Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92266
Momentan online:
62 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Woran man frisch gebackene Mütter erkennt
Eingestellt am 20. 05. 2006 11:49


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
sabiko
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2006

Werke: 11
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um sabiko eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Dass man frisch gebackene Mütter anders als es die Werbung verspricht nicht am seligen Lächeln erkennt, wurde mir spätestens an dem Tag bewusst, an dem ich mich vor meiner Wohnungstür wiederfand während der Schlüssel noch drinnen steckte. Die sogenannte Stilldemenz, hervorgerufen durch Schlafentzug, begann sich in Form hemmungsloser Vergesslichkeit zu zeigen. Seitdem bin ich sehr dankbar für den Umstand, dass Arme, Beine und Kopf an mir festgewachsen sind.

Sehr zur Erheiterung meines Mannes zieren seither auch viele kleine Zettelchen unsere Wohnung: „Einkaufen“, „Post wegbringen“, „Geschenk kaufen“ und „Bügeln“ steht beispielsweise auf ihnen zu lesen und mein Mann reißt seine Witzchen darüber.

Seine Scherze sind ihm allerdings schnell vergangen, als ich einmal vergaß, meine tägliche Dosis halbwegs legaler (da ich ja noch stille) Drogen zu kaufen: Schokolade. Ich versank in cholerischen Anfällen, anschließend in Tränen des Selbstmitleids, und Papa beeilte sich, dem Schlafanzug entsteigen und zum nächsten offenen Kiosk rennen, um einen großzügigen Vorrat des braunen Zeugs anzulegen. Leider erwischte er Zartbitter – aber immerhin in Herzform. Inzwischen prangt ein sehr großer Zettel am Kühlschrank: „Schokolade kaufen!!!“ steht darauf in seiner Schrift.

Ich sollte mir übrigens auch schnellstens einen Zettel „Babys Spukflecken beseitigen“ zulegen, denn das sind die nächsten Kennzeichen frisch gebackener Mütter. Vor allem dann, wenn man mal wieder vergessen hat, den Zettel zu berücksichtigen, auf dem geschrieben steht: „Spuktuch über die Schulter legen“. Dann fällt es dem Nachwuchs natürlich gerade ein, die soeben zu sich genommene Milchmahlzeit in Form von Frischkäse beim Bäuerchen wieder von sich zu geben. Mittlerweile zieren meinen neuen Mantel, meine Wollpullover und sogar eine Hose milchig-weiße Spuren. Wie es kommt, dass nahezu ausschließlich meine guten Sachen davon betroffen sind, dass könnten allerdings nur die Zettelchen meines Sohnes klären, die er jedoch gut am geheimen Ort zu verbergen weiß.

Da Mütter aber nicht nur Opfer von kindlichen Spukattacken werden, sondern auch der im wahrsten Sinne des Wortes anderen Seite ihres Nachwuchses ihre Aufmerksamkeit zu widmen haben, kommt es zu einem weiteren Kennzeichen der frisch gebackenen Mütter: Der Verspätung.

Als ehemalige Meisterin der Pünktlichkeit habe ich nach sieben Monaten Mutter-Dasein die folgenden Zeitformel entwickelt, ohne die ich keine Verabredung mehr treffe: „Ursprünglich angenommene Zeit + 30 min + Zeit, die es kostet, ein großes Geschäft zu beseitigen.“ Möchte ich diese Formel von Sommer- auf Winterzeit umstellen, so kalkuliere ich „plus Zeit, die es kostet, Handschuhe, Mütze und Schneeanzug anzuziehen“. Auch das Alter des Kindes findet Eingang in die Formel, denn Mama wird damit konfrontiert, die zunehmenden Windungen, die das Baby mit seinem Körper zu vollbringen in der Lage ist, in die Gleichung einzubeziehen. Der Erfolg ist dennoch gering. Meine Verspätungen schwanken zwischen dreißig und sechzig Minuten. (Eine gute Freundin empfahl mir letztens die Heisenbergsche Unschärferelation. Mal sehen, ob die was bringt.)

Den Höhepunkt aller Kennzeichen frisch gebackener Mütter musste ich aber gestern an mir feststellen: Während ich in der Stadt auf die S-Bahn wartete, ertappte ich mich dabei, wie ich mit dem Oberkörper sanft hin- und herwippte. Allerdings ohne ein Baby auf dem Arm. Das bekam gerade zuhause von meinem Mann die Flasche.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hi sabiko,
ich hoffe dein Baby spukt nicht, sondern spuckt . Ansonsten: Glückwunsch! Gern gelesen.

Mel

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!