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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Winterschlaf
Eingestellt am 30. 01. 2005 20:57


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catsoul
AutorenanwÀrter
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Hallo,

im FrĂŒhjahr wird eine Lesung vom Literaturkreis Bad Kreuznach unter dem Motto:

Jahreszeit - Zeitwechsel - Wechseljahre

statt finden. Dazu hab ich eine Geschichte geschrieben zu der ich gerne eure Meinung erfahren wĂŒrde.


Winterschlaf
cat / 28.01.2005


Melissa und Ruth saßen auf einer Decke im Park. Ein Picknick-Korb stand zwischen ihnen. Sie wollten den letzten warmen Tag ausnutzen. Selten das man sich an einem 25. Oktober noch einmal ins Gras setzen konnte. Ruth hielt es nicht auf der Decke, sie wollte den Park entdecken. Sie war vor ein paar Tagen zwei Jahre alt geworden und freute sich an jedem noch so kleinen KĂ€ferchen das sie entdeckte. Ohne Scheu nahm Ruth eine Spinne in die Hand um sie ihrer Mama zu bringen, damit Melissa sie bewundern möge. Deren entsetzten Gesichtsausdruck konnte Ruth ĂŒberhaupt nicht verstehen. Und dann noch dieser erschreckte Ausruf, sie solle dieses furchtbare Tier sofort los- und bloß nicht auf die Decke fallen lassen. Verwundert setzte sie das kleine Tierchen ein paar Meter weiter ins Gras und strich sich eine blonde Locke aus dem Gesicht, dabei entdeckte sie etwas wunderbares. Ein hellbraun leuchtendes, kugeliges Etwas. Was mochte das wohl sein? Vorsichtig schaute sie sich um, dann nahm sie diese Kostbarkeit behutsam in ihre kleinen HĂ€nde.
Ganz stolz und vorsichtig trug Ruth diese zu ihrer Mama.
Melissa erklĂ€rte Ruth, dass das was sie soeben gefunden hatte eine Kastanie ist. Und wenn man diese in einem Erdloch zum schlafen legt, spĂ€ter ein großer Baum daraus wachsen wĂŒrde. Ruth war Feuer und Flamme und ĂŒberredete Melissa fĂŒr die Kastanie ein Loch zu buddeln und sie dort schlafen zu legen. Kurzerhand nahm Melissa ein Messer aus dem Picknick-Korb und grub ein kleines Loch. Mit ernstem Gesicht verfolgte Ruth das Tun ihrer Mama und legte anschließend die Kastanie ganz behutsam hinein. Gemeinsam hĂ€ufelten sie die Erde wieder darĂŒber.

„So, und jetzt mĂŒssen wir nur noch warten. Wenn der Winter vorbei ist, kommt vielleicht schon ein kleines PflĂ€nzchen aus der Erde.“, sagte Melisse und Ruth fragte:
„Wenn der Winter vorbei ist? Aber es ist doch Herbst!“
„Ja, die Kastanie muss jetzt schlafen und wenn im FrĂŒhling die ersten Sonnenstrahlen die Erde wĂ€rmen, dann reckt sich die Kastanie und ein kleiner Spross kommt aus der Erde und will sehen wie die Sonne ausschaut, weil der nĂ€mlich genau so neugierig ist wie du! Aber jetzt mĂŒssen wir unsere Sachen zusammen packen und nach Hause gehen, schau, es wird schon dĂ€mmrig.“
„Mama? Können wir morgen wieder nach der Kastanie sehen?“
„Wenn das Wetter schön ist, gehen wir nachmittags wieder hier her, aber wenn es regnet bleiben wir zu Hause.“
Leider regnete es am nÀchsten Tag und die ganze nÀchste Woche dazu. Jeden Tag fragte Ruth nach der Kastanie, und jeden Tag hörte sie von Melissa:
„Leider können wir heute nicht zur Kastanie, aber Regen ist gut fĂŒr Kastanien, bestimmt wird im FrĂŒhling ein kleines BĂ€umchen daraus wachsen.“

Endlich, nach ĂŒber einer Woche war das Wetter so, das die beiden wieder in den Park konnten. Ruth hatte sich die Stelle ganz genau gemerkt, an der die beiden die Kastanie vergraben hatten und rannte dort hin. Unentschlossen schaute sie sich um, aber außer Gras war nichts zu sehen.
Melissa nahm Ruth tröstend in die Arme und sagte:
„Du musst Geduld haben.“
Aber Geduld ist fĂŒr ein kleines MĂ€dchen etwas, was es gar nicht kennt. Kleine MĂ€dchen wollen alles entdecken und alles wissen und das am besten sofort!

Ein paar mal noch besuchten Melissa und Ruth die Stelle an der die Kastanie in der Erde schlief, aber immer noch war nur Gras ringsum zu sehen.
Der Winter kam und mit ihm Eis und Schnee, die Besuche im Park wurden noch seltener bis sie schließlich ganz aufhörten.
Im FrĂŒhjahr, als die ersten Sonnenstrahlen allen in der Nase kitzelten und Melissa die Kastanie schon lĂ€ngst vergessen hatte, sagte Ruth eines Abends:
„Mama, gehen wir morgen in den Park und schauen ob die Kastanie noch schlĂ€ft?“

Also zogen sie am nÀchsten Tag los und Ruth fand den Platz auf Anhieb. Voller Staunen sahen sie ein kleines PflÀnzchen, welches sich zum Himmel reckte.
„Ist das unsere Kastanie?“, fragte Ruth ganz leise.
„Ja, das ist sie! Und sie wird bestimmt mal ein ganz großer Baum, der allen Leuten Schatten spendet.“ Melissa nahm ihre Tochter ganz fest in die Arme und beide standen noch eine ganze Zeit staunend vor diesem Wunder der Natur.
Immer mal wieder besuchten die beiden das PflĂ€nzchen. Der FrĂŒhling ging und der Sommer kam mit viel Hitze und ab und zu wolkenbruchartigen RegenfĂ€llen. Aber das kleine PflĂ€nzchen trotzte tapfer dem Wetter und wuchs. Dann kam der Herbst mit StĂŒrmen und KĂ€lte. Aber das PflĂ€nzchen stand jedes Mal, wenn die beiden es besuchten, nur noch schöner und krĂ€ftiger da.

Am 25. Oktober packte Melissa einen Picknick-Korb. Das Wetter war kalt und regnerisch, aber den beiden machte dies nichts aus, denn sie hatten etwas zu feiern. Ruth stellte sich vor das KastanienpflĂ€nzchen und begann mit ihrem dĂŒnnen Stimmchen zu singen:
„Weil heute dein Geburtstag ist, da haben wir gedacht, wir singen dir ein frohes Lied, weil dir das Freude macht“
Melissa lÀchelte und lobte Ruth. Dann banden beide dem PflÀnzchen eine Schleife um und machten sich auf den Heimweg.
So ging das viele Jahre, immer am 25. Oktober stand Ruth vor der Kastanie und sang. Und immer banden die Beiden eine Schleife in die Äste der immer grĂ¶ĂŸer werdenden Kastanie.
Als Ruth Achtzehn Jahre alt war lernte sie einen Mann kennen und folgte ihm, gegen den Willen von Melissa, in dessen Heimatland. Die Zeiten wurden schwierig und Ruth und Melissa verloren den Kontakt.

Am 30. Geburtstag der Kastanie war wunderschönes Sommerwetter. Melissa trug einen Picknick-Korb in den Park und setzte sich auf eine Decke in den Schatten der Kastanie. Sie dachte an damals und dabei schlief sie ein. Sie trĂ€umte von Ruth, wie sie damals mit ihren blonden Locken vor ihr gestanden hatte und lĂ€chelte im Traum, als sie an die Spinne dachte. Spinnen machten ihr inzwischen gar nichts mehr aus, sie fing sie in einem Wasserglas und setzte sie einfach draußen aufs Fensterbrett.

Als sie erwachte stand ein kleines MĂ€dchen vor ihr und schaute sie interessiert an. Es hatte blonde Locken, in der offenen Hand hielt es eine Kastanie und sagte:
„Sieh` mal Oma, so eine Kastanie habe ich mit meiner Mama heute schlafen gelegt.“


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Rainer
???
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hallo catsoul,

einen schönen text hast du da geschrieben; aber ein paar anmerkungen habe ich doch noch:

die zeitliche und örtliche gedÀchtnisleistung der zweijÀhrigen ruth finde ich bemerkenswert,

das ĂŒberleben des baumes sowieso - in den meisten parkanlagen wird das gras gemĂ€hd, ergo hĂ€tte das erste picknick in der unmittelbaren nĂ€he des gestrĂ€uchs stattfinden mĂŒssen (was das wiederauffinden sicher vereinfacht), aber frĂŒher oder spĂ€ter wird auch da "ausgemistet"...
... jaja, die kalte realitĂ€t ohne das berĂŒhmte fĂŒnkchen magie.

dass am 30. geburtstag des bĂ€umchens (25. oktober) "...wunderschönes Sommerwetter..." herrschte, wĂŒrde ich etwas abmildern; vielleicht: "...ein warmer Oktobertag..."

die "spinnengeschichte" ist wunderschön - das hat fĂŒr mich einen anflug von literatur; ebenso die undramatische schilderung der trennung von mutter und tochter.

ich will dir deinen text inhaltlich absolut nicht kaputtmachen, aber den schluss finde ich etwas "aufgesetzt". vielleicht könnte die kleine ja melissa fragen, ob sie auch so eine kastanie schlafen legen möchte, so in richtung "guck mal was ich schon alles weiß..." . dann könntest du dir (und den lesern) den traum sparen (*gĂ€hn*), und das wetter mĂŒsste auch nicht mehr so sommerlich sein; ja der text wĂŒrde sogar bei regenwetter funzen .

viele grĂŒĂŸe

rainer
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catsoul
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Hallo Rainer,

danke fĂŒr dein ausfĂŒhrliches Feedback.

Die zeitliche GedĂ€chtnisleistung von Kindern ist sehr unterschiedlich. Zum Beispiel könnte Ruth ein Bild gemalt haben auf dem eine Kastanie zu sehen ist. (Sehr wahrscheinlich hat sie das sogar, denn wer wĂŒrde so ein Erlebnis vergessen?) Wenn dieses Bild dann auch noch ĂŒber dem Bett von Ruth hĂ€ngt, wird das kleine MĂ€dchen jeden Tag daran erinnert. Jeden Tag wenn es schlafen geht, denkt es an die schlafende Kastanie. Ist dir das ErklĂ€rung zu diesem Punkt genug? *grins*
(das hab ich mir gerade ausgedacht, aber es könnte so passiert sein, oder?)

Was die RealitÀt betrifft:
Gehen wir einmal 30 Jahre zurĂŒck... in den Parks wurde zwar auch damals das Gras gemĂ€ht, aber bei weiten nicht so oft wie jetzt. An manchen Stellen wurde es sogar stehen gelassen um den KĂ€fern, Schmetterlingen und Ă€hnlichem Getier einen Platz zu lassen.
Ok, ich gebe zu, die Geschichte entbehrt etwas der harten RealitÀt, wie sie jetzt ist, aber wie war das?
Ein FĂŒnkchen Magie...
Wir mĂŒssen nur glauben wollen.

Sehr gefreut habe ich mich ĂŒber dein Lob bezĂŒglich der Spinnengeschichte. Über solche Nebengeschichten denke ich nicht groß nach, die passieren einfach beim schreiben. Um so schöner, wenn sie bemerkt werden.

Die 'Traumgeschichte' ist fĂŒr mich wichtig. Es sollte andeuten das Ruth mit ihrer Tochter zurĂŒck gekommen ist und die Kleine sich so ihrer Omas vostellt... scheinbar ist mir das nicht ganz gelungen. Ich werde mal sehen was ich da verĂ€ndern kann.


liebe GrĂŒĂŸe

cat


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Rainer
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hallo cat,

nun gut, die gedĂ€chtnisleistung ist akzeptiert, auch wenn unsere beiden sprĂ¶ĂŸlinge da nicht mithalten können.

das fĂŒnkchen magie... okay, da kam wohl der faktenvergleichende nichtmagier in mir durch .

den traum habe ich wohl falsch verstanden; ich glaubte, irgendein kleines mÀdchen wÀre zu melissa gekommen...

nochmals danke fĂŒr die geschichte und deine bereitschaft, dich mit ihrer rezeption auseinanderzusetzen,

viele grĂŒĂŸe

rainer
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catsoul
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Hallo Rainer,

schau mal, vielleicht ist der letzte Absatz ja so besser?

Aber als sie erwachte, fĂŒhlte sie sich wiedrum dreißig Jahre zurĂŒckversetzt, denn ein kleines MĂ€dchen stand vor ihr. Es hatte blonde lockige Haare und sah Ruth sehr Ă€hnlich.
Das MĂ€dchen stand vor Melissa und schaute sie interessiert an.
In der offenen Hand hielt es eine Kastanie und sagte:
„Sieh` mal Oma, so eine Kastanie habe ich mit meiner Mama heute schlafen gelegt.“


Hab ein bissel gebraucht, bis ich endlich heute auf diese Lösung gekommen bin.


liebe GrĂŒĂŸe

cat


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Rainer
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hallo cat,

ich denke, jetzt ist die geschichte auch fĂŒr einen menschen mit sehr langer leitung (grĂŒĂŸe an alle rainers dieser welt) verstĂ€ndlich - prima .

viele grĂŒĂŸe

rainer
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