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Leselupe.de > Ungereimtes
Wiener Dialekt-Gedicht (mit Übersetzung)
Eingestellt am 28. 04. 2002 23:57


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Dorian
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Registriert: Apr 2002

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Aufgwocht bin i scho amoi.
Jetzt muaß i nua mehr aus da Hapfn kreun.
Owa i glaub, i bin zfäu.
Brunzn muaß i aa.
Wird ma nix onders üwableim,
wia aufsteh.

Aufgstondn bin i scho amoi
Jetzzt muaß i mi nua mehr onziagn.
Des is gor net so aafoch.
Brunzn wor i aa.
Wird ma nix onders üwableim,
wia fruahstuckn.

I steh in da Kuchl.
Kaffee is guat owa aus.
Zum eischneidn gibts aa nix mehr
Gehri ins Kaffeehaus.

Am Weg warad i scho amoi.
Jetzt muaß i nua mehr hifindn.
Gottseidonk, kenn i in Weg.
Knedl howi aa.
Wiad ma nix onders üwableim,
wira Fettn.

Sitzn tat i scho amoi.
Jetzt braucht nua mehr da Schani kumma.
Er hod mi glei wieder kennd.
De Hüsn bringtaraa.
Wiad ma nix onders üwableim,
wia mit eam redn.

Schani, mei Bua
Wia schau ma aus?
De Oide wida moi oweghaut?
Bring ma zwa Eier im Glos.

Aans zmittoch is
Um Fünfe gehri zum Wirtn
Um Zwöfe ins Beisl
Nocha... wer waaß?

Ich glaube, mein Korrekturprogramm hat sich grade erschossen. Es wollte nämlich auf italienisch korrigieren. Ausgetrickst!
Hier die Übersetzung:

Anmerkung: „Schani“ ist die Koseform von Johann, aber auch die landläufige Bezeichnung für typische Wiener Kaffeehauskellner.

Aufgewacht bin ich schon mal.
Jetzt muss ich nur noch aus dem Bett kriechen.
Aber ich glaube, ich bin zu faul.
Pissen muss ich auch.
Mir wird nichts anderes übrigbleiben,
als aufzustehen.

Aufgestanden bin ich schon mal.
Jetzt muss ich mich nur noch anziehen.
Das ist gar nicht so einfach.
Pissen war ich auch.
Mir wird nichts anderes übrigbleiben,
als zu frühstücken.

Ich stehe in der Küche.
Kaffee ist gut, aber aus.
Zu Futtern gibt es auch nichts mehr.
Geh ich halt ins Kaffeehaus.

Auf dem Weg wäre ich schon mal.
Jetzt muss ich nur noch hinfinden.
Gott sei Dank kenne ich den Weg.
Geld habe ich auch.
Mir wird nichts anderes übrigbleiben,
als ein Besäufnis.

Sitzen täte ich schon mal.
Jetzt muss nur noch der Kellner kommen.
Er hat mich gleich wiedererkannt.
Das Bier bringt er auch.
Mir wird nichts anderes übrigbleiben,
als mit ihm zu reden.

Johann, mein Junge,
wie geht es uns denn?
Deine Alte wieder mal betrogen?
Bring mir zwei Eier im Glas.

Es ist ein Uhr mittags.
Um Fünf werde ich ins Wirtshaus gehen.
Um Zwölf in die Kneipe.
Danach... wer weiß?

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unbekannt2581
???
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das sit ein "schönes" gedicht, aber nur im dialekt, find ich. die übersetzung leidet, aber als lesehilfe ist sie ok.
ist das der berühmte wiener schmäh ? ;-)

g

mike

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ibini
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Hallo Dorian,

es gibt Gedichte, die weit mehr durch ihren Vortrag als durch ihren Inhalt wirken. Ein typischer Vertreter dafür war Heinz Ehrhard. Genauso kann aber (nicht nur in der Musik) die Sprache entscheidend sein. Ernst Jandl ist dafür ein Beispiel. Deutlich wird dies auch in Deinem Gedicht. Manches, was im Wiener Dialekt amüsant und lebensnah, ja geradezu gemütlich wirkt, stellt sich in der Übersetzung etwas steif und nüchtern dar. Etwa der Hinweis auf das Besäufnis, weit mehr aber noch die letzte Strophe: Kneipe und Beisl, ein Unterschied wie zwischen einem harten Holzstuhl und einem bequemen Polstersessel. Etwas unnatürlich: einen Kellner mit „mein Junge“ anzureden. Insgesamt gesehen eine unterhaltsame, gelungene, gut zu lesende Darstellung, wobei sich allerdings die kaum zu kopierende Atmosphäre der Handlung nur in der Dialektfassung widerspiegelt. Vergleichsweise dazu ist die Übersetzung nicht mehr als ein Schalerl dünner Kaffee. Der Anspruch auf hehre Literatur dürfte von vornherein gar nicht gestellt sein. Und das ist auch gar nicht entscheidend.

Mit Gruß
ibini

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Bernd
Foren-Redakteur
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Hallo, Dorian,

mir gefällt das Gedicht auch gut.

Im Dialekt zu schreiben ist oft nicht einfach, weil man ihn mit den gebräuchlichen Buchstaben annähern muss.

Aber eigentlich ist es kein Dialekt, sondern eine Weltsprache.

Viele Grüße von Bernd
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

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Hallo Leute!

Vielen Dank für Lob und vor allem Kritik!
Wenn ich ganz ehrlich bin, muß ich zugeben, daß ich, als mich die Inspiration traf, eigentlich nur die ersten zwei Zeilen im Kopf hatte, nicht mal eine Handlung, oder so was. Der Rest ist sozusagen einfach aus der Feder geflossen und ich war mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden, deshalb hab ichs gepostet.
Ich bin schon dankbar, wenn mir überhaupt was einfällt, die letzten vier Jahre war so ziemlich tote Hose. Darum gefällt mir die Leselupe auch so gut, hier hole ich mir die eine oder andere Inspiration (siehe Schreibaufgabe).Ich habe in den letzten 36 Stunden mehr geschrieben, als in den 36 Monaten davor.

@ibini: Ja, gewisse Ausdrücke lassen sich nur sehr schwer übersetzen. Die Übersetzung dient eigentlich nur als Lesehilfe, für diejenigen, die mit dem Dialekt nicht vertraut sind.
Der Protagonist spricht den Kellner mit "mei Bua" an, weil er ihn schon lange kennt, praktisch noch aus Jugendtagen.

@Bernd: Dr. Kurt Ostbahn, alias Ostbahn-Kurti, alias Willi Resetarits hat mehrere Lieder und zwei Asterix-Bände (Da große Grobn, Da Woasoga) ins wienerische übersetzt und das sehr gut gemacht, bei ihm habe ich sozusagen "gelernt". Aber es ist trotzdem nicht leicht, vor allem fehlt das offene o, das es auf skandinavischen Tastaturen als a mit Ring drüber gibt, und das im Wiener Dialekt sehr wichtig ist.

LG

Dorian

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Bernd
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Registriert: Aug 2000

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Wienerisch wird Weltsprache

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(Es war kein Zufall.)

PS:
Im Experimentelles Forum habe ich versucht, ein Gedicht von Lewis Carroll ins Oberfränkische zu übersetzen, soweit ich das noch beherrsche.
__________________
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