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Leselupe.de > Kurzprosa
Wollstrümpfe und Künstlerkleidung
Eingestellt am 11. 01. 2008 10:06


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Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

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Ich war überrascht, als es an der Tür klingelte. Ich erwartete niemanden, und umso mehr schlug es mich nach hinten über, als sie in der Tür stand.

“Du?”
“Ja, ich. Ich wollte mal sehen, wie es dir geht. Läßt du mich rein?”
“Ja, sicher, komm herein. Es sieht ein wenig durcheinander aus, ich hoffe, es stört dich nicht.”

Sie zog sich die Schuhe aus und fragte nach ein paar dicken Socken. Ich kramte aus der Schublade ein paar Wollstrümpfe ohne Löcher. An der Vorhangstange zur Küche hingen einige frisch gebügelte Hemden. Sie fielen herunter, als ich sie wegräumen wollte, um sie auf den Garderobenständer auf dem Balkon zu hängen. Sie stand in der Zimmertür.

“Hat sich ein wenig verändert hier. Neuer Schreibtisch, neuer PC. Und, wie geht’s dir?”
“Naja,” antwortete ich, “mal so, mal so.” Und schloß die Balkontür.
“Kannst du nicht mal eine ordentliche Antwort geben?”

Sie wußte, daß ich sie vermisse.

“Gut”, sagte ich, “ich koch uns mal nen Tee.”
“Ich hab nicht viel Zeit. Ich wollte einfach vorbeikommen und sehen, wie es dir so geht.”
“Naja”, sagte ich, “mal so, mal so. Nichts ernstes. Ich mach uns trotzdem mal nen Tee.”

Gut sah sie aus. Manchmal sah sie verdammt gut aus. Ich schaute sie nur kurz an. Es schmerzte mich, daß sie so gut aussah. Ich begann in der Küche herumzukramen, sie machte mich unsicher.

“Ist der Tee gleich fertig?” Micci Miss Honeyka. Sie schaute mich an und ich fühlte mich vollständig daneben, so verloren, daß ich Miss Honeykas Blicken auswich.

Sie setzte sich auf das rote Sesselchen neben den gelblackierten runden Tisch. Nichts paßt wirklich zusammen. T. Bier behauptete einmal, wenn bei dir einer einbrechen sollte, der läßt gleich 20 Euro liegen und ist weg. Vierzehn Tage hatten wir versucht, in diesem 34 qm großen Schuhkarton klarzukommen. Es war furchtbar. Aber ich liebte sie. Und heute kam ich mir wieder wie ein kleiner Junge vor.

“Hast Du einen Job gefunden?”
“Ja, 25 Stunden die Woche. Das reicht. Hab noch einiges anderes im Kopf. Nichts überzeugendes, keine große Taten. Ein paar kleine Sachen.”
“Schön. Und, bist du glücklich?”
“Ja”, sagte ich, “ich glaube, ich glaube, ich bin glücklich. Die letzten Monate waren hart.”

Ich gab ihr Milch, selbst in Pfefferminztee und Grüntee kippte sie Milch. Sie trug immer noch diese alten gefütterten Stiefel, die ausgebleichten Hosen und das schmucklose goldene Cape mit dem Schal drumherum und die grüne Wollmütze mit dem Schirm vorne dran. Sie lief grauenhaft herum. Aber ihr Gesicht war frisch und jung.

“Was macht die Gitarre?”
“Gut”, log ich, “wir werden wohl bald eine Band gründen. Uns fehlt noch ein Name.”
“Wieviel Leute?” Lachte sie.
“Zwei”, lachte ich. “Bass und Gitarre.”
“Wer spielt den Bass?”
”Kurbjuhn. Er hat noch keinen. Aber die Sache nimmt schon Formen an.”

“Ich ruf dich an”, sagte sie, als sie in der Tür stand, in dieser Künstlerkleidung.
“Ja. Sei so lieb. Laß nicht so lange auf dich warten.”
“So wie du damals?”
“Ja, nicht so wie ich damals.”
“Pass auf dich auf.”
“Ja”, sagte ich, “versprochen.”



Version vom 11. 01. 2008 10:06

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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Hmmmm, die Frage, die sich mir nach dem Ende des Textes aufdrängte war: Und jetzt?

Der Text endet, bevor er richtig angefangen hat. Du führst den Leser zwar hin (zu was?), aber gerade, wenn man sich die Personen etwas vorstellen kann, ist der Text fertig. Die Story wohlgemerkt nicht, denn im Grunde hat sie noch gar nicht begonnen - für mein Empfinden.

Dein Schreibstil gefällt mir, auch wenn es dem Text gut tun würde, die vielen Absätze herauszunehmen (vor und nach der wörtlichen Rede) - das zieht ihn unnötigerweise in die Länge, rein physisch.

Irgendwie fehlt mir der rechte Clou, irgendetwas, das passiert. Vielleicht wenn du seine Nervosität mehr herauskehrst und ihren Kurzbesuch (von ihm zwar heiß ersehnt, sie zu sehen, dann aber umso verletzender, nur für ein paar Minuten zwischen "rein" geschoben worden zu sein - nicht mal ein richtiges Treffen ist er ihr wert usw.) auch etwas anders beleuchtest ... Was hältst du davon?

Viele Grüße,
Eve

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