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Leselupe.de > Kurzprosa
Worte
Eingestellt am 05. 08. 2005 10:50


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Tezetto
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An diesem einen Tag starb mein altes Leben.

Noch bevor du die T├╝r ganz ge├Âffnet hattest, konnte ich sehen, was du dachtest. Jeder Dendrit, der bei dem Licht deiner Erscheinung begann, sein Feuer ├╝ber Myriaden von Axonen zu vernetzen, liess mich erkennen. Ich konnte deine Gef├╝hle in meine Gedanken eintauchen sehen.

Dein Wille, das Erschaudern meines K├Ârpers.

Doch du warst taub mich zu h├Âren, zu blind, mich zu erkennen, unf├Ąhig zu tasten.

Ich suchte nach W├Ârtern. Einer Stimme, die mich in deine N├Ąhe bringen konnte. Meine Gedanken rannten das Alphabet auf und ab, wirr, so wirr, was ich ineinander stapelte.

Die Tage wanderten durch einen Sumpf. Planlos stolperte ich hinter dir her. Versuchte, jedem Abdruck deiner F├╝sse eine Bedeutung zu geben. Sah im Staub, der sich von deinen Kleidern l├Âste ein Orakel. Erkannte Dinge, Ungeschehenes in diesen Mikrowolken, Schuppen, Flusen, Staub, in diesem Nichts.

Wenn du den Mund ├Âffnest, nur um keinen Ton ├╝ber deine Zunge kommen zu lassen, warum konnte dann nicht wenigstens ein fl├╝chtiger Gedanke meine Lippen streifen? Ein Wort, ein einziges Wort nur gegen die Welt.

Doch endlos langes Schweigen, dein Kopf mir zugeneigt, das Feuer in deinen Augen in meine Seele gebrannt. In der l├Ąrmenden Stille dieser Welt verbeugst du dich und gehst. Du hast mich nicht einmal gesehen, wie sollte ich da erwarten, das du mich erkennst?

Wie ein Zelt aus Eis um dich herum die K├Ąlte, frierende Netze in die Menge geworfen, du greifst deine Beute. Und bist noch erstaunt ├╝ber den Fang.

Blick auf zu dir, rede und rede mich um den Verstand. Wellen aus W├Ârtern, S├Ątzen, loser Grammatik schlagen ein in dein unendlich tiefes Blau. Und w├╝hlen nichts auf, prallen gegen deine D├╝nen, vertrocknen im Sand deiner K├╝ste.

Etwas in mir bricht auf, in meinen Adern beginnen Gef├╝hle zu kochen, brodeln Hormone, verdampfen Endorphine. Dein Blick auf mir, gross, dunkel, tief und wild. Einsam bin ich mit dir. Und Einsamkeit werden wir ernten.

Alles zieht an mir vorbei, mein ganzes Leben zeitgerafft.

Ich sehe, dass du denkst.
Ich denke, was du f├╝hlst.
Ich f├╝hle, was du willst.
Aber ich h├Âr dich nicht.
Ich h├Âr nicht auf.

Bitte gib mir nur ein Wort.

(Der Text ist ein kleines Experiment, inspiriert ist er von dem Song NUR EIN WORT von WIR SIND HELDEN)
__________________
┬ę by Torsten Sammet 1981-2017

"Eine strenge und unumst├Â├čliche Regel, was man lesen sollte und was nicht, ist albern. Man sollte alles lesen. Mehr als die H├Ąlfte unserer heutigen Bildung verdanken wir dem, was wir nicht lesen sollten." Oscar Wilde

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

bei deinem text dachte ich an die apalliker, die wir
ab und zu pflegen. oder an demente im letzten stadium.
ich k├Ânnte mir vorstellen, dass dein text die gef├╝hle
von angeh├Ârigen bzw. partnern dieser kranken treffend
beschreibt. das ist meine assoziation beim lesen.
es k├Ânnte auch eine mi├čgl├╝ckte lovestory sein.
die ohnmacht ist sp├╝rbar. aber die hoffnung noch nicht
gestorben.
gib mir ein zeichen, dass du mich siehst, erkennst.
la├č mich nicht allein mit meinen gedanken.

bon.

(deine inspirationsquelle, welche du am ende angibst,
ist mir unbekannt.)

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Tezetto
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Originaltext

Hallo Bonanza,

hier ist der Originaltext von WIR SIND HELDEN - NUR EIN WORT, dann l├Ąsst sich meine Interpretation vielleicht besser erschliessen.

Ich sehe, dass du denkst
Ich denke dass du f├╝hlst
Ich f├╝hle dass du willst
aber ich h├Âr dich nicht ich

hab mir ein W├Ârterbuch geliehen
dir A bis Z ins Ohr geschrieen
Ich stapel tausend wirre Worte auf
die dich am Ärmel ziehen

Und wo du hingehen willst
Ich h├Ąng an deinen Beinen
Wenn du schon auf den Mund fallen musst
Warum dann nicht auf meinen

Oh bitte gib mir nur ein Wort
Bitte gib mir nur ein Oh
Bitte gib mir nur ein
Bitte bitte gib mir nur ein Wort

Es ist verr├╝ckt wie sch├Ân du schweigst
Wie du dein h├╝bsches K├Âpfchen neigst
Und so der ganzen lauten Welt und mir
die kalte Schulter zeigst

Dein Schweigen ist dein Zelt
Du stellst es mitten in die Welt

Spannst die Schn├╝re und staunst stumm wenn
Nachts ein M├Ądchen dr├╝ber f├Ąllt

Zu deinen F├╝ssen red ich mich
um Kopf und Kragen
Ich will in deine tiefen Wasser
Gro├če Wellen schlagen

Oh bitte gib mir nur ein Wort

In meinem Blut werfen
die Endorphine Blasen
Wenn hinter deinen stillen
Hasenaugen die Gedanken rasen

M: J. Holofernes, J.-M. Tourette, P. Roy, M. Tavassol
T: J. Holofernes
┬ęWir sind Helden
__________________
┬ę by Torsten Sammet 1981-2017

"Eine strenge und unumst├Â├čliche Regel, was man lesen sollte und was nicht, ist albern. Man sollte alles lesen. Mehr als die H├Ąlfte unserer heutigen Bildung verdanken wir dem, was wir nicht lesen sollten." Oscar Wilde

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

fehlt nur noch die musik.

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Tezetto
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Hallo Bonanza,

l├Ąuft im Radio eigentlich rauf und runter (okay, wenn man wie ich nur Einslive h├Ârt ;-)

Gruss
Torsten
__________________
┬ę by Torsten Sammet 1981-2017

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