Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5510
Themen:   94063
Momentan online:
248 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
Wochenende
Eingestellt am 27. 10. 2014 19:13


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Theo Tanz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2014

Werke: 2
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Theo Tanz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bar Privilège, Freitag, 23:39 Uhr

Purpurnes Licht funkelte über die Spiegelwand hinter dem Tresen und fing sich in faustgroßen Diamanten am anderen Ende der Bar, so künstlich wie die Gäste des Privilège selbst. Leuchtender Lip-Gloss, glitzernde High Heels, funkelnde Armbanduhren und strahlende Markenlogos auf Polohemden, dazwischen das Aufblitzen von plastischer Sonnenbankbräune und blonden Strähnen in Frisuren, direkt entsprungen den Deckblättern der neusten Ausgaben von Mens Health und Vogue.
Imperial Gold, Cointreau, Lex Ultra, Veuve Clicquot, Dom Perignon, Chateau de Beaucastel, Pol Roger und Hennessy reihten sich über der Bar auf. Mark zeigte auf eine der Flaschen.
„Auf Eis.“ Er zahlte mit einem blauem Schein. „Stimmt so.“
„Zum Wohl.“ Der Kerl neben Mark hob sein Glas.
Einatmen, Schlucken, Ausatmen. Ein bitterer Nachgeschmack lag noch einen Augenblick auf der Zunge.
„Glaub mir, ich hab da was wirklich abgefahrenes. Das ist astreines Zeug, wird dich total umhauen. Und keinen Kopf am nächsten Tag, glaub mir.“ sagte der Kerl während er seinen Drink wild hin und her schwenkte.
Mark nickte und starrte in den Spiegel hinter der Bar. Im lila Licht der Barbeleuchtung sah er sich. Dunkle Haare, perfekt gestylt. Das weinrote Armani Hemd, heute zum ersten mal angezogen. Markante Gesichtszüge. Eine sportliche Figur. Hier und da ein paar Falten täuschten nicht über sein Alter hinweg. Ein Mann in seinen besten Jahren, ein Mann wie ein Tom Ford Model kurz vor dem Ende der Modekarriere.
„Wie nennt man das Zeug?“ fragte Mark den Kerl.
„Das ist so neu, das hat noch gar keinen Namen. Ich könnte dir jetzt irgend so ein paar chemikalische Begriffe um die Ohren hauen, würdest du aber eh nicht kapieren. Also pass auf, denk dir doch einfach nen Namen dafür aus, wenn du morgen von deinem Tripp runter kommst und sagst mir den das nächste mal. Wie wärs?“
„Mal sehen. Also gut, her damit.“
Ein paar Scheine und ein paar Pillen wechselten den Besitzer und ein runder Klumpen gepresster feinster psychotroper Substanzen rutschte zusammen mit einem Schluck Hennessy X.O. versetztem Eiswasser Marks Speiseröhre hinunter.
„Dann mal ein schönes Wochenende, Mark.“

VW Touran, Bahnhofstraße, Freitag, 16:56 Uhr

„Hallo Schatz, ja ich bin auf dem Weg nach Hause. Ruhe dahinten!“ Kathleen drehte sich kurz zur Rückbank, um Nici und Elian verärgert anzuschauen. „Ich telefoniere hier gerade mit eurem Vater, also haltet gefälligst mal für einen Moment die Klappe.“
Die Kinder kicherten kurz und zogen Grimassen, so als würden sie stimmlos ganz laut reden. „Ja, hier bin ich wieder, die Beiden bringen mich heute noch zur Weißglut.“ sprach Kathleen entnervt in das matt glänzende Vagina-Pink ihres iPhone 5c. „Ok, ja klar, kein Problem, ich bin heute eh kaputt und will nur ein bisschen Fernseh schauen und dann früh ins Bett. Aber trink nicht so viel diesmal. Gut, wir sehen uns ja gleich noch zu Hause. Lieb dich, mein Schatz.“
Mark´s Bild und ein „Schatzi“ Schriftzug in Großbuchstaben verblassten auf dem Display des iPhones, als Kathleen es auf den Beifahrersitz fallen ließ. Die Ampel an der Kreuzung vor ihrem Haus wurde rot, der Touran stoppte. Kathleen klappte die Sonnenblende herunter und warf einen Blick in den smartphonedisplaygroßen Spiegel um noch einmal ihr Aussehen zu überprüfen. Leuchtend blonde Haare umrahmten ein etwas in die Jahre gekommenes Gesicht, aus welchem aber immer noch die Schönheit Kathleens Jugend strahlte, diese Schönheit, die ihr sogar mal einen bezahlten Model Job einbrachte, als sie Anfang Zwanzig war. Aber das ist lang her. Sie dachte kurz darüber nach ihr Make Up noch einmal frisch zu machen, bevor Mark von der Arbeit kommt, aber verwarf den Gedanken schnell wieder. Sinnlos.

Jorgen´s Wohnzimmer, Freitag, 20:37 Uhr

Leise rieselte der Schnee. Still und starr glänzte ein auf dem Tisch umgelegter Kosmetikspiegel, auf dem noch das IKEA Preisschild klebte. Kristallines Pulver zerstäubte und rieselte auf das Glas. Eine goldene Visa Kreditkarte und ein silbernes Röhrchen halfen beim Schnee räumen. Mark zupfte sich an der Nase und schniefte. Jorgen saß auf einem mit glänzendem Leder bezogenen Sofa gegenüber von Mark und blickte ihn fragend an.
„Wie geht´s den Kindern? Gib mal rüber das Zeug.“
„Sie wachsen und gedeihen, die Zeit vergeht so schnell. Bitteschön.“ antwortete Mark und schob seinem alten Kumpel Jorgen den Spiegel mit noch mindestens vier Gramm feinstem Ecgonylbenzoat rüber.
„Nur Koks rein ziehen reicht mir heute nicht. Was hast du noch da?“ fragte Mark, den sich über das zweckentfremdete schwedische Inneneinrichtungsstück beugenden, Jorgen. Jorgen schniefte und zeigte auf eine silberne Dose, die nicht viel größer als drei übereinander gestapelte Samsung Galaxy S4 war.
„Schau selber nach.“
Mark ließ die Dose aufschnappen. Neun Extasy Tabletten in der Form von Katzenköpfen im Comiclook, Zwei Ampullen Meskalin, Vielleicht Drei Gramm in Alufolie eingewickeltes PCP, Sieben MDMA Kristalle in verschiedenen Größen, ein durchsichtiges Plastikbeutelchen mit Gras (leider fast leer) und eine Hand voll LSD Pappen. Partytime.

Gartenstraße 67, Eigentumswohnung von Mark und Kathleen Zack, Freitag, 20:53 Uhr

Gerade als Kate Winslet vom Heck der Titanic ins todbringende Nass springen wollte, doch der überaus charmante Leonardo DiCaprio ihr rettend zur Hilfe kam, gerade da, kam eine vor Tränen aufgelöste Nici ins Wohnzimmer gerannt und blieb direkt vor dem flimmernden Philips Flatscreen stehen, um Kathleen das Bild zu versperren.
„Elian ärgert mich die ganze Zeit, Mama.“ brachte Nici schluchzend hervor, während im Hintergrund Leonardo seine Schauspielkollegin über die Reling der Titanic Kulisse zog.
Kathleen knipste den Fernseher aus und ging mit Nici an der Hand ins Kinderzimmer, in welchem Elian schon schmollend wartete.
„Stimmt gar nicht. Nici lügt, Mama.“ protestierte Elian ohne das Kathleen auch nur ein Wort zu ihrem Sohn sagen konnte. Fluchend stolperte sie über Elian´s Lego Burg in der Mitte des Kinderzimmers, welche direkt in sich zusammen brach und so Dutzende von kleinen Plastikrittern zu Obdachlosen machte. Sofort begann nun auch Elian in Tränen auszubrechen. Das Stereoheulen der Kinder überdeckte fast das Klingeln des Telefons, welches nun auch noch zu läuten begann. Kathleen ließ ihre Kinder einfach im Kinderzimmer stehen. Froh dem ganzen erstmal zu entkommen, rannte sie zum Telefon. „Hier Familie Zack, Hallo?“

Taxi, Innenstadt, Freitag, 20:55 Uhr

„Ja Hallo Schatz, ich bin´s. Ich ruf vom Handy eines Kollegen an, bei meinem ist der Akku leer. Ja, genau ein Kollege. Die Sache, die ist die, Notfall in der Firma. Die Rührmaschienen sind kaputt. Totale Katastrophe. Die ganze Produktion steht still. Ja genau, da muss ich hin, geht nicht anders. Wird vermutlich die ganze Nacht dauern. Klar, aber was soll ich denn machen? Job ist Job. Geh doch einfach schon schlafen, mal sehen wann ich zurück komme. Ja, ich hab dich auch lieb. Bis morgen dann, mein Schatz.“ Mark legte auf und gab Jorgen das Handy zurück. „Geh nicht ran, falls sie anrufen sollte, klar?“
„Schon klar, mein Bester.“ antwortete Jorgen und erklärte dem Taxifahrer den Weg zum Red Cat.

Red Cat, Freitag, 21:11 Uhr

Durch den sanften Schleier des Kokains schob sich langsam der aufputschende Druck der halben Extasy, die sich Mark beim Verlassen von Jorgens Wohnung eingeworfen hatte. Die beiden Männer folgten der mit rotem Samt ausgelegten Treppe hinab ins Red Cat. Es war dunkel im Red Cat. Nur die Bühne in der Mitte des Raumes war beleuchtet, aber noch leer. Kaum hatten sich Mark und Jorgen an einem der Tische vor der Bühne nieder gelassen, ließ sich die erste Dame auf der Bühne blicken und die Musik setzte donnernd ein. Viel zu laut pustete Thunderstruck von ACDC aus den Lautsprechern und das Mädchen vollführte irgendetwas, was eher an Joga erinnerte, als an Tabledance. Jorgen fand es gut und schob dem Mädchen ein paar der Spielzeugdollars zu, die er am Eingang des Red Cat gekauft hatte.
Zu wenig im Rausch, als mir das hier gefallen könnte, dachte sich Mark, während er an seinem 8 Euro Bier nippte. Gelangweilt schaute er sich das Mädchen an und auch das danach, ein dunkelhäutiges Mädchen, das sich viel zu schnell aus einem rosa Plüschband auswickelte. Mark gähnte.
„Wie siehts aus, Jorgen, gleich ab ins Privilège?“

Gartenstraße 67, Eigentumswohnung von Mark und Kathleen Zack, Freitag, 23:20 Uhr

Die Titanic ist unter gegangen und Kathleen versank im Fjell, dem neuen Ehebett von IKEA für 429 Euro. Nici und Elian schliefen auch endlich, so dass sich Ruhe und Frieden in der Wohnung der Zack´s breit gemacht hatte. Kathleen fühlte sich leer. Der Platz neben Kathleen war auch leer. Neben ihr fehlten die 84 Kilo Fleisch und Knochen, welche den Namen Mark Zack trugen und nun schon sieben Jahre ihr Ehemann waren. Auch sein Geruch und seine Geräusche beim Schlafen fehlten, Dinge an sich Kathleen über die Jahre so gewöhnt hatte. Doch wenn das alles ausnahmsweise mal nicht da war, fühlte sich das irgendwie komisch an. Kathleen fragte sich, ob diese Gewohnheit, die sie beide miteinander teilten, die Art Liebe war, von der sie einst geträumt hatte. Irgendwie nicht.

Bar Privilège, Freitag, 23:55 Uhr

Das Zeug knallte schneller rein als gedacht. Wie ein ICE, der mitten in einem Tunnel bei 220 km/h entgleiste, rammte sich der Wirkstoff durch Marks Nervenbahnen und explodierte dort. Sein Rückenmark pumpte Endorphine ins Gehirn, wie ein Nachbrenner das Kerosin in eine F-14 Kampfjet-Turbine. Feuer frei.

Club Tanzbar, Samstag 01:05 Uhr

„See that idiot walk, See that idiot talk“ ballerte es unterlegt mit schrecklichem Gitarrengeschrammel aus den schrottreifen Lautsprechern.
Deutschlands Jugend feierte. Schweißnasse Strähnen klebten in geröteten Gesichtern. Schlaksige Jungs in billigem H&M Look zappelten zum Beat. Aufgetakelte Mädels mit kleinen Brüsten und dickem Make Up hielten sich an halb leeren Vodka Energy Gläsern fest. Lippen mit verschmiertem rosarotem Lippenstift bewegten sich mit dem Text des Songs.
„The truth is, baby, it’s a lie. Ei. Ei. Ei. Ei.“ Die ganze besoffene Masse gröhlte mit.
Mittendrin: Mark.
Scheiß Mucke, dachte er sich, doch das Zeug in seinem Nervensystem ließ ihm keine Chance. Er musste mitmachen, mittanzen, mitgröhlen, mitlachen. Die spätpupertären Partygäste um ihn herum waren schon zu besoffen, als sie den alten Sack zwischen ihnen auf dem Dancefloor wirklich wahr nahmen und feierten einfach weiter. Der DJ jagte einen schlechten Song nach dem nächsten durch die Lautsprecher und Mark tobte weiter, völlig aus der Spur dank der neusten Innovation des Betäubungsmittelmarktes. Gerade als der DJ dieses neue schreckliche Popding von den Toten Hosen startete legte der Stoff den nächsten Gang ein: Sex.
Mark schüttle sich als die Wirkung der Droge völlig umschlug. Eben nur vom Drang nach Bewegung und Stimmung getrieben, wallte es nun warm und gierig in seiner Lendengegend auf. Sein Blick wurde klar und fest, seine Augen wanderten umher und blieben nur auf den jugendlichen, ja fast kindlichen, Körpern der Mädchen hängen. Der Trieb übernahm die Kontrolle und er steuerte durch die feiernde Menge auf das nächste weibliche Subjekt zu. Halb lange schwarze Haare, schlecht geschnitten. Ein weißes verschwitztes T-Shirt mit einem viel zu tiefem Ausschnitt für so kleine Titten. Sie sah ihn gar nicht kommen und hüpfte laut singend zum Refrain auf und ab.
„An Tagen wie diesen haben wir noch ewig… Waah, lass mich los!“ Mark packte sie am Arm und starrte ihr in die Augen.
„Komm, wir gehen was trinken.“
„Fuck, hau ab du Penner und fass mich nicht an!“ Sie schlug nach seiner Hand, doch Mark fühlte nichts als den warmen Druck von mit Blut gefüllten Schwellkörpern in seinem Schritt. Ein paar der umstehenden Leute schauten einen Moment zu den Beiden, doch niemand tat etwas, entweder zu betrunken um zu merken, was hier vor sich ging, oder einfach zu feige, um sich mit dem gut gebauten und deutlich älteren Mark Zack anzulegen.
„Nein Nein, ich tu dir nix. Ich geb dir einen aus, keine Angst.“ sagte Mark beruhigend zu dem Mädchen. Sein Sprachzentrum funktionierte noch. Das war wirklich ein gutes Zeichen.
„Nee du Arsch, ich will nicht.“ rief sie ihm durch den Lärm entgegen.
Die letzten Reste von Marks Verstand funkelten durch die träge Oberfläche des Rausches und brachten ihn dazu das Mädchen los zu lassen. Er drängte sich an ihr vorbei durch die Partymeute in Richtung der Toiletten. Dort angekommen, riss er eine der Türen auf und stützte sich über den Spülkasten. Jeder Quadratzentimeter in diesem Scheißhaus war mit schwarzem Edding beschmiert. Das Rohr hinter dem Klo hatte ein Leck und braunes Wasser tropfte daraus hervor. Im Hintergrund hörte er noch immer die Bässe der Musik donnern. Er rieb sich die Augen, versuchte langsamer zu atmen, doch der wilde lüsterne Druck blieb. Mark schob sich wieder nach draussen, zum Eingang der Toiletten.
Und da war sie. Alleine. Das Mädchen von eben. Vielleicht musste sie sich nach dem Schock von Marks zügelloser Avance erst einmal auf das Klo zurück ziehen, um allein zu sein, oder vielleicht doch einfach nur pissen. Das war auch egal, denn so weit kam sie nicht. Mark packte sie am Arm, seine andere Hand klammerte sich an ihren Mund und leise wimmernd wurde das Mädchen in das von Graffiti verschmierte Männerklo gezogen. Es ging alles ganz schnell. Er drückte sie mit dem Gesicht nach unten auf den Klodeckel. Sie war erstarrt vor Angst und nicht mehr ein Ton verließ ihre nun fahlen Lippen. Mark zerrte ihre Hose herunter und sein schon ewig steifer Schwanz suchte sich seinen Weg in sie hinein. Sie war eng. War sie noch Jungfrau? Scheißegal.
Es war eine Sache von Sekunden. Mark kam und der nächste Gang der Droge wurde eingelegt: Leere, eine endlose und bodenlose Leere. Er verließ das Klo, die Hose noch offen, nicht eine einzige Regung im Gesicht. Das Mädchen verkrallte sich am Rand des Klodeckels, langsam sickerten Tränen aus ihren zusammen gepressten Augenliedern. Mark hielt geradezu auf den Ausgang des Clubs zu, das Mädchen war quasi schon wieder vergessen.

Irgendwo in der Stadt, in irgend einer Kneipe, Samstag 6:23 Uhr

„Hey, wir machen gleich dicht, Kumpel. Reicht für heute. Nen bisschen Schlaf würde dir sicher auch gut tun.“ Der Barmann wischte mit einem fleckigen Lappen um Marks Ellenbogen herum, die auf den Tresen gestützt waren.
„Wie spät isses denn?“ fragte Mark ihn, während er auf die Wand vor sich starrte. Seine Augen waren dunkle leere Höhlen.
„Gleich halb Sieben, mein Bester“
„Scheiße!“ Mark war plötzlich wieder da und glitt vom Barhocker. „Bin noch mal kurz auf dem Scheißhaus bevor ich abhaue.“
Mark schloss sich in einer der WC-Kabinen ein, und zog Jorgens Drogenbox hervor. Er hatte keinen Plan wo Jorgen inzwischen abgeblieben war, aber eins war sicher: Es wurde allerhöchste Zeit für das MDMA.

Gartenstraße 67, Eigentumswohnung von Mark und Kathleen Zack, Samstag, 6:58 Uhr

Piep.
„Hallo, hier sind Nici, Elian, Mark und Kathleen.“ (jeder sagt seinen Namen einzeln)
„Wir sind Familie Zack.“ (rufen alle gemeinsam)
„Und wir sind gerade nicht zuhause. Sprich uns doch einfach eine Nachricht auf das Band und wir rufen zurück.“
Piep.
„Hallo Schatz, ich bins. Du, ganz dumme Sache. Das ganze läuft immer noch nicht. Wird noch den ganzen Tag gehen. Echt blöd. Grüß mir die Kids und macht euch einen schönen Tag, ja? Heute Abend bin ich ja hoffentlich wieder da. Ich liebe dich. Küsschen.“
Piep.

Restaurant Vio, 2 Sterne im Guide Michelin, Samstag, 13:45 Uhr

„Wie sie wünschen mein Herr.“ Der Kellner entfernte sich langsam von Marks Tisch. Um Mark herum lagen Reste von gebratener, roh marinierter Jakobsmuschel mit Räucherstörbrandade und Limettenvinaigrette, Gamsrücken mit Berberitze, Birne, Eierschwämmen und handgeschabten Spätzle. Das Glas Veuve Clicquot Ponsardin kippte um und vermischte sich mit den Spritzern der Vinaigrette auf dem ehemals strahlend weißem Tischtuch.
„Scheiße.“ murmelte Mark, doch machte sich keine Umstände die Schweinerei weg zu machen. Dafür bezahlte er hier immerhin.
Mark hing mit zerknitterter Kleidung im Mahagonistuhl des Restaurants, seine Pupillen riesengroß, düstere Ränder hingen tief unter seinen Augen. Die Nachbarn vom Nebentisch, ein Rentnerehepaar in steifer Kleidung, blickten sichtlich angewidert zu ihm rüber. Mark war alles egal. Scheißegal was die Leute denken, Scheißegal wo er eigentlich war und so was von Scheißegal, was Kathleen jetzt wohl dachte, oder ob sie sich Sorgen machte. Nur eins war klar, nachhause gehen, das würde er jetzt bestimmt nicht.
„Zahlen, Garcon!“ Mark winkte den Kellner wieder zu sich und schob ihm seine goldene Amex rüber. Rückstände weißen Pulvers klebten noch immer daran. Der Kellner nahm die Karte beflissentlich an sich, und wischte die Karte mit einer Servierte ab. Über so etwas sah man im Restaurant Vio galant hinweg, zumindest so lang das Trinkgeld stimmte.
Der Kellner kam zurück und reichte Mark dankend die Karte.
Mark schnappte sich die Karte und blickte den Kellner grinsend an „Wo issn hier der nächste Puff, mein Bester?“

Spielplatz an der Gartenstraße, Samstag, 14:20 Uhr

Nici kam mit einem Affenzahn die Rutsche herunter und schrie dabei laut jauchzend. Überall schrieen und krakeelten Kinder und Eltern durcheinander.
„Mama, wo ist Papa?“, „Nein Jan-Johannes, nicht da hoch.“, „Pass auf dich auf Catrine, da oben ist es sicher rutschig.“, „Mama, Aua!“, „Ach ist sie nicht groß geworden, so ein feines Mädchen.“, „Papa ist weg, aber der Manuel ist ja jetzt da.“, „Gib her das ist meeeins!“, „Schau den Manuel doch nicht so böse an, zu Mama ist er auch immer ganz nett.“
Kathleen verdrehte die Augen. Das war nur ganz normaler beschissener Samstag Nachmittag mit nervenden Kindern und noch viel nervenderen Erziehungsberechtigten. Sie saß auf einer Bank und tat so, als würde sie dem Treiben auf dem Spielplatz begeistert zuschauen, aber eigentlich hoffte sie nur Nici und Elian würden sich hier schnell abreagieren, so dass die beiden später nur noch hundemüde ins Bett fallen würden. Aber von diesem friedensstiftenden Zustand waren die Beiden noch weit entfernt. Nici war gar nicht mehr von der Rutsche weg zu bekommen und Elian rannte johlend immer zu im Kreis darum herum. Auf einmal rutschte Elian aus und segelte mit dem Kopf voran auf die silberne Edelstahlrutsche zu. Als sein Schädel auf dem Metal aufschlug ertönte ein stumpfes „BING“. Kathleen sprang auf um Elian zu Hilfe zu kommen, und da machte es auch in ihrer Hosentasche „BING“. Ihr rosafarbenes iPhone meldete den Eingang einer SMS.
Noch während Kathleen den heulenden Elian auf ihrem Schoß tröstete, zog sie das iPhone hervor und wollte nachschauen wer ihr da eine SMS geschickt hatte. Vermutlich war es Mark, der ihr eine Info über sein Verbleib zukommen lies. Aber es war nicht Mark. Es war Maurice. Auf dem Bildschirm waren die ersten beiden Zeilen der Nachricht zu lesen:
Na meine Süße, hast ja ewig nichts mehr von dir hören lassen. Schade, Schade. Ich bin gerade echt geil und…
Kathleen schluckte und traute sich nicht die Nachricht zu öffnen. Maurice. Scheiße.

Samsung Galaxy S, Vodafone Vertrag zugelassen auf Mark Zack, Nicht-Stören-Modus aktiv, SMS Eingang, Samstag 17:45 Uhr

Hallo Schatz, Mensch wo steckst du denn? Ich geh jetzt mit ner Freundin was trinken. Mutter passt heute Abend auf die Kinder auf, nicht das du dich wunderst, wenn du nach Hause kommst. Könnte auch später werden bei mir. Bis dann.


Wohnung von Maurice Belliure, Wohnzimmer, Samstag, 19:55 Uhr

Scheiße, das tat jetzt echt richtig weh. Kathleen schrie auf und wieder klatschte die Reitgerte auf ihren Oberschenkel. Ein nächster Schrei verließ ihre Kehle als das hochflexible Stück Fieberglas ihre Haut wieder brennend küsste und eine weitere rote Linie hinterließ. Die wievielte war das schon? Kathleen hatte es nicht geschafft mit zu zählen, ganz vom Schmerz übermannt und ganz von der Lust davon gerissen. Ja, um Lust ging es hier. Schmutzige, animalische, abartige und perverse Lust, aber verdammt noch mal, um ihre Lust.
Maurice warf die Reitgerte auf den Boden, zumindest hörte es sich so an. Kathleen sah nichts, Ihr Kopf steckte in einer schwarzen Plastiktüte in der nur ein paar Löcher für Mund und Nase waren. Ihr restliches Outfit bestand aus braunem Paketklebeband, mit welchem sie an Händen und Füßen gefesselt war, so dass sie auf allen vieren vor Maurice kauerte. Maurice war kein Mann der großen Gesten. Kaum das er Kathleen mit der Reitgerte verdroschen hatte, packte er seinen Schwanz und schob ihn Kathleen durch die Plastiktüte in den Mund. Kathleen würgte und versuchte etwas Abstand zu gewinnen, doch Maurice´s Schwanz drängte sich tief in ihre Kehle. Ein salzig-sauerer Geschmack breitete sich in Kathleens Mundhöhle aus. Maurice packte Kathleens Kopf, die Plastiktüte knisterte noch einmal in ihren Ohren und er fickte hemmungslos und voller Geilheit Kathleens Mundfotze.
Das war geil, und wie geil! So geil wie schon lang nicht mehr. So geil, dass sich Kathleen zumindest für die nächsten Minuten in ihrer puren und unendlichen Geilheit verlieren konnte, zumindest für eine kurze Zeit einzig diese absolut intensiven Empfindungen und Reize spürte, endlich etwas hatte, was ihre innere Leere für diesen einen köstlichen Moment füllte.

Etablissement Extraordinaire, Samstag, 20:30 Uhr

Das war kein normaler Puff. Mark hatte keine Idee ob sich dieser verfickte Kellner einen dummen Spaß auf seine Kosten machen wollte, oder wirklich keine Ahnung hatte. Am Anfang war Mark angepisst und wollte sich direkt wieder ein Taxi rufen lassen, aber da er eben schon mal da war, konnte er es das ganze doch wenigstens mal anschauen. Auch setzte gerade wieder der erste Schub dieses verdammten Zeugs ein, das er sich im Taxi auf der Herfahrt ein geworfen hatte. Langsam könne er sich ja mal einen Namen dafür einfallen lassen, dachte sich Mark. Krass war das Zeug in jedem Fall, davon braucht er unbedingt mehr. Aber das waren alles Sorgen für später, denn in diesem Moment saß Mark in einem weinrotem Ganzkörper-Gummianzug auf einer schwarzen Ledercouch und hatte den Ständer seines Lebens.
Vor ihm stand eine in glänzend anthrazitfarbnes Latex gehüllte dralle Domina und brülle ihm Befehle ins Gesicht. Das die Stimme, mit der diese Befehle erteilt wurden, etwas tiefer als erwartet klang, hatte Mark gar nicht gestört. Das diese Domina auf ein mal einen Penis unter ihrem knallengen Latex-Röckchen hervor holte, war doch zugegeben etwas befremdlich. Der kleine Dildo in Marks Hintern fühlte sich dann auch etwas seltsam an, doch um so tiefer das Sexspielzeug in ihn hinein geschoben wurde, um so interessanter wurde das Gefühl dann auch. Letztendlich war das alles gar nicht mal so übel, und in dem Mark vollkommen gefangen haltenden Rausch steigerte sich seine sexuelle Energie mehr und mehr, egal wie diese nun in ihm ausgelöst wurde. Dies versprach noch ein interessanter Abend zu werden.

Wohnung von Maurice Belliure, Küche, Samstag, 20:43 Uhr

„Tut´s noch sehr weh?“
„Nein, Nein, alles ist gut. Ich wollte es so. Genau so.“ Ein flüchtiges Lächeln verließ Kathleens Lippen und sie schlürfte an einer heißen Tasse Tee. Im Bademantel von Maurice saß sie an dem kleinen Tisch, er lehnte sich ihr gegenüber am Herd an. Beiden war die postkoitale Erschöpfung ins Gesicht geschrieben, doch lag in ihren Blicken auch der vielsagende Ausdruck von Zufriedenheit und, so seltsam es den Beiden auch vorkam, auch der Ausdruck einer sehr tief reichenden Nähe.
„Willst du es nicht lieber eincremen? Ich glaube nicht das dein Mann so erfreut sein wird, wenn er die Striemen auf deinen Beinen sieht.“ fragte Maurice fast zärtlich.
„Mach ich gleich, du hast recht.“
Kathleen starrte in die dampfende Teetasse. Die Erwähnung von Mark lies sie sich schlecht und schuldig fühlen. Die Leere in ihr begann sich wieder auszubreiten. Sie blickte wieder zu Maurice auf und ihr Blick wurde flehentlich.
„Ich will noch bei dir bleiben. Ich kann noch nicht wieder nach Hause, nicht nach alledem.“
Ihr Blick entzog sich wieder Maurice.
Maurice zögerte.
„Du weißt, ich will da heute noch hin, ich werde erwartet.“ sagte Maurice.
„Ja, ich weiß. Ich bin ja nicht die Einzige.“ antwortete Kathleen niedergeschlagen und konnte den Neid und die Eifersucht in ihrer Stimme nicht verbergen.
„Das ist etwas anderes, das weißt du.“
„Ja, das ist es“ erwiderte Kathleen und schämte sich für ihre Missgunst.
Maurice nährte sich Kathleen und legte seinen Arm um sie. „Komm doch mit, das wird dich auf andere Gedanken bringen.“
Kathleen starrte Maurice ungläubig an. „Ich soll mit kommen? Aber als was? Wie wirst du mich den anderen vorstellen?“
Maurice lächelte süffisant. „Ich denke das weißt du ganz genau.“

Etablissement Extraordinaire, Samstag, 22:00 Uhr

Das seltsame beim anpissen war gar nicht die Pisse selber, nein die war schön warm und schmeckte gar nicht so schlimm. Die Sache mit der Mark noch nicht so recht klar kam, war das der Urin aus einem männlichen Penis, der nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht hing, auf ihn nieder plätscherte.
Der Penis gehörte zu der Domina mit Titten, großen silikongefüllten Titten wohlgemerkt, die Mark jetzt Herrin Marianne nennen musste. Er selbst hörte jetzt auf den Namen Schischie, was in Marks zugedröhntem Kopf echt spaßig klang, fast so spaßig wie der ganze bisherige Abend.
Mark fragte sich, was würde als nächstes kommen?

Taxi, Industriegebiet, Samstag, 22:35 Uhr

„Sind wir nicht zu spät?“ fragte Kathleen und zupfte an ihrem dunkelbraunen Mantel, unter dem sie fast nackt war.
„Nein, Nein. Um die Uhrzeit sind eh noch alle nüchtern, da verpassen wir nichts.“ antwortete Maurice mit einem vergnügten Lächeln im Gesicht. Ihm war eindeutig anzusehen, das er bester Laune war. Kathleen war sich nicht so sicher, wie ihre Laune war. Aufregung, ja davon viel. Auch Angst war da, aber keine schlimme Angst, eher so eine Angst vor dem Unbekannten, aber eben vor dem aufregenden Unbekannten. Zum Glück war Maurice ja bei ihr, ihm konnte sie doch vertrauen. Oder doch nicht? Wie gut kannte sie Maurice eigentlich? Gut genug, um sich von ihm auf die perverseste Art und Weise durchficken zu lassen auf jeden Fall. Reicht das um jemanden wirklich zu vertrauen? Geht es hier denn eigentlich um irgendwas anderes? Kathleen schaute mit lethargischem Blick durch die Fenster des Taxis in die bedrückende Dunkelheit, die nur hier und da von den unregelmäßigen Lichtern des Industriegebietes erhellt wurde.

Etablissement Extraordinaire, Playroom, Samstag, 22:56 Uhr

„Schischie komm! Die Gäste sind gleich da! Ach und hier ist noch gar nichts fertig, was soll das bloß werden?“ Herrin Marianne schaute sich kopfschüttelnd im Playroom um und stemmte ihre Arme in die breiten Hüften. „Ja räum das dahin.“
Mark, völlig nackt bis auf eine schwarze Ledermaske, zerrte schnaufend ein seltsames Gestell aus schwerem Metall und mit rosa Dildoaufsätzen von einem Ende des Raumes zum anderen. Das ganze wäre deutlich einfacher, würde nicht der Butt Plug in seinem Hintern stecken. Wenn er raus rutscht, dann würde Herrin Marianne den bösen Schischie ganz schlimm bestrafen, hatte sie gesagt. Wäre das was schlimmes? Oder wäre es vielleicht doch ganz toll? Ist es gerade eigentlich toll? Wo bin ich eigentlich? Wer bin ich eigentlich? Schischie, Mark oder jemand ganz anderes? Wieso kann ich noch gerade gehen, nachdem ich mir das alles eingeworfen habe? Was sind das alles für komische Geräte hier in diesem Raum? Macht das Spaß die mal auszuprobieren? Wo steckt man das Ding denn da rein? Warum liegt hier eigentlich Stroh rum? Und warum habe ich eine Maske auf?
Marks Gedanken überschlugen sich völlig, trieben hier hin und dort hin. Doch eins war ihm klar. Hier war er gerade genau richtig.

Etablissement Extraordinaire, Zimmer Lederland, Samstag, 23:25 Uhr

„Scheiße, stöhnt der Kerl da nebenan aber laut.“ sagte Kathleen kopfschüttelnd.
„Ja klingt so, als hätte er Spaß.“ antwortete Maurice lachend. „Marianne ist da gerade zu Gange.“
„Wer ist denn Marianne?“
„Ich stell sie dir mal vor. Naja eigentlich eher ihn. Komm mal mit.“
Kathleen nickte nur, als Maurice mit ihr das Zimmer verlies, in dem es sich die Beiden mit ein paar anderen Pärchen auf einladenden Ledersofas gemütlich gemacht hatten. Bis auf das alle Anwesenden wenig bis gar nichts angezogen hatten, war das ganze bis jetzt eher eine gemütliche Smalltalk Runde. „Wie gehts euch denn so?“, „Ja gut, und selbst?“, „Auch mal wieder hier? Wie schön.“, „Ach letze Woche auf der Party bei Dings, da war so ein Typ.“ , „Und schon öfters hier gewesen?“ , „Ach das ist ja allerliebst, wo hast du dein Oberteil denn gekauft?“ , „Nein, Nein, das ist ganz einfach zu reinigen.“
Belanglosigkeiten wurden zwischen den Anwesenden ausgetauscht. Maurice kannte jeden von ihnen und unterhielt sich angeregt. Kathleen saß nur neben ihm und nippte an einem Martini, während sie den Gesprächen zuhörte. Irgendwie hatte sie sich so eine Veranstaltung anders vorgestellt, die ganze Aufregung war also umsonst. Naja, vielleicht würde Maurice mit ihr noch mal in eins der Spielzimmer gehen, hoffte Kathleen. Da könnten sie ja noch mal ficken, das würde ihr sicher gefallen.
Dann fing plötzlich der Typ im Nachbarzimmer an lauthals zu stöhnen. Na gut, dachte sich Kathleen, dann lass ich mir eben mal Marianne vorstellen.

Etablissement Extraordinaire, Darkroom, Samstag, 23:27 Uhr

Mark war blind. Zumindest sah er nichts mehr. Es war eh schon stockdunkel in dem Raum, was irgendwie Sinn machte, immerhin stand an der Tür in großen goldenen Buchstaben „Darkroom“. So richtig dunkel wurde es aber erst als Herrin Marianne Marks Ledermaske dicht machte. Nachdem die Augen verschlossen waren, war da nur noch ein Loch für Marks Mund, durch das man prima atmen oder Schwänze blasen konnte. Beides gleichzeitig war aber echt kompliziert, vor allem wenn einem eh schon die Pumpe vor lauter chemischen Aufputschmitteln im Körper ging.
Gerade hatte er mal wieder Herrin Mariannes Schwanz im Mund, als plötzlich jemand an der Tür war.
„Hallooo Marianne!“ tönte es von der Tür herein.
„Ja wen haben wir denn daaaa? Maurice mein Schätzchen! Mensch ich freu mich.“ Herrin Marianne zog ihren Schwanz aus Mark und eilte davon. „Still sitzen bleiben, Schischie.“ befahl sie Mark noch schnell.
„Na du hast wieder ein neues Spielzeug gefunden, wie es aussieht, Marianne?“
„Ja und ein ganz braves dazu, ist mir heute erst zu gelaufen. Aber wie geht es dir denn so, Maurice? Wir haben uns ja schon ewig nicht gesehen. Du hast ja auch jemand neues dabei, oder was sehen meine alten Augen da in der Dunkelheit neben dir? Ist das diese Kathy? Ach ihr müsst mir alles erzählen. Wollen wir was trinken gehen?“
„Na klar doch, meine liebe Marianne, und danach haben wir mal noch ein bisschen Spaß.“
Die Tür schloss sich während die drei Personen lachend das Zimmer verließen. Wäre Mark nicht so vollkommen zu gedröhnt, wäre ihm das Lachen einer weiblichen Person sicher bekannt vorgekommen.

Etablissement Extraordinaire, Darkroom, Sonntag, 01:54 Uhr

Sie hatte schon oft mit Maurice Analverkehr bei ihren früheren Treffen gehabt. Die Praktik selber war nichts besonderes mehr, nicht einmal mehr etwas wirklich reizendes. Doch das hier war definitiv anders. Dabei gefesselt und geknebelt zu sein, auch die Augen verbunden zu haben, war ebenfalls nichts neues. Das allerdings nur einen halben Meter daneben eine transsexuelle Domina das selbe mit einem Sklaven namens Schischie tat, das war durchaus eine ganz neue Situation.
Eigentlich gefiel es Kathleen nicht so richtig, aber Maurice war irgendwie ganz scharf darauf mit seiner alten Freundin Marianne dieses Spielchen zu starten. So wie es klang hatten beide auch ihren Spaß damit. Maurice stöhne hart und tief wie immer beim Sex, die Geräusche, die Marianne dagegen von sich gab, klangen irgendwie eher nach dem Kläffen eines asthmatischem Dackels. Im großen und ganzen war das ganze nicht sehr anregend für Kathleen, die nur hoffte, dass das ganze schnell vorbei ist, und sie sich bald mit Maurice den durchaus spannenderen Praktiken zuwenden könnte, für die es hier im Etablissement Extraordinaire sicher Räume und Möglichkeiten genug gab.
Auf einmal zog Maurice sich aus Kathleen zurück und wechselte ein paar Worte mit Marianne.
„Los lass tauschen.“ keuchte er.
Und plötzlich schob sich Mariannes Schwanz in Kathleen. Nein, das wollte Kathleen nun wirklich nicht, das war ihr nun doch zu viel. Nicht mit dieser Transe! Doch zu spät. Neben sich hörte sie Maurice wieder schnaufen.
Der fickt nicht wirklich gerade neben mir einen Kerl? Igitt, das hätte Ich nicht von ihm gedacht.
Kathleen wurde übel, während Herrin Marianne sich in ihr zu schaffen machte.
Bitte lass es schnell vorbei sein, fuhr es Kathleen immer wieder durch den Kopf. Das war ekelhaft!
Es dauerte nicht lange und die Beiden hörten auf Kathleen und Schischie zu penetrieren, irgendeine andere Position oder Praktik kam ihnen in den Sinn. Kathleen war schlecht. Das war zu viel. Sie war angewidert, angewidert von Herrin Marinne und ihrem Schischie, angewidert von Maurice, aber vor allem angewidert von sich selbst. Als Maurice sie los machte gab sie ihm ihr Handzeichen für das Safeword. Es war vorbei. Maurice befreite Kathleen und schaute sie fragend an. Sie deutete auf die Tür und sie ging hinaus. Maurice folgte schweigend und schloss die Tür hinter sich. Noch immer nackt standen sich beide in dem schummrig beleuchteten Flur gegenüber, während aus den angrenzenden Zimmern Geräusche dumpfes Stöhnens, Schreiens und Klatschens erklangen.
Vor der Tür schaute Kathleen Maurice noch ein letztes mal in die Augen „Es reicht Maurice. Ich möchte nach Hause.“
Maurice schaute sie einen Moment mit einem nichtsagendem Blick an, doch er verstand dann.
„Ja klar. Ich glaube du hast recht. Ich rufe uns ein Taxi.“
„Nein, ich denke ich würde lieber alleine fahren.“ Kathleen drehte sich auf dem Absatz um, sammelte im Raum mit den Ledersofas ihren dunkelbraunen Mantel ein, nickte den noch immer dort sitzenden und quatschenden Gästen freundlich zu, und machte sich davon.
Im Taxi rollte ihr eine einzelne Träne aus den Augen.

Irgendwo, vermutlich Sonntag, Irgendwann am Nachmittag

Nüchtern werden ist schlimm. Wieder zu wissen wie man wirklich heißt ist schrecklich. Sich an die letzte Nacht zu erinnern ist die Hölle.
Mark würde alles gerne auf Halluzinationen und Wahnvorstellungen schieben, welche ihm der Drogenkonsum der letzen 48 Stunden bescherte, doch er spürte in jedem Nerv und jeder Synapse seines Körpers die Wahrheit. Er muss vergessen können, es verdrängen, wieder er selbst werden, der Mark Zack, der erfolgreiche Arbeitnehmer und stolze Familienvater. Er war nur noch eine Dusche und einen frischen Anzug davon entfernt. Irgendwo würde es das sicher für viel Geld auch an einem Sonntag Nachmittag geben.

Gartenstraße 67, Eigentumswohnung von Mark und Kathleen Zack, Schlafzimmer, Sonntag, 21:34 Uhr


„Wie war dein Wochenende?“
„Ermüdend.“
„Ich bin auch fix und fertig. Etwas Schlaf wird mir gut tun, muss ja morgen auch wieder früh raus“
„Gute Nacht.“
„Ja gute Nacht, mein Schatz.“
__________________
Techno, Text & Trash

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 65
Kommentare: 1404
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Theo Tanz, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den häufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele Grüße von Ralph Ronneberger

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Erzählungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung