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Leselupe.de > Kurzprosa
Windsbraut
Eingestellt am 21. 07. 2006 10:44


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Gerard
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2005

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Windsbraut



√Ėffne Dein Herz, und la√ü ihn in Deinen Verstand eindringen. Mache ihm den Weg zu Deiner Seele frei. Gib ihm die M√∂glichkeit Dich das Leben zu lehren, Dein Temperament zu entfachen, Deine Tr√§ume offenzulegen, Deine geheimsten W√ľnsche wahr werden zu lassen.
Glaub mir, er kann all diese Dinge. Er kann Dir einen Weg aufzeigen, der Dein Leben zum Abenteuer werden l√§√üt, kann der H√ľter Deiner Phantasie sein, kann der Sturm Deiner Gef√ľhle werden.
Gib ihm eine Chance, Du weißt ja nicht was Du sonst verpaßt.
Gehe hinaus wenn er am heftigsten, gib Dich seiner unwiderstehlichen Macht preis, laß ihn durch Dein Haar fahren, damit spielen, es verwirren, daran ziehen und zerren, es sanft auf Deine Schulter gleiten.
Biete ihm die Stirn, stemme Dich gegen seine Kraft, zeige ihm das Du ebenso stark bist wie er. Raufe mit ihm um jeden Meter den Du vorwärts kommen willst, gib niemals nach, sonst wirft er Dich um.
Spiele mit ihm, la√ü ihn an Deiner Kleidung zupfen, drehe Dich um die eigene Achse und sp√ľre ihn aus jeder Richtung auf Dich eindringen. Blicke in sein Antlitz. La√ü Dir die Haare aus dem Gesicht wehen und sieh ihm dabei direkt in sein manchmal w√ľtendes Auge.
Sp√ľre seinen Humor und lache mit ihm. Werde aber nie leichtsinnig, denn er ist wechselhaft, kann vom sanften Freund und Liebhaber zu Deinem gr√∂√üten und gef√§hrlichsten Feind werden. Wenn er will kann er Dich verfolgen, es gibt keinen Ort wo er Dich nicht findet. Er weht durch die kleinste Spalte, rei√üt das beste Dach vom Haus, zieht in seinen Trichter was immer er will, wechselt die Richtung wie es ihm gef√§llt. Ist im einen Moment vor Dir, im n√§chsten in Deinem R√ľcken. Du kannst ihm nicht entkommen, also fordere seine Wut nicht heraus.
Werde sein Freund, lerne ihn kennen, versuche seine Launen zu verstehen und auf sie einzugehen. Wenn er allzu wild ist, gehe ihm aus dem Weg. Suche seine Nähe wenn er ruhig und zu einem Spielchen aufgelegt.
Er wird niemals auf Deine Launen eingehen, daf√ľr ist er zu eigenst√§ndig. Du kannst Dich ihm nur anpassen und ihn gerade f√ľr seine Selbst√§ndigkeit lieben.
Wenn Du dieses Gef√ľhl f√ľr ihn entwickelt hast, brauchst Du sein S√§useln und Brausen nicht mehr zu f√ľrchten. Dann gibt es nichts sch√∂neres als beim st√§rksten Sturm hinauszugehen, einen Spaziergang zu machen und ihm nahe zu sein. Das Knacken der √Ąste, das Rauschen in den Baumwipfeln, das Sausen durch hohle Gassen, all das geht Dir in Fleisch und Blut √ľber. Du sehnst Dich nach diesen Ger√§uschen, die Andere so oft √§ngstigen. Du willst ihn sp√ľren, wenn die Anderen sich in ihren H√§usern verkriechen. Du w√ľnscht Dir da√ü er immer st√§rker wehen soll, wenn die Anderen nur noch ihre Ruhe wollen. Du bist eins mit ihm, und doch ein Individualist.
Eine Windsbraut.

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nachtlichter
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Gerard,

dieser Text ist schön, sein frischer Wind wirkt belebend. Mir gefällt, wie Du den Wind mit allen seinen Auswirkungen beschreibst.

Folgendes erscheint mir jedoch widerspr√ľchlich:

quote:
Er wird niemals auf Deine Launen eingehen, daf√ľr ist er zu eigenst√§ndig. Du kannst Dich ihm nur anpassen und ihn gerade f√ľr seine Selbst√§ndigkeit lieben.

Und später schreibst Du:

quote:
Du w√ľnscht Dir da√ü er immer st√§rker wehen soll, wenn die Anderen nur noch ihre Ruhe wollen. Du bist eins mit ihm, und doch ein Individualist.

Anpassung und Individualismus gleichzeitig? Wie meinst Du das?

Bis auf die Anpassung habe ich große Lust, es der Windsbraut gleichzutun, mich vom Wind tragen zu lassen und mir von ihm frische Impulse in den Kopf wehen zu lassen.

Gr√ľ√üe von nachtlichter

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Gerard
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2005

Werke: 5
Kommentare: 8
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Hallo Nachtlichter

Hallo Nachtlichter,
freut mich das Dir der Text gefallen hat.
Den Widerspruch könnte man tatsächlich herauslesen, allerdings sehe ich es eher so:
Man kann sich dem Wind nur anpassen, sich mit ihm biegen und beugen, andererseits verstecken sich so viele Menschen in ihren sicheren Wohnungen sobald das Wetter ein wenig st√ľrmisch wird. Und gerade das tue ich nicht. Ich bin ein Sturmliebhaber. Je schlimmer es drau√üen zugeht, desto schneller verlasse ich meine vier W√§nde und gehe mit dem Wind. Nat√ľrlich mu√ü ich mich als ihm unterlegen betrachten, denn er ist eindeutig st√§rker als ich, aber trotzdem bin ich ein Individualist. Weil ich immerhin versuche es ihm ein wenig gleich zu tun.

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