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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Winter
Eingestellt am 20. 05. 2004 22:59


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abraakadabra
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Registriert: May 2004

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Ich starrte auf seine Hand. Er stand neben mir an das BalkongelĂ€nder gelehnt, den rechten Arm auf der BrĂŒstung. Sein Körper war mir zugewandt, nicht aber sein Gesicht. Er sah hinein in das Zimmer, zu der lĂ€rmenden Betriebsfeier, zu den anderen Menschen, die ich im Augenblick nicht einmal wahrnahm. Da war nur diese Hand, nur wenige Zentimeter von meinem Bauch entfernt. Das war alles, was uns trennte. Ein paar Zentimeter Luft und der Stoff meines Hemdes. Ich lehnte, wie er, an der BrĂŒstung, die rechte Hand lĂ€ssig in der Hosentasche. Mein Jackett stand offen und meine Brustwarzen waren in der kalten Luft steinhart geworden. Ich blieb bemĂŒht, den Brustkorb unauffĂ€llig vorzustrecken. Das war als Einladung gedacht, als Aufforderung. Obwohl er neben mir stand, schien er es nicht zu bemerken. Er starrte unverwandt zu den anderen - zu ihr.
Plötzlich fragte ich mich, wie lange wir schon schweigend nebeneinander standen. Mir wurde langsam kalt, und ich kam mir dumm vor. Ich zog meine Hand aus der Tasche, kreuzte die Arme vor der Brust und drehte mich von der Party weg. Durch meine Bewegung streiften seine Finger kurz meinen Körper. Ich wollte mich an die BrĂŒstung lehnen, aber seine Hand befand sich direkt vor mir. Also blieb ich stehend und starrte vom Balkon auf die weihnachtlich geschmĂŒckten Fenster auf der anderen Straßenseite.

Seine Hand war ganz unvermutet da. Ich hatte die kleine Bewegung nicht einmal bemerkt. Die HandflĂ€che schmiegte sich an meinen Bauch, direkt oberhalb des Hosenbundes. Selbst durch den Stoff hindurch fĂŒhlte sie sich kalt
an.
Er hatte seinen Blick noch immer nicht von der Feier abgewandt, und ich wagte nicht, ihn anzusehen. Ich fĂŒhlte, wie er einen Weg in mein Hemd hinein suchte. Er öffnete schließlich einen der Knöpfe und berĂŒhrte meine Haut. Erst als ich kurz und heftig einatmete, merkte ich, dass ich die Luft angehalten hatte.
Wir standen noch immer etwas voneinander entfernt. Vom Zimmer aus konnte man sehen, wenn er seine Hand bewegte. Ich trat daher behutsam nĂ€her an ihn heran. Sofort begann er, mehr von mir zu erkunden. Ein weiterer Hemdenknopf wurde geöffnet. Seine Hand umschloss meine Brust. Endlich spielten seine Finger mit meinen harten Brustwarzen. Und ich hatte gedacht, er hĂ€tte sie ignoriert. Ich konnte ein LĂ€cheln nicht unterdrĂŒcken.
Jeder erreichbare Millimeter meiner Haut wurde zĂ€rtlich gestreichelt. Ich vergaß die KĂ€lte, weil ich sie nicht mehr spĂŒrte. Vorsichtig versuchte er, seine Hand hinter meinen Hosenbund zu schieben. Ich zog den Bauch ein, doch auch damit eröffnete ich ihm nicht genug Bewegungsfreiheit. Er zog seine Hand zurĂŒck. Sofort fuhr der Wind unter mein Hemd und ließ mich schaudern. Er öffnete Haken und Knopf meiner Hose und zog den Reißverschluss ein kleines StĂŒck abwĂ€rts. Dann schlĂŒpfte seine Hand zurĂŒck in mein Hemd, um sich auf diesem Wege den Zugang zu meinem Penis zu verschaffen. Er wurde schon erwartet, und als sich seine Finger um meine Erektion schlossen, vermochte ich ein Stöhnen nicht zu unterdrĂŒcken.




Plötzlich wurde mir bewusst, dass er dabei war, mir vor den Augen der gesamten Belegschaft einen runter zu holen. Ich zuckte zurĂŒck und sah ihn an. Er bewegte den Kopf nicht, blickte weiter zu den anderen und flĂŒsterte: "Bleib!"
Zögernd trat ich wieder an ihn heran. Er lĂ€chelte leise und fing an, mich gleichmĂ€ĂŸig zu streicheln. Ich spĂŒrte, wie ich rot wurde. Nur ein paar Meter von mir entfernt stand meine gesamte Abteilung. Ich hatte keine Ahnung, wie er es schaffte, trotz der rhythmischen Handbewegungen scheinbar ganz ruhig und entspannt neben mir zu stehen.
Ich konzentrierte meinen Blick wieder auf die gegenĂŒberliegende HĂ€userfront.
„Hallo, ist bei euch alles in Ordnung?“
Ihre Stimme. Frau Steuer, die Vorzimmerdame meines Chefs. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er mit ihr verschwinden wĂŒrde.
„Ja sicher. Wir plaudern nur ein bisschen. Es ist ziemlich verraucht da drinnen.“
Wo nahm er nur diese Frechheit her? Ich wagte nicht einmal zu atmen, und er setzte keine einzige Bewegung aus. Ich hörte sie nÀher kommen.
„Ist euch nicht kalt hier draußen? Ihr macht euch wohl warme Gedanken?“
„Ja, so in der Art.“
Er grinste sie wirklich an.
„Ich hoffe, ihr kommt bald wieder rein. Man vermisst euch.“
Nun, ihn vermisste man bestimmt.
Ich hörte, wie sich die BalkontĂŒr wieder schloss.
„Nervös?“ fragte er mich leise.
„Ist das ein Spiel?“ entgegnete ich. Mir war plötzlich schlecht vor Angst. Wenn er seine Hand zurĂŒckzog, stand ich mit offener Hose da.
„Hör mal, wir sollten das lassen. Ich weiß, dass ich damit angefangen habe, aber das war vielleicht keine so gute Idee.“
Obwohl mein Verstand mit allen Mitteln um die Oberhand kĂ€mpfte, konnte ich deutlich fĂŒhlen, wie mein Körper sich seinen ZĂ€rtlichkeiten hingab. Das war verrĂŒckt. Ich war verrĂŒckt. Ich schloss die Augen und war bereit, mich fallen zu lassen.

Seine Hand war weg. Ich brauchte einen Moment, um diese Tatsache zu registrieren. Mit zitternden Fingern ordnete ich meine Kleider, hin und her gerissen zwischen Dankbarkeit, dass er es nicht beendet hatte, und Verzweiflung aus demselben Grund.
Ich atmete tief ein und versuchte, mich zu beruhigen. Er stand still neben mir.
„Die Brick hat mir gesagt, dass Du scharf auf mich bist. Sie hat's von eurer Frau Steuer. Die hat ihr erzĂ€hlt, dass Du immer ganz hingerissen bist, wenn Du mich in der Kantine siehst. Ich muss gestehen, mir ist das nie aufgefallen. Warum hast Du mich nie angesprochen?“
Er sah mich immer noch nicht an, und das machte mich wĂŒtend.
„Die GerĂŒchte ĂŒber dich besagen, dass Du der grĂ¶ĂŸte SchĂŒrzenjĂ€ger in der Firma bist und jeder Frau an die WĂ€sche willst. Du könntest fast jede haben. Warum sollte ich annehmen, dass Du ausgerechnet an mir interessiert sein könntest?“ Meine Stimme klang bei weitem nicht so schneidend, wie ich es erhofft hatte.
„Ich habe nicht deinen Mut, jedem zu sagen, dass ich schwul bin. Ich finde auch, dass es niemanden etwas angeht. Ich frage die Brick ja auch nicht, in welcher Stellung sie es mit ihrem Mann am liebsten treibt.“
Jetzt wurde ich wirklich wĂŒtend.
„Du bist also ein verklemmter Bastard, der es spannend findet, andere Menschen in kompromittierende Situationen zu bringen. Oder warum hĂ€ltst Du dich in aller Öffentlichkeit an meinem Schwanz fest?“
Ich war lauter geworden. Endlich sah er mich an.
„Es tut mir leid. Es war nur...ich weiß auch nicht. Als Du so vor mir standest...Scheiße!“
Ich drehte mich zu ihm. Er sah mir direkt in die Augen. Ganz offen.
Er gefiel mir wirklich. Bisher war er nur ein unerreichbarer Traum gewesen, aber jetzt stand er vor mir und wusste vielleicht nur nicht, wie es weitergehen sollte. Allerdings hatte ich keinen Bedarf an einem Kerl, der es vorzog, lieber Frauengeschichten angedichtet zu bekommen, als zuzugeben, dass er schwul sei. Ich versuchte, Zeit zu gewinnen und blickte auf den Boden zwischen uns.
Es gab keinen Grund, sich zu verstecken. Entweder wollte er es auch oder eben nicht. Über Konsequenzen innerhalb der Firma konnte man sich immer noch Gedanken machen.
Ich streckte vorsichtig meine rechte Hand aus und berĂŒhrte sein Jackett. Er reagierte nicht. Ich griff mit beiden HĂ€nden nach seinem Revers. Er stand bewegungslos da. Ich sah ihm wieder ins Gesicht. Noch immer dieser offene Blick. Ich zog ihn nĂ€her zu mir heran. Überrascht stellte ich fest, dass wir fast gleich groß waren, obwohl er mir stets grĂ¶ĂŸer vorgekommen war.
Ich zog ihn noch nĂ€her, bis sich unsere Körper berĂŒhrten. Jetzt waren wir uns beide der Menschen bewusst, die nur ein paar Schritte von uns entfernt feierten. Mir war es jetzt egal, wer uns sah. Ich beugte mich vor und kĂŒsste ihn auf den Mund.
Es gibt KĂŒsse, die vergisst man nicht.
Meine Arme waren schon lÀngst unter sein Jackett gerutscht und pressten ihn an mich, wÀhrend er sich an meiner Schulter und meinem Nacken festhielt, als unser Kuss endete. Wir lösten uns nicht voneinander. Wir wollten und konnten es gar nicht.
„Sieht einer her?“ fragte er schĂŒchtern.
Ich sah zur BalkontĂŒr. Mehrere Kollegen standen hinter der Scheibe und sahen uns zu. Alle lĂ€chelten. Frau Steuer hob ihr Sektglas und bedeutete uns reinzukommen.
Ich sah ihn fragend an, er lĂ€chelte ein wenig schief und zuckte mit den Schultern. Wir nahmen uns bei den HĂ€nden und gingen zurĂŒck zum Fest.

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Ralph Ronneberger
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Hallo Anonymus,

fast möchte ich mich entschuldigen, dass ich erst jetzt so richtig ĂŒber deine Geschichte gestolpert bin. Ich hatte sie vor einiger Zeit nur kurz angelesen. Schade nur, dass sich hier noch niemand weiter gemeldet hat.
Da ich eingeschworener Hetero bin, mag mir der Inhalt nicht gefallen. Aber dein flĂŒssiger Stil und die WĂ€rme, die (trotz kalter Balkonluft) in der Geschichte steckt, haben mich gern weiter lesen lassen.

Gruß Ralph
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lapismont
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Hallo A.,

ja tatsĂ€chlich eine sehr einfĂŒhlsam geschilderte Szene. Man wird neugierig.
In der KĂŒrze wird mir aber eine Menge nicht ganz klar. Wer ist eigentlich das ICH? Und wie steht er zu seinen Kollegen und Kolleginnen? Offensichtlich wussten ja alle anderen auch, daß der Chef schwul ist.
Durch den fehlenden Background zieht auch der kurze Streit nicht so, da man die Konflikte sehr kompakt aufgetischt bekommt, ohne das es eine Zuspitzung gab.

cu
lap
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Kunst passiert.

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abraakadabra
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Danke

Hallo Ralph,

danke fĂŒr die positive Resonanz des eingefleischten Heteros ;o)

Liebe GrĂŒĂŸe
A.

Hallo lapismont,

Dir vielen Dank fĂŒr die kritischen Fragen und Anregungen. Ich wĂŒnschte, man könnte seine Texte einmal selbst mit fremden Augen lesen, dann gĂ€be es vielleicht nicht mehr so viele Fragen danach )

Eine Gegenfrage habe ich aber auch: welcher schwule Chef?

Liebe GrĂŒĂŸe
A.

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lapismont
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Hallo A.,

hab ich tatsÀchlich falsch gelesen.
Durch die vielen "Er's" am Anfang, war Chef die erste mÀnnliche Zuordnung, das war dann beim Weiterlesen drin.

Allerdings verliert dadurch Er noch mehr Hintergrund.


cu
lap

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Kunst passiert.

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