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Leselupe.de > Kindergeschichten
Wo sich Igel und Wiesel "Gute Nacht" sagen
Eingestellt am 05. 06. 2010 20:04


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Estrella fugaz
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Ende April schon, wo bleiben denn dieses Jahr meine Igel? Da ich im GrĂŒnen wohne, fĂŒhlen sie sich ausgesprochen wohl hier. Es gibt viel Nahrung und gute Verstecke, in denen sie sich ihre Nester bauen können.

Endlich, heute beginnt die Saison der kleinen Wildtiere. Der erste Igel kommt spĂ€t abends auf meine Terrasse getippelt, er schwankt leicht vor SchwĂ€che. Ein halbes Jahr Winterschlaf, ohne inzwischen zu fressen, das hinterlĂ€sst Spuren. Er ist jetzt völlig ausgehungert und sein Stachelkleid schlottert ihm am Körper. „Na, wie geht’s dir, du kleines Stacheltier? Zwei bis drei Wochen werde ich dich erst einmal aufpĂ€ppeln, damit du wieder zu KrĂ€ften kommst. Aber lĂ€nger nicht, also futtere dir schnell das Drittel deines Gewichtes an, welches du wĂ€hrend dieser langen Ruhezeit verloren hast. Danach musst du dich dann wieder selbst verpflegen.“

Schnell mixe ich dem geschwĂ€chten Tier sein Futter. Als ich den Napf hinstelle, dauert es nur einen Moment, bis er sich auf das leckere Mahl stĂŒrzt, die kleinen VorderfĂŒĂŸe gleich mit hinein. Gierig schmatzend leert er das SchĂŒsselchen innerhalb weniger Augenblicke, leckt es sogar ganz sauber aus, dass nicht einmal eine Haferflocke drinnen kleben bleibt. „Ach, dann habe ich ja richtig angemischt. Du bist also derjenige, der lieber das Katzenfutter mit Haferflocken mag? Dann ist es der andere, der die Kleie mit dem Feuchtfutter liebt. Wo hast du den denn gelassen? Habt ihr getrennt den Winter verbracht?“

Da! Jetzt erscheint auch schon der zweite Igel. Er hat den Geruch des Futters wahrgenommen, der noch in der Luft hĂ€ngt von den Resten, die an dem IgelmĂ€ulchen des Artgenossen kleben. Ungeduldig schnauft und pustet er, als wolle er sagen: "Wo ist denn nun mein Futter?" „Kleiner, du willst dann sicher Kleie in deinem Futter haben, oder? Du weißt ja, Katzenfutter allein gibt Bauchschmerzen. Das wollen wir doch nicht riskieren? Schau mal, dein Kollege trottet schon davon. Ich kann hören, welchen Weg er einschlĂ€gt, weil das liegengebliebene Laub vom Herbst unter seinen kurzen Beinchen raschelt. Gut, dass ich es immer liegen lasse bis zum spĂ€ten FrĂŒhjahr, weil es fĂŒr euch eine wahre Fundgrube an Futter bietet.“

„Mal sehen, was ich hier so finde," denkt der erste Igel. "Oh, Raupen und KĂ€fer haben sich unter Laub und Steinen versteckt. Die werde ich mir jetzt noch in mein BĂ€uchlein tun. RegenwĂŒrmer aus dem Rasen herausholen, dass kann ich ja auch morgen noch machen. Die esse ich auch gern. Aber die Nacktschnecken, bĂ€h, die fresse ich nur im Notfall.“

Der zweite Igel nĂ€hert sich jetzt dem leeren Futternapf, um wĂŒtend mit der Schnauze dagegen zu stoßen. Er schiebt ihn ĂŒber die Terrasse, was ein Ă€ußerst unangenehmes, laut kratzendes GerĂ€usch verursacht. Ich nehme den Napf hoch, der Igel rollt sich vor Schreck zu einer Kugel zusammen. Meine Nachbarn werden begeistert sein, mitten in der Nacht so einen LĂ€rm zu hören. Morgen muss ich ihnen erst einmal Bescheid sagen, dass die Igel-Saison begonnen hat, dann werden sie die nĂ€chtliche Ruhestörung sicher in Kauf nehmen. Jetzt kommt mein Kater Lucky, um zu schauen, wer da so einen Radau macht. Der Igel lĂ€uft in seine Richtung. Lucky steigt wie selbstverstĂ€ndlich, vorsichtig ĂŒber ihn hinweg. Es scheint, als wĂŒrden seine Beine noch lĂ€nger, damit er ihn nicht berĂŒhrt. Dass er sehr vorsichtig sein muss, wegen der spitzen Stacheln, kennt er schon aus den Vorjahren. Die Igel fĂŒrchten sich nicht vor ihm, weil sie wissen, dass er ihnen nichts antun kann.

Nun bereite ich die zweite Portion Futter zu und stelle sie auf den Fußboden. Schnell wie ein Blitz rennt der Igel in Richtung Nahrung, so dass er durch seinen Ansturm mit allen Vieren im Fressen zum Stehen kommt. Es scheint ihm gar nichts auszumachen, das Wichtigste fĂŒr ihn ist, sich sofort den Magen zu fĂŒllen. Jetzt fĂ€ngt es an zu nieseln, auch das noch. Ich habe jedoch schon vorsorglich den Katzenklodeckel meines Katers parat stehen und stelle ihn ĂŒber das Futter. Die Idee kam mir im vorigen Jahr, als es nicht wieder aufhören wollte zu regnen. Eine feine Sache ist das, denn so können die kleinen GĂ€ste ihr Futter regengeschĂŒtzt genießen, vor allem schwimmt das Futter nicht davon. Außerdem zieht es auch nicht so schnell andere hungrige Tiere an. Im letzten Jahr hatte sich allerdings tatsĂ€chlich ein Wiesel mit hinzugesellt, um vom Futter zu naschen. Davon war mein Kater jedoch ĂŒberhaupt nicht begeistert. Die beiden haben sich auch einmal fĂŒrchterlich erzĂŒrnt, was bleibende Narben am Kopf meines Katers hinterlassen hat. Was Luckys Krallen und ZĂ€hne beim Wiesel angerichtet haben, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da es nur noch kam, wenn keiner von uns zu sehen war. Also nehme ich an, dass mein vierbeiniger Hausfreund sich krĂ€ftig verteidigt hat. Ich merkte nur immer an den Hinterlassenschaften des Wiesels, dass es wieder zum Fressen gekommen war. Mein Kater wurde durch dieses Erlebnis erst einmal sehr hĂ€uslich, bis die Igelsaison beendet war.

Eins ist jedoch sicher, im August diesen Jahres werden hier wieder kleine MinibĂŒrsten ĂŒber den Rasen wetzen.

__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

Version vom 05. 06. 2010 20:04
Version vom 12. 06. 2010 19:29

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Estrella fugaz
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Danke Fallanda, fĂŒrs Lesen und deinen Kommentar.

Ich habe eng mit der Igelstation und der Pro Igel e.V. zusammengearbeitet. Es fanden sich hier Igel im November ein mit einem Gewicht von 250 g. Sie hĂ€tten bereits 600 g fĂŒr den Winterschlaf auf die Waage bringen mĂŒssen. Also, ihr sicheres Todesurteil. Mit fachlicher UnterstĂŒtzung konnten wir ihr Leben retten. Es wĂ€re zu umstĂ€ndlich, jetzt hier den ganzen Ablauf zu schildern. Tierarzt, wegen Entwurmung und ParasitenbekĂ€mpfung, Überwinterung in einer Igelstation, etc. Es wird sicher keinem Igel schaden, wenn er nach 6 Monaten Winterschlaf fĂŒr kurze Zeit etwas zusĂ€tzliche Nahrung bekommt. Die Fachleute wissen sicher, wovon sie reden - hoffe ich mal.

Danke noch mal,
und lieben Gruß, Estrella
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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Fallanda
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Hallo Estrella,

dass man einem Igel Ende des Jahres helfen kann, wenn er vor Wintereinbruch zu mager ist, wollte ich auch nicht anzweifeln.

Ich hatte gerade auch noch mal im Internet geguckt und auch nix dagegen gefunden, dass man sie im FrĂŒhjahr nicht fĂŒttern darf.

Hatte nur gedacht, dass es vielleicht nicht so gĂŒnstig ist, sie zu sehr an den Menschen und 'leichtes' Futter zu gewöhnen. Aber offensichtlich ist das nicht so tragisch.

Von daher, nimms mir nicht so krumm, dass ich das nach dem ersten Lesen so kritisch gesehen haben. War ja nicht bös gemeint und ich lern auch gerne dazu :-)

Viele GrĂŒĂŸe
Fallanda

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