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Leselupe.de > Gereimtes
Willkommen - du Winter
Eingestellt am 22. 12. 2003 14:38


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Mara Krovecs
Routinierter Autor
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Willkommen - du Winter


In kalten Wäldern raunt ein Traum
aus jedem Stein - aus jedem Blatt
der Herbst schläft im Dezembersaum
ist sommersonnenlaubgoldsatt

die Weißprinzesschen können kommen

denn Moose sch√ľtteln Kissen auf
und kalte Luft zwickt in die Ohren
ein Käuzchen sucht des Baches Lauf
des Murmeln lange zugefroren

träumt hoffend lauschend in die Nacht

Eichh√∂rnchen knacken Silbern√ľsse
in Krippen gl√§nzt gefror¬īnes Heu
der Boden ist durch Eismilchg√ľsse
so sterneknirschend wintertreu

das Regenwolkenlied - zerronnen

ein letzter Ruf klirrt durch die Weiten
und Seufzen eilt durch Tannengr√ľn
leis öffnen sich Schneeflockenzeiten
die tanzend in die Wälder zieh`n


mit seidig wei√üen K√ľssen sacht
hat still der Bau zum Winterschloss begonnen.

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ThomasW
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2002

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Bei vielen Gedichten ist der Anfang besser als das Ende – hier geht es mir umgekehrt.

ein letzter Ruf klirrt durch die Weiten
und Seufzen eilt durch Tannengr√ľn
leis öffnen sich Schneeflockenzeiten
die tanzend in die Wälder zieh`n


mit seidig wei√üen K√ľssen sacht
hat still der Bau zum Winterschloss begonnen.

Kann ich emotional folgen, ein sch√∂nes Bild mit Eichendorff-Ankl√§ngen. Statt Schneeflockenzeiten h√§tte ich eine Schneeflockenreigen er√∂ffnet, was sich aber etwas unsauber auf ‚Weiten‘ reimt.
Aber wie gesagt Рes schwingt so schön aus und die Endzeilen reimen sich kunstvoll auf die Zwischenzeilen oben.

Gut das ich bis zum Ende las, denn die erste Strophe verschreckte mich doch arg:

Durch kalte Wälder raunt und summt
ein jeder Stein - ein jedes Blatt
der Herbst schläft tief - ist traumverstummt
ist sommersonnenlaubgoldsatt

die Weißprinzesschen können kommen

Raunende Steine, ja, aber summend? Und dann noch verstummt? Das Monsterwort vom laubgold klingt unnat√ľrlich in einem Natugedicht, und die goldenen Bl√§tter schenkt uns doch der Herbst und nicht die Sommersonne? Und Wei√üprinzesschen f√ľhrt mich in einen Kinderlyrik-M√§rchenton, hart an Kitsch vorbei, doch in der n√§chsten Strophe bin ich wieder bei realistischen Naturbildern:

die Moose sch√ľtteln Kissen auf
denn kalte Luft zwickt in die Ohren
ein Käuzchen folgt des Baches Lauf
sein Murmeln ist längst zugefroren


warum kalte Luft die Moose antreibt, ihre Kissen aufzusch√ľttlen, liegt jenseits meiner biologischen Bildung, vielleicht ist das ‚denn‘ ja auch eher ein Missgriff. ‚sein Murmeln‘ bezieht man zuerst auf das K√§uzchen und nicht ‚des Baches‘. Aber BiIder kommen schon, aber zu anderen Worten, etwa solchen:

Moosweiblein sch√ľtteln Kissen auf
Ein Käuzchen spitzt die Federohren
Als sucht es eines Baches Lauf
Des Murmeln lange zugefroren.

>>
träumt hoffend lauschend in die Nacht

Eichh√∂rnchen sammeln letzte N√ľsse
in Futterkrippen duftet Heu
der Boden ist durch Eismilchg√ľsse
so sterneknirschend wintertreu

das Regenwolkenlied - zerronnen

‚lauschend‘ klingt so wie ein F√ľllwort, weil der Rhythmus einen Zweisilber braucht und sonst nix besseres einfiel. Den Rest w√ľrde ich weglassen, die Bilder passen nicht zur leicht magischen Waldatmosph√§re. Einfach nur ein Einzeiler aus Regenwolkenlied und Nacht, und die beiden Einzeiler zwischen den Strophen reimen sich dann in der zweizeiligen Endstrophe.
Willkommen, Du Meckerer, wirst Du jetzt sagen, und verjagst mich mit Schneebällen .. *lach
Gr√ľ√üe
Thomas

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Mara Krovecs
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Hallo Thomas,


herzlichen Dank f√ľr diesen Kommentar, Du warst ja richtig flei√üig und was ich so auf den ersten Blick erkennen konnte
sind einige interessante Anmerkungen f√ľr mich dabei.
Weißt Du, ich bin gerade beim Plätzchen backen und kann
i.M. nicht wirklich darauf eingehen, aber später sicher

Hier, erst einmal ein Pl√§tzchen f√ľr Dich, die Schneeb√§lle fliegen vielleicht sp√§ter *lachzur√ľck*

Mara.

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Anarwyn
Guest
Registriert: Not Yet

*

Liebe Mara,

zauberhaft wunderschön ...
und meine W√ľnsche rannten
unter neugemachten Wolken,
gl√ľcklich - wie mein Herz lang ist
lausche dem Bach, und was er spricht,
und summe mit den Schneeflöckchen
himmelblaue Winterlieder.

Willkommen Winter

Liebe und besinnliche Gr√ľsse, Reni

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Mara Krovecs
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Liebe Anarwyn,

f√ľr Deinen wundersch√∂nen Kommentar danke ich Dir herzlich

Ich hoffe Du hattest stimmungsvolle Tage und wenigstens ein bißchen Schnee.......

f√ľr das Neue Jahr w√ľnsche ich Dir alles alles Gute, viel Sonne und noch mehr Lachen........ Mara

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Mara Krovecs
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Hallo Thomas,

bin wieder zur√ľck vom Pl√§tzchenbacken und habe mich ein wenig umgesehen in Deinem Kommentar.



"Durch kalte Wälder raunt und summt
ein jeder Stein - ein jedes Blatt
der Herbst schläft tief - ist traumverstummt
ist sommersonnenlaubgoldsatt"



Ja - das Wort "summt" finde ich auch nicht sonderlich gl√ľcklich........

Hab schon versucht mit z.B.

In kalten Wäldern raunt ein Traum
in jedem Stein - in jedem Blatt
der Herbst schläft im Dezembersaum
ist sommersonnenlaubgoldsatt

Macht mich aber auch noch nicht ganz gl√ľcklich, wobei mir das Wort - "traumverstummt" - durchaus gef√§llt, der Herbst wei√ü, dass seine Zeit i.M. vorbei ist und ruht sich einfach aus, tr√§umtalso jetzt nicht.

So, und ich glaube hier liegt auch ein Hase im Pfeffer begraben: ich habe mich w√§hrend des Dichtens nicht eindeutig f√ľr eine Stilrichtung entschieden;
es ist kein richtiges Naturgedicht, aber auch kein durchgängiges Phantasiegedicht, irgendwie etwas dazwischen

"sommersonnenlaubgoldsatt" ist vielleicht ein Monsterwort
allerdings eines das mir gef√§llt und hat f√ľr mich nat√ľrlich eine Aufl√∂sung: in den herrlich leuchtenden Herbstbl√§ttern war f√ľr mich schon immer die Sonne des Sommers verborgen, ein Geschenk an den Herbst vielleicht

(Klar weiß ich, warum sich die Blätter im Herbst in Wirklichkeit verfärben, hab im Bio-Unterricht damals aufgepaßt )

"die Moose sch√ľtteln Kissen auf
denn kalte Luft zwickt in die Ohren
ein Käuzchen folgt des Baches Lauf
sein Murmeln ist längst zugefroren"



"Moosweiblein sch√ľtteln Kissen auf
Ein Käuzchen spitzt die Federohren
Als sucht es eines Baches Lauf
Des Murmeln lange zugefroren."


Hmmmmm............ eine wunderschöne Alternative.

Das Wort " Moosweiblein" habe ich allerdings schon einmal irgendwo gelesen; da es derartig pr√§gnant ist kann ich es unm√∂glich √ľbernehmen und auch √Ąhnliches (Moosgeister,Mooshexlein, Moostrolle u.w.) erinnerte mich einfach zu stark an diese wunderbare Wortsch√∂pfung

Das "denn" hatte f√ľr mich schon eine Bedeutung, die Kissen werden nur aufgesch√ľttelt, wenn die Luft so kalt ist, dass es schneien k√∂nnte, sollte ein Bett f√ľr die Schneeflocken werden *l√§chel* Hier entsteht f√ľr mich die Frage: Wieviel Phantasie kann man dem Leser zumuten?

Was mir hierzu noch einfiel ist vielleicht eindeutiger und war folgendes:
..........

die Weißprinzesschen können kommen

( meine Wei√üprinzesschen; Kitschig? ach nein, die m√ľssen unbedingt bleiben )

denn Moose sch√ľtteln Kissen auf
und kalte Luft zwickt in die Ohren
ein Käuzchen sucht des Baches Lauf
des Murmeln lange zugefroren

( an dieser Stelle w√ľrde ich Deinen Vorschlag gerne √ľbernehmen wenn Du es erlaubst )

( in der Biologie sch√ľtteln Moose √ľbrigens eigentlich grunds√§tzlich niemals nicht Kissen auf weder mit, noch ohne kalte Luft.)


"träumt hoffend lauschend in die Nacht"

"lauschend" ist kein F√ľllwort, der Bach lauscht ebenfalls, ob die Schneeflocken nicht endlich kommen wollen.

Eichh√∂rnchen sammeln letzte N√ľsse
in Futterkrippen duftet Heu
der Boden ist durch Eismilchg√ľsse
so sterneknirschend wintertreu



verzichten möchte ich im Augenblick nicht auf diese Strophe
(vielleicht bin ich auch noch zu nah dran an diesem Gedicht)
hab sie ein wenig bearbeitet


Willkommen - du Winter

In kalten Wäldern raunt ein Traum
in jedem Stein - in jedem Blatt
der Herbst schläft im Dezembersaum
ist sommersonnenlaubgoldsatt

die Weißprinzesschen können kommen

denn Moose sch√ľtteln Kissen auf
und kalte Luft zwickt in die Ohren
ein Käuzchen sucht des Baches Lauf
des Murmeln lange zugefroren


träumt hoffend lauschend in die Nacht

Eichh√∂rnchen knacken Silbern√ľsse
in Krippen gl√§nzt gefror¬īnes Heu
der Boden ist durch Eismilchg√ľsse
so sterneknirschend wintertreu

das Regenwolkenlied - zerronnen

ein letzter Ruf klirrt durch die Weiten
und Seufzen eilt durch Tannengr√ľn
leis öffnen sich Schneeflockenzeiten
die tanzend in die Wälder zieh`n


mit seidig wei√üen K√ľssen sacht
hat still der Bau zum Winterschloss begonnen.


So, das ist nun erst einmal dabei herausgekommen.
Noch einmal: Herzlichen Dank f√ľr Deine Anregungen, hat mir Freude gemacht mich noch einmal auseinander zu setzen.
Wie ich inzwischen aus Erfahrung weiß: in einem Jahr sehe ich dieses Gedicht wieder völlig anders und dann erfolgt
möglicherweise eine Endkorrektur.

Wenn Du magst, kannst Du gerne nocheinmal etwas dazu sagen.

Ganz liebe Gr√ľ√üe aus dem Norden Mara









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