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Leselupe.de > Kurzprosa
Wochenende
Eingestellt am 29. 08. 2004 08:57


Autor
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Jean-Claude
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2001

Werke: 14
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Wochenende

Manchmal dachte er an die Zeit zur├╝ck, als er noch sorgenlos schlafen konnte. Damals war die Morgenluft noch frisch, ein-fach klarer als jetzt.

Sein K├Ârper f├╝hlte sich noch leicht an. Nein, er litt nicht an ├ťbergewicht! Einst war sein K├Ârper seelenleicht. Die Kirchturmglocken klangen wie Akkorde, obwohl sie ihn an l├Ąs-tige Aufgaben erinnerten: an die Schule, die Kirchmesse, die L├Ąnge der Nacht und an die Zeit. Dass ihm die Zeit davonge-laufen war, hatte er nicht bemerkt. Eines Tages war sie ein-fach weg und seine Haare grau!

Warum hatte er denn nichts dagegen unternommen? Er h├Ątte doch Vieles tun k├Ânnen. Ihm war bewusst, dass alle M├Âglich-keiten offen standen. Er h├Ątte etwas gegen seine Einsamkeit unternehmen m├╝ssen. Er war selber schuld!
Wenn er abends alleine vor der Glotze sa├č, an seine Freundin dachte, lief ihm ein kalter Schwei├č ├╝ber den R├╝cken. Sie hatte ihn in diese Wohnung gebracht hatte, ihn dann nach Jahren einfach sitzen lassen. Sie wollte ein neues, interes-santeres Leben, ohne ihn beginnen, wie sie ihm einmal kalt-schn├Ąuzig sagte. ÔÇ×Du bist alleine f├╝r dein langweiliges Le-ben verantwortlich.ÔÇť Dann schlug sie die T├╝re hinter sich zu. Seither hatte er sie nie wieder gesehen; nicht einmal in der Stadt, bei GiovanniÔÇÖs Kaffeebar. Er durfte mit ihr nicht b├Âse sein. Sie war unschuldig. Er h├Ątte sein Schicksal ÔÇô wie einfallslos er dieses Wort brauchte! - selber in die Hand nehmen m├╝ssen und etwas gegen sein leeres Dasein unternehmen sollen. Dazu war er zu schwach. Manchmal hatte er den Ein-druck, das Leben ├╝berrumple ihn. Jeden Tag plagte ihn das unheimliche Gef├╝hl, der Morgen sei schneller gekommen, als erwartet.
Bereits, als es ihm an Kraft fehlte, den Wecker auszuschal-ten, h├Ątte er reagieren m├╝ssen. Er h├Ątte nicht warten sol-len, bis ihn die Gewohnheit v├Âllig in der Hand hatte und ihn in ihren Rachen hinunterzog. Anfangs lie├č er es geschehen und dann war es zu sp├Ąt. Er hatte ├╝berhaupt keinen Mut, zum Kampf. Irgendwann verlor er den ├ťberblick.
Dann als er Mitte drei├čig war, dachte er, sein Leben sei eine hoffnungslose Ansammlung selbst gebastelter Ideen. Er war ├╝berzeugt, die eigenen Gedanken w├╝rden ihn betr├╝gen. Sein Leben hatte ihn im Griff. Nicht er war Herr ├╝ber seinen Alltag, nein, der Alltag erdr├╝ckte ihn mit seinen Forderun-gen.

ÔÇ×Warum will ich mich immerzu besch├Ąftigen.ÔÇť dachte er. ÔÇ×Wa-rum muss ich mich mit allerlei T├Ątigkeiten ablenken?ÔÇť Ihm blieb immer mehr Freizeit und immer weniger Freiheit. ÔÇ×Aber spielt es denn ├╝berhaupt eine Rolle, frei zu sein? Nein, wahrscheinlich nicht.ÔÇť Manchmal verwechselte er den Frei-heitsentzug mit dem Arbeitszwang, die ihm die nat├╝rlichen Grundbed├╝rfnisse aufn├Âtigten. Seine Eltern lebten auch unter dem Joch schwerer Arbeit und schienen gl├╝cklicher zu sein als er. Zu jener Zeit wurde sonnabends noch gearbeitet und niemand dachte im Geringsten daran, nichts zu tun. Er konnte sich an seinen gro├čen Bruder erinnern, der nach getaner Ar-beit noch die Einfahrt zum Haus kehren musste, w├Ąhrend er und seine Schwester besch├Ąftigt waren, die Schuhe s├Ąmtlicher Familienmitglieder zu schruppen und zu polieren. Da wurde nicht zweimal ├╝berlegt, ob es sich schickte, an einem Sams-tag zu arbeiten.
Wenn er sich Freitagnachmittag um sechszehn Uhr von Frau Meyer ÔÇô seiner Sekret├Ąrin ÔÇô verabschiedete, musste er schon an Montag denken. Nur schon deshalb wurden seine Wochenenden mit negativen Gedanken vermiest. ÔÇô Alles ging f├╝r ihn so schnell. Er ertappte sich auch, wie er sagte: ÔÇ×Ich fahre schnell in den Supermarkt.ÔÇť, oder ÔÇ×Ich mache noch schnell dies und schnell das!ÔÇť Alles musste er noch schnell erledi-gen, dabei fuhr er nicht sonderlich schneller als sonst. Trotz seiner Schnelligkeit, hatte er weniger ├╝brige Zeit f├╝r sich, als sonst.
Es war Freitag. Er war ├╝bergl├╝cklich, denn vor ihm lagen zwei arbeitsfreie Tage. Das Gef├╝hl von Freiheit war schon am Samstagmorgen vorbei, als h├Ątte es nie existiert. Er wollte nur noch schnell f├╝rs Wochenende einkaufen und schnell die Wohnung reinigen. Danach f├╝hlte er sich besser. Nachher w├╝r-de er das Wochenende genie├čen. Er goss sich ein dunkles Bier ein, holte seine Brezel, die er noch schnell gekauft hatte und z├╝ndete sich eine Zigarette an. Ja, eigentlich fehlte ihm nichts mehr. Jetzt konnte er genie├čen, doch der Gedanke, dass das Wochenende schon bald wieder zu Ende war, ├Ąrgerte ihn. Aber es war schlie├člich schon siebzehn Uhr und bald ging er wieder schlafen.
Am Sonntag, war das Freiheitsgef├╝hl komplett verschwunden und er legte sich auch schon wieder die Kleider bereit, die er f├╝rs B├╝ro brauchte. Er fiel in sein bekanntes Sonntags-loch, lie├č seine Arme h├Ąngen und sprach mit niemandem. So schnell ging alles vorbei.

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Herzliche Gr├╝sse

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