Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
258 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wir sind eins
Eingestellt am 27. 08. 2003 19:50


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Lillia
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 8
Kommentare: 85
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lillia eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ihr Fenster steht weit offen, wie jeden Tag im Sommer. Ein ganz leichter Wind bewegt sanft die Gardinen und ab und zu kann ich durch den Spalt in ihr Zimmer sehen. Ob sie da ist? Wenn sie da ist, wird sie wahrscheinlich noch im Bett liegen. Sich verschlafen hin und herraekeln, die Haare voellig wirr verstrubbelt und das Gesicht noch ganz faltig. Ihren Ruecken zum Katzenbuckel kruemmen und sich danach ins Hohlkreuz strecken, so dass ihre kleinen Brueste zur Zimmerdecke zeigen. Wenn ich neben ihr lag, hat sie mich danach immer angeblinzelt und mich angegrinst, als sei sie neben der schoensten Ueberraschung aufgewacht. Gegen mein Wachkitzeln hat sie sich immer gewehrt, bis ich sie gestreichelt habe. “Wachlieben” hat sie es genannt….”Komm schon, lieb mich ein bisschen wach….” Hat sie immer gemurmelt.
Ihr Fahrrad lehnt nicht an der kleinen Mauer, vielleicht ist sie gar nicht da. Vielleicht ist sie heute schon frueher in der Uni, oder mit Lisa fruehstuecken. Dabei war sie gestern abend so lange weg! Erst gegen zwei kam sie nach Hause. Schoen sah sie aus, ich liebe es, wenn sie ihre Haare hochsteckt und ihre Beine in den braunen Stiefeln….Sie ging langsam und wirkte muede, das konnte ich sogar von Weitem sehen. Bestimmt war sie mit den Maedchen tanzen gewesen, bestimmt.
Niko meint, so schnell suche sie sich keinen neuen. Mara sei nun staendig mit ihren Freundinnen unterwegs und einer dieser demonstrativ gluecklichen Singles. Die hatten sowieso immer an mir herumkritisiert, ich mochte bis auf Ramona keine von ihnen. Ramona findet zwar, dass Mara und ich sowieso nicht zusammengepasst haetten, aber das nehm ich ihr nicht uebel, sie hat eben keine Ahnung. Wie soll sie auch wissen, was das zwischen mir und Mara ist, wenn nichtmal Mara es versteht.
Mara scheint es vergessen zu wollen. Zwei Jahre und sie tut so, als haette sie nicht kapiert, dass wir zusammengehoeren. Dabei hat sie selbst es gesagt, sie selbst, als ich damals so eifersuechtig war, weil sie in der Uni von diesen ganzen Typen angegraben wurde. Hat mein Gesicht zu ihr gezogen, mir fest in die Augen geguckt und gesagt: “Wir beide. Wir beide, wir sind so ein fest verschmolzener Klumpen, du in mir und ich in dir, uns kriegt gar keiner auseinander!” Dann hat sie ihre Arme um mich gelegt und mich so fest umarmt, dass ich wusste, dass sie recht hat.
Vor fuenf Monaten hat sie das alles dann auf einmal vergessen. Hat gesagt, das sei alles nicht mehr so ganz, wie sie sich das vorstellte. Ich sei so komisch geworden und ueberhaupt fuehle sie nicht mehr genug fuer mich, um mit mir zusammenzusein. Am besten, wir haetten jetzt erst mal Abstand. Abstand? Wie koennen wir denn Abstand halten, wo wir doch eins sind? Ich warte schon so lange darauf, dass Mara wieder normal ist. Wie oft sie wohl an mich denkt? Ob sie mich vermisst, wenn sie aufwacht, wenn sie schlafen geht? Nur zweimal haben wir uns seitdem gesehen. Ganz kurz, auf der Strasse. Sie hat nicht gemerkt, dass ich sie beobachte. Sie dachte, ich sei zufaellig in ihrer Gegend. Wir taten, als sei alles normal. Gruessten uns, sprachen kurz ueber ihr Studium oder etwas aehnlich Unwichtiges und verabschiedeten uns. Sie tat ganz froehlich “War schon, dich zu sehen, bis dann mal!” und drehte sich nochmal um, um zu laecheln und zu winken. Ihr Laecheln tat so weh. Ich wollte so sehr, dass sie lachend zurueckgelaufen kommt, sich an mich wirft und prustet, dass alles nur ein Spass war.
Heute abend feiert Moritz seine Abschiedsparty und sie wird auch da sein. Heute abend wird sie mit mir reden und merken, dass alles wieder gut ist, wenn sie nur zurueckkommt. Ich werde es ihr schon erklaeren, sie wird es begreifen. Meine Mara.

Ich komme sehr frueh zu Moritz, um da zu sein, wenn sie eintrifft. Es sind ziemlich viele Leute auf der Party, die ich nicht kenne, umso leichter wird es sein, eine Ecke zu finden, in der wir unsere Ruhe haben, um reden zu koennen. Erst spaet, gegen Mitternacht, kommt sie endlich, zusammen mit ihren Freundinnen. Alle vier sehen schrecklich aufgetakelt und ziemlich angetrunken aus. Mara traegt einen Rock, der so kurz ist, dass ich ihren Slip sehen kann, wenn sie sich nach vorne beugt. Ihre Bluse etwas durchsichtig, sie traegt keinen BH. Ihre Haare sind ziemlich durcheinander und ihr Augenmakeup etwas verwischt. Jetzt redet sie mit irgendeinem Kerl und lacht dabei laut und schrill. Legt dabei wie zufaellig ihre Hand auf seine Brust. Muss das sein!? Muss sie das machen, wenn ichsie beobachte? Mara, das sollte ein wichtiger Abend werden und du kommst besoffen hier an und fuehrst Dich auf wie eine Schlampe! Wir sind Dir nichts wert, hm, Dir ist es wichtiger, dass irgendwelche Arschloecher Dir auf die Titten glotzen!
Der Typ bietet ihr was zu trinken an und sie greift lachend zu. Wenn ich sie jetzt nicht langsam anspreche, dann kann ich ihr nachher nur noch beim Kotzen helfen oder zusehen, wie dieser geleckte Penner sie in sein Auto schleppt.
Ich gehe auf sie zu, sie sieht mich. Grinst schief. Ihre Augenlider sind halb geschlossen, sie ist noch fertiger als ich dachte.
“Naaa?” Ihre Stimme quietscht. “Wie schooooeeen, dich zu sehen!” Sie breitet uebertrieben schwungvoll ihre Arme aus.
Ich nehme ihre Hand und sehe sie fest an. Ihre Blick zuckt. “Wir reden jetzt, Mara.”
“Na, was denn, kein ‘Hallo, Maus!’ oder sowas?” Sie kichert und wirft dem geschniegelten Idioten neben uns einen verschwoererischen Blick zu. Dieser prostet uns irritiert zu. “Na, dann bis gleich, ne?” Er laechelt sie verunsichert an.
Mara quiekt “Jaaa, jaa, jaa, ‘bis gleich’!” und dreht ihren Kopf wieder zu mir. Einen Moment lang starren ihre Augen durch mich durch, sie scheint mich zu fokussieren. Versucht, klar zu sprechen. “Was soll das denn jetzt? Der hat echt sues gelaechelt, bis du kamst!”
Ich habe die Schnauze voll von ihrem beschissenen Spielchen und packe sie fest am Handgelenk. “Wir gehen jetzt raus und reden.”
“Ooooooh” Sie macht grosse Augen “Und was machst du, wenn ich gar nicht will?”
Ich ignoriere ihr undeutliches Gebrabbel und ziehe sie hinter mir her in den Garten. Es ist inzwischen dunkel draussen und schon sehr kuehl geworden. Alle Gaeste haben sich ins Haus zurueckgezogen. Zwei Lampions haengen noch ueber der Terrasse und ich hoere den Laerm der Party durch die Scheiben. Er wird immer leiser und im Garten selbst ist es dunkel.
Mara kichert. Ich drehe mich zu ihr um und umfasse ihre Arme mit beiden Haenden. Ich will ihr ins Gesicht sehen, doch es ist dunkel. Ich spuere ihre Waerme vor meinem Koerper. Ich werde ganz weich.
“Mara. Meine Mara. Das war mir wirklich wichtig heute abend, weisst du. Deswegen war ich ein bisschen sauer, dass du so betrunken hier ankommst. Aber ich verzeihe dir. Meine Mara….” Ich will sie in den Arm nehmen, sie kuessen, ihr zeigen, dass es wieder gut ist, doch Mara drueckt ihre Haende gegen meine Schultern und mich weg.
“Spinnst du?” nuschelt sie, es klingt wuetend. “Du spinnst ja! Ich kann kommen wie ich will und es ist mir egal, was dir wichtig ist! Ich bin auch nicht deine Mara, das kannst du vergessen, schon lange bin ich nicht mehr deine Mara, ich bin meine Mara und kann machen was ich will!”
Etwas klumpt sich in mir zusammen und wird hart. Sie kapiert es nicht. Sie ist echt zu bloed um es zu kapieren. Oder sie will mir weh tun. Wahrscheinlich will sie mir wehtun, deswegen hat sie sich auch an diesen Schleimer so rangeschmissen wie ein Flittchen.
“Du haettest dich echt nicht so an diesen Penner ranmachen muessen, wenn ich dabei bin.” Meine Augen haben sich an die Dunkelheit gewoehnt, ich sehe wie sie ihre Augen zu Schlitzen verengt.
“Verdammt, es ist mir scheissegal, ob du da bist oder nicht, und wenn ich es an Ort und Stelle mit ihm gemacht haette, es geht dich nichts an!” Sie schreit jetzt fast. Diese bloede Schlampe, ich halte ihr den Mund zu. Meine Lippen ganz nah an ihrem Ohr zische ich
“Ficken wolltest du ihn also, ficken mit ihm vor meinen Augen!”
Ich besinne mich, meine Stimme wird sanft. “Maraliebling. Meine Mara, weisst du nicht mehr, wie du gesagt hast, wir sind eins? Wir gehoeren fuer immer zusammen, Mara, das weisst du doch, das hast du doch gesagt!” Sie versucht, meine Hand abzuschuetteln, ich umklammere ihren Koerper mit dem linken Arm und halte sie fest. Mein Mund wandert ueber ihre Wange. Sie schuettelt wild den Kopf. Sie versteht es nicht. Irgendwas hat ihr das Herz vernebelt, sie erinnert sich nicht. Ich weiss nicht, was ich tun soll, damit sie es kapiert. Sie riecht so gut. Ihre Haut unter meinen Lippen ist so wahnsinnig weich. Sie zittert. Wie zart sie ist. Mein Mund tastet sich an ihren Hals. Ich lockere meine Hand um ihren Mund, um ihre Lippen zu streicheln. Sie reisst den Mund auf “Lass mich endlich in Ruhe, du perverser Idiot, lass mich in Ruhe und verschwinde!” Sie beisst mir in den Finger und wirft ihren Koerper nach vorne, um sich loszureissen. Sie hat mir wehgetan. Mein Finger brennt, in mir brennt es und mir wird ueberall ganz heiss. Ich ramme meine Zaehne in ihren Hals und schleudere sie zurueck. Sie knallt mit dem Kopf auf. Danach bewegt sie sich wie in Zeitlupe. Ich schmecke Blut und sehe die kleine Wunde in ihrer Schulter. Das Blut sieht in der Dunkelheit aus wie Schwarz auf Weiss. Ich fahre mir mit der Zunge mir ueber die Lippen und schmecke Mara von innen. Sie liegt auf dem Boden und blinzelt mich an wie frueher, wenn wir aufwachten. Ich beuge mich ueber sie und lecke ueber ihre Schulter. Beisse zu. Sie stoehnt. Ihre Haut ist so weich, Mara, Mara, meine Zarte…
Ich streife ihr die Bluse ab, vergrabe mich in ihrem Dekolletee, ich sauge an ihren Brustwarzen. Wir sind eins Mara, hoer auf zu wimmern. Jetzt verstehst du, mein Liebling, wir gehoeren zusammen, ich in dir und du in mir. Ich versenke meine Zaehne in ihre weiche Brust und atme sie ein.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Lillia
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 8
Kommentare: 85
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lillia eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
:(

Hallo ihr Lieben...

vielleicht macht man das ja eigentlich nicht, vielleicht laesst man die 0 da stehen, wenn keiner was sagen moechte, aber ich bin schon ein bisschen traurig.

Wenn Ihr den Text bescheuert findet, dann sagt doch bitte wenigstens ganz kurz, warum!

Oder sagt mir, warum keiner was dazu sagt, aber ignoriert mich doch nicht so...

Hoffend und sich auf alles vorbereitend,

-lilli-



Bearbeiten/Löschen    


Murphy
Hobbydichter
Registriert: Aug 2003

Werke: 0
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Gute Idee

Hallo Lillia,

eigentlich wollte ich schon gestern auf die Geschichte antworten, fand aber dann doch nicht die Zeit.
Die Idee, die Geschichte aus der Sicht des Wahnsinnigen zu erzählen, finde ich sehr gut. Die Realisation ist dir voll gelungen. Beim Lesen deines Textes bekommt die Redewendung "jemanden wie verrückt lieben" eine völlig neue Bedeutung. Hintergründe werden durchleuchtet, die beiden Charaktere anschaulich beschrieben - zumindest insofern, als dass sie zum Verständnis der Geschichte von Bedeutung sind.

Schönen Gruß,
Murphy
__________________
"Was ich fürchte, ist nicht die schreckliche Gestalt hinter meinem Stuhle, sondern ihre Stimme..."
F. W. Nietzsche

Bearbeiten/Löschen    


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo lillia,

die kommentierenden sind angehalten, etwas konstruktives zum text zu sagen; was soll ich nun schreiben?
handwerklich perfekte umsetzung eines, entschuldigung, alten themas. den stoff habe ich, auch in der lelu, bestimmt schon zehn mal gelesen. außerdem ist er nach meiner meinung nicht für eine kurzgeschichte geeignet, obwohl du schon sehr schön verdichtet hast. aber in einer solchen kürze bleiben die figuren zwangsläufig etwas farb- und vor allem konturlos.
bei solchen themen wünsche ich mir langsam aufgebaute risse, entwicklungsmetamorphosen und abgründe im ringschluß zu mindestens einer "plänkelei".

aber das ist nur meine persönliche ansicht; es mag viele geben, die eine kurze version bevorzugen. und für seine kürze ist der text ein wirklicher gewinn für die lelu - zu perfekt für eine konstruktive kritik .

viele grüße

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

Bearbeiten/Löschen    


Haselblatt
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2002

Werke: 2
Kommentare: 25
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Das Schweigen der Lämmer

Hallo liebe Lilli,

mach dir keine Sorgen ob des Schweigens. Es gibt Erzählungen, die machen sprachlos. Das ist weniger eine Frage der Qualität, sondern eine des Gefühls.
__________________
Auf bald - Heimo B.
As long as you continue to do what you always did, you will continue to get what you always got. (Abraham Lincoln)

Bearbeiten/Löschen    


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo lillia,

nur falls ich mich verquer ausgedrückt haben sollte:
haselblatt hat mit angenehm wenigen worten genau das beschrieben, was auch ich fühle.

viele grüße

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!