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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Wo Kahn denn nur der Ball sein?
Eingestellt am 26. 02. 2004 13:30


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birdy
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Dienstag, 20:15 - FC Bayern vs. Real Madrid! Gesehen?

Ich weiĂź schon, das Thema ist gegessen. Es wurde schon x-mal kommentiert, karikiert, glossiert und was weiĂź ich noch ge-iert.

Aber trotzdem, fĂĽr mich muss das Geschehene auch auf einer anderen Ebene zu besprechen sein. Und zwar neutral, objektiv, ĂĽberparteilich, kritisch distanziert.
Aus österreichischer Perspektive.

Würde man für die Fußballländer äquivalente in unserem Sonnensystem suchen, wäre Brasilien die Erde (der einzige, auf dem es sicher Leben gibt), Deutschland der Mars (gibt es vielleicht Leben, keiner weiß es) und Österreich der 7. Jupitermond von links.
Daher – Distanz genug!

Das Spiel:
1:0 fĂĽr den FC (75. Min)
1:1 (83. Min)

Die dazwischen liegenden 88 Minuten keiner weiteren Erwähnung wert. Der des regionalen Idioms mächtige Österreicher (also eigentlich alle) würde diesen Zeitraum als „Hundskick“ bezeichnen. O. K., insbesondere deutsche (ich präzisiere: bajuwarische) Kommentatoren haben das Spiel in etwas anderer Erinnerung, aber das sind Detailfragen.

Das wirklich interessante an diesem Spiel passierte in der 83. Minute.

Roberto Carlos – ein zugegebenermaßen schussgewaltiger Ballestero - tritt zu einem Freistoß in Strafraumnähe an (um der folgenden Schilderung nicht die Pikanterie zu nehmen: die Nähe bezieht sich auf den Real-Strafraum), zieht ab – Tor! Dem Fußballinteressierten, der noch immer keine der Wiederholungen dieses Vorganges zu Gesicht bekommen hat, möge dies ein launiges „Na und?“ entlocken, aber sehen wir uns die Zeitlupe an.

Nachdem sich der Ball nach kurzer Deformationsphase vom Fuß R. C. ´s verabschiedete, begann er sich in gerader (aber wirklich ganz gerader) Linie dem linken Eck des von Olli gehüteten Gehäuses zu nähern. Was sich jetzt recht unspektakulär liest und als Endszenario nur ein gelangweiltes Umfallen des Torwarts mit schulmäßigem Ball-an–sich-ziehen zulassen würde, erkennt nicht die 1.) anatomische und 2.) physikalische Anomalie, die dieses Happy End nicht zu- und die Kugel unter Kahn nach fast Arretierung und unschlüssigem vielleicht oder auch nicht ins Tor hoppeln ließ.

Ad 1.) Anatomische Anomalie: Roberto Carlos´ Oberschenkel. Kein menschliches Wesen kann ohne Zuchtselektion SO einen Oberschenkelumfang aufweisen. Verehrte Gentechniker, wir fressen widerspruchslos euern Mais, macht von mir aus Mäuse mit Kiemen, aber so was ist unfair.

Wie soll ein TorhĂĽter einen Ball fangen, der von jemandem abgefeuert wurde, der nach seiner aktiven FuĂźballerkarriere in einer Stierkampfarena dem Stier mit einem Ball einen Tunnel in seinen Leib schieĂźen kann?!

Ad 2.) Physikalische Anomalie: Die AuĂźerkraftsetzung des 1. Newtonschen Axioms.

Jeder Körper verharrt so lange in seinem Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung auf einer geraden Linie, bis er durch Kräfte zu einer Änderung dieses Zustandes gezwungen wird.

Kurz übersetzt hätte das bedeuten müssen, dass durch den Luftwiderstand der Ball langsamer wird.

Wurde er aber nicht.

Newton hat sich also geirrt!

Wie soll das ein TorhĂĽter ohne Physikstudium wissen?

Unter Berücksichtigung dieser beiden Punkte ist die über Oliver Kahn hereinbrechende Häme unberechtigt und ungerecht.

Aber auch unter der – nunmehr theoretischen – Annahme, dieses Tor wäre sein Fehler gewesen (war es aber nicht): Was macht gerade ihn zur Zielscheibe des Spotts, wenn doch das Fußballspiel als eine Abfolge von Irrtümern unterbrochen von seltenen Torerfolgen angesehen werden kann? Stürmer, Mittelfeldspieler, Verteidiger machen ständig Fehler, auch andere Torhüter sind davon nicht verschont.

Ist es sein Privatleben? Das taktisch ungünstige Eingeständnis seiner Affäre, während seine Gattin im Kreissaal lag?
Wohl kaum, denn seinen Präsidenten lieben alle. Gut, dessen Herzdame wurde auch nicht in einer Diskothek mit hochgezogenem Rock fotografiert, unter dem noch dazu ein männlicher Kopf heraus wuchs. Aber dafür kann der Kahn nichts.

Sind es seine Millionen? Uns Durchschnittsverdienern wird nach einer kleinen AdditionsĂĽbung immerhin bewusst, dass wir in einem Leben nicht das verdienen werden, was Kahn in einem Jahr verdienen kann.
I wo! Wir lieben alle Beckham.

Ist es sein Aussehen? O.K., nächste Frage.

Ist es sein demonstrativ zur Schau gestellter Ehrgeiz? Für uns Österreicher, die wir seit Jahren an einer Methode arbeiten, den Ball telekinetisch in den Kasten des Gegners zu bugsieren, eine schon etwas schwieriger nachzuvollziehende Charaktereigenschaft, aber für deutsche Verhältnisse wohl nichts Ungewöhnliches.

Was ist es dann, was den weltbesten Torhüter nach einem kleinen Fehler zum Gespött der Medien macht?

Wir Österreicher können das für uns in jedem Fall beantworten.

Er hat vor neun Jahren unseren Andreas Herzog geschubst!
So was vergisst man nicht.

__________________
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LuMen
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witzig

Hallo birdy,

eine witzige, pointierte Glosse zum in Deutschland hochernsten Thema Fußball! Nur gut, daß der Franz die LL nicht liest, weil er zu stark mit der ernsten, aber Geld bringenden Seite des Fußballs beschäftigt ist. Dabei - merke ich gerade - hat der Ball ja gar keine Seiten, er ist rund und dreht sich nur um eins...ja, was wohl?

Herzlichen GruĂź
LuMen

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birdy
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Hallo LuMen!

Freut mich, dass Dir der Text gefallen hat.

Als Ă–sterreicher hat man es aber auch schwer, zum Thema FuĂźball einen anderen Zugang zu finden, als einen Sarkastischen.

Der Ball hĂĽpft, also muss ein Frosch drin sein!

Liebe GrĂĽsse

birdy
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Echoloch
???
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Erfrischend leichter, witziger Text, allerdings viele Flüchtigkeitsfehler, die ich immer schade finde. Die lassen sich aber bestimmt schnell ändern.

GruĂź v Echoloch
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Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.
www.echoloch.de

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katia
???
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fussball kann doch lustig sein

hi birdy,
hätte nie im leben gedacht, dass so etwas dröges wie fussball auch richtig witzig sein kann. danke für die neue erfahrung!!

immer noch lachend
die katia
__________________
(kas)

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