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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Windspiele
Eingestellt am 08. 03. 2012 17:09


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Ma.Fia.
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2012

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WINDSPIELE

Es passierte an einem kĂŒhlen Dezembertag . Die Sonne schien, doch sie hatte keine Kraft den Teil der Erde warm werden zu lassen, in dem Ben und seine Freunde lebten.

GlĂŒcklicherweise war es nicht windig. Zumindest noch nicht. Durch den Wind in den letzten Tagen, hatte sich die Luft noch kĂ€lter angefĂŒhlt als sie ohnehin schon war.

Ben lag auf dem Boden. Er lag auf einem grĂŒnen Wiesenstreifen am Rande einer viel befahrenen Straße einer großen Stadt. Links von ihm befand sich ein mit Sandkorngroßen Steinchen angelegter Fußweg. Der Boden, auf dem Ben lag, war hart und kalt. Noch nicht durchgefroren, aber schon ungemĂŒtlich hart. Die oberste Erdschicht hatte den Kampf gegen die KĂ€lte schon verloren.

Ben hatte nicht gedacht, dass es ihm auch passieren wĂŒrde. Er war sich sicher, dass es ihm nicht passieren wĂŒrde. Auch wenn seine Freunde ihm gesagt haben, dass auch ihm das einmal zustĂ¶ĂŸt, so glaubte Ben immer er sei stark genug.
Nun war Ben fĂŒnfunddreißig und lag Regungslos auf dem Wiesenstreifen. Regungslos deshalb, weil er sich nicht bewegen konnte. Er hatte einfach keine Kraft dazu und alles tat ihm weh.
Die letzten Wochen zerrten sehr an ihm. Zum einen hatte er all seine Freunde verloren und zum anderen hat Ben gemerkt, dass er nicht mehr der Alte war. Seine KrÀfte schwanden, was man ihm auch deutlich ansah. Am Ende war nur noch Opa Scotty bei ihm.
Und selbst der hatte sich in den letzten Wochen verÀndert.
Sie nannten ihn alle Opa Scotty – Ben und seine Freunde und alle anderen auch. Opa Scotty hielt alle zusammen. Bis zuletzt.

Jetzt also dieser Sturz. Dieser Schmerz.
Ben lag noch immer auf derselben Stelle, wandte sich gen Himmel und ließ sein Leben noch mal an sich vorbeiziehen.
Er dachte an die schönen und manchmal weniger schönen Momente. Wobei die schönen die Oberhand behielten.

Die Dezembersonne kitzelte ihn und Ben seufzte leise vor sich hin.
„ Ich hĂ€tte den anderen glauben sollen. Mit eigenen Augen habe ich es gesehen. Ich dachte ich wĂ€re stĂ€rker. Tim war etwa so stark wie ich und ihm ist es auch passiert. Wenn ich nur frĂŒher daran geglaubt hĂ€tte
 dann hĂ€tte ich mich eher darauf vorbereiten können.“
Ben war am Boden. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch.

UnzÀhlige Autos fuhren an ihm vorbei. Einige der Menschen in den Autos schauten Ben an. So kurz im vorbeifahren. Doch geholfen haben sie Ben nicht. Er wusste auch, dass er von ihnen keine Hilfe zu erwarten hatte.
Sie dachten wahrscheinlich er sonne sich in der Dezembersonne, die ihn mittlerweile nicht mehr nur kitzelte, sondern zur HĂ€lfte bedeckte.
Doch auch das Ànderte nichts daran das es kalt war.

Ein paar Leute liefen den Fußweg entlang. Nach Ben geschaut hat niemand. Nur ein kleiner Hund, der von einem Ă€lteren Ehepaar ausgefĂŒhrt wurde, blieb stehen und schnĂŒffelte an Ben. Doch das Ehepaar zog den kleinen Hund sofort von Ben weg und lief weiter.
Ben dachte darĂŒber nach was Opa Scotty immer ĂŒber Hunde gesagt hatte. „ Mit einem Hund kommt man noch gut zurecht. Der macht dir keine Probleme. Aber sind es viele, dann hast du richtige Probleme. Wenn du ihnen keinen Riegel vorschiebst, pinkeln sie dich nur an“, hatte Opa Scotty in seiner unnachahmlichen Art gesagt.

Es war das erste Mal in BenÂŽ Leben, dass er einem Hund so nahe war. Angst hatte er aber keine. Er wusste das der Hund ihm nichts machen wĂŒrde.
Mehr Angst hatte er vor den Menschen die unachtsam waren. Auch da fiel Ben ein Ausspruch von Opa Scotty ein. „ Wenn ihr die Zeit habt, dann beobachtet die Menschen. HĂŒtet euch vor vielen, denn sie sind unachtsam. Sie pinkeln dich an. Es gibt nur wenige die dir wirklich helfen wollen“, hat Opa Scotty gesagt.

Ben dachte noch ein wenig an Opa Scotty und daran wie er zu seinem Spitznamen kam. Denn eigentlich hieß er ganz anders. Doch keiner, weder Ben noch seine Freunde noch jemand anderes, kannte seinen wahren Namen.
Es war an einem warmen FrĂŒhlingstag. Ben und die anderen waren noch sehr jung und verspielt. Da sahen sie auf dem Fußweg eine junge Familie laufen. Deren kleiner Sohn hatte einen noch kleineren Hund an der Leine. Ben und die anderen sahen dann aus einigen Metern Entfernung, wie der Hund ohne Umwege auf die Straße laufen wollte, die an dem Fußweg grenzte. Der kleine Junge schrie: „ Scotty, Scotty nein!!“ Der Junge zog einmal krĂ€ftig an der Leine und der Hund kam zurĂŒck. Ben und die anderen lachten als sie das sahen. Ihnen gefiel der Name des Hundes so gut, dass sie Opa von da an immer nur noch Opa Scotty nannten.
Opa Scotty war darĂŒber sehr amĂŒsiert und lachte als sie ihn das erste Mal so riefen. Ihm gefiel der Name auch sehr gut.

So, als ob Ben jemand anderem etwas erzĂ€hlen wĂŒrde, murmelte er in die Welt hinein: „ Das war schön als wir noch jung waren. Wie wir uns mit dem Wind hin und her bewegten und im Regen tanzten. Ich vermisse Tim, Lizzy, Gerrit und Linda sehr. Die anderen natĂŒrlich auch, aber die vier noch mehr. Wie viel Spaß wir in all der Zeit hatten. Bis spĂ€t in die Nacht haben wir uns unterhalten und unsere Spiele gespielt. Und natĂŒrlich vermisse ich auch Opa Scotty.“

Ben spĂŒrte wie die Sonne langsam wieder von ihm wegging. Sie hatte zwar keine Kraft, aber Ben fror jetzt noch mehr. Wolken zogen auf und es wurde windiger.

„ Opa Scotty hat immer zu uns gesagt das er uns nicht auf ewig zusammenhalten kann. Die anderen haben ihm geglaubt, nur ich nicht. Und jetzt liege ich hier und muss ihm Recht geben. Er hat uns, er hat mich nicht halten können. So musste auch ich diesen Sturz erleben“, dachte Ben.

Der Wind nahm immer mehr zu, war jedoch noch nicht so stark das er Ben Angst machte.
„ Ich habe schon ganz andere StĂŒrme miterlebt“, sagte Ben dem Wind. „ SommerstĂŒrme mit Gewitter und Regen. Viel Regen und sogar Hagel
“, rief er weiter.
Ben sagte das mit einem fast trotzigen Ausdruck. So als wolle er dem Wind aufzeigen wie schwach er blÀst.
Doch Ben wusste das etwas anders war. Seine Freunde waren nicht da. Opa Scotty war nicht da. Er war alleine.

Der Wind wurde stĂ€rker und stĂ€rker. Schließlich wurde der Wind so stark, dass er Ben davonfliegen ließ. Ben flog durch die Luft. Und er flog. Und flog.
Es war ein komisches GefĂŒhl. Der Wind wehte ihn weg. FĂŒr Ben war es ganz weit weg von dem Ort, an dem er eben noch gelegen hatte.
Als der Wind wieder etwas schwÀcher wurde, landete Ben erneut unsanft auf dem Boden.
Ihm war schwindelig und er wusste absolut nicht, wo er sich nun befand.Doch da, wo er jetzt war, fĂŒhlte er sich irgendwie besser. Er war nicht mehr alleine, denn um ihn herum lagen noch andere BlĂ€tter die von ihren BĂ€umen abgeworfen wurden.
Ben fand schnell neue Freunde, schließlich war er auch ein Blatt.
Und wer weiß, vielleicht blĂ€st der Wind ja irgendwann auch Tim, Lizzy, Gerrit und Linda hierher. Und die anderen. „ Aber die vier bitte zuerst“, sagte Ben lachend.
Nur eines machte ihn traurig: die Chance Opa Scotty wieder zu sehen war gering. Sehr gering.
„BĂ€ume können schließlich nicht fliegen“, dachte Ben so bei sich.
„Doch solange es mich gibt, werde ich an ihn denken. Und wer weiß, vielleicht treibt der Wind mich ja noch mal ganz nah an ihn heran“, sagte Ben eines Abends, als er sich mit den anderen BlĂ€ttern, die seine Freunde geworden waren, unterhielt.

ENDE




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