Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92194
Momentan online:
138 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Wo bist du nur?
Eingestellt am 29. 06. 2005 19:08


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Piratenbraut
???
Registriert: Jun 2005

Werke: 1
Kommentare: 28
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Wo bist du nur?

Ich wei├č, dass du manchmal da bist. Ich f├╝hle es.
Ganz oft denke ich, dass du bei mir bist. Manchmal rede ich mit dir. Ich sehe dich neben mir im Auto sitzen wenn ich dich vom Wochenendbesuch zur Klinik zur├╝ckgebracht habe.

Du hast immer nach meiner Hand gegriffen. Die Rollen waren vertauscht. Du warst meine Kleine, ich die Gro├če, die dich besch├╝tzt und beruhigt hat. Du hast mir blind vertraut, so wie ich dir wenn ich als Kind vor etwas Angst hatte. Jetzt warst du das Kind.

Dein kleines Gesicht, deine federleichten H├Ąnde - wie kleine V├Âgelchen kamen sie mir am Ende vor. Sie lagen ganz leicht in meinen.
Ich sehe dich sehr oft da sitzen, in diesem viel zu gro├čen Krankenhausbett, verloren und schutzbed├╝rftig. Ja das warst du: schutzbed├╝rftig, obwohl es nicht n├Âtig war. Denn dir h├Ątte niemand etwas antun k├Ânnen. Jeder Arzt, jede Schwester, alle haben dich sofort in ihr Herz geschlossen. Ein kleiner Trost bei all den Sorgen. Du warst immer umhegt, hast es verdient. Niemand sonst h├Ątte es mehr verdient.

Wenn ich daran denke, wie du dich immer gefreut hast, mich zu sehen. Es zerrei├čt mir das Herz. Meistens war ich ja nur f├╝r Sekunden aus der T├╝r um etwas zu holen. Aber das wusstest du nicht mehr. F├╝r dich war es immer wie ein Wiedersehen nach langer Zeit, f├╝r mich das wertvollste Geschenk. Wie oft ich dich noch so freudestrahlend erleben w├╝rde, konnte mir niemand sagen.

An manchen Tagen hast du mich nicht erkannt. Nichts, als ein trauriger Blick aus leeren Augen. Ich sa├č als fremder Mensch an deiner Seite.
Bleiern schwer war diese schreckliche Zeit der gemeinsamen Einsamkeit. Als wenn es nicht schon schlimm genug gewesen w├Ąre, dass meine Besuche gleich nach dem Abschied wieder vergessen waren. An diesen Tagen blieb nichts zur├╝ck als Leere und unb├Ąndiger Schmerz. Dass du deine eigenen Schmerzen so vergessen konntest, wie alles andere auch war das, was mir dar├╝ber hinweg half.

Papa schw├Ârt, dass du letzte Nacht im T├╝rrahmen gestanden und nach ihm gerufen hast. So deutlich und real, dass es kein Traum gewesen sein kann.
Komisch, dachte ich, als er mir das erz├Ąhlte. Papa ist kein Mensch f├╝r Traumwelten. Er ist bodenst├Ąndig und glaubt nicht an Hirngespinste.


Aber vermutlich geht es ihm wie mir. Manches will man nicht begreifen.
Und dann wird Unbegreifliches wahr. Weil es ein Trost ist.



Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


heike von glockenklang
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 207
Kommentare: 2337
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um heike von glockenklang eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hallo piratenbraut,

ein sehr naher eingehender text.
finde ich enorm gelungen.
heike
__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, k├╝hle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

Bearbeiten/Löschen    


Piratenbraut
???
Registriert: Jun 2005

Werke: 1
Kommentare: 28
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Vielen Dank, Heike.
Nah ist es auch.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!