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Leselupe.de > Kurzprosa
Witwenball
Eingestellt am 28. 10. 2006 19:09


Autor
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GeisterFahrer├ťberholer
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Witwenball

Unsere Blicke treffen sich im vom Duschen beschlagenen Spiegel. Fichtennadel- und Lavendelschaum kriecht dem Abfluss entgegen.
Es riecht nach fr├╝her.

"Verdammt gro├č bist du geworden, mein Kind," zwinkert sie mir aus den vom vielen Weinen ger├Âteten und jetzt von pechschwarz getuschten Fliegenbeinwimpern umrahmten Augen zu.
Immerhin habe ich k├Ârperlich fast ihre Gr├Â├če errreicht, denke ich und l├Ąchele zur├╝ck.
Ihr sonst schmaler, verh├Ąrmter Mund ist himbeerrot ├╝bermalt. Das bleiche Gesicht wirkt auf mich wie die um Beifall heischende Fratze eines traurigen Zirkusclowns.

Heute f├Ąllt es mir besonders schwer, ihr Aussehen zu loben.
So will sie doch nicht etwa aus dem Haus gehen?
Ich l├╝ge: "Mama, du siehst wie immer wundersch├Ân aus."
Und schreie in mich hinein: Hauptsache, sie heult nicht mehr!

Sich das kleine schwarze, l├Ąngst aus der Mode gekommene Kleid zurechtzupfend, t├Ąnzelt sie ungelenk aus der Wohnungst├╝r.

"Papa, bitte hilf mir! Bitte, lass nicht zu, dass sie wieder eine Entt├Ąuschung erleben muss," bete ich flennend in mein Kissen.

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Never Argue With An Idiot, They┬┤ll Only Drag You Down To Their Level And Beat You With Experience ...

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petrasmiles
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Liegt es an mir, wenn ich diese 'Trag├Âdie' nicht verstehe?
Ein ins Kissen flennender Sohn, der den Geist des Vaters anruft, weil seine Mutter, die ihn wie eine Fremde begr├╝├čt, w├Ąhrend er ihr als Fremder antwortet, sich f├╝r seine Begriffe ungeschickt 'aufbrezelt'?
Was ist hier das Thema? Man k├Ânnte an Alzheimer denken, aber dann passt der letzte Satz mit der Entt├Ąuschung nicht.

Liebe Gr├╝├če
Petra, ratlos

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Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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GeisterFahrer├ťberholer
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Hallo petrasmiles,

das Thema ist Witwenball, die Antwort liegt also in der ├ťberschrift.

Der Vater des Jungen ist tot und die Mutter geht in sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit zum Witwenball (Tanz der einsamen Herzen), um einen neuen Partner zu finden, wird jedoch immer wieder von den dortigen M├Ąnnern, die meist nur auf ein kurzes Abenteuer aus sind, entt├Ąuscht. Wenn sie dann nach Hause zur├╝ckkehrt, ist der Katzenjammer vorprogrammiert und der Sohn leidet mit ihr.
Er m├Âchte, dass seine Mutter wieder gl├╝cklich ist, so wie damals, als der Vater noch unter den Lebenden weilte und die drei eine heile Familie bildeten. Deshalb fleht das Kind seinen Vater, den er im Himmel w├Ąhnt, um Hilfe an.

LG
GF├ť
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Inu
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Geisterfahrer

ich habe die Lebensumst├Ąnde der Frau auf Anhieb so verstanden, wie Du sie im Komment angibst, nur hatte ich an eine spontan auf Besuch gekommene, erwachsene Tochter gedacht, denn so reden eigentlich eher T├Âchter von und mit ihren 'alten' M├╝ttern. Ich glaube, eine erwachsene Tochter w├╝rde auch eher verstehen, dass die Mutter sich nach einem neuen Partner sehnt. Ein kleiner Sohn ( der die Mutter normalerweise doch lieber f├╝r sich hat) w├╝rde auch ihre M├Ąngel, z.B., die Fliegenbeinwimpern, das unmoderne Kleid, gar nicht so in Einzelheiten wahrnehmen. Solche Dinge merken meistens nur die T├Âchter.
... bete ich flennend in mein Kissen passt meines Erachtens wirklich nicht, das w├╝rde ja bedeuten , dass das 'Kind' immer bei ihr wohnt und schl├Ąft - in dem Fall w├╝rde der Dialog zwischen Mutter/Kind irgendwie nicht richtig stimmen.

Trotz dieser Fragw├╝rdigkeiten ( die leicht klarzustellen w├Ąren )gef├Ąllt mir die Geschichte.

LG
Inu

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Zaunk├Ânig
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Witwenball

Hallo Geisterfahrer

Ein sch├Âner, nachdenkenswerter Text von atmosph├Ąrischer Dichte und gehaltvoller Aussage ist Dir da gelungen. Jeder Satz trifft ins Schwarze, nichts ist ├╝berfl├╝ssig, selbst die so banal erscheinende Aussage: "Verdammt gro├č bist du geworden, mein Kind" pa├čt hier und macht deutlich, wie der Mutter in ihrer Torschlu├čpanik die Zeit verrinnt. Auch der Stil gef├Ąllt mir sehr gut.

Liebe Gr├╝├če
Zaunk├Ânig
__________________
Werner Fletcher

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GeisterFahrer├ťberholer
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Doch, liebe Inu, auch ein heranwachsender Junge nimmt zuweilen die grausame Wirklichkeit wahr.
Es stimmt, dass S├Âhne ihre M├╝tter am liebsten ganz f├╝r sich allein h├Ątten. Aber alles Bem├╝hen n├╝tzt nichts!
Glaube mir, auch m├Ąnnliche Pubertierende verschlie├čen die Augen keineswegs vor der Wahrheit.
Im Falle meines Protagonisten handelt es sich nun einmal um solch fast erwachsenes Exemplar. Und er w├╝rde alles darum geben, seine Mama noch einmal gl├╝cklich zu sehen. Und, liebe Inu, er wohnt bei ihr!
Oder sollte ich besser sagen, wohnte?
In meiner Geschichte ist es so, dass die Mutter zu sehr dem Egoismus fr├Ânt und f├╝r alles um sie herum Geschehene blind ist, selbst blind f├╝r das Leid des eigenen Sohnes. Sie hat nicht einmal bemerkt, dass er in der langen Zeit ihrer Trauer selbst zum Mann geworden ist, sieht in ihm immer noch das Kind.
Schlimm?
Die Story ist leider wahr. Der Junge in der Geschichte bin ich.

Nachdem Mutter, des langen Suchens m├╝de, mir eines Tages einen neuen "Vater" pr├Ąsentierte, ging┬┤s mir verdammt schlecht.
Ich habe ihn gehasst, wehrte mich dennoch niemals gegen seine Schl├Ąge und die verbalen Pr├╝gel.
Hauptsache war f├╝r mich stets, dass Mutter gl├╝cklich war.

Keine Bange, liebe Inu, aus dem "kleinen Mann" von einst ist, trotz des sich zum Tyrannen entpuppenden Stiefvaters, noch ein ganz "Ordentlicher" geworden.

Ich glaube, ich komme ganz nach meinem "richtigen Papa" und wei├č: Mama ist schrecklich stolz auf mich.

LG
GF├ť

Ach, fast h├Ątte ich glatt vergessen, mich f├╝r deinen Kommentar, liebe Inu, zu bedanken. Siehst du, so sind wir Jungs nun mal :-)) Danke!
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