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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Wir machen das Dschungelcamp
Eingestellt am 16. 01. 2012 09:30


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Schreibensdochauf
???
Registriert: Dec 2011

Werke: 43
Kommentare: 75
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Jetzt reden wieder alle ├╝bers Dschungelcamp, aber keiner traut sich mehr dar├╝ber zu sprechen.

Erst habe ich auch gedacht,

- Die, die reingehen, wissen ja was sie erwartet
- Die brauchen das Geld
- Die wissen auch, dass ├╝ber sie gel├Ąstert wird

Jetzt bin ich geschockt von meiner Gleichg├╝ltigkeit.

- Hier wird gegen die Menschenw├╝rde versto├čen
- Hier werden Pers├Ânlichkeitsrechte verletzt

Am Sonntag sendete RTL eine Spiegelreportage ├╝ber Dschungelcampfans, abschlie├čend der entlarvende Satz: ÔÇ×Schadenfreude ist die sch├Ânste FreudeÔÇť. Nein, Schadenfreude ist nicht die sch├Ânste Freude. Schadenfreude gibt es so wie den Wunsch, mal den Chef zu verpr├╝geln oder den Konkurrenten umzubringen oder eine Schachtel Zigaretten zu klauen. Der Wunsch ist da, aber sollte er deshalb gef├Ârdert und goutiert werden?

Es mag in manchen Ohren zu hoch klingen, aber RTL unterl├Ąuft sittliche Normen und Werte, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben, mit dem Argument, die Teilnehmenden wollen das doch selbst und das Publikum auch.

Dann fordere ich an dieser Stelle die Einf├╝hrung von Stierk├Ąmpfen in Deutschland, die Todesstrafe, Kinder- oder Tierliebe, Steinigungen, Folter und die entsprechenden Sendeformate.

Zu den Moderatoren, dem Schnitt der Sendungen und der Rolle der Protagonisten: Die letztgenannten k├Ânnen machen was sie wollen. Wer in den Medien arbeitet wei├č, wie man Zitate aus dem Zusammenhang rei├čen und in einen neuen Zusammenhang setzen kann. Die Schnittdramaturgie bewirkt, dass das Publikum immer nur das sehen und h├Âren wird, was den Regisseuren gef├Ąllt. Das bedeutet, die Zuschauer k├Ânnen sich ├╝berhaupt keine Meinung bilden, sondern werden im Schwarm der Millionen zu einer Meinung gef├╝hrt, die zum gew├╝nschten Abstimmungsergebnis f├╝hrt.

Abschlie├čend zur Rolle von Dirk Bach und Sonja Zietlow, die nach dem Motto verfahren, ÔÇ×Satire darf allesÔÇť. Nur ist dies eben keine Satire, sondern es ist die B├Âsartigkeit zweier Zeitgenossen, denen man w├╝nscht, dass ihnen ├ähnliches widerfahre. Nat├╝rlich w├╝rden sie das dann weglachen, aber Verletzung bleibt immer.

Ein Versuch: ÔÇ×Ein dicker ÔÇ×K├╝nstlerÔÇť, der wei├č, dass seine Zeit nie da war und auch nie kommen wird. Eine blonde, unsichere, zu laute Person, hinterh├Ąltig und schrill.ÔÇť Beide haben den Rest von Anst├Ąndigkeit hinter sich gelassen, weil ihnen Regisseure und Juristen einfl├╝stern, es sei alles richtig was sie machen. Glaube doch keiner, dass diese beiden Dorfpomeranzen in der Lage w├Ąren, auch nur einen ihrer fragw├╝rdigen Gags selbst zu schreiben.ÔÇť

Im direkten Kontakt mit den Kandidaten sind sie freundlich, verst├Ąndig und machen sich hinter deren R├╝cken ├╝ber jegliche menschliche ├äu├čerung lustig. Das ist kein Stilmittel, das ist feige. Ein besonderer Zynismus liegt in der Aufmerksamkeit der k├Ârperlichen Unversehrtheit den Tieren gegen├╝ber, wobei die seelische Verfasstheit der Kandidaten nur nach dem Grad ihrer Zerr├╝ttung gemessen wird. Ist die Angst vor Tiersch├╝tzern hier gr├Â├čer als vor Menschensch├╝tzern?

Von der Logik der Sendung her spricht nichts mehr gegen weitere Formate wie: ÔÇ×Ich bin ein Migrant, ihr d├╝rft mich verpr├╝geln, wenn ihr mich bekommt.ÔÇť ÔÇ×Ich bin ein Politiker, macht mich fertigÔÇť. ÔÇ×Ich empfinde keinen Schmerz, Ihr d├╝rft mich folternÔÇť. ÔÇ×Ich bin ein armes Kopftuchm├Ądchen, Ihr d├╝rft mich steinigenÔÇť.

Die Zuschauer stehen in der Verantwortung. Wenn wir jemanden sehen, der auf einer Bananenschale ausrutscht, lachen wir vielleicht kurz, als Kompensation von Schock und haben dann ein schlechtes Gewissen. Dieses regulierende schlechte Gewissen, versuchen uns die Macher abzutrainieren. ÔÇ×ES IST GUT DAR├ťBER ZU LACHEN und das am besten jeden TagÔÇť. So manchem historisch Gebildeten bleibt das Lachen im Hals stecken, denn schon ├Âfter in der Geschichte ist uns das schlechte Gewissen abtrainiert und die Akzeptanz des Unmenschlichen antrainiert worden. Moralkeule? Ja und ich schwinge sie.

Version vom 16. 01. 2012 09:30

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