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Leselupe.de > Ungereimtes
Wo bleibt Sie...?
Eingestellt am 14. 06. 2006 23:29


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heike von glockenklang
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"Wo bleibt Sie ..."

Wenn du Heim kamst, lachte mein Herz,
ich bereitete dir ein f├╝rstliches Mahl.
Gern kleidete ich mich dann in zierliches Gewand.
Oft stand ich schon eine Weile am Fenster
und wartete auf ein Zeichen von dir.

Es dauerte und dauerte,

bis du endlich zur T├╝re hereinkamst.
Deine schicke Tageskleidung hattest du
gegen schmutzige Gartenklamotten eingetauscht.
Mit einem kurzen freundlichem Hallo
gingst du regelm├Ą├čig an mir vorbei, zu Tisch.
Hastig schlingend nahmst wortlos,
die mit Liebe gew├╝rzte Speise zu dir.
Eilig begabst du dich zwischen deine
hei├č geliebten Gartenstr├Ąucher,
die von gl├╝hender Sonne beschienen wurden.
Mir aber lief etwas eiskalt ├╝ber den R├╝cken.
Wortlos blickte ich hinter dir her und fror,

wie so viele Male schon.

Von Schwindel geplagt schlich ich in mein Zimmer
und h├╝llte mich zitternd in Decken ein.
Die Minuten eilten dahin. W├Ąhrend ich R├╝ckschau hielt,
perlten sie sich zur Stundenkette aneinander.
Meine Augen brannten, doch zu weinen verbot ich mir.
Vom Nebenzimmer h├Ârte ich die Tagesschau her├╝ber klingen,
die du dir allabendlich einverleibtest.
Ich atmete tief durch, schritt zu dir in die gute Stube
und fragte dich ob wir gemeinsam ein Glas Wein trinken,
gro├čm├╝tig willigtest du ein.
Ich holte eine Flasche von unserem Besten.
Kristallblinkend leuchtete der goldene Rebensaft,
und wartete, so wie ich,
auf das vers├Âhnliche anklingen von zwei Gl├Ąsern,
gehalten von zwei Menschen die sich m├Âgen.

Ich erz├Ąhlte dir, wie so viele Male schon,

von meinen Sehns├╝chten, und w├╝nschte mir
wieder mehr N├Ąhe und Verbindlichkeit.
Du verliest, f├╝r einen Moment nur, den Raum,

leider kamst du, wie so viele Male schon, nicht wieder.

Nein, nein nat├╝rlich meintest du das nicht b├Âse,
klar doch, du mochtest mich, ich geh├Ârte dir,
viele Jahre schon. Du sorgst f├╝r mich.
Ein guter Ehemann, warst du, brav und treu, ja, ja.
So manche Frau beneidete mich.

Nun stehst du am Grab und weinst
Zu sp├Ąt, mein Lieber, zu sp├Ąt.
Die eine Schaufel Wertsch├Ątzung
die du mir jetzt auf Ebenholz rieselst.

__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, k├╝hle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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Perry
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Hallo Heike,
in deinem Text schilderst du ber├╝hrend und zugleich realistisch die Monotonie einer Alltagsehe. Etwas ├╝berrraschend erscheint mir dann aber der Perspektivenwechsel am Schluss von einer Klageschrift in eine Art testamentarischen Nachruf (gewollt?). Gern gelesen!
LG
Manfred

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heike von glockenklang
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Hallo, lieber Manfred,

erst mal herzlichen dank, das du dich hier bem├╝ht hast.
wenn du diesen stil magst, wei├čt du warum ich viele deiner werke mag, l├Ąchel.

zum ├╝berraschenden abschlu├č des werkes:

1. wollte ich ausdr├╝cken das es irgendwann einmal zu sp├Ąt ist, lieber die ohren und das herz ├Âffnen solange das leben pulsiert.
2.
hat es mir auch spa├čgemacht mit dem schlu├č eine kleine ohrfeige zu setzen,
und

3. die klageschrift mu├čte irgendwie zu einem ende kommen.
ich mag ├╝berraschende wendungen.
bleibe somit meinem ruf treu, lach
heike



__________________
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H Keuper-g /13.07.06

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heike von glockenklang
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ps.: perry,

es ist nicht nur die Monotonie, sondern auch die Gleichg├╝ltigkeit und mangelnde Wertsch├Ątzung die
so ungemein schmerzt. Zumal wenn sich ein Partner so aufreibend bem├╝ht das Ruder umzudrehen.
Wirklich schade das mein Gedicht ein Paradbeispiel
f├╝r Ehen ist die sich um den Kreis der Silberhochzeiter drehen.
Lieben Gru├č
Heike
__________________
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H Keuper-g /13.07.06

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