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Leselupe.de > Kurzprosa
Wir wissen es nicht
Eingestellt am 23. 11. 2004 19:16


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Rodolfo
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Es kommt über dich wie ein wildes Tier in der Nacht. Wie ein heimtückisches Fieber, Pest, Cholera, die sieben Plagen des alten Ägypten. Es quält dich, es fragt, es bohrt Löcher in deinen Kopf. Es sticht und plagt, es foltert und tötet; es ist ein grausames Es. Aber auch ein rätselhaftes. Es verdeckt, verbirgt, es deutet an, aber niemals genug, es zeigt Wege auf und lässt sie wieder im Dunkel verblassen. Es ist nicht greifbar, nicht körperlich, weder real noch in der Fantasie existierend. Es hat einen Namen und doch wieder keinen, denn sein Name ist ein Unname. Auch hat es kein Alter. Immer schon war es da oder nie. Jede und Jeder kennt seinen Namen, aber Niemand hat es je gesehen, Manche glauben, dass sie es nach ihrem Tod zu sehen bekommen würden. Aber wenn dem so wäre, könnten sie es nicht erkennen.

Jedoch ist alles, was bisher gesagt wurde, falsch. Es kann gar nicht grausam sein, vielleicht ist es gut und hilfreich, liebevoll und tröstend. Vielleicht. Vielleicht beschenkt es dich und du nimmst seine Geschenke an, ohne dir dessen bewusst zu sein. Oder du verschmähst sie. Du ignorierst es, nimmst es nicht zur Kenntnis. Du denkst, es sei nutzlos, inhaltslos, leer, nicht vorhanden. Aber dann bleibt dein Leben für den Bruchteil einer Sekunde stehen und du fühlst seine Gegenwart. Doch im selben Moment, da du sie fühlst, ist sie auch wieder weg. Du versuchst, es aus deinem Wortschatz zu streichen, aber es meldet sich immer wieder zurück wie eine ausgesetzte Katze.

Es hat keinen Gegensatz und viele Gegensätze. Alles ist sein Gegensatz. Weder Anfang noch Ende hat es, nicht Kopf noch Schwanz, nicht Geburt noch Tod. Es erscheint uns dunkel, aber genaues wissen wir nicht. Möglicherweise strahlt es auch hell. Nur – wer mag das wissen? Man sagt, man könne sich in ihm befinden, in es hineintauchen. Nur meint man damit etwas anderes, da es ja gar nicht existiert. Ja wirklich, es existiert nicht. Oder vielleicht doch? Wenn es nicht existiert, wie könnte dann alles andere als sein Gegensatz existieren? Oder haben wir es einfach erfunden, weil uns Gegensätze fehlten? Wer hat es dann erfunden? Wie konnte sein Erfinder wissen, was er da erfunden hatte? Wir versuchen es uns vorzustellen, uns ein Bild von ihm zu machen. Aber es ĂĽbersteigt unser Vorstellungsvermögen. Es ist zu winzig klein oder zu gewaltig gross. Es hat weder Farbe noch Gestalt. Weder Geruch noch Klang. Keine Struktur noch Oberfläche.

Es ist, oder es ist nicht: Das übermächtige, das grausame, das tröstliche, das sich verströmende, das alles vereinnahmende NICHTS, das in diesem Text ausgesagt wurde.




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Nur die Berge stehen ewig, nur der Fluss fliesst immer weiter...

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Rodolfo
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Kein Rätsel mehr

Nach einwöchiger "Verbannung" ins Forum Lupanum (was richtig so war, da der Beitrag als Rätsel eingestellt war) traue ich mich hiermit wieder, mein ungeliebtes Kind hier einzustellen. Ich möchte doch schliesslich wissen, ob es lebensfähig ist.

In bocca al lupo! Rodolfo
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