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Leselupe.de > Horror und Psycho
Wo ist das Salz?
Eingestellt am 01. 05. 2004 14:32


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ArN
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2004

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Wo ist das Salz?

WĂŒrden Sie sich viele Gedanken ĂŒber einen Salzstreuer machen?
Ich eigentlich auch nicht, aber wenn dessen blosse Existenz verleugnet wird, sollten sie entweder sofort einen Arzt aufsuchen oder versuchen von dieser Welt zu verschwinden. Verschwinden meine ich jetzt natĂŒrlich nicht wörtlich, sondern im Sinne von abhauen, weglaufen; wie auch immer.

Der gestrige Samstagabend war wieder mal einer der lĂ€ngeren Sorte, weshalb das darauffolgende FrĂŒhstĂŒck zu einer Zeit begann, in der sich andere Zeitgenossen gerade mit der dicken Soßen ihres Sonntagsbratens die Krawatte bekleckern.
„Hast du den Salzstreuer gesehen?“
Aus der KĂŒche antwortete mir nur ein Stöhnen. Das ĂŒbliche Spiel; ich trank den Alkohol und Susan hatte am nĂ€chsten Tag die Kopfschmerzen.
Da ein Ei ohne Salz eine unmögliche Angelegenheit ist, machte ich mich also selbst auf die Suche. Normalerweise stand der Streuer immer in Reichweite auf dem Tisch. In seltenen FĂ€llen, wenn in der KĂŒche tatsĂ€chlich mal gekocht wurde, konnte er sich aber auch dort befinden. Mein Weg fĂŒhrte mich also vom Esszimmer in die KĂŒche, da ich das Utensil dort vermutete.
Susan stand vor der SpĂŒle und löste sich gerade eine Kopfschmerztablette in einem Glas Wasser auf. “Was fĂŒr einen Salzstreuer suchst du?“, fragte sie mich mit einer Stimme die so schlaff klang wie ihr alter Morgenmantel, der in ausgebleichten Farben ihren Körper verhĂŒllte.
„Den, der immer auf dem Tisch steht.“ Sagte ich leicht genervt.
„Ich hab keinen Salzstreuer.“
Ihre Antwort suchte den Weg durch meine Gehirnwindungen und stieß auf höchsten Widerstand. „Was soll der Scheiß, willst du mich verarschen?“, gab ich zurĂŒck. „Der Durchsichtige mit dem silbernen Deckel“
„Ich hab deinen blöden Salzstreuer nicht. Kauf dir einen!“
Sie begann ihre schlechte Laune an mir auszulassen und verließ schlurfend die KĂŒche.
Was genug war, war genug. Gestern Abend war sie mir schon auf den Zeiger gegangen, aber nun hatte ich wirklich keine Lust mehr auf ihre miese GemĂŒtslage.
„Wir sehen uns morgen!“, rief ich ihr auf dem Weg nach draussen noch zu, packte meinen Mantel uns verschwand durch die TĂŒr.
Eisige KĂ€lte erwartete mich, wie es sich fĂŒr einen Dezember gehörte. Obwohl ich nur ein paar Schritte zu meinem Auto gehen musste, das ich in einer Seitenstrasse geparkt hatte, suchte ich in der Innentasche des Mantels nach meinem Schal. Doch auch der Schal war nicht zu finden. Wahrscheinlich veranstalteten der Salzstreuer und mein Schal irgendwo eine Schneeballschlacht, dachte ich noch grimmig.
Kaum hatte ich die AutotĂŒr aufgeschlossen und in den wagen gesetzt, merkte ich, daß auch die Zigaretten, die immer in der Ablage lagen, nicht mehr an ihrem Platz waren.
Die Geschichte fing langsam an unheimlich zu werden.
Zufall, werden Sie jetzt bestimmt sagen, die Zigaretten waren bestimmt alle in Rauch aufgegangen und der Typ hat nur vergessen sich neue zu kaufen und wieder ins Auto zu legen.
Nun ja, ich startete den Motor und begab mich auf die Fahrt zu meiner Wohnung.
Getrennte Wohnungen sind in einer Beziehung doch oft von Vorteil.
Um auf andere Gedanken zu kommen schaltete ich das Autoradio an. Doch statt dem auf Programm Eins eingestellten Sender STATION ONE drang nur ein penetrantes Rauschen an mein Ohr.
Verzweifelt drĂŒckte ich die anderen Senderknöpfe, aber ausser einigen Klassik- und Volksmusiksendern ertönte nicht die HĂ€lfte der sonstigen Radiostationen aus den Lautsprechern. Also dann, Kassetten. Mit der rechten Hand griff ich in die Ablage und fingerte eine Kassettenschachtel zum Vorschein.
Die Schachtel war verdammt leicht, und als ich sie mit einer Hand geöffnet hatte, bestĂ€tigte sich meine BefĂŒrchtung.
Leer.
Es wurde immer seltsamer. Ich war mir sicher das...
In diesem Moment stieg ich voll in die Eisen. Ich stand Mitten auf der Kreuzung Berliner Straße – Hauptstraße, eigentlich alles wie immer, nur die Verkehrszeichen fehlten und ich hĂ€tte fast den Volvo von Rechts ĂŒbersehen, der jetzt Ă€rgerlich hupte. Ich schaute mich unglĂ€ubig um, doch bei den anderen Verkehrsteilnehmern war kein Erstaunen ĂŒber die mir unverstĂ€ndliche VerĂ€nderung der Verkehrssituation zu bemerken.
Ein flaues GefĂŒhl breitete sich im meinem Magen aus.
Was war hier los? Was war mit mir los?
Meine HĂ€nde fingen an zu schwitzen und ich fuhr vorsichtig weiter.
In den nĂ€chsten zehn Minuten meiner Fahrt fielen mir noch einige andere MerkwĂŒrdigkeiten auf. BĂ€ume, Verkehrsschilder, Ampeln und sogar HĂ€user an denen ich sonst immer vorbeifuhr, fehlten. Ohne auf das Halteverbot zu achten, das vor meiner HaustĂŒr galt, stoppte ich den Wagen und stieg mit zitternden Knien aus.
Das Haus selbst sah eigentlich aus wie immer; bis auf die Tatsache das es jetzt nur noch drei statt sechs Stockwerke hoch war, was sehr ungĂŒnstig ist wenn man im fĂŒnften Stock wohnt. Meine Klingel, mein Briefkasten, alles weg.
Ich versuchte mich zu beruhigen und klingelte mit zittrigem Zeigefinger bei Frau Schmidt im Erdgeschoß. Nach dreimaligem Klingeln schnarrte endlich eine Stimme aus dem Lautsprecher. „Wer ist da?“
Ich nannte meinen Namen und bat sie die TĂŒr zu öffnen.
„Was wollen Sie, ich kenne Sie nicht!“ blaffte es zurĂŒck.
Nun gut, wir hatten nie das beste NachbarschaftsverhÀltnis, aber so schlimm war es nun auch wieder nicht.
„Ich wohne doch schon seit fĂŒnf Jahren oben im fĂŒnften Stock. Sie mĂŒssen mich doch kennen.“
Meine Stimme begann langsam zu zittern.
„Hier gibt es nur drei Stockwerke Sie Irrer. Verschwinden Sie, oder ich rufe die Polizei!“
Mit einem knarrenden Laut verstummte die Gegensprechanlage.
Panisch drehte ich mich um. Zu meiner großen Erleichterung stand mein Auto noch an Ort und Stelle. Nur das Halteverbot war verschwunden.
Mein grĂ¶ĂŸter Wunsch ist doch noch in ErfĂŒllung gegangen, dachte ich mit einem Anflug von Sarkasmus, doch zu Lachen war mir eigentlich nicht zumute.
Ich musste zurĂŒck zu Susan. Vielleicht wachte ich dann aus diesem Albtraum auf.
Auf der Fahrt zurĂŒck sah ich zum ersten Mal direkt wie etwas verschwand. Der Bus auf der gegenĂŒberliegenden Strassenseite wurde durchsichtig und löste sich von einer Sekunde auf die andere einfach auf. Mit mindestens achtzig Stundenkilometern raste ich durch die Stadt und erreichte SusanÂŽs Haus, das glĂŒcklicherweise noch stand. Auch der HaustĂŒrschlĂŒssel, den Susan mir in besseren Zeiten gegeben hatte, existierte noch. Atemlos hastete ich die Treppe hinauf und stĂŒrmte in die Wohnung. Susan stand in der KĂŒche, die nur noch aus einem Tisch und zwei StĂŒhlen bestand, und starrte mich an.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte sie mich erstaunt.
Ich war glĂŒcklich darĂŒber das sie mich wenigstens erkannte und wollte ihr gerade meine Story erzĂ€hlen als...
„SUSAN!“, schrie ich und stĂŒrzte auf sie zu, doch sie war schon nicht mehr da.
Ich sank auf den Boden und atmete tief durch.
Was war hier los?
Als Leser von Sciencefictionromanen kamen mir natĂŒrlich so Begriffe wie verschobene Dimensionen und Ă€hnliches in den Sinn. Doch wirklich daran glauben konnte ich nicht, obwohl...
Hatte ich nicht in der Zeitung von diesem Quantenexperiment gelesen, das ungeahnte Folgen haben könnte? Vielleicht war aber auch alles so wie immer, nur ich wurde wahnsinnig und befand mich bereits in einer Gummizelle.
Ich hatte gestern Abend wirklich einen ĂŒber den Durst getrunken, aber so ein Delirium konnte es doch nicht geben.
Warum bemerkte eigentlich keiner außer mir das große Verschwinden?
Als auch die StĂŒhle sich auflösten, beschloß ich ins Wohnzimmer zu gehen. Auch hier fehlten schon einige GegenstĂ€nde, aber der Fernseher war noch da. In der Hoffnung auf Informationen ĂŒber die merkwĂŒrdigen Geschehnisse schaltete ich ihn ein, doch der Bildschirm zeigte nur Schnee.
Dann löste sich auch der Fernseher auf.
Ein Blick aus dem Fenster gab mir die letzte Gewissheit. Das NICHTS hatte schon alles verschlungen.

Ich weiß nicht mehr wie lange das schon her ist, weiß nicht mehr wie lange ich schon hier in der hellen Leere sitze.
Seltsamerweise hat sich der Sessel nicht aufgelöst. Alle GegenstĂ€nde mit denen ich in BerĂŒhrung bin, scheinen von dem PhĂ€nomen des Verschwindens verschont zu bleiben.
Durst und Hunger wĂŒten in meiner Kehle und meinem Magen, aber ich bin nicht in der Lage aufzustehen, da es keinen Boden mehr gibt.
Es gibt einfach NICHTS mehr.
Ich habe den Notizblock, den ich immer bei mir trage, vollgeschrieben mit meiner Geschichte und werde ihn jetzt in die Leere fallen lassen. Keine Ahnung was passiert, aber ich denke er wird sich auch auflösen.
Wenn Sie dies jetzt lesen können wurde der Block irgendwo gefunden, entweder in einer anderen Dimension oder in dem Aktenordner eines Psychologen.
Nur, was wird aus mir wenn ich von meinem Sessel springe?
Werde ich ewig in die Tiefe stĂŒrzten, mich auflösen oder doch aufwachen?
Ich habe Angst, unsÀgliche Angst.







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Gerhard Kemme
Guest
Registriert: Not Yet

Wo ist das Salz?

hmm,
war das so schlimm mit der GrĂŒndung von "TOUCH&SEE OUT"? Die Wirkungen dieser heftigen Produktpalette mit den intelligenten AußenflĂ€chen wurde, wenn ich es so sagen darf, sehr eindrucksvoll beschrieben. Wer tĂ€glich mit diesen Dingsdas am Werkeln ist, kann sich die Psychose manch sensibler Zeitgenossen kaum vorstellen.
MfG Gerhard Kemme









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jon
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Die AufzĂ€hlung der Dinge, die verschwunden sind, hab ich zunehmend ĂŒberflogen. Und obwohl die Formulierung: „
bis auf die Tatsache das es jetzt nur noch drei statt sechs Stockwerke hoch war, was sehr ungĂŒnstig ist wenn man im fĂŒnften Stock wohnt. “ wirklihc witzig ist, hab ich irgendwie die Höhepunkts-Wirkung dieser Stelle vermisst.
Überhaupt kommt die sich steigernde Panik nicht so richtig zum Tragen


MODERATOREN-HINWEIS:
Bitte unbedingt die Rechtschreibung verbessern!
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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