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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Wortschneegestöber
Eingestellt am 01. 02. 2009 20:29


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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Wortschneegestöber


Leise grieselt der Schnee
Still und starr ruht der Zeh

Eisbein und Eiswein
Versprochen gebrochen

Die Nase läuft
Wie
Der Hase läuft

Wintermanteldick
Vermummte Demonstration
Polizeilos

Einen kratzts nicht
Den Garagenwagen

Alles andere friert
Ein
Bis zwei Mal täglich

Der Handschuh läuft
Nicht und

Es wirft
Der Schal sich in Schale
Der Schneeball wie
Von selbst

Wenn der Schneemann
Klingelt
Gibt’s Eis
Mann

Hau weg das Eis
Frühling

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
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Registriert: Aug 2000

Werke: 2248
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Das Gedicht beginnt im Ton eines Kinderliedes: "Leise rieselt der Schnee", von dem es eine Reihe Parodien gibt.
(Leise rieselt die Vier/auf das Zeugnispapier ...)

Dann verlässt es diesen Ton und führt das Thema in eine völlig andere Richtung, verknüpft die Assoziation von Zeh zu Eisbein und von Schnee zu Eis in Eisbein und Eiswein - wobei "Eiswein" auch das tropfende Wasser sein kann, Eisbein zugleich der erfrierende Fuß.

Die Nase läuft - im doppelten Sinne: Schnupfen und Füße.

Die Menschen, dunkle, scheinbar vermummte Flecken in der Landschaft.

Sie versuchen, Eis von den Scheiben zu kratzen.

Aber der Garagenwagen hat Glück, ihn kratzt es nicht, ihn juckt es nicht, er ist nicht überzogen von Schnee oder Eisblumen.

Doppeldeutigkeit prägt jede Zeile des Gedichtes, das seine Reimstruktur verliert, wenn das Wort "Ewigkeit" schmilzt.




__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Guest
Registriert: Not Yet

Hallo walther

durch puren Zufall bin ich auf diesen Text gestoßen.

Noch kein Text von dir hat mir soviel Freude gemacht, wie dieser.
Das lebt, befeuert die Assoziationen, hat den Schalk im Nacken und wirkt kein bisschen zwanghaft.
Hätte nicht gedacht, dass du so etwas in dir hast.

erfreut
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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Tja, Ralf,

Walther is`n Guter. - Mir gefallen seine ungereimten Texte in der Regel besser ... die Voraussetzung dafür ergibt sich allerdings gerade aus seinem soliden Handwerk. - Im Stillen bin ich davon überzeugt, dass nur derjenige einen guten Vers libre schreiben kann, der die Reimerei aus dem Effeff beherrscht.

Aba uff mia hört hier ja keena ... -

Dir, lieber Walther, kann ich nur Frohlocken anraten: Ist gelungen!

Herzlichst
Heidrun

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
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LIEBE HEIDRUN,
ich hoffe das du irrst!

DIE WELT PASST NICHT MEHR IN REIME
KREUZREIM, BINNENREIM SO NETT
TIEF DARUNTER BLEIBT DIE WELT VERSTECKT

lg
RALF

__________________
RL

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1589
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Hallo Ihr lieben Disputanten und Wortspielentdecker!

Danke für die vielen lobenden Worte. Gepflegter Unsinn mit Hintersinn braucht manchmal das Sonnenlicht, damit er wirkt (und längere Ruhezeiten), auch wenn der behandelte Gegenstand dabei wegzuschmilzen droht.

Nun ist Sprachspaß durchaus, dada zeigt es immer noch am nachhaltigsten, nicht unbedingt reimzwängig. Es geht auch ohne. Und auch will ich nicht bestreiten, daß es gute Dichter geben könnte, die keinen Reim können. Ich will auch nicht bestreiten, daß revilo gute Gedichte schreibt und Ralf Langer auch (Heidrun sowieso!) .

Nur eines schadet sicher keinem: Sich der Tradition und der Sprache durch Übung zu vergewissern. Und es tut einem Gedichttext gut, wenn ihn jemand mit Rhythmusgefühl schreibt (und das wiederum übt man am formstrengeren Reimgedicht am besten).

Damit lägen wir alle richtig. Es erscheint nur sinnvoll, ein Talent durch Übung weiterzuentwickeln. So, wie es Musikanten-, Sportler- oder Forschertalente gibt, deren eigentliches Können erst durch Übung zum Vorschein kommt. Kurz: Der beste Künstler ist immer noch der, der die Form mit leichter Hand überwindet, eben weil er sie souverän beherrscht und durchdrungen hat.

So wird ein Schuh draus.

Lieben Dank für Diskussion und Begleitung. Immerhin haben sie einem Text gegolten, den ich schon vor seiner Wiederentdeckung eher für einen meinen besseren gehalten habe und deshalb ein wenig enttäuscht war, daß zuerst niemand von ihm Kenntnis nahm.

Gut Ding will manchmal Weile haben, besonders, wenn dat Dingen ein ganz gutes ist.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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