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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Winterbegegnung
Eingestellt am 02. 01. 2004 02:14


Autor
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ELLA
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2003

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Du stehst da am Ende des S-Bahn-Tunnels. Das Sonnenlicht umspielt deine kurzen hellen Haare. Als ich n├Ąher komme, merke ich, wie gro├č du doch bist in dem langen dunklen Mantel. Ich muss den Kopf in den Nacken nehmen, um dir in die Augen zu sehen.

"Hallo!" sage ich leise. Mit leicht geneigtem Kopf schaust du mich l├Ąchelnd an und sagst "Hallo, sch├Ân dich zu sehen." Du greifst meine rechte Hand und dr├╝ckst sie. Deine H├Ąnde sind gro├č und kr├Ąftig und angenehm warm und umschlie├čen meine ganz. Begr├╝├čungsk├╝sschen rechts ÔÇô links - rechts. Ich l├Ąchele auch und versinke beinahe in deinen dunklen Augen. G├╝te und Ruhe strahlen sie aus.

Fast h├Ątte ich die Welt vergessen, aber da springt dein Hund auf uns zu. Er hatte aus der Entfernung die Begegnung gesehen. Neugierig und freundlich schnuppert der muntere Hund an meinen Schuhen und an der Jeans. Was er bemerkt, scheint ihm zu gefallen, denn schon ist er wieder in Bewegung, dreht sich zum Park und schaut zur├╝ck: "Wollt Ihr nicht kommen?"

Wir folgen ihm, ├╝berqueren eine Stra├če und gehen die Stufen zum See hinab. Der Weg f├╝hrt um den See herum. Wir m├╝ssen aufpassen, nicht ├╝ber die Steine zu stolpern, die im ockerfarbenen Sand des Weges eingefroren sind. Es ist ziemlich kalt, aber klare Luft, und die Sonne entwirft Spiegelbilder der Sch├Ąfchenwolken auf dem See. Von Zeit zu Zeit f├Ąllt unser Blick auf dieses blau-wei├če Bild. Der Weg, den wir nebeneinander beschreiten, windet sich zwischen den B├Ąumen des Waldes und der Uferlinie. Dein Hund scheint ihn zu kennen und ist immer voraus und vergewissert sich, dass wir auch nachkommen.

Mir ist gar nicht kalt. Besonders meine linke Hand, die im Gehen hin und wieder zuf├Ąllig deine Rechte streift, f├╝hlt eine elektrisierende W├Ąrme, die von dir ausgeht. Uns verbindet eine nat├╝rliche Stille, als ob wir alle Worte der Welt einander schon gesagt h├Ątten.

Dein lebhafter Hund verfolgt einen kleinen Vogel ins Geb├╝sch, kommt aber sofort zur├╝ck als habe er nur kurz sein wahres Ziel aus den Augen verloren. Scheinbar erh├Âht er das Tempo und schaut: "Wo bleibt Ihr denn?" Er verschwindet hinter einer Biegung des Weges. Kurz danach sehe ich sie. Dein Hund sitzt erwartungsvoll davor. Dort steht eine Bank direkt am Ufer an einer Stelle, die einen Blick ├╝ber den gl├Ąnzenden See erzwingt. Die Wasseroberfl├Ąche ist spiegelglatt und l├Ądt verf├╝hrerisch ein, darauf zu laufen.

Pl├Âtzlich greifst du meine Hand, erstaunt schaue ich zu dir hoch. Mein Blick f├Ąngt deine lachenden Augen. Du ziehst mich zur Bank. Da liegt etwas. "F├╝r dich!" sagst du und ├╝berreichst mir mit einem umwerfenden L├Ącheln die frisch aufgebl├╝hte rote Rose.

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wondering
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Oct 2002

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huch!

Liebe ELLA,

dein Erz├Ąhlstil hat mich in seinen Bann gezogen. Er ist fl├╝ssig und er treibt mich vorw├Ąrts beim Lesen. Ich sehe "euch", ich sehe den Hund und bin gespannt, was noch passiert. Und pl├Âtzlich, sehr pl├Âtzlich ist Schluss.

Ich habe mich fast erschrocken. Ich las noch einmal... und stelle nun fest:
Irgendetwas an deiner Geschichte ist faszinierend.
Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich bereits Erwartungen an einen Verlauf habe: der Hund spielt eine Rolle; dieser Mann hat etwas Geheimnisvolles; was passiert mit den beiden; was wird der Hund an-oder ausrichten...
und dann...
passiert nichts von dem, was ich erwartet oder selbst beim Lesen erdacht oder,oder habe.

Ich bin hin-und hergerissen zwischen dem Ausruf "da fehlt was" und der Faszination eines echten Moments, den du dargestellt hast.

Das kann schonmal erschrecken, aber in diesem Fall entscheide ich mich f├╝r die Faszination!

vG wondering

__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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ELLA
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2003

Werke: 2
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Huch?

Liebe wondering,

danke, dass Du Dich doch f├╝r die "Faszination" entschieden hast. Dein Kommentar hilft mir sehr, denn ich ├╝be noch.

"Erschrecken" wollte ich nicht (oder doch? *schmunzel*) Mir ging es beim Schreiben auch so, dass mir viele Bilder und Erwartungen an die Beteiligten durch den Kopf gingen. Ich habe mich f├╝r diesen Schlu├č entschieden, weil er die Szene abrundet und gleichzeitig offen l├Ą├čt.
Vielleicht ist er doch zu pl├Âtzlich und ich h├Ątte ein paar m├Âgliche Erwartungen erf├╝llen sollen. Ich denke dar├╝ber nach.

Liebe Neujahrsgr├╝├če
ELLA

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Mara K.
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe ELLA ...

das ist eine wunderbare und sinnliche Wintergeschichte, sie hat es mir angetan und ich hab sie jetzt schon mehrmals gelesen, bin immer wieder hingeschlichen ...
so viel W├Ąrme darin und diese unbeschreibliche N├Ąhe, ja,
und was sagt uns diese Liebesgeschichte, wirkliche Gr├Â├če hat nicht immer etwas mit L├Ąnge zu tun .
Danke sehr. Herzlich Mara K.

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ELLA
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2003

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Liebe Mara!

Danke f├╝r Deine Anmerkung! Ich habe mich sehr dar├╝ber gefreut, dass meine Geschichte Dich ber├╝hrt hat. :-)
Der Schlu├č kam f├╝r Dich nicht zu pl├Âtzlich?

Herzliche Gr├╝├če
ELLA

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Mara K.
Guest
Registriert: Not Yet

liebe ELLA

etwas unerwartet vielleicht, pl├Âtzlich nein,
irgendetwas hatte ich erwartet, eher dass er -
sorry, dir irgendetwas sagt, was dir weh tut,
aber das kann ich dir jetzt auch nicht erkl├Ąren wieso ...
ich hatte beim lesen die ganze zeit das gef├╝hl "auweia, sie wird weinen ..." ...ich kann es dir nicht erkl├Ąren
warum.
und ich war so froh ├╝ber die rose ...
lieber gru├č, Mara K.

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ELLA
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2003

Werke: 2
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Danke!

Liebe Mara,

danke f├╝r die Erg├Ąnzung!

Ciao
ELLA

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