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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Winteranfang
Eingestellt am 18. 01. 2008 15:18


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disul
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Registriert: Mar 2006

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Der nächste Winteranfang kommt bestimmt!

Winteranfang

Der Wind heult. Schaurig, grausig, bitterkalt. Er l√§sst ein Gemisch von Trommelt√∂nen und an- und abschwellendem Singsang zwischen den einzelnen H√§usern schweben, welche eingebettet zwischen meterhohen Schneewalmen der h√§mischen Zugluft trotzen m√ľssen. Das √Ąchzen ihrer Balken, das Pfeifen durch die Ritzen mischen sich in schauriger Komposition mit den Trommelt√∂nen und dem Gesang.

Kima tappt vorsichtig, nach allen Seiten sp√§hend, aus dem Haus. Hinter sich l√§sst das M√§dchen die wohlige W√§rme, das Plappern und Lachen aller Kinder und das Gemurmel der Alten. Bereits legt sich die winterliche Nacht √ľber das Dorf und nur unklar erkennt Kima den Pfad, der zum n√§chsten Haus f√ľhrt. Hie und da hebt sie den Kopf, als ob sie die wenigen Sterne, die am Himmel zu sehen waren, nach dem Weg fragte
Langsam bewegt Kima sich vorw√§rts, zurrt den B√§ndel ihrer Fellm√ľtze fester zu und lugt immer vorsichtig nach allen Seiten.
Kein Mensch weit und breit. Nach etwa f√ľnfzig Schritten bleibt Kima stehen. Sie weiss, dass sie nun am letzten Langhaus vorbeigegangen ist, und dass sie nun das Dorf auf geheimen Weg und ohne den Wachen in die Arme zu laufen, verlassen muss.Sie √ľberlegt, dass sie genau in der Zeit, in der die beiden Wachen ihren Gang auf der anderen Seite des Dorfes machen, √ľber das weite, offene Feld eilen muss. Tauchen diese dann von der anderen Seite wieder auf, n√§hmen sie sie in der Dunkelheit sicherlich nur noch als davonhuschendes Tier war und k√§men nie und nimmer auf die Idee, ihr zu folgen.
Kima tritt drei Schritte zur√ľck und verkriecht sich in den Schutz eines Schneehaufens. Hier wartet sie geduldig, bis die beiden W√§chter das Haus passiert haben. Erst, als sie l√§ngere Zeit nicht mehr den kleinsten Laut der beiden M√§nner vernehmen kann, wagt sie sich aus ihrem Versteck hervor. Hie und da hebt sie den Kopf. Den Weg, den sie nun bis zum Verlassen der Siedlung gehen muss, hat sie sich tags√ľber immer und immer wieder einzupr√§gen probiert. Jetzt wird sich herausstellen, ob sie auch in der Dunkelheit die Palisade und das kleine Schlupfloch finden wird. Geduckt tappt sie vorw√§rts und erreicht nach einigen Atemz√ľgen bereits die ersten Holzpf√§hle. Bis zum Schlupfloch braucht sie sich nur noch mit den H√§nden entlang der Wand vorw√§rts zu tasten. Endlich!

Kima h√§lt den Atem an und quetscht sich durch die kleine L√ľcke. Das weite, offene Feld liegt vor ihr. Das erste Mal nimmt nun auch sie die Trommelt√∂ne und den Singsang wahr. Kima l√§chelt.Nicht mehr lange, und sie wird sie all sehen, wovon die Frauen und M√§nner ihres Hauses an den langen Winterabenden berichten. Sie wird das grosse Feuer in der Mitte des Festplatzes sehen, welches zu Ehren der Sonne und ihrer G√∂ttin die ganze Nacht am Leben erhalten wird. Sie wird den Schamanen und M√§nner des Dorfes sehen, die gemeinsam um das Feuer tanzen, ihre bemalten, nackten K√∂rper, die sich bewegen, die zucken, die schaukeln. Sie wird vielleicht ihre Mutter erblicken, die gemeinsam mit den anderen Frauen und M√§nnern des Dorfes am Rande des Festplatzes steht und zum Klang der Trommeln klatschen oder singen wird. Sie wird die Fackeln sehen, deren Zahl so gross ist, wie die Tage des kommenden Jahres, und die diese besondere Nacht gemeinsam mit dem Feuer erhellen. Sie wird all das sehen, und vielleicht wird sie dann verstehen. Verstehen, weshalb die Kinder diesem Feste nicht beiwohnen d√ľrfen und verstehen, weshalb Mutter ihr auf bestimmte Fragen keine Antwort gibt. Kima l√§chelt.

Das weite offene Feld liegt vor ihr. Gerade als Kima zum ersten Schritt ansetzen will, werden die Trommelt√∂ne mehr und der Singsang schwillt an. Die Musik wird lauter und lauter und endet pl√∂tzlich mit einem unerwarteten Knall. Kima schreit auf; sie dreht sich auf der Stelle um und prallt unversehens gegen ein vorher nicht da gewesenes Hindernis. Die Angst schn√ľrt ihr die Kehle zu, sie getraut kaum, neuen Atem zu sch√∂pfen. Das ist jetzt die Strafe der G√∂tter daf√ľr, dass sie sich anzumassen versuchte, ihrem Feste beizuwohnen, denkt Kima. Sie bleibt steif wie ein Stock stehen, schliesst die Augen und harrt der Strafe, die da auf sie zukommen wird.

Komm, mein mutiges M√§dchen. Der Wind heult. Schaurig, grausig, bitterkalt. Er tr√§gt ein Gemisch von Trommelt√∂nen und an- und abschwellendem Singsang √ľbers Feld gegen das Dorf zu. Komm, mein mutiges M√§dchen. Der Grossvater nimmt Kima bei der Hand und f√ľhrt sie langsam und verstehend nach Hause in die wohlige W√§rme mit dem Plappern und Lachen aller Kinder und mit dem Gemurmel der Alten.

© by Disul

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Auszug aus einem größeren Werk? Die winterlich geheimnisvolle Atmosphäre deines Textes gefällt mir und ich hätte schon gern gewusst, wie es weitergeht. Einige Passagen sind mir allerdings zu umständlich formuliert. Da geriet ich ins Stolpern.

Gruß
Majissa

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