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Leselupe.de > Kurzprosa
Wo wir uns finden, wohl unter Linden...
Eingestellt am 23. 05. 2008 18:00


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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Die Nationalsozialisten nannten es eine "Aktion wider den undeutschen Geist": Am 10. Mai 1933 fanden, angef├╝hrt und angefacht von Studenten, in ├╝ber 20 deutschen Universit├Ątsst├Ątten ├Âffentliche B├╝cherverbrennungen statt. Inszeniert wie ein kultisch-ritueller Akt flogen zehntausende B├╝cher j├╝discher, marxistischer und pazifistischer Autoren auf die Scheiterhaufen.

___________________________________________________________

Als ich davon h├Ârte, dass sie wieder B├╝cher verbrennen,
ging ich hinunter zum Dorfplatz.
Bei der Linde standen sie.
Halb im Dunkel; - halb im Licht ÔÇô warteten sie im Schein eines Feuers.

Schwarzer, schwerer Rauch stieg in den klaren Nachthimmel auf; -
Ascheflocken regneten herab.
Die B├╝cher, die sie verbrannten, hatten sie nie gelesen.

Wirre Schatten tanzten an den Holzw├Ąnden der Scheune auf und ab.
Unheimlich wirkten sie; - genau wie die Lieder, die sie gr├Âlten:

Die Flaschen hoch!
Die Reihen dicht geschlossen!
SA marschiert
mit ruhig festem Schritt


Bierflaschen klirrten aneinander.
Schwei├č gl├Ąnzte an ihren nackten Armen.

Totenk├Âpfe, Runen und Hakenkreuze hatten sie in ihre Arme t├Ątowiert.
Ihr Lachen war dumm und dreist.

Aber es machte mir Angst.

Viele standen stumm dabei; - viel zu viele!
Seit meiner Kindheit kannte ich die Schaulustigen.
Bald w├╝rden sie mit trinken, dann w├╝rden sie in die Lieder einstimmen.

___________________________________________________________

Da torkelte einer ├╝ber den Dorfplatz,
er kam aus der bauf├Ąlligen Scheune,
wo er seit Jahren auf einer uringetr├Ąnkten Matratze pennte.

Das war Willi.
Willi der Stadtstreicher.

Er war sturzbetrunken wie so oft
und wankte auf sie zu.
Wild gestikulierte er.

Er lallte von Demokratie und Grundgesetz,
er brabbelte vor sich hin.

Mit nikotingelben Fingern zeigten sie auf ihn.
Sie lachten und machten sich lustig.
Ihr Lachen war h├Ąmisch und gemein.
Hinterh├Ąltig.

Einer von ihnen schnappte sich die Flasche Brennspiritus und spritzte Willi den Fusel ins Gesicht.
"Na denn Prost, du Kommunist", schrie er und spuckte dem Alten ins Gesicht.

Willi schrie laut auf, schwankte w├╝tend auf sie zu.

___________________________________________________________

Wer ihm einen Tritt gab,
hab ich nicht gesehen.

Aber seinen Schrei konnte jeder h├Âren.
Jeder, der dabei stand!

Doch niemand r├╝hrte sich vom Fleck; -
als er ├╝ber ihre Beine stolperte ÔÇô
ins lodernde Feuer hinein,
wo die Glut Haut und Haare fra├č!

Willi brannte lange,
Er brannte wie eine Fackel.
Er zappelte hilflos in der Glut.
Er brannte schreiend.

Manche, die herumstanden hielten sich die Ohren zu,
denn es war nicht auszuhalten wie er schrie.


Die Aschenflocken, die auf die Zentlinde herabregneten, waren nun gross und schwer. Der Gestank von brennendem Fleisch zog zum Himmel hinauf.


__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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Thys
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Zarathustra,

an sich ein interessantes Thema. Auch prinzipiell nicht schlecht umgesetzt. Bei zwei Punkten bleibe ich aber h├Ąngen.
Spielt die Geschichte nun in der Nazi-Zeit? Wenn ja, dann solltest Du das Grundgesetz streichen. Das ist n├Ąmlich ein Begriff der Bundesrepublik. Wegen des kursiven Vorspanns gehe ich davon aus, dass es die Nazi-Zeit sein soll.

Der zweite st├Ârende Punkt ist der brennende Willi. Kein Mensch, wenn er nicht angebunden ist, bleibt im Feuer liegen und brennt lustig vor sich hin, bis er Asche geworden ist. Brennende Menschen laufen doch eher, ne rennen, meist panikartig einfach nur durch die Gegend.

Gru├č

Thys

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Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
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F├╝r mich spielt die "Geschichte" heute.
Sie ist nicht schlecht geschieben, politisch sicher aktuell, aber mir einfach zu ├╝berspitzt. Die B├╝cherverbrennung h├Ątte gereicht, das mit Willi ist f├╝r mich einfach zu viel. Die Leser k├Ânen das selber weiterdenken, denke ich.

LG Franka

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