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Leselupe.de > Kurzprosa
Wolkenreich
Eingestellt am 02. 04. 2005 23:07


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Calypso
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2005

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Eine kleine Umdrehung und sie schwebte leicht wie eine Feder auf den Wolken, die ihre Freunde waren. Ja, sie war leicht und sie war frei wie ein Vogel, der t├Ąnzelnd und elegant seinen Weg beschritt.
Sie gr├╝├čte mit einem angedeutetem Kopfnicken die Sonne, die sich links von ihr befand und ihre leicht k├╝hle Haut mit angenehm warmen Strahlen w├Ąrmte und ihr Wolkenreich mit einem heiter blauen Himmel einen sch├Ânen Tag bescherte. Der Tag war sch├Ân, wie es jeder war, dachte sie fr├Âhlich und schritt weiter auf der wei├čen, weichen Wolkenmassen umher. Das war ihr Reich, das Wolkenreich, auf dem nur sie umherwandeln konnte und das nur ihr geh├Ârte. Niemand anderen hatte sie je hier gesehen und sie war sich sicher, dass nie jemand den Weg finden w├╝rde.
Auch sie hatte Probleme gehabt, den Weg zu finden. Doch ihre Freundin, die Sonne, hatte ihr ihre Hilfe angeboten und sie hatte sie dankbar angenommen. Das war lange her, wie lange genau, konnte sie nicht sagen, sie wusste es nicht einmal. Zeit spielte f├╝r sie schon l├Ąngst keine Rolle mehr, ein Tag war etwas nichts im Vergleich zu der Ewigkeit. Seit sie hier war, war sie keinen Tag ├Ąlter geworden, keinen Tag ├Ąlter als f├╝nfzehn.
Auch ihr Kleid war noch dasselbe, das gleiche rosa Kleid, mit dem sie hier angekommen war und das sie nie abgelegt hatte. Sie trug es immer mit sich wie ein Erinnerungsst├╝ck aus ihrer Vergangenheit, welche immer mehr in den Hintergrund geriet. Wenn sie ehrlich war, so konnte sie sich kaum noch an ihre Vergangenheit erinnern. Nur szenische Ausschnitte waren wie festgeklebt in ihrem Ged├Ąchtnis haften geblieben.
So wie ihr f├╝nfzehnter Geburtstag, den sie mit ihrer Familie gefeiert hatte. Der Tag, an dem sie auch ihr rosa Kleid bekommen hatte, das sie sich damals seit l├Ąngerem gew├╝nscht hatte. Sie sah nur gewisse Dinge in ihrem Kopf, die R├Ąumlichkeiten und undeutliche Personen. All das verschwamm mit der Zeit, bis es nur noch schemenhafte Gestalten waren, die keine richtigen Umrisse besa├čen, und sie wie dunkle Schatten nun in ihrem Himmelreich bedrohten.
Je dunkler die Schatten wurden, desto seltener blickte sie zur├╝ck, sie war jetzt hier, wo es hell und sicher war, wo sie sich nicht vor der Dunkelheit zu f├╝rchten brauchte. Sie hatte Angst vor der Dunkelheit, Angst, sich zu verlieren und nie mehr diese wundervolle Welt zu erblicken, die Wolkenwelt. Weiterhin t├Ąnzelte sie ├╝ber Wolkenmasse, bis sie ersch├Âpft war, sich sanft auf eine flauschige Wolke niederlie├č und die Augen schloss. Ihr rosa Kleid schmiegte sich wie eine zweite Haut an sie und war das einzige, was sie von der Wolke hervorstechen lie├č, denn ihre Haut war hell und ihr r├╝ckenlanges Haar wei├čblond. Sie waren hell wie das Licht, das sie so liebte.
Sie war eine Tr├Ąumerin, war es von Anfang an gewesen. Sie lebte f├╝r ihre Phantasie und f├╝r das Licht, das ihre Tr├Ąume beschien. Tr├Ąume waren ihre Zuflucht, wenn sich die Sonne verzog und sie nur von dem fahlen Mondlicht ihren Trost vor der Dunkelheit bekam. Auch der Mond war ihr Freund, er war ein unterhaltsamer Kamerad, der sich gern und oft mit ihr unterhielt. Er erz├Ąhlte ihr von dem Geschehen in der Welt, er war ihr Lehrmeister und das meiste ihres Wissens hatte sie von ihm in den zahllosen Stunden der Nacht erlernt, in denen sie plauderten, bis der neue Tag heranbrach und ihre Freundin, die Sonne, ihr Gesellschaft leistete. Die Sonne war sehr viel mehr zur├╝ckhaltender als der Mond, sie fragte die Sonne auch selten etwas, dennoch waren sie gut befreundet.
Doch heute war etwas anders. Der Mond kam nicht, nachdem sich die Sonne von ihr verabschiedet hatte. Sie bekam Angst und blickte unruhig umher. Die Wolken waren wie immer, sie waren immer noch bei ihr, aber ihr Freund wollte einfach nicht erscheinen, obwohl es immer dunkler wurde und er genau wusste, wieviel Angst sie vor der Dunkelheit hatte. Sie kauerte sich auf dem Flauschigem zusammen und umschloss mit den Armen ihre Knie. So f├╝hlte sie sich geborgener und wiegte sich etwas mehr in Sicherheit vor den Schatten, die immer n├Ąher kamen und sie zu erdr├╝cken drohten. Sie wimmerte kurz auf, wiegte sich unabl├Ąssig mit ihrem Oberk├Ârper zur Seite und summte ein Wiegenlied zur Beruhigung.
Der Mond kam immer noch nicht. Jetzt wurde sie nerv├Âs und stand auf. Dann fing sie an unruhig von einer Wolke auf die andere zu laufen, nein, das war nicht sehr nett von ihm, sie so im Stich zu lassen. Sie war entt├Ąuscht und ihr sonst so fr├Âhliches Gesicht blickte sehr ernst. Je weiter die Dunkelheit fortschritt, umso mehr wurden ihre leicht rosa Lippen zu einem schmalen wei├čen Strich. Ihre blassblauen Augen hatten sich auf das Doppelte ihrer normalen Gr├Â├če geweitet. Ihre Nasenfl├╝gel bl├Ąhten sich unaufh├Ârlich und ihr Herzschlag raste. Immer noch kein Zeichen vom Mond, der doch ihr Freund war.
\"Mond?\", rief sie verzweifelt, vielleicht h├Ątte sie das auch schon fr├╝her tun sollen. Sekunden verstrichen, oder waren es Minuten?, sie wusste es nicht genau, doch die Zeit verstrich und sie erhielt keine Antwort. Tr├Ąnen rannen ihr schmales Gesicht herunter und tropften auf die Wolken. Sie fing an zu laufen, sie wollte der Dunkelheit entfliehen, ihr Haare wehte hinter ihr her und ihr Kleid kam ihr nun ausgesprochen furchtbar vor. Sie wollte es nicht mehr. Es war nicht mehr sch├Ân, denn die Nacht lie├č es ebenfalls dunkel aussehen, und davor hatte sie Angst. Noch im Lauf zerrte sie es zentimeterweise ├╝ber ihren Kopf und warf es panisch von sich. Sie schaute nicht einmal, wo es hingefallen war, sondern rannte einfach nackt weiter um den Mond zu suchen. Tiefer in die Dunkelheit, vor der sie sich doch f├╝rchtete.

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Zarathustra
Routinierter Autor
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Dein Wolkenreich ist eine reife Geschichte.
Mir hat sie gefallen.
Sprachlich hat sie nicht die professionalit├Ąt, die sie haben k├Ânnte, nicht die Routine...

Aber genau das macht deine Geschichte sehr, sehr liebenswert.

Schreibe weiter..

L. G. Hans
__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 49
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Leicht wie eine Feder,
frei wie ein Vogel,

ja klar - und rot wie eine Rose,
schnell wie der Wind,
klar wie ein Bergsee
schwarz wie die Trauer
etc., etc.

Mit diesen Bildern musst du sparsamer umgehn, sie haben einmal gut funktioniert und tun es teilweise immer noch, aber sie sind doch sehr abgegriffen.

Gleich 2 davon im 1. Absatz - das ist jedenfalls zu viel des Guten.

├ťberhaupt: Dieser Text lie├če sich sicher wunderh├╝bsch zusammenk├╝rzen.

K├Ânnte sich auszahlen.

lg
Sohalt

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Calypso
Schriftsteller-Lehrling
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Zarathustra: Danke

Sohalt: Erstmal danke f├╝r deine Kritik, ich werde in Zukunft mehr drauf achten. Ich gebe zu, dass der Text etwas lang ist und ich manche Stellen nicht so h├Ątte ausbauen m├╝ssen.
Vielleicht sind die Bilder schon zu oft gebraucht worden, aber ich denke, das verdeutlicht besser das, was ich ausdr├╝cken wollte, als wenn ich es weggelassen h├Ątte.
__________________
Jeder dumme Junge kann einen K├Ąfer zertreten, aber kein Professor der Welt kann einen herstellen. (Schopenhauer)

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