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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Wildbeutergesänge
Eingestellt am 27. 02. 2017 00:57


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Tula
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I. Erwachen

Wald leben … Kraft wohnen … Wild
Wild sterben … Kraft fließen … Jäger
Jäger sterben … Kraft fließen … Schatten
Schatten rufen … Traum finden … Väter

Väter rufen … Kraft böse … Wald
Wald schlafen … Kind sterben … Schlange
Schlange fauchen … Jäger werfen … Feuer
Feuer wärmen … Kraft fließen … wir


II. Ahnen

wenn Jäger folgt Wild, Väter mit Wind sprechen
wenn Löwe folgt Jäger, Väter mit Gras flüstern
wenn Jäger folgt Väter, Mond bewacht Schatten
wenn Nacht hinter Feuer

als Jäger ohne Väter, Wild mit Wind eilte,
als Wald schluckte Mond, Schatten folgten Jäger,
als Himmel brach und Erde ester Tag
als Nacht ohne Feuer


III. Ehre

Männer die des Stammes Jäger tanzt
lehret eure Hände die dem Speere
wenn sie opfern Wesen die der Erde
ehret ihren Schöpfer der euch nähre

Jäger die des Stammes Krieger tanzt
wehret bösem Zauber der des Feindes
wenn er Regen raubt und Vieh das eures
mehret ihre Schädel euch als Ehre


IV. Macht

Ihr Völker der Ebene, huldigt den Mächten
der ewigen Erde, den Himmel zu stützen,
für Regen als Segen, in Tagen und Nächten,
wenn Urasch und An ihre Kinder beschützen.

Ihr Völker der Ebene, bringt das Getreide
in unseren Tempel, den Göttern als Gabe.
An Zorn oder Gunst sich das Schicksal entscheide
im Kreis, der uns eint, von Geburt bis zum Grabe.


Version vom 27. 02. 2017 00:57
Version vom 27. 02. 2017 01:41

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Tula
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Die Idee zu diesem 'Experiment' kam mir bei einer interessanten Lektüre zum Thema der Entwicklung von Sprache, Kognition und religiösem Denken in der Steinzeit (der Wildbeutergesellschaft, auch: Jäger und Sammler), die zum Erscheinen erster sozial-differenzierter Hochkulturen vor etwa 10.000 Jahren führte. Die Quelle findet man leicht im Internet:

Lars Hennings: Den Himmel stützen! Vom Erleuchten des Geistes im Jung-Paläolithikum, Annäherung an eine Soziologie der Steinzeit

Ich wollte versuchen, einige wesentliche Züge dieser Entwicklung festzuhalten und dabei trotz der 'niederen Stufen' kognitiven Denkens 'etwas lyrisches' entstehen lassen. Im Detail:

I. Erwachen
Primitive Sprache. Erstes Verständnis der Natur als eine alles durchdringende Kraft. Der Mensch versteht alle Dinge so wie er sie wahrnimmt, auch der Traum wird als 'real' gesehen.
Der 'schlafende Wald' wird im Buch im konkreten Fall eines zeitgenössischen Naturvolkes zitiert. Schläft der Wald, kommt Tod über Mensch und Tier. Die 'Schuld' der Schlange und ihr irrationales Opfer entspricht ebenfalls solch einem primitiven Denken.

II. Ahnen
Primitiver Animismus und Ahnenkult (auch als Form erster Institutionalisierung, die Scheu vor allem Neuen).
Bereits entwickelte Sprache. Der Mensch 'erzählt'. - Erste Mythen über einen Ursprung. Der Mond als statisches Element in der Natur, der daher wie andere Gestirne als übermächtig angesehen wird.
Der Löwe ist kein afrikanscher, sondern der Höhlenlöwe, den es auch in Europa gab.

III. Ehre
Grammatikalisch noch komplizierte Ursprache. Kult, noch immer mit irrationalen Vorstellungen (der Feind raubt den Regen).
Erste soziale Strukturen und Rollen (Jäger vs. Krieger), die Ehre tritt als wichtiges Element sozialer Bindung und Bedeutung in den Vordergrund. Der Mensch wird allmählich sesshaft, Raub von Vieh zwischen benachbarten Stämmen und kriegerische Fehden.
Erscheinen eines göttlichen Wesens (z.B. Muttergott der Erde), welches über den animistischen Geistern steht.

IV. Macht
Religiöse Macht – erste Tempel und ihre Priester in der frühen Hochkultur. Das Buch zitiert als erstes bekanntes Beispiel Göbekli Tepe in der heutigen Türkei; wahrscheinlich liegt dieser Ort schon rein geografisch im Zentrum einer ersten Weizenanbaukultur in der Region.
Man vermutet zentrale Gottheiten für Himmel und Erde. Da wir ihre Namen nicht kennen, habe ich Urasch und An angeführt, obwohl sie erst tausende Jahre später im sumerischen Schöpfungsmythos erscheinen. Es könnte sich in Göbekli Tepe ja dennoch um ihre Vorläufer gehandelt haben.

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