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Leselupe.de > Kurzprosa
Winter
Eingestellt am 03. 03. 2018 14:48


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moja
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2018

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SEEWINTER

Ich gehe durch helle Straßen, überquere verschneite Plätze, hinterlasse weiße Abdrücke. Schnee knirscht, mein Atem gefriert. Wolken wattieren den Himmel.

Vor mir der See unsichtbar verborgen, still und trügerisch, trägt eine Eishaut. Pulverschnee funkelt im Sonnenlicht, hinter mir der steinerne Körper der Stadt.

Am Ufer dies Bild: Leute füttern Möwen, Feuer lodert neben einer Tonne, die Luft vibriert, es riecht nach Bratwurst, Glühwein, schneidender Kälte. Sonne streicht warm wie ein Handschuh übers Gesicht. Spaziergänger auf dem See, Kinderwagen werden übers Eis geschoben, Schlittschuhläufer drehen Pirouetten, ein Mann schippt Eisstücke, ein anderer hackt mit der Axt ein Loch in gefrorene Wellen.

Ich vermisse den Klang des Wassers, sein Plätschern, Spritzen und Gurgeln, ich vermisse die sanfte Bewegung des Wogens. Leute kommen, spähen hinüber, gehen fort, kommen wieder, klettern über Absperrungen. Weite zwischen den Ufern. Was staut sich so erregend an über dem See? – „Ich gehe auf Wasser“, schreit einer.

Abends, die Nachrichten – ein Mann brach ein. Die Eishaut vernarbt an den Rändern. Der Mann ist nicht mehr; ist eine Erinnerung, unbeschreiblich.

Februarregen, grau der See, kein Mensch auf dem Eis, das Areal wie betoniert. Ă–dland, Risse, hellgrĂĽnes Wasser umspĂĽlt den Steg. Vogelgezwitscher, frischer Klang.

Tags darauf Tauwetter, die Oberfläche trägt nicht mehr, verbirgt nichts, löst sich auf in der lauen Luft. Der See erneuert sich aus der Tiefe. Sein Atem ist Klang.
__________________
mj

Version vom 03. 03. 2018 14:48
Version vom 03. 03. 2018 19:59

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Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

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Etma
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Hallo Monika

Ein herrlicher Text! Sehr poetisch! Erinnert an Max Frisch. Man muss höchst sensibel sein um all diese Beobachtungen zu erfassen, finde ich. Die neuste Version ist eindeutig die beste, die Absätze machen daraus fast ein Gedicht, das hätte es sein können: ein Gedicht, doch wegen der Länge eben vielleicht nicht (?) ... so passt es ja auch, poetische Prosa!

FĂĽr mich sticht hervor:

Der vorletzte Absatz

quote:
Februarregen, grau der See, kein Mensch auf dem Eis, das Areal wie betoniert. Ă–dland, Risse, hellgrĂĽnes Wasser umspĂĽlt den Steg. Vogelgezwitscher, frischer Klang.
So schön abgehackt und rein auf der deskriptiven Ebene bleibend, könnte aus Homo Faber sein.

und
quote:
Der See erneuert sich aus der Tiefe. Sein Atem ist Klang.
so lebendig! Da kommen gleich all die Biologie-Stunden hoch und mein W-Seminar in "aqatische Ă–kosysteme im Umfeld der Schule" - wo wir eineinhalb Jahre ĂĽber Seen und FlĂĽsse geredet haben.

auch der erste Absatz ist fabelhaft und als Einstieg ein garantierter Knaller.

Der Mann jedoch der im See verschwindet, verschwindet auch im Gedächtnis des Lesers, das ist vielleicht für die Spannung des Textes erwähnenswert, doch auch gleichzeitig etwas überflüssig, weil das Werk auch so schon strahlt - aber wieso nicht?

Etwas unklar und schwammig ist dieser Teil:
quote:
Weite zwischen den Ufern. Was staut sich so erregend an ĂĽber dem See?

Worauf zielst du hier? Das wäre evtl. streichbar. (?)

LG
Peter

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