, wenn ihr diese Pflegetipps beherzigt, steht einem wundervollen Klangerlebnis nichts mehr im Wege. Viel Erfolg und √ľbt sch√∂n.
__________________
http://www.1yl.at/pleistoneun

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Edgar G√ľttge
Guest
Registriert: Not Yet

wann spielst du eigentlich?

Hallo Pleistoneun,

auf so eine Pflegeanleitung habe ich schon lange gewartet! Toll! Obwohl sich der Tiersch√ľtzer in mir mit Grausen abwendet.
Aber sei jetzt mal ehrlich! Spielst du √ľberhaupt auf dem Bass?

Gruß von Bassist zu Bassist
Edgar

PS. Das Wortspiel mit dem Holraum ist gut!

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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prust,

kicher, lach! wieder einmal eine k√∂stliche lekt√ľre.
gelten diese pflegeanweisungen auch f√ľrs cello?
ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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