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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wo kommt nur all die Liebe her?
Eingestellt am 28. 11. 2015 18:26


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Bunsy
One-Hit-Wonder-Autor
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Wo kommt nur all die Liebe her?

Die Clubs, die ich normalerweise besuche, geben gar nichts her. Drogen, Bier und gute Musik allemal, aber einfach keine Frauen. Man kann ja schließlich auch echt nicht damit rechnen, dass sich die MĂ€dels ihre Speedpickel aus der Visage wischen, vor dir stehen, den Dirty Dance hoch zehn hinlegen und dich dann an deinem Halbsteifen Richtung Toilette ziehen. Wirklich nicht.
Immerhin kann man hier damit rechnen, dass die Frauen mit einem reden. Aber auch nur, weil ihr mit Federn und Glitzer geschmĂŒckter Freund den Laberflash auf seinem Ketatrip nicht mehr ertragen konnte. Dann reden sie.
Man sitzt nichts ahnend auf dem Sofa und genießt gerade den Moment, wenn die ersten Wellen der Euphorie die WirbelsĂ€ule emporkriechen, guckt sich um und da sitzt auf einmal eines dieser MĂ€dels neben dir. Stecknadel große Pupillen und dann die typischen ClubgesprĂ€che.
„Hey, geht®s dir gut?“
„Ja, aber bin ĂŒbertrieben drauf! Hab anderthalb Batman drinne`. Schiebt gerade richtig!“
„Haha, das hört sich doch gut an.“
„`fjeden.“
Ihr Unterkiefer macht eine kreisende Bewegung, als ob sie ein Kaugummi kauen wĂŒrde.
Tut sie aber nicht.
Jetzt fragt sie.
„Willst du ein Kaugummi?“, wĂ€hrend sie in ihrer Tasche wĂŒhlt.
Du brauchst einen, alter! Denke ich mir dann.
„Nee, ist manchmal gar nicht so gut.“
„Was?“
Zeige auf ihren Mund.
„Ah“
Dann zeigt sie auf ihren Mund.
„Soll ich dir einen blasen?“
„Was??“
„Kannst auch `nen Halben haben!“
„Achso, sorry! Mukke ist so laut. Aber nein danke! Wie gesagt, ist manchmal gar nicht so gut.“
„Was?“
„ Ach, egal. Vergiss es!“
Und ganz genau so lĂ€uft das da ab. Ein Haufen Elend wie gestrandete Wale. Dann sitze ich da am Rand der TanzflĂ€che und all die blinkenden Lichter und die Scheinwerfer suggerieren mir, dass doch alles so toll und spaßig ist. Warum hĂ€tte denn sonst der Typ dahinten die ganze Fresse voll mit Glitzer? Als wĂŒrde er sich das Zeug förmlich reinschaufeln.
Dann realisiere ich erst, dass er genau das macht. Er schiebt sich tonnenweise Glitzer in die Fresse. Erst mit den Fingern und dann reißt er auf einmal seine Feder aus dem Haupthaar und benutzt das Ding als Löffel. Und immer rein in Mund. Mit Augen wie Toffifee. Ab und zu guckt er noch mal ganz steil nach links, denn da hĂ€ngt die Kaugummitante ab und tanzt. Nee, sie sieht nichts. Und weiter rein mit der Glitzerscheiße.
Seine Freundin ist gerade so am rumhopsen wie eine Elfe und sieht auf einmal, wie sich ihr Lover das Zeug einverleibt, macht einen Hops nach Rechts und nimmt Till oder Max ,oder wie der wohl heißen mag, das Döschen mit dem Glitzer aus der Hand. Dann hat sie irgendwas zu ihm geschrien, durch das Wummern der Boxen hinweg, und er war plötzlich ganz aufgeregt und schnappt sich das erste Glas in Sichtweite und spĂŒlt sich den Mund aus. Weil er sich den Weg aber noch nie so richtig merken konnte, schluckt er das Gesöff mit samt des Glitzers dann einfach runter, anstatt es auszuspucken. Dann guckt er noch mal blöde und sieht, dass seine Feder durchgebrochen ist. WĂ€hrend er die zwei Teile der Feder mit einer TrĂ€ne im Augenwinkel aufhebt, beginnt er auch schon zu zucken, als ob er gleich einen Epileptischen bekommt und kotzt die ganze TanzflĂ€che voll. Über seine Klamotten, die Schuhe seiner Freundin und die Feder (bzw. die zwei Teile der Feder) und der Schwall fließt dann noch weiter zwischen den Schuhen der anderen Tanzenden hindurch.
Wie in einem Ameisenhaufen rennen alle durcheinander. „BĂ€h! Ist das eklig!“ und auch seine Freundin ist glaube ich, nach dem sie das erste Mal seinen Peppschwanz gelutscht hat, so richtig angeekelt. Sie macht zwei Schritte zurĂŒck und guckt an sich runter, dann wieder zu ihm und auf einmal verĂ€ndert sich der Ausdruck in ihrem Gesicht, von der Zitrone hin zum zu TrĂ€nen gerĂŒhrten Mangagirl. Gerade, als ich aufstehen wollte um einen Schritt auf die beiden zuzugehen, weil ich wissen wollte, was auf einmal in sie gefahren ist, da hören auch die anderen auf wild umherzulaufen und gucken auf ihre FĂŒĂŸe. Die eine geht sogar in die Hocke, zieht ihren Zeigefinger ĂŒber den Boden dieses Schuppens und betrachtet dann das Ergebnis im roten Licht des Scheinwerfers. Auch sie fĂ€ngt an zu grinsen. Das wird mir dann echt zu heikel und ich lehne mich wieder zurĂŒck in das Sofa, welches da schon seit circa fĂŒnf Jahren steht und mindestens genauso widerlich ist, wie das was sich da auf der TanzflĂ€che abspielt.
Plötzlich stĂŒrmt ein Typ im Tanktop und schwarzem Jutebeutel auf den Glitzertypen zu und schrei ihn an: „Wie krass bist du denn Digga?“, packt ihn am Hinterkopf und drĂŒckt ihm seine Zunge in den Hals und auch der im Tanktop hat jetzt ĂŒberall Glitzer um den Mund.
Jetzt erst wird bewusst, was genau passiert war, denn der ganze Haufen fĂ€ngt wieder an zu tanzen, und zwar in der ĂŒber und ĂŒber glitzernden Kotze von Jasper oder Lennart, oder wie der heißt und findet das ganz großartig mit der feierfreundlichen Kotze. Als sich die beiden Typen dann wieder voneinander lösen und der im Tanktop in Richtung seiner Freunde torkelt, fĂŒhle ich mich ein bisschen an „The walking dead“ erinnert, nur dass hier statt Blut eben Glitzer sein Kinn herunter rinnt. Sonst passt echt alles. Unkontrolliert kreisender Kiefer der auf eine sehr pittoreske Art und Weise versucht seine ursprĂŒngliche Stellung wieder einzunehmen, der schwankende Gang, die von Schleim glĂ€nzende verfaulte Haut und die fast durchgehend schwarzen Augen, glĂ€nzend vor Gier und Geilheit.
Manch Außenstehender könnte vielleicht vermuten, dass die Party durch all das irgendwie aus dem Ruder geriet. Das tat sie auch, aber die TanzflĂ€che klebte erst mal nicht mehr, man konnte gut tanzen, und selbst als die Kotze irgendwann getrocknet war, war da ja immer noch der Glitzer.
__________________
Kein Signatur

Version vom 28. 11. 2015 18:26
Version vom 30. 11. 2015 18:11
Version vom 29. 01. 2016 14:28

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steky
Guest
Registriert: Not Yet

Schade - dabei fing die Geschichte richtig gut an! Doch dann, nach dem Dialog, wird es zu tumultuarisch, die angenehme Ruhe der ErzÀhlerstimme verschwindet, man ist nicht mehr gewillt, dem ErzÀhler eine Chance zu geben - und bricht ab.

Verwirrend fand ich folgendes. Du schreibst:

quote:
Stecknadel große Pupillen und dann die typischen ClubgesprĂ€che.
„Hey, geht®s dir gut?“
„Ja, aber bin ĂŒbertrieben drauf! Hab anderthalb Batman drinne`. Schiebt gerade richtig!“


Stecknadeln bekommst du, wenn du dir Heroin, Codein, Morphium etc. reinhaust. Von Ecstasy, wie das bei dir der Fall ist, bekommst du "Teller", also richtig, richtig große Augen ... Oder sind die jetzt doch auf Ketamin? Man weiß es nicht.

Auch unterhalten sich Leute, die Ecstasy konsumieren, nicht so entsetzlich banal, wie es bei dir der Fall ist - das sind höchstens ein paar Kiffer, die sich ĂŒber die Samtheit eines Schokoriegels unterhalten. Leute, die Ecstasy konsumieren, sind den Normalos intellektuell fĂŒr den Moment um Welten ĂŒberlegen, da sie eine spirituelle Erfahrung durchmachen. Zumindest am Anfang; wenn das Hirn noch nicht zerfressen ist und sie noch keinen Henker haben.

Recherchiere, arbeite ein Konzept aus und setz dich nochmal hin und schreib in Ruhe nieder, was du sagen möchtest; ich bin mir sicher, dann wird es was! Lustig war es allemal!


LG
Steky

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Bunsy
One-Hit-Wonder-Autor
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Hallo!
Also vielen Dank erstmal fĂŒr deine Kritik. Ich bin immer froh ĂŒber Meinungen andere und VerbesserungsvorschlĂ€ge.
Zum einen möchte ich dazu gerne sagen, dass nicht nĂ€her darauf eingegangen wird, was das MĂ€del konsumiert hat mit dem der Protagonist redet. Sie hat nur einen Laberflash, sei es von Speed, Meth, Koks oder was auch immer. Koks fĂŒhrt in manchen FĂ€llen nĂ€mlich auch zu einer Pupillenverengung.
Des Weiteren konnte ich den Einruck eines regelmĂ€ĂŸigen Konsums scheinbar ganz gut evozieren, denn genau den Status haben die Figuren in meiner Geschichte erreicht. Völlig "verballerte" GesprĂ€che, in denen jeder am anderen vorbeiredet. Ich wollte keine 18 jĂ€hrigen Erstkonsumenten auf MDMA beschreiben.
Das von dir als "tumultartige"beschriebene habe ich eigentlich bewusst eingesetzt. Drogenliteratur, wie auch Drogenfilme, leben von ihren sprunghaften Elementen und unterstĂŒtzen dabei die oft bizarren Szenerien.
Das soll keine Rechtfertigung sein, wollte nur meine Idee dazu erklĂ€ren. Wenn du/ihr dazu auch noch einen Vorschlag habt, immer her damit. Ich danke dir auf jeden Fall fĂŒr deinen Leseeindruck und deine Tipps :-) @steky



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Hyazinthe
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2015

Werke: 39
Kommentare: 567
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Hallo Bunsy!

Du schilderst eine Szene, die bei mir eine merkwĂŒrdiges GefĂŒhl ausgelöst hat, das ich nur unzureichend als Mischung aus Ekel und Faszination beschreiben kann.
Die beschreibst die Desorientierung, die unkoordinierte Wahrnehmung und die ĂŒbersteigerte Sensualisierung in einem Drogenrausch mit einer Anschaulichkeit, die mir als völlig drogenunfahrenen Menschen diese bizarre, groteske Welt erfahrbar macht.
Wenn das dein Ziel war (vielleicht tÀusche ich mich ja und du wolltest wissenschaftlich erklÀren, durch welche Drogen sich die Pupillen erweitern und durch welche nicht ), dann hast du sprachlich genau den richtigen Ton getroffen.

Ich finde deine Geschichte sehr gelungen, obwohl mich das Geschehen selber abstĂ¶ĂŸt. Das I-TĂŒpfelchen auf allem ist natĂŒrlich der freche Titel.

Gruß, Hyazinthe




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