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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wir hatten Halbpension gebucht
Eingestellt am 21. 02. 2008 23:09


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Wipfel
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Haben Sie auch einen Garten? Mein Nachbar heißt Klaus. Einfach nur Klaus. Nie hat er sich mit ganzem Namen vorgestellt, und eigentlich weiß ich nicht viel von ihm, nur, dass er irgendwo am Fließband arbeitet. Ich glaube, er verpackt Autoteile. Klaus kommt immer mit seiner grünen Strickjacke in den Garten; einige Knöpfe fehlen. Aber das, so scheint es, macht Klaus nichts aus. Die Jacke würde sich über seinem Trommelbauch sowieso nicht schließen lassen. Wir schwatzen über den Gartenzaun mal über dies, mal über das. Nie über Wichtiges, oder fast nie.

Kürzlich erzählte er mir von der Urlaubsfahrt mit seinem Freund Hugo. Nach Mallorca sollte es gehen.

„Klar“,

so begann er, und unterbrach sich dabei mit einem ausgedehnten Rülps,

„meine Frau, die Erna, war auch dabei. Und Lotte, die Frau von Hugo. Eigentlich wollte Lotte nicht mitkommen, der Garten bräuchte Wasser und überhaupt, baden gehe sie sowieso nicht. Wegen der Krampfadern, diese wolle sie keinem zumuten. Außerdem, das bisschen Sonne könnte sie auch zu Hause genießen, wozu hätte man schließlich den Garten. Ich sagte zu Hugo: ‚Sprich ein Machtwort mit ihr! Sag einfach: Basta, du kommst mit.'”

„Und?”, fragte ich etwas pikiert.

„Na ja, erst war Lotte eingeschnappt. Ich sage dir, ein Gesicht wie zur Bommel gebunden! Doch als sie im Flugzeug ans Fenster durfte, kam auch bei ihr die Freude auf. Das hat man doch gesehen. Manche Menschen muss man wirklich zu ihrem Glück zwingen.”

Klaus und ich stachen eine Weile unsere Spaten in die Scholle - getrennt durch Welten und einen Zaun. Schnaufende Stille. Dann tönte es weiter:

„Ich sage dir, Urlaub ist wichtig. Endlich mal ausschlafen! Wir wechselten uns ab. Mal stellte Erna den Wecker, mal waren die Hugos dran. Nur die Engländer standen manchmal noch eher auf, um ihre Handtücher auf den Poolliegen zu verteilen. Aber wir Deutschen sind Kämpfer! Manchmal gilt es eben das Vaterland zu verteidigen - oder wenigstens die eigene Ehre. Danach ging es noch einmal ins Bett.”

„Und weiter?”

"Hugo und ich trafen uns jeden Morgen 8:00 Uhr im Speisesaal. Wir mussten Plätze freihalten. Das war unsere Aufgabe - und, wie Hugos Frau meinte, machten wir Männer das wirklich prima. Erna und Lotte kamen mit ihren Handtaschen immer etwas später zum Frühstück.

Wir hatten Halbpension gebucht, da gibt es kein Mittagessen. Also musste man zum Frühstück richtig zulangen. Bezahlt hatten wir ja im Voraus. Und außerdem, in der Mittagshitze hat man ja sowieso keinen Hunger. Die Frauen blieben gern noch sitzen, babbelten und schmierten heimlich Brötchen. Hugo und ich dagegen fuhren schon mal rauf. Achte Etage! Da gab es eine schöne Aussicht und bei den Hugos ein gepflegtes Schnäpschen. Schließlich hatten wir ja Urlaub.

Alles hätte so schön sein können. Doch als wir am vierten Morgen durch die Halle schlenderten meinte Hugo: ‚Du Klaus, mir ist irgendwie komisch.’

‚Das sind Entzugserscheinungen’, witzelte ich, ’Komm, wir schlucken erst mal unsere Medizin!’

Da war auch schon das Rumpeln des Aufzugs, die Kabine öffnete sich und spukte eine Gruppe Engländer aus.
Auf einmal schaute mich Hugo so komisch an, drehte sich um die eigene Achse und sackte in den Aufzug. Die Tür schloss sich. Öffnete sich. Schloss sich. Öffnete sich.

Ich rief aus dem Fahrstuhl: „So macht doch etwas!”

Hugo lag bewegungslos wie ein nasser Sack, sein rechtes Bein ragte ungelenk aus der Kabine. Einige Sekunden glaubte niemand, was zu sehen war. Dann aber rannten die Leute herbei, zerrten Hugo aus dem Aufzug und leisteten jene erste Hilfe, von der ich immer annahm, dass sie Leben retten würde. Doch Hugo blieb, was er war. Tot."

„Tatsächlich tot?”

„Tot! Was sonst? Schöne Schererei. Gerade im Ausland muss uns das passieren. Die Lotte war natürlich fix und fertig und wollte sofort zurück nach Stutensee. Ich fragte Lotte, ob sie, wenn man Hugo ausfliegen würde, von den enormen zusätzlichen Kosten eine Ahnung habe? Ob sie sich wirklich sicher sei, dass Hugo - Gott hab ihn selig - in solch einem Fall eine Feuerbestattung abgelehnt hätte? Aber mal ehrlich, die Verbrennung des Leichnams konnte man durchaus auch an Ort und Stelle erledigen. Die spanische Pietät hat sich da schon enorm auf unseren Standard zu bewegt; bei den vielen Deutschen auf Mallorca ist das nur natürlich.”

„Und die Urne?”

„Wir hatten sie in einem Karton an der Rezeption deponiert. Mein Vorschlag war es, sie als Handgepäck im Flugzeug mitzunehmen. So wie ich Hugo kannte, wäre er sicher einverstanden gewesen. Als Lotte dann den Topf mit der Asche in den Händen hielt, fing sie schon wieder an etwas von Heimkehr und vorzeitigem Rückflug zu faseln. ‚Aber warum denn?’, habe ich sie gefragt. ‚Warum willst du denn den Urlaub abbrechen? Immer diese Übertreibungen!’
Also, Erna und ich wollten die 8 Tage auf jeden Fall noch bleiben, so dicke haben wir es nicht. Weißt du, was so ein Rückflug außer der Reihe kostet?”

„Nein, und eigentlich will ich es auch gar nicht wissen.”

„Sage ich doch. Ich habe extra auf dem Flughafen am Schalter gefragt, mindestens 500 Euro! Und außerdem, in Stutensee wäre Lotte sowieso nur die Decke auf den Kopf gefallen. Hier hatte sie zumindest ihre Freunde, nämlich uns.”

„Ach.”

„Aber so richtig scheint sie sich davon noch nicht erholt zu haben. Eigentlich wollten wir Lotte in den Herbsturlaub wieder mitnehmen. Aber unter uns, wer erträgt schon die ganze Zeit immer das Geheule.”

Noch eine Weile stand ich allein am Gartenzaun. Klaus war längst auf und davon. Ich beschloss, mein Testament zu ändern. Beerben kann mich von mir aus wer will. Nur bitte - und das sei mein letzter Wille – sollte ich einmal auf Mallorca sterben, vergesst mich nicht schon an der Rezeption.

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Ein lustiger Plot, Wipfel, der aber ein wenig anstrengt. Ein bisschen schwer ist es, aus den verschiedenen Dialogen dem ursprünglichen Prot. zu folgen, dem "Ich".
Dein Dialogsystem zerreißt ein wenig, aber wenn man es zwei mal liest, kommt der I-Punkt

Was verwirrte:

quote:
Ich rief aus dem Fahrstuhl: „So macht doch etwas!”

Der Klaus kann noch nicht im Fahrstuhl gewesen sein. Dann hätte er sofort reagiert ...

Insgesamt ist Deine KG (für mich) glaubwürdig und nicht herabgespult.
Deine "Schreibse" liest sich gut, da gebe ich Andrea recht, gehört eigentlich in "Humor".
Absätze, gestrafft, täten Deiner KG gut.

LG, KaGeb

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