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Leselupe.de > Horror und Psycho
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Eingestellt am 02. 08. 2002 13:06


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KingArthur
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2002

Werke: 1
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Dies ist das erste Kapitel eines Romans, der auf etwa 250 Seiten angelegt ist. Davon sind jetzt etwa 80 geschrieben, fĂŒr den Rest existiert ein ausfĂŒhrliches ExposĂ©.
Es gehört vielleicht mehr in das Genre Psychothriller. Da es aber ein wenig gruselig wird, habe ich es vorsichtshalber in dieses Forum gestellt.
Es ist ĂŒbrigens der erste Text, den ich ĂŒberhaupt veröffentliche. Er hat erst die erste Korrektur hinter sich, daher kann sich noch der eine oder andere Fehler eingeschlichen haben :-)


Eine AffÀre von vielen





Wie immer wusste Samantha Holland eigentlich nicht, was sie dazu brachte, solche Dinge zu tun. Es gab keinen Grund, höchstens eine Gelegenheit, und wenn es einen Grund gegeben hĂ€tte, wie gut hĂ€tte er sein mĂŒssen?
Es war immer eine Reihe von UmstĂ€nden, die dazu fĂŒhrte, dass Sam mit irgendeinem Mann im Bett landete, den sie erst kurz kannte. Und „kurz“ bedeutete wirklich kurz. Manchmal waren es ein paar Stunden, oftmals weniger. Es waren MĂ€nner, die sie in Bars traf, MĂ€nner, die sie auf Kongressen kennen lernte, MĂ€nner, die ihr zur richtigen Zeit am richtigen Ort begegneten. Meistens geschah es, wenn Sam weg war von zu Hause.
Sie war wohlerzogen und ihr Vater wĂ€re vor Scham gestorben, wenn er erfahren hĂ€tte, dass sich seine Tochter irgendwelche fremden MĂ€nner in ihr Bett holte. Doch das wĂŒrde nicht geschehen, denn ihr Vater war nun bereits eine Weile tot. Und wenn er nicht gestorben wĂ€re, es hĂ€tte keinen Unterschied gemacht, denn manchmal war sie einfach so weit, wenn Gelegenheit und Stimmung sich einstellten. Daran war nichts zu Ă€ndern.
Samantha hatte nie Probleme, die passenden mĂ€nnlichen Opfer zu finden; das war nun wirklich nicht schwer. Selbst wenn Sam nicht so ĂŒberaus attraktiv gewesen wĂ€re, hĂ€tte sie Partner gefunden. MĂ€nner waren einfach so, nahmen, was ihnen vor die Flinte kam, da gab es keinen Zweifel. Sie waren willige Opfer, das hatte sie schon in der Highschool bemerkt. Damals war sie ein sĂŒĂŸes Ding gewesen, der Schwarm vieler Jungs und, wie diese manchmal hoch erfreut feststellten, alles andere als prĂŒde. Sie passte in kein Klischee. Sam war nicht die naive Blonde, die etwas dumm, aber immer bereit war. Sie war auch nicht die unnahbare Cheerleader-Schönheit, die frĂŒhestens auf dem Highschool - Abschlussball ihre Unschuld verlor. Und sie war schon gar nicht die Intelligenzbestie und Chefredakteurin der SchĂŒlerzeitung, die erst am College lernen wĂŒrde, dass man mit dem anderen Geschlecht mehr tun konnte, als nur zu diskutieren. Sie war von all dem ein bisschen, unkonventionell und irgendwie stolz darauf, intelligent, aber nicht arrogant, hĂŒbsch, aber nicht billig. Sam war ein guter Kumpel, wenn es darauf ankam und nicht nur bei den Jungs beliebt. Irgendwie schaffte sie es sogar, nicht als Flittchen gehandelt zu werden.
FĂŒr ihre Eltern wĂ€re es eine Tragödie gewesen, zu erfahren, wie ihre Tochter wirklich war. Sie waren angesehene BĂŒrger gewesen, glĂ€ubige Christen, und hatten sich alle MĂŒhe gegeben, ihre Tochter zum rechten Glauben zu erziehen. Das war ihnen in gewisser Weise sogar gelungen und so glaubte Sam an Gott, aber insgeheim glaubte sie auch daran, dass Gott ihr diese Energie mitgegeben hatte und das es etwas war, was sie tun musste. Welchen Sinn hĂ€tte es sonst ergeben? Schließlich hatte sie ihr Vater gelehrt, dass alles einem höheren Ziel folgte. Ihr Vater war Arzt gewesen, ein geachteter Allgemeinmediziner, den der Glaube an den göttlichen Plan das tĂ€gliche Leid seiner Arbeit besser ertragen ließ.
Als Sam jene Energie und innere Unruhe, die sie zu diesen Dingen trieb, zum ersten mal spĂŒrte, war sie fĂŒnfzehn gewesen. Sie war eine hochgewachsene Schönheit mit langen schwarzen Haaren und blauen Augen. Sam sah Ă€lter aus, als sie war, und ihr erster Freund Steve war sechzehn und sah jĂŒnger aus, als er war. Aber sie fand ihn sĂŒĂŸ und Samantha war neugierig. Der kleine Steve war gerne bereit, ihre Neugier zu befriedigen. So kam es, dass sie ihn zu sich einlud, als ihre Eltern nicht zu Hause waren und ihn auf ihr Zimmer mitnahm. Steve war begeistert, doch als Sam stĂŒrmisch wurde und ihre Energie alles mitriss, was sich ihr in den Weg stellte, bekam Steve es ein wenig mit der Angst zu tun. Lediglich die Standhaftigkeit seiner Jugend half ihm, die Sache zu ĂŒberstehen und der Akt dauerte nicht sehr lange. Fast war Sam enttĂ€uscht ĂŒber die Belanglosigkeit des Vorgangs, doch sie versuchten es wieder und von mal zu mal wurde es besser. Unbemerkt begann Sam in dieser Zeit Romantik und Sex zu trennen und gelangte dadurch zu einer Einstellung, die man gemeinhin MĂ€nnern nachsagte. Nach Steve kam Jack und zwischen ihren ersten beiden Liebhabern lagen nur zwei Wochen. Und danach kamen noch viele andere.
Der Mann, den sie an jenem Abend vor vielen Jahren an der Hotelbar kennen gelernt hatte, hieß Max. Er war nur wenig Ă€lter als Sam und er fiel ihr auf, als sie an ihrem „Manhattan“ nippte und dem Barpianisten lauschte, der irgend etwas von Billy Joel spielte. Es war ein Freitag-Abend, die meisten GeschĂ€ftleute waren abgereist und so hielten sich kaum GĂ€ste an der Bar auf. Sie saß mit ĂŒbereinander geschlagen Beinen auf ihrem Barhocker, trug hohe Schuhe, dunkle StrĂŒmpfe, einen knappen Minirock und das nicht ohne Grund. Sie war in Stimmung, es fehlte bisher nur die Gelegenheit, und sie sendete Signale aus, die Bereitschaft ankĂŒndigten. Die Gelegenheit stellte sich ein, als sie von Max zu einem Drink eingeladen wurde. So lief es oft. Rituale waren dazu da, sich daran zu halten und das fand Sam nicht langweilig, sondern es hatte etwas praktisches. Man wusste eben, worauf es hinaus lief. Sie hĂ€tte „Nein, danke!“ sagen können. Ihr Glas war leer und Max hĂ€tte gewusst, dass nichts laufen wĂŒrde. Sie hĂ€tte den Drink annehmen und das GesprĂ€ch in eine distanziertere Richtung lenken können ohne unhöflich werden zu mĂŒssen. Doch sie tat etwas anderes. Sie sagte: „Gern!“ und ihr Blick und der leicht geöffnete Mund signalisierten Max, dass sie durchaus zu mehr als einem Drink bereit war, wenn er alles richtig machte und dem Ritual folgte.
Doch da war auch ein leichtes Zögern ihrerseits. Max bemerkte es nicht, aber Sam. Neuerdings war das, was sie tat, mit einem schlechten Gewissen verbunden. Und jedes Mal, wenn es geschah, nahm sie sich vor, nun endlich damit aufzuhören. Sie war wie ein Trinker, der sich bei jedem furchtbaren Kater sagte, dass es sein letzter sein wĂŒrde. Es gab einen Grund fĂŒr diesen Wandel : sie war nun verheiratet war und sie liebte ihren Mann. Das Problem aber war, dass ihr Gatte Christopher Holland in die Romantik-Ecke gehörte. Dies hier war jedoch Sex und das war nicht gerade eine StĂ€rke von Chris. Doch Sam war nicht blöd. Sie wusste, dass sie die Trennung dieser beiden Dinge nicht weiter in ihr Leben integrieren konnte und das es an Selbstbetrug grenzte, wenn sie es versuchen wĂŒrde. Fast schon, als wĂ€re es ein Hinweis Gottes gewesen, war auch ihr Mann glĂ€ubiger Christ und die Wahrheit ĂŒber seine Frau zu erfahren, wĂ€re das Schlimmste fĂŒr ihn gewesen. Er hatte sie kennen gelernt, als Sam ihr altes Leben gerade hinter sich gelassen hatte und wĂŒrde niemals erfahren, das sie auf der Highschool eine sichere Nummer gewesen war. Sie trafen sich auf der UniversitĂ€t und fĂŒr Chris war sie die große Liebe und die zukĂŒnftige Mutter seiner Kinder, fast so etwas wie „FamiliengrĂŒndung“ auf den ersten Blick. Sam war jemand, den man seinen Eltern vorstellen konnte, wenn man nicht hinter die Kulissen sah.
Als sie ihren zweiten „Manhattan“ bekam, dachte Sam kurz an Chris, verdrĂ€ngte ihn aber schnell. „Nur noch dieses eine mal!“ nahm sie sich vor, was man eine glatte LĂŒge hĂ€tte nennen können, wenn der Abend spĂ€ter anders verlaufen wĂ€re. Eine Stunde, nachdem sie Max begegnet war, geschah etwas, das sie ein fĂŒr alle mal von ihrer Sucht befreite. Mancher Trinker wĂŒnscht sich so etwas. Er wĂŒnscht sich, dass der Bourbon plötzlich wie Lebertran schmeckt. Oder wie Scheiße. Einfach ein Wink Gottes, um aus der TretmĂŒhle heraus zu kommen.
„Was tun sie hier in Chicago?“, fragte Max, der sich aber noch nicht vorgestellt hatte.
„Christine“, sagte Sam. Auch der falsche Name gehörte zum Ritual, allerdings zu dem geheimen Teil, den Max nicht kannte. Und er war auch nicht ganz falsch, sondern lediglich ihr zweiter Vorname. Das machte es einfach, darauf zu hören, wenn man angesprochen wurde. Ihre Mutter hatte ihn immer benutzt, wenn Sam etwas ausgefressen hatte. „Samantha Christine!“, hatte sie vorwurfsvoll gesagt.
„Max“, sagte der junge Mann, der ihr nun gegenĂŒber saß und sich selbst einen Jim Beam mit Eis bestellt hatte. Er rauchte Marlboro. An seinem Arm trug er eine teure Uhr. Es war eine „Breitling“. Und ein kleiner weißer Abdruck an seiner Hand verriet ihr, dass dort meistens ein Ehering saß. Heute nicht. Wie es also aussah, wurden auch Signale zurĂŒck gesendet.
„Also, was tun Sie hier?“, fragte Max erneut.
„Medizinkongress“, sagte Sam. Das war nicht gelogen. Keine Chance, dabei zu Schummeln, man verstrickte sich so leicht in WidersprĂŒchen.
„Sie sind Ärztin?“ Sam sah sich jetzt ihr GegenĂŒber genauer an. Er trug einen eleganten Anzug und Krawatte. Seine Haare waren gepflegt, ebenso seine FingernĂ€gel. Sie waren eindeutig manikĂŒrt. Sam achtete auf solche Dinge. Er sah gut aus, hatte dunkle Augen und so einen jungenhaften Zug um die Lippen. Er war niedlich und alles passte zusammen.
„Ich bin A.I.P“, sagte sie. Er nickte und schien zu wissen, was das bedeutete. Arzt im Praktikum. Die Fahrt zu diesem Kongress war ein Geschenk ihres Chefs gewesen, der sie sehr schĂ€tzte und ihr eine große Karriere prognostizierte. Sie wollte Neurologin werden und befand sich in der Facharztausbildung. Die Krankheit ihrer Schwester hatte sie dazu bewegt, diesen Beruf zu erlernen, doch dazu spĂ€ter mehr.
„Und sie?“, fragte Sam.
„Ich bin Pharmavertreter“, sagte Max und damit war er in etwa so aufrichtig, wie Sam es mit ihrem Namen war. Es stimmte, aber nicht so ganz.
„Welche Fachrichtung wollen sie einschlagen?“, fragte Max. Sam antwortete, doch sie ĂŒberlegte schon, wie sie an ihr eigentliches Ziel gelangen konnte.
„Neurologie.“
„Interessantes Fachgebiet.“
Und dann gelang es ihnen abzubiegen und im Ritual zu bleiben.
„Unternehmen sie nichts mit ihren Ärztekollegen heute abend?“, fragte Max.
„Nein. Die meisten sind abgereist. Ich hatte Probleme einen Flug zu bekommen und bleibe noch eine Nacht. Aber es ist eine Gelegenheit, jemand Interessanten kennen zu lernen.“
Max nickte und lÀchelte sie wissend an. Vielleicht dachte er aber auch, dass Sam gar nicht wissen konnte, wie interessant er in Wirklichkeit war.

SpĂ€ter hatte sie oft AlptrĂ€ume und sah die Szene immer wieder vor sich. Es dauerte Jahre, bis sie sich entschloss, wenigstens mit einem Therapeuten darĂŒber zu reden und das war der einzigste Mensch, dem sie davon berichten konnte. Viel spĂ€ter sprach sie dann auch mit Diane darĂŒber, einer engen Freundin. Es waren Bilder, KlĂ€nge und manchmal ganze Sequenzen, die sich in ihrem Verstand einnisteten. Von ihrer Zwillingsschwester Carrie erfuhr sie spĂ€ter, dass es ihr mit dem Tag, an dem sie krank wurde, genauso ging. Sie konnte sich an die unwichtigsten Details erinnern.
Der Barpianist spielte Elton Johns „Your Song“, als Sam Max einlud, sie auf ihr Zimmer zu begleiten.
Max willigte ein und verlangte die Rechung. Er zahlte in bar.

Am Anfang war alles perfekt, fast klassisch. Sie betraten Sams Zimmer und sie dĂ€mpfte das Licht. Sam öffnete eine kleine Flasche Sekt aus der Minibar und sie tranken aus den kleinen WasserglĂ€sern, die das Hotelpersonal bereit gestellt hatte. Dann ließ sich Sam auf das Bett fallen und Max war bei ihr. Sie kĂŒssten sich und zogen sich langsam aus. Als Max sein Hemd abgelegt hatte, fand Sam BestĂ€tigung fĂŒr ihre Vermutung. Er sah wirklich gut aus, war genau ihr Typ. Und so dauerte es nicht lange, bis sie sich ihrer Kleidung völlig entledigt hatten. Als Sam sich gerade Max hingeben wollte, entwickelte er neue KreativitĂ€t. Er nahm einen von Sams StrĂŒmpfen und fesselte ihre rechte Hand an das Bett. Es hatte ein Metallgestell und war somit ideal fĂŒr diesen Zweck. Sam lĂ€chelte. Sie hatte Spaß an solchen Dingen, lehnte lediglich alles ab, was weh tat, aber das war nicht der Fall. Es machte sie gespielt wehrlos und gab ihr die Möglichkeit sich fallen zu lassen. Max nahm den zweiten Strumpf und fesselte ihre linke Hand. Diesmal zog er den Strumpf fester.
„Hey“, sagte Sam, „das tut weh!“
Doch Max schien sich nicht darum zu kĂŒmmern. Ganz im Gegenteil. Er zog nun auch die Fessel ihrer rechten Hand so fest, dass es ihr Schmerzen zufĂŒgte.
Dann stand er vom Bett auf und suchte etwas.
„Es wĂ€re wirklich schön, wenn du die Fesseln etwas lockern wĂŒrdest!“
Ihre Lust begann zu schwinden, denn das hier tat weh. Max ignorierte sie und öffnete Sams Koffer. Er entdeckte darin ein weiteres Paar StrĂŒmpfe und damit fesselte er auch ihre FĂŒĂŸe an das Bett. Das fand Sam ĂŒberhaupt nicht komisch und schon gar nicht sexuell anregend. Sie begann sich zu wehren, aber sie schrie nicht, denn sie wollte niemand Dritten in diese peinliche Situation einbeziehen.
Max war krÀftig. Sie sah wie seine Muskeln arbeiteten, als er ihre Beine an das Bett fesselte und was sie eben noch erotisch fand, war nun angsteinflössend.
„Max, bitte“, sagte Sam, „binde mich los. Das tut wirklich weh!“ Sie ĂŒberlegte. „Wir können doch einfach miteinander vögeln, okay? Du machst mich los und wir machen ganz normal weiter.“ Das war eine glatte LĂŒge. FĂŒr heute war die Sache beendet. Er wĂŒrde keinen Sex mehr bekommen, höchstens eine Ohrfeige und einen Tritt in den Hintern.
Er hatte auch ihr zweites Bein gefesselt, obwohl Sam sich heftig wehrte und nun durchsuchte er sein eigenes Jackett. Er fand auch etwas und jetzt galt all seine Aufmerksamkeit wieder der Frau, die er gefesselt hatte. Max ging zum Bett zurĂŒck und stieg auf sie. Dann sah Sam, was er in den HĂ€nden hielt. Es war ein altmodisches Rasiermesser, noch zugeklappt, und Sam begann sich voller Panik heftig zu winden.
„Mach dir nichts draus. Ich habe nichts gegen dich persönlich. Ganz im Gegenteil, ich mag dich. Doch was spielt das fĂŒr eine Rolle. Es hat noch nie eine gespielt.“ Seine Worte klangen freundlich, fast liebevoll. Und das war es, was aus der Furcht Panik machte.
Was auch immer dieser Max gerade tat, er hatte es nicht zum ersten Mal getan, soviel stand fest. Sam versuchte, sich an ihre Psychologie-Vorlesungen zu erinnern. War Max ein Soziopath? Konnte er nicht mehr erkennen, dass sie ein Mensch war? War sie nunmehr ein Ding? Das war die einzigste mögliche Schlussfolgerung.
„Du machst mir Angst, Max“, sagte sie. Sam versuchte ruhig zu bleiben und ihm nicht zu zeigen, was wirklich in vorging. Es war vielleicht ihre Furcht, von der Max zehrte und Sam wollte ihm nicht liefern, was er brauchte. Doch als Max das Rasiermesser aufklappte, war es vorbei mit ihrer Beherrschung.
„Ich werde dich gleich aufschlitzen“, sagte Max mit zitternder Stimme und bei diesen Worten bekam er eine Erektion, die vorher ausgeblieben war. Max erregte die Situation und Sam begann, um ihr Leben zu kĂ€mpfen.

Eigentlich waren NylonstrĂŒmpfe, einmal um Beine und Arme gewickelt, Fesseln, die nicht zu ĂŒberwinden waren. Doch Sam setzte ungeheure Energien frei. Die StrĂŒmpfe rissen nicht, aber sie lockerten sich.
Und es blieb nicht mehr viel Zeit, denn Max begann, mit dem Rasiermesser ihre Haut anzuritzen. Es war nur ein kleiner Schnitt auf ihrem Unterleib, der kaum die Haut verletzte, fast als wolle er einen Kaiserschnitt vornehmen. WĂ€hrend Max damit beschĂ€ftigt war, rutsche ihre rechte Hand aus der Fessel und Sam zögerte keinen Moment. Mit aller Kraft verpasste sie Max einen Schlag gegen den Kopf. Er fiel zur Seite, landete auf dem Fußboden. Es blieb keine Zeit. Sam löste die Fessel ihres linken Arms und begann dann, sich mit ihren Beinen zu beschĂ€ftigen.
„Scheiße, Scheiße“, sagte Sam. Sie zitterte, versuchte sich aber zu beruhigen, was nicht leicht fiel, denn Max stöhnte auf dem Fußboden. Sie konnte ihn nicht richtig sehen, sah nur seinen RĂŒcken. Er schien sich langsam zu erholen. Sam hatte ihn an der SchlĂ€fe getroffen. Das war mehr Zufall, als das sie es geplant hatte, doch es zeigte Wirkung. Der rechte Fuß war frei und nun kam der linke an die Reihe. Max stand auf und suchte das Messer, das er wohl verloren hatte. Er war benommen und schwankte. Aber sie kam frei und sprang vom Bett. Nun stand ihr Max gegenĂŒber, auf der anderen Seite des Raumes und des Bettes und er hatte sein Messer wiedergefunden.
„Du machst alles kaputt“, sagte Max auf eine seltsame Art weinerlich wie ein Kind, dass seinen Willen nicht bekam und Sam wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Sie wollte nur weg von hier und von ihm. Und Max schwang das Messer durch die Luft. Sam ĂŒberlegte angestrengt. Wenn Max ĂŒber das Bett auf sie zuspringen wĂŒrde, konnte sie seitlich daran vorbei. Wenn er es genau auf diesem Weg versuchte, wĂŒrde sie einfach ĂŒber das Bett springen. Die Chancen standen fĂŒnfzig zu fĂŒnfzig. Doch im Gegensatz zu ihr hatte Max ein Messer. Sam riskierte einen kurzen Blick. Sie suchte ihre Handtasche. NatĂŒrlich war sie nicht so naiv, auf eine Ă€hnliche Situation nicht irgendwie vorbereitet zu sein. In ihrer Tasche war eine kleine Spraydose mit Pfefferspray. Sie hatte es fĂŒr jene brenzligen Lagen gekauft, die sich ihrer Kontrolle entzogen. Aber die Tasche war genau am anderen Ende des Raumes, stand brav auf dem kleinen Stuhl, der sich in der NĂ€he des Ausgangs befand. Sie musste an Max vorbei.
Und dann entschloss sich Max, nicht den Weg ĂŒber das Bett zu nehmen, sondern seitlich daran vorbei, und Sam zögerte nicht, wartete nur eben so lange, dass der Abstand zu ihm genau richtig war. Sie war sportlich, sprang auf das Bett und nutze die Federwirkung. Max war nicht schnell genug, das Rasiermesser durchschnitt nur die Luft und Sam war schon bei ihrer Handtasche.
Die Handtaschen von Frauen sind in der Regel ein völliges Durcheinander und man findet nie, was man sucht. Doch Gott stand ihr bei, hatte ihr nicht ĂŒbel genommen, was sie tat und es genĂŒgte ein Griff, um das Pfefferspray zu finden. Als Max dann bei ihr war und fast mit einem Messerhieb ihre Brust verletzte, sprĂŒhte sie ihm das Zeug in das Gesicht. Er ließ das Messer fallen und heulte, die HĂ€nde vor den Augen.
Ebenfalls auf jenem rettenden Stuhl befand sich ein Morgenmantel. Sam nahm ihn und lief hinaus auf den Gang, rannte davon, so schnell sie konnte.

Als sie einige Meter gelaufen war, öffnete sich eine ZimmertĂŒr. Eine Ă€ltere Dame, gekleidet und geschminkt fĂŒr einen Ausflug in das Nachtleben Chicagos, trat auf den Gang und Sam rannte sie fast um.
„Hey, Hey“, sagte die Frau, „nicht so schnell, Kleines.“
Sam ĂŒberlegte. „Helfen Sie mir, bitte!“, sagte sie und sah sich Ă€ngstlich um. Die Frau schlussfolgerte aus dem, was sie sah und bat Sam in ihr Zimmer. Sie setzen sich auf das Bett und Sam weinte. Jetzt, wo sie in vermeintlicher Sicherheit war, stand sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Die Ă€ltere Dame, die sich ihr als Rose vorstellte, öffnete die Minibar und wĂ€hlte eine kleine Flasche Bourbon aus. Sie gab sie Sam, die sie in einem Zug leerte.
„Was ist denn geschehen?“, fragte Rose.
Und Sam erzĂ€hlte ihr eine Geschichte von ihrem Freund, der sie verprĂŒgeln wollte und vor dem sie dann geflohen war. Es klang plausibel. Sie konnte nicht berichten, was wirklich geschehen war.
Es dauerte eine Weile, bis Sam sich beruhigte. Am sichersten wÀre es gewesen, die Polizei zu verstÀndigen, doch das war nicht möglich. Also bat Sam Rose sie auf ihr Zimmer zu begleiten. Wohin hÀtte sie auch gehen sollen, mitten in der Nacht und nur mit einem Bademantel bekleidet? Rose war bereit, mitzukommen; sie war eine mutige Àltere Dame und bewaffnete sich mit einem Regenschirm. Und Sam hatte immerhin noch das Pfefferspray.
Die TĂŒr zu Sams Zimmer stand halb offen. Die vorsichtige und Ă€ngstliche Sam stieß sie mit dem Fuß ganz auf, das Spray sozusagen im Anschlag, und ging hinein. Das Zimmer war leer. Sie inspizierten noch das Badezimmer und auch hier war alles in Ordnung. Außerdem fand Sam ihre Codekarte, die als ZimmerschlĂŒssel diente. Sie hatte befĂŒrchtet, dass Max sie mitgenommen hatte. Aber leider fand sie auch noch etwas anderes. Auf ihrem Nachttisch lag ein kleiner Zettel. Samantha las, was darauf geschrieben stand:
„Wir sehen uns! Max.“

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goblin
Wird mal Schriftsteller
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Wir sehen uns - Kapitel 1

Hallo KingArthur!

Hab eben das 1. Kapitel deines Romans gelesen. Ist sicher wahnsinnige Arbeit, an etwas zu schreiben, das 250 Seiten lang werden soll.

Da dies nur ein kleiner Teil dieser 250-Seiten-Geschichte ist, kann ich auch nicht viel zum Inhalt sagen, denn gerade Romane mĂŒssen sich entwickeln, könnenunzĂ€hlige Haken schlagen und ganz woanders aufhören, als sie begonnen haben.

Was mir nicht gefallen hat, war die Redewendung "doch dazu spĂ€ter mehr". In einer Geschichte, die nicht Satire oder Ă€hnliches ist, finde ich sie unpassend. Sie paßt eher zu nĂŒchternem Sachbuchstil.

Das Problem mit dem Trennen von Sex und Liebe, ja ja, ich glaube, das verstehen wir MĂ€nner gut. Sucht nicht jeder von uns ab und an eine Sam? *g*

Im Grunde beschreibst du in diesem Kapitel eine ganz normale Situation (Hotelbar, Fremdgehen), die dann kippt und in ein Thriller-Szenario abgleitet. Leider erwĂ€hnst du unmittelbar davor, daß Sam sich noch spĂ€ter an diesem Abend zurĂŒckerinnerte, wodurch man weiß - hoppla, die Heldin ĂŒberlebt diese prekĂ€re Situation! Und automatisch macht man sich nicht mehr so arge Sorgen um ihr Wohlergehen, was etwas die Spannung trĂŒbt.

Und - bitte nicht böse sein - sonderlich originell ist die Serienmörder-Geschichte bis dato noch nicht. Frau-nimmt-ihren-(Möchtegern-)Mörder-in-spe-mit-aufs-Zimmer-Plots hab ich schon in unzÀhligen Krimis gesehen.
Aber wie gesagt, das kann sich in 250 Seiten noch alles Ă€ndern, kein Roman, der erst langsam seine eigentliche Geschichte entrollen muß, wird bereits auf den ersten Seiten
__________________
gb

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goblin
Wird mal Schriftsteller
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Fortsetung der email

extrem originelle Höchstspannung bieten können.
Außerdem: Gerade eine Genre-Geschichte darf ruhig mit Klischees arbeiten, denn was zĂ€hlt, ist spannende Unterhaltung.

Und was mir gefallen hat an deinem 1. Kapitel, war, daß auch wenn nichts wirklich Neues geboten wurde, ich dennoch wissen wollte, wie's weitergeht und weiterlesen mußte.
Und das ist das Wichtigste!

Es war zwar eine altbekannte-Thriller-Situation, aber fesselnd geschrieben.
Es wÀre höchst interessant, auch das oder die nÀchsten Kapitel hier lesen zu können!

Alles Gute fĂŒr die restlichen ĂŒber 200 Seiten!
TschĂŒĂŸ,

Goblin
__________________
gb

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KingArthur
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Vielen Dank fĂŒr deine wertvollen Tipps. Die beiden Textstellen ("doch dazu spĂ€ter mehr" und der Hinweis auf das Überleben der Protoganostin) werde ich Ă€ndern.
Es stimmt beides!

Zu dem Klischee kann ich nur sagen, dass es in dem Buch eigentlich darum geht, dieses Klischee aufzugreifen und etwas völlig anderes daraus zu machen. Das erste Kapitel ist nur zum aufwÀrmen.

Allerdings muß ich mir Gedanken darĂŒber machen. Ein Buch, zudem man sozusagen eine Bedienungsanleitung braucht, ist nicht besonders wertvoll. Es nĂŒtzt nichts, wenn der Leser den Schinken aus der Hand legt und sagt "Och schon wieder so'ne öde Serienkillergeschichte."

Denn letzteres ist diese Geschichte und ist es auch wieder nicht.

Bin ĂŒbriges zur Zeit auf Seite 127 (wenn ich erstmal drin bin, schreibe ich wie Besessener)

Mein letzter Roman erzĂ€hlt ĂŒbrigens auf 350 Seiten die uralte Gruselstory von einem amerikanischen Ehepaar, dass sich seinen Lebenstraum erfĂŒllt und auf Jersey ein altes Herrenhaus kauft. NatĂŒrlich geht dort nicht alles mit rechten Dingen zu usw. Dennoch hat es jedem, der es gelesen hat sehr gefallen. Die Geschichte ist interessant, ob Klischee oder nicht und vor allem spannend, solange das Klischee einem nicht verrĂ€t, wie es ausgeht.

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Lord Stark
Festzeitungsschreiber
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Hallo King Arthur!

Das Wichtigste gleich vorne weg: Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, inhaltlich wie sprachlich. Das "doch dazu spĂ€ter mehr" wollte ich kritisieren, doch das tat goblin ja schon vor mir. Ich schreibe auch gerade an einem Buch (wer tut das nicht ) und habe einige AuszĂŒge daraus im Fantasy Forum veröffentlicht, Gratulation, daß du schon so weit bist und es sogar schon geschafft hast, ein Buch komplett zu schreiben (neid..)

Bitte poste weitere AuszĂŒge aus deiner Arbeit, ich bin gespannt!
__________________
"They say all friends must part one day - so why not you and I?"

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KingArthur
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo Lord Stark,

danke fĂŒr deine Kritik, ich dachte schon, mein Geschreibsel interessiert wirklich keinen. Es ist in der Tat ein Problem fĂŒr mich, ein geeignetes Forum zu finden. Ich bin wirklich ein reiner Romanautor. Ich kann hier also nur Teile meiner Arbeit veröffentlichen. Manchem fĂ€llt es schwer einen Roman zu schreiben, mir fĂ€llt es leicht, in zwei bis drei Monaten dreihundert Seiten zu schreiben. Kurzgeschichten bringen mich um. Sie entspringen der RealitĂ€t und dem tĂ€glichen Einerlei in das Besondere, sind kurz und kraftvoll, ohne Premisse wertlos. Ich baue gerne langsam auf, schaffe AtmosphĂ€re und RĂ€tsel. In einer Kurzgeschichte fehlt dafĂŒr der Raum. Daher bin ich wirklich sehr dankbar fĂŒr jeden Leser.
Die wenigen Tipps hier waren sehr wertvoll und das "doch dazu spĂ€ter mehr" habe ich sofort und dauerhaft entfernt. Aber das ganze Werk, dass heute 220 Seiten hat und immer noch auf einen wirklichen guten Schluß wartet, lebt von der verzerrten Darstellung der RealitĂ€t. In diesem Buch gilt: achte darauf, aus wessen Sicht die Geschichte erzĂ€hlt wird. Ich wĂŒrde gerne dem einen oder anderen interessierten Leser grĂ¶ĂŸere Teile "meines Schaffens" zukommen lassen, doch denke ich, hier geht das nicht.
Schade, oder?
Und wÀhrend dieser Buch wartet sind 250 Seiten eines dritten Buches entstanden, dass noch 150 bis 200 Seiten braucht. ProduktivitÀt ist also wirklich keine Kunst sondern wahrscheinlich eine Macke.

Ich werde als alter Tolkien-Verehrer jetzt mal im Fantasy Forum rein schauen.
:-))

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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Vielleicht solltest du dein Werk HĂ€pschen Weise anbieten, eventuell ist der Erflolg grĂ¶ĂŸer.

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