Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
277 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Wolken
Eingestellt am 21. 11. 2004 14:56


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

Werke: 49
Kommentare: 113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Cirias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

W O L K E N



An der OberflĂ€che des Sees schlagen die Wolken PurzelbĂ€ume. Der Wind treibt Schaumkronen an die Ufer. Sie begegnet einem streunenden Hund, aber niemandem sonst. Im Ufermorast liegen umgestĂŒrzte BĂ€ume. Sie setzt die Schultasche auf einen Stein. Es ist kalt. Aber das macht ihr nichts. Sie ist fortgelaufen. Sie sieht auf die HĂ€user in der Ferne und hĂ€lt ihr Gesicht in das milchige Licht der Sonne. Unter ihren Schuhen knistert das erfrorene Laub. Ein Vogelschwarm hinterlĂ€sst winzige Tupfer im Ufersand. Sie lacht. Vor der blassen Linie des Horizonts verschwindet ein Radfahrer, dann zwei Kinder wie sie. Staunend setzt sie sich auf den Stein. Die Schultasche stĂŒrzt zu Boden. Sie sieht auf den Stoß Schulhefte, ihre Pausenbrote und ein Packen Lineale, die die durchsichtig gefrorenen Spitzen der Grashalme brechen. Das Ufer ist voll gerundeter und glĂ€nzender Steine. Zwischen ihnen ist alles unbewegt, wie daheim. Sie lĂ€uft. Der See wird kleiner und kleiner, bis er verschwindet. Sie rennt den Wolken nach, denn sie will fort. Sie staunt ĂŒber alles was es noch gibt neben den stillen Stunden , die sie in SchulrĂ€umen abgesessen hat. Oft bleibt sie stehen. Sie kommt sich betrogen vor. Die Sonne verschwindet sehr frĂŒh hinter dem Saum des Waldes. Auch dafĂŒr haben sie ihr dort keine Wörter beigebracht. Zum Ende hin, als ÜberhĂ€nge um BĂ€ume, StrĂ€ucher, Schilder und schottergefrorene Wege wachsen, brennt ihr der Frost schlimm in Fingern und Zehen. Der Wind macht kleine Schnitte in ihre Haut. Sie weint. Sie denkt nicht mehr, sie fĂŒhlt: ich bin ein Stein. Der Himmel ist schwarz und lautlos. Die Wolken tragen offene SchnĂ€bel in den klaren Raum. Dort sinkt ein Stein tiefer als in jedem Wasser. Die Mama hat das getan.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


mye
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

Werke: 37
Kommentare: 128
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um mye eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hi

gefĂ€llt mir sehr gut, auch in der kĂŒrze. schöne bilder. traurige geschichte. nur einen satz wĂŒrd ich Ă€ndern:

Verwundert ĂŒber alles was ist neben den Tag fĂŒr Tag in SchulrĂ€umen abgesessenen Stunden, bleibt sie oft stehen.

ich glaube, dass ich vier anlĂ€ufe fĂŒr diesen satz gebraucht hab. ansonsten... toll.

lieben gruß

mye
__________________
man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

www.moviereporter.net

Bearbeiten/Löschen    


Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

Werke: 49
Kommentare: 113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Cirias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo mye,
vielen Dank.
Ich glaube, dass du mit dem Satz recht hast, er ist wirklich ein bißchen zu verquer...Ich werde ihn Ă€ndern.

Herzliche GrĂŒĂŸe, Daniel

Bearbeiten/Löschen    


sommersturm
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,
also im ersten Moment fand ich den Text auch ganz gut, hab ihn aber nicht gleich verstanden und ihn mir deshalb noch mal genauer durchgenommen. Hier meine Anmerkungen:

„Zwei Kinder wie sie“: Sind es zwei MĂ€dchen? Sind sie so alt wie sie? Sind sie auch fortgelaufen? (Wie können zwei wie einer sein? Meiner Meinung nach muss es einen Anhaltspunkt geben, an dem man die Parallelen sieht und einen Vergleich ziehen kann. Vor allem, wenn die Vergleichsperson/en nicht nĂ€her beschrieben werden und gleich wieder verschwinden.)
WorĂŒber staunt sie? Nicht ĂŒber die Natur, denn vor dem Satz „Staunend setzt sie sich auf den Stein.“ sind ein Radfahrer und zwei Kinder hinterm Horiziont verschwunden, sie hat nicht die Natur betrachtet.
Wieso mehrere Lineale? Als SchĂŒler braucht man normalerweise eins, höchstens zwei.
„Sie rennt den Wolken nach, denn sie will fort.“ Aber sie ist doch schon fortgerannt (von der Schule), warum will sie denn fort, wo sie es doch schön findet am See und lachen und staunen kann?
„Auch dafĂŒr haben sie ihr dort keine Wörter beigebracht.“ Aber sie schreibt / spricht doch die ganze Zeit von den Dingen, fĂŒr die sie angeblich keine Wörter hat.
„Der Wind macht kleine Schnitte in ihre Haut.“ Ist es dir schon mal passiert, dass du dich verletzt hast, wenn der Wind weht? (Mir nicht.)
„Dort sinkt ein Stein tiefer als in jedem Wasser.“ Was soll das bedeuten?
Was hat die Mama getan? Sie hat sie in die Schule geschickt, aber nicht, weil sie ihr die schönen Dinge der Natur vorenthalten will, sondern weil eine allgemeine Schulpflicht besteht. Wenn, dann will ihr die Gesellschaft die Natur vorenthalten. Oder meinst du etwas ganz anderes damit?

Fazit: Teilweise etwas unlogisch und unverstÀndlich.

Ich hoffe auf eine Antwort von dir. Bis dann.

Bearbeiten/Löschen    


Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

Werke: 49
Kommentare: 113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Cirias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo sommersturm,

mit deiner Antwort habe ich zwar große Schwierigkeiten, weil ich den Eindruck habe, dass du ĂŒberhaupt keinen Zugang zum text gefunden hast. Hast du das in der Staatsschule gelernt, einen Text so zu sezieren, dass man den Eindruck hat, du willst eigentlich nur informiert werden, nicht aber dich auf Metaphorik und Tieferes einlassen?- Wenn du schon auf die allgemeine Schulpflicht pochst, so hat das wenig damit zu tun, was man Kindern damit antut, sie auf eine (Staats-)schule zu schicken. - Gibt es nicht Worte, die man erst noch finden muss, weil sie einem noch nicht begegenet sind, das ist uneigentliches Sprechen...- SchĂŒler haben mehrere Lineale, vielleicht gibt es aber in der Staatsschule nur das eine verordnete?- Sind solche Details nicht völlig irrelevant? Geht es in dem Text darum? - Und natĂŒrlich können zwei Kinder wie eines sein. Und natĂŒrlich kann der Wind Schnitte in die Haut machen. Vielleicht hast du das bisher noch nicht erlebt (oder willst es nicht). Der Text will nicht logisch sein. Sind Kinder logisch? ist ihr Erleben logisch?
Und zuletzt: das Fortwollen hört nie auf. vorausgesetzt man weiß was Sehnsucht heißt.
Der Text ist in den vergangenen Jahren in den grĂ¶ĂŸten deutschsprachigen Literaturzeitschriften veröffentlicht worden. Keine Frage, dass du natĂŒrlich dennoch das Recht hast, ihn zu kritisieren, aber ich denke, dass deine Kritik sich auf einer Ebene bewegt, die der Text gar nicht hat oder anstrebt.
Sorry fĂŒr die Polemik, aber ich schlage vor, du loggst dich demnĂ€chst lieber im Forum "Theoretisches" ein,
Gruß, Cirias

Bearbeiten/Löschen    


sommersturm
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Cirias,
Ich wollte dir bestimmt nicht zu nahe treten mit meiner Kritik. Ich dachte, man darf Texte in der "Leselupe" kritisieren, dafĂŒr ist sie ja schließlich da, oder ist sie bloß dafĂŒr da, um uneingeschrĂ€nktes Lob zu erhalten? Und bloß, weil die Mehrheit der Leser den Text gut findet und er auch schon veröffentlicht worden ist, muss ich ja nicht den Text gut finden, oder? Viele renommierte Autoren (z.B. GĂŒnter Grass) werden von Kritikern (z.B. Marcel Reich-Ranicki) kritisiert und hĂ€ngen sich deswegen auch nicht gleich auf. Ich will mich ja nicht mit Ranicki gleichstellen, aber ich habe doch auch ein Recht zur eigenen Meinung, oder?
Außerdem habe ich niemals gesagt, dass der Text schlecht ist. Ich finde nur, dass er noch ausbaufĂ€hig ist.
Ich habe es ĂŒbrigens bestimmt nicht in einer "Staatsschule" gelernt, einen Text zu sezieren, ich mache mir immer meine eignen Gedanken. Ich lass mich auch gerne auf Metaphorik und Tiefes ein, manche Bilder aus "Wolken" finde ich auch besonders schön. Übrigens kennst du mich gar nicht, und kannst ĂŒberhaupt nicht wissen, was ich fĂŒr ein Mensch bin, ob ich eher emotional oder sachlich-nĂŒchtern bin. Ich habe das Emotionale in deinem Text in meiner Antwort nĂ€mlich deswegen ĂŒberhaupt nicht erwĂ€hnt, weil ich daran nichts auszusetzen hatte und weil ich die Sehnsucht des Kindes verstanden habe.
Außerdem glaube ich nicht, wie du, dass Details irrelevant sind. Ich finde, Details machen oft einen Text erst aus.
Warum will der Text nicht logisch sein? Darf er es nicht? FĂŒr mich muss ein Text immer logisch sein. Er darf gerne widersprĂŒchlich sein, aber logisch muss er auch sein, logische ZusammenhĂ€nge und logische Details. Übrigens hat man auf einer Staatsschule oft nicht einmal ein Lineal dabei.
Die Frage, ob Kinder logisch seien, kann ich dir nicht auf die Schnelle beantworten. Ihr Verhalten muss natĂŒrlich nicht logisch sein, genauso wenig wie das Erwachsener, aber es muss nachvollziehbar sein.
Was die Mama getan hat, hast du mir ĂŒbrigens noch immer nicht beantwortet.
Aber wenn du mir deinen Text nicht weiter erklĂ€ren willst und es nicht vertragen kannst, dass ich jetzt schon wieder meine Meinung geschrieben habe, und mich nicht dafĂŒr entschuldige, dann...
Dann lassen wirs einfach. Ist zwar schade. Es macht nĂ€mlich Spaß, ĂŒber Texte zu diskutieren. Aber gut.
Lieben Gruß.

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!