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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Wos die Magd des Thoma Paurn zum Erzöhln hodt
Eingestellt am 17. 01. 2017 15:21


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Freakingcat
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Liebe LL-Leser!

Dieser Text wurde in sehr breiter oberösterreichischen Mundart verfasst, von einer Erzählerin, die eine einfache Magd im Jahr 1650 ist. Es ist mir klar, daß er nicht leicht zu lesen ist und für die meisten, die mit oberösterreichischen Dialekten nicht vertraut sind, vollkommen unverständlich sein wird.

PS: Laut vorlesen hilft!


Jo mei Gott, was soi I eich scho erzöhn von meim Lebn! I woar jo nur a afoche Magd und bin a ned vü umakuman in da Gegnd. De gonze Zeit, hob I nua goarbeitet und des scho seitdem i a klanes Mädl woar. Wir hobn jo a miassn, weil wir so vü Kinda woarn, olles Mädln, und ned gnuag zum Essn für alle do woar. Mei Votta hodt jedn Sonntog noch da Mess am Stommtisch olles Gödt des ma ghobt ham, versoffn und beim Schnopsn verspült. Deswegn hodt mei Muatta, wia I elf Joahr oid gwoardn bin, beschlossn, daß i scho groß gnuag bin, um bei am Bauern am Hof zu oarbeitn. Schui hots jo kane gebn, dafür woarn wir a füz oarm. Deswegn hob i a nie lesn oder schreibn glernt und rechnan, hob I a nur mit meine Fingern könnan. I wär scho gern in a Schui gangan, oba des woar hoit damois so.

Am Morgn hodt mir da Votta gsogt, i soi mi zompockn— vü hob I jo eh ned ghobt— und er hodt mi an da Hand bpockt und wir san gongan. Des woar des erste moi, daß i von unsam Hof weg woar. Wir san nach Nöham umme kumman und dort hodt er mi beim Thoma Paurn lossn. Mah! Hob i a angst ghobt! Der hodt a Gschau ghobt, daß ma des Bluat in de Odern gfrehrt is. Ganz schwoaze Augn, wia da Leibhoftige persönlich. I hob sofort gwußt, daß den der Herrgott im Zorn erschoffn hodt. Meinem Votta woar des wuascht, der hodt si umdraht und is afoch weg und hodt mi dort lossn. Der Paur hodt net vü gred und nur wos gsogt, wenn er wos ongschafft hodt oder wenn er wos woit.

Zu mir hodt er gsagt: „Wann du wos stühlst, dann daschlog i di, is dir des kloa?“

Dann hodt er mi glei in den Stoi gschickt, so daß I da Bairin, da Martha, seina Frau, beim Mölkn hüf. Die Bairin hodt mi ongschaut und nua gmant:

„Mah Mädl, du bist jo nu so klan, oba hob ka ongst, i tua da nix. Tua nur des, wos da Paur da auftrogt zum tuan und es wird scho werdn, a wans ned leicht is und du sehr vü oarbeitn muast.“

I hobs glei mögn, die Bairin, die woar imma guat zu mir und hodt mi oft vor dem Paurn verteidigt. Dafür hodt der sie a oft gschlogn. Die Bairin hodt sich dann zum Herrgott zuwe gflücht und vü beten dtan, des hodt ihr die Kroft gebn, daß si eam so long ausghoitn hodt.

Dass Gott sich ihrer erbarmt, so schlecht, ist es ihr gangen! Ned an Tog, wo da Paur, sie ned mitm Ochsnknecht gschlogn hädt . Amoi hodt er sie so oarg gschlogn, daß überoi des Bluat gspritzt is. Immer wieda hodt er sie aufn Kopf droschn, bis sie ohnmächtig gwordn is. Dann hodt er mi gruafen und i hob mi furchtbor erschreckt, wie i sie am Bodn liegn hob gsehn und glaubt, daß er sie jetzt daschlogn hodt. Er is ins Wirtshaus gangan und i hob die Bairin gwoschn und ihr den Kopf vabundn und dann a nu die Stuabn aufwischn miaßn. Überoi san die Haarbüschln mit ihrer Kopfhaut pickt und mei Gott, so vü Bluat, daß es sogoar in den Hoizbodn eine gsickert is. Die hoibe Nocht, bin i auf die Knia gwesen und hob mit da Kernseifn griebn, oba nix hodts gholfn, des hoiz is schwoatz bliebn. Da hob i gwußt, daß da Teufl in den Bauern gfoarn is, bei da „Wüidn Jogd“, in da Thomasnocht. Und des woar so:

Die Bairin hodt ma auftrogn, daß i jo schaun soi, daß ka weiße Wäsch auf da Leine draussn hängt, weil des lockt die „Wüide Jogd“ an. Se hodt a gsogt, daß i die ganze Nacht auf meine Knia bettn soi und sie hodt ma verbotn, daß i ausm Fensta schau. Dem Paurn woar des olles wuascht, der is wie immer ins Wirtshaus gongan. Des hodt er uns zumindest erzöhlt, oba i hob selber gsegn, wos damois gschen is. Bei da Heilign Mutter Gottes, i schwör, daß es woahr is, wos i eich erzöh. I hob mit meine eigenen Augn gsegn, wia der Paur vom Hof weggangan is und hob eam nu nochgschaut. Plötzlich is er vaschwundn, er woar afoch weg! Und dann is a stoaka Wind kumman, so stoak, daß i gmant hob, der bloßt des Haus nieder. I hob mi sofort aufn Bodn gworfn, wia mir die Bairin groten hodt. I hob meine Augn zua gmocht und hob zum Herrgott betn dtan, daß er mi und die Bairin beschützn tuat, oba den Paurn nimma zruck kuman lossn soit. Oba am nächstn Morgn, do hob i eam gfundn, wia er im Stoi glegn is, im Stroh, bei die Küah. Er hodt nix drüba erzöht, wos in da Nocht passiert is, oba de Bairin und i ham gwußt, daß eam da Leibhoftige in da Rauhnocht ghoit hodt.

Beim Heign, do hodt ma amoi die Bairin erzöhlt, wie sie zu dem Paurn kumman is. Ihr Votta, der Jörg Mitamayr, hot eam für sie ausgsuacht und gmandt:

„Den heiratst, der is zwoa ned fesch und a nimma jung, oba der hodt große, stoarke Händ, mit de er ordentlich oarbeitn konn. Da Herrgott hodt mich gestroft, weil er mir kan Sohn gschenkt hodt, oba vielleicht hodt er mia den Thoma gschickt, wei der kann den Hof amoi übernehmen“

Bei earna Hochzeit, die drei Tog vor Fronleichnam, des muaß im Joahr 1650 gwesn sein, do hodt er sich so bsoffn, daß er zwamoi vom Sessl obegfoin is. Dann ois die Gäst hamgangan sind, hodt er sie in die Bettstubn aufe gnommen.

Sie hodtz mir genau erzöhlt. Mei Gott, die oarma Bairin!
„Er hodt mi angschaut, ohne was zu sogn, von obn bis unten, so wie ma a Kuah am Viecha Morkt zu Gunskirchn anschaun tuat. Mir is ganz oanders gwordn, oba was hädt i a tuan solln? Weglaufn hob i ned können, weil i jo jetzt sei Waib woar. I bin nu unbefleckt gwesn, grod amoi siebzehn Jahr oid und hob ned gwußt wia ma jetzt gschiacht.

Mit anem Moi, hodt er mi pockt und mir des Brautkleidl, des i von meina Muatta gkriagt hob, obegrissn. Dann hodt er mi umdraht und wia a Saubär sei Sau, hodt er mi von hinten bestiegn. I hob vor lauta Schmerzn gschrian! Er hodt ma mit aner Hand den Mund zuaghoitn und afoch weiter gmocht. I hob gmandt, i muaß jetzt sterbn, so weh hodt des dtan.

„Bitte Herr im Himmel!“, hob I bet, „i bitt di, nimm mi zu dir, damit die Schmerzn aufhörn. I hoit des ned länger aus“.
Oba da Herrgott muaß an Grund ghobt hobn, warum er mi so leidn hodt lassn. Ois da Paur endlich fertig woar— … überoi Bluat, des ma untn ausse gronnan is. Er hodt nur gsogt:

„Guat is. Jetzt waß i wenigstens, daß du nu a Jungfrau gwesn bist. Häng des Leintuach beim Fensta auße, so wia es sich ghört, damit alle sehn könnan, daß i ka Hur ned gheiratet hob.“ Dann hodt er sein Rausch ausgschlofn und i hob mi ned amoi traut, zu wanan. Die ganze Nocht lang hob i im Stilln des „Vatter Unsa“ betn dtan.

I sogs eich, was die Bairin durchmochn hodt miaßn, das kann sich niemand vorstölln. Die Oarme hodt so vü leidn miaßn in ihrem Lebn. Oftmals hob i mi gfiarcht davor, daß wann i in da Fruah, in den Stoi geh, i sie dort amoi am Koibsstrick aufghängt findn werdt.

Der Paur woit an Sohn von ihr, so daß er an Nachfoiger hodt und an, der eam aufn Hof hölfn kann. Oba sei Frau, die Martha, is afoch ned schwanger gwordn, obwoi sie ois probiert hodt. Sie is jede Wochn zum Buchkhirchner Pfoarra glaufn und hodt sich die Beichte obnehmen lassn. Sie hodt a immer a Weihwosser mitgnomman und is sogoar zua Wallfahrtskirchn auf Fallsbach pilgart.

I waß ned, ob ihr die Sagn von Fallsbach kennt. Die oidn Leid erzöhn, daß es in unserer Gegnd amoi an Jaga gebn hodt. Dieser Jaga hodt sich ned gschehrt, daß ma am Tag des Herrn, ned jagern gehen derf. Er is oiso am Sonntag in den Woid gangan und hodt dort an stattlichn Hiarschbock gsehn, mit am großn Gweih. Er hodt gschossn oba da Hiarsch woar ned glei tot und is weggrennt. Er is eam noch und hodt ihn lange Zeit gsuacht. Endlich hodt er den verendeten Hiarschn beim Fallsbachl gfundn. Ois er genauer gschaut hodt, da hodt er mit großn Schreckn gsehn, daß der Hiarsch zwischn dem Gweih a Marienbild ghobt hodt. Seitdem heißt es, daß olle Waiber, die nach Fallsbach pilgarn und sich dort mitm Wasser von der Kapölln woschn tuan, die Mutter Gottes sie mit Kindern segnen wird.

Oba nix hodts bei der Bairin ghoifn. Der Paur is immer zorniger gwordn und hodt a immer mehr gsoffn und is a immer öfters zu der Dirn gangan, die im Innhäusl beim Müller gwohnt hodt. Die Bairin woidt oba ned aufgebn und hodt sich sogar Rat ghoidt bei der oiden Annameisl, von der es heißt, daß sie schon über hundert Joahr oidt ist, und sich wie ka andere mit Kräuterln auskennt. Von der hodts donn a Rezept kriagt und I hob ihr bei der Herstellung hölfn miaßn.

Wir hobn an Frosch aus dem Bachl, bei der Mühl gfongen und ihn nu ois Lebendign in den Ofen hoitn miaßn, so daß er verbrennt. Dann hob i ihn zu am Pulva zerriebn. Die Bairin hodt ma auftrogn a schwoarze Henn am Mark zu kaufn und wia i die Henn ghoitn hob, hodt ihr die Bairin mit am Messer ins Herz eine gstochn, so daß das Herzl Bluat aussegronnan is. Des hobn wir dann zammen gmischt und sie hodt die Rezeptur heimlich in einer Vollmondnocht eingnommen.

Ois des a ned ghoifn hodt, hab i gmandt: „Vielleicht liegt es ja a an eam, dem Baurn, daß er, obwoi er a kräftiges Mannsbüld is, sei Kraft vielleicht ned ausreichn dtuat, um sie schwanger zu machn.“

Auf des is sie nu amoi zur oiden Annameisl hingangan. Sie hodt ihr grodn, daß sie sich an lebendigen Fisch in ihr „Allerheiligstes“ einesteckt, wardt, bis da Fisch tot ist und ihrem Mann dann den Fisch zum Essn serviert. Die Bairin und i hobn in der Kuchl glacht, wia der Paur gsogt hodt, daß earm da Fisch heit besonders guat gschmeckt hodt und er wü, daß sie earm sofort noch einen richt.

Und dann ist der Tag kumman, an dem das passiert is, vor dem i immer zum Allmächtign bet hob, daß er mi davor verschont. Zwei Monat nochdem mei Monatsfluß das erste moi eingsetzt hodt, da woar i nu ned amoi vierzehn Joahr oid, da hodt mi der Paur, nachdem er bsoffn ausm Wirtshaus ham komman ist, aufgweckt und gsogt, i soi eam in den Stall foign, er muaß mir was zagn. Dort hodt er mi aufs Stroh gschmissn und hodt sich mit seinem ganzn Gwicht, auf mi auffe glegt. Er hodt ma mit seiner Hand die Wongen zam druckt, so daß mei Mund offen gstandn ist und mir dann sei Zung bis in den Hals, eine gsteckt. Mi hodts so greckt, weils ma so graust hodt. Dann hodt er mir mei Unterkleidl hoch gschobn und is mit seine dreckign Fingern, mir unten eine gfoarn. Des hodt so weh dtan! I hob gschrian, oba er hodt ma mit der anderen Hand mein Mund zuaghoitn. Als er mei Bluat auf seinem Finger bemerkt hodt, da hodt er glacht und es abgschleckt. Dann hodt er sei Hosn aufgmacht und hodt sein großes Ding mir unten eine gsteckt. Des hodt so weh dtan, daß mir schwoatz vor die Augn gwordn ist. I bin erst wieda zu mia kumman, wie er fertig woar und sie anzogn hodt.

Er hat zu mir gsogt: „Wann du a nur irgendwem wos sogst, daschlog i di“ und is gangen.
I hob mi ned rührn kennan, ois hodt mir weh dtan und gschamt, hob i mi a. Dann is plötzlich die Bairin neben mir gstandn und hodt ma ghoifn. Sie hodt Wasser ghoidt und ma des Bluat weg gwoschn.
Sie hodt mi tröstet, ohne daß sie a nur a Wort gsprochn hodt. Was hädt sie a scho sagn soin. Wir hobn beide gwußt, daß amoi dieser Tag komman wird.

I was, i sollt euch das olles ned sogn. Des soit a Geheimnis bleibn, oba ihr wolltet ja, daß i eich die ganze Wohrheit über die Paur Familie zu Nöhamb, bei denen i am Mittermayr Hof, so vüle Joahre ois Magd woar, erzöhl.

Wos soll eich i nu erzöhln? Natürlich hodt er weiter gmocht damit, der Thomas Paur aus Hörling, über den alle im Wirtshaus so guat gred hobn, weil er so fleißig is und sich um alles kümmert.

Niemand hodt gwußt, wia es wirklich zuagangan ist am Mittermayr Gut. Später hodt mi der Paur ned amoi mehr in den Stoi gruafen, sondern es mit mia in der Bettstätt gmocht, während sei Frau, die Martha, auf die Knia im Herrgottswinkel gebetet hodt, daß es bald vorbei is für mi. Nach a paar Monat, hob i der Bairin anvertraut, daß mei Monatsfluß nimma kummt. Sie hodt am anfang nu gmandt, daß der scho nu kumman wird, oba als mei Bauch dicker und dicker gwordn is, hoben wir gwußt, daß i von earm schwanger woar.

Wir hobn earmz so lang, wie möglich verheimlichen dtan, oba als i dann schon im siebten Monat woar, hodt er es a bemerkt.

„Du kriagst des Kind“, hodt er gsogt, „des werdn ma ned wegmachn lassn. Die Martha wird es aufziagn. Von heit an, oarbeitst du nur mehr im Haus und gehst nimmer auße. Du a, Waib“, hodt er die Bairin angfoarn, „trau di jo nimma zum Pforra zu hatschn und die Beicht oblegn. Wehe, ihr beidn erzöhlt irgendwem davon“.

Wir hobn alles gmocht, wie er es auftragn hodt. Doh die Martha und i hobn angfangen, uns auf das Kind zu freun. Wir habn uns dacht, vielleicht wird es earm ja auch ruhiger mochn, wenn er endlich sein Nachwuchs hodt.

Und i hob gsegn, wia die Bairin, sie a gfreit hodt und hob zu ihr gsagt: „Waßt, vielleicht woidt der Herrgott des so, daß i des Kind austrog und wir es beide gemeinsom großziagn.“

Dann, am 13. September, zwei Wochn vor Michaeli, woar es dann so weit. I kann mi nu ganz genau erinnern, es woar a Sonntag, im 54er Joahr. I woar beim Melkn ois plötzlich mei Wasser kumman ist. Vor lauta Schreck, hob I den Kübl mit da Mülch folln lassn. I hob gschrian, weil I glaubt hob, daß i jetzt sterbn muaß. Die Martha is sofort glaufn kumman und hat mi ins Haus, auf die Bettstatt gführt und is zur Krösamair grenndt, die a Hebamme woar und hodt sie glei ghoidt. Zum Glück woar der Paur ned zHaus.

Die Bairin, die für mi jetzt die Martha woar, hodt ma die Hand ghoitn und gsogt: „Des is a Sonntags Kind, des hat der Erzengel Michael uns gschickt, damit alles onders wird bei uns. Der Heilige Michael, der kämpft gegen alles Böse und a gegen den Teufl. Der Bua wird uns hölfn.“

Wie sie es gwußt hodt, daß es a Bua wird, daß was i ned, oba zwa Stunden später woar er da. So unschuidig und liab, wia er uns angschaut hodt. Die Martha und i woarn so glücklich! Wir hobn uns einander versprochn, daß wir zammen hoitn werdn und es scho irgendwie an Weg gebn wird. Es braucht ja wirklich ned jeder erfahren, daß der Bua mei Kind und ned des der Bairin is.

Am Abend is er dann ham kumman, vom Wirtshaus, stockbesoffn. Sofort hodt er zum Schrein angfangen, ois er gsehn hodt, daß das Essn nu ned aufn Tisch gstandn is. Die Martha is dann sofort nach unten grenndt und hodt versuacht earm zu beruhign und hodt zum Kochn angfangen. I woar obn und hob mi ned grührt. Oba dann hodt der Bua zum Wanan angfangen. Des hodt er natürlich ghört und is zu mir aufe kumman. Wia angwurzelt is er im Tuarstock stehn bliebn und hodts Kind von der Weitn angschaut. Ganz stü woar er do. Dann is er näher kumman und hodt den Buabn hoch ghobn und es hodt sofort zum Wanan aufghört. Er hodt es von obn bis untn, von vorn und hintn angschaut und hodt mit anem moi zfrieden dreingschaut, weil es a jo sei Bua woar.

Zu mir hodt er gsogt: „Der Bua wird Mathias hoassn“. Die Martha und i wolltn ihn Michael taufn lassn, oba i hob mi ned traut, earm zu widersprechn und hob nur gnickt. Dann hodt sich der Paur zu mir aufn Bettrand gsetzt und hodt angfangan, mir den Kopf zu streicheln. I hob ma nur dacht: Herr im Himmel! Vielleicht host du mi jo endlich erhört und jetzt wird alles besser werdn wegn dem Buabn, den er so gern hat habn wolln.

Seine Fingern hobn nu nach Saustoi gstunkn. Sei Hemat nach Pfeifntabak, sein Atem nach Bier. Des woar des letzte wos i nu mitkriagt hob, bevor er mir seine großn stinkenden Fingern um meinen Hois legt und mir die Luft obdruckt.

Danach ist nach unten zum Essen gangen und hodt der Martha verbotn, daß sie zu mia auffe geht. „Weils Dirndl jetzt miad is, muaßt es schlofn lassn“, hodt er zu ihr gsogt und ihr angschofft, daß sie sich im Herrgottswinkel niedaknien und betn soll. Die Martha hodt ned amoi nach dem Grund gfragt, sondern den Rosenkranz mitn „Votta Unsa“ und dem „Heilige Mutter Gottes im Himmel“ betn dtan. I glaub sie hodt es scho gahndt, oba woit es hoit nu ned woahr hobn.

Nachdem der Paur fertig woar mitm Essn, ist er dann allein auffe und hodt den Buabn gholt und ihn der Martha ohne wos zu sogn in die Hand druckt. Da hodt sie sich auskennt.

„Gott steh deiner Seel bei“, hodt sie zu eam gsogt und zum Wanan angfangen. Er hodt sie angrschrian, daß sie ihr Maul hoitn soi.
„Von jetzt an, is des unser Bua. Morgn gemma zum Pforra und lassn eam taufn und eintrogn in des Kirchnbüchl. Dann is a Ruah.“
Er ist dann wieder hoch und hodt mi in die Wolldeckn einedraht und mi hinters Haus trogn. I hob ja eh nur aus Haut und Knochn bestandn, wie a Gspenst, selbst wia i nu glebt hob. Er hodt den Pferdewogn angspannt und mi drauf glegt. Drüber hodt er an umdrahtn Sautrog gstellt und a Schaufl aufn Wogn gschmissn. Aus der Speiß hodt er sich a Flaschn Schnops gnommen und den großn Huat aufgsetzt, den er sonst nur zum Wüdern trogt.

Dann is scho dahin gongan, mei letzte Fohrt. Wia die „Wülde Jogd“, san wir durch die Nacht gfoarn! Mit da Peitschn hodt er auf die Pferd eindroschn und sie afoch laufn lassn. Den Schnops hodt er aus da Flaschn gsoffn und hodt sich ned drum kümmert, wohin earm die Pferd führn. Es woar schon spät in der Nacht, oba der Mond woar voll und hodt auf den Feldweg gschienan. Die Pferd sind nach Kappling grenndt und auf der Höh beim Woid stehnbliebn und hobn plötzlich gscheut. Da woitnz nimma weiter. Der Paur hodt die stanane Mauer gsegn und sofort gwußt, wo er woar.

Auf dem Hügel, wo jetzt nur mehr a klane Mauer, die zu einer oitn Kapölln ghört hodt, da woar amoi a gewaltige Burg, der Sitz der edlen Herrn von Cappelln. In altn Zeitn hobn die über die ganze Gegnd, so weit des Auge reicht, geherrscht. So mächtig woarns, daß sogor der erste Habsburga Kaiser eana zum Dank verpflichtet woar, weil sie eana Rittersleit für eam kämpfn hobn lassn.

Da Thoma Paur hodt mei Leich gschuitert und mi zur ehemolign Kapölln auffi trogn. Dort hodt er sich umgschaut und versichert, daß niemand eam siacht. Dann hodt er an kräftign Schluck aus da Flaschn gmocht und hodt angfangan a Loch zu grobn.

Da Paur hodt ned gwusst, daß da früha amoi a mächtige Burg mit einer Kapölln gstandn hodt. Er hodt hoit dacht, daß des afoch irgend a Mauerl is, daß earm an Sichtschutz bieten dtuat. Daß er mir mei Grob in geheiligter Erdn gschaufelt hodt, des hätt er sich niemals vorstelln könnan.

„Die Wege unseres Herrn und Erlösers san unergründlich“, hob i immer gsogt und woahr is es.
Er hodt mi aus der Wolldeckn ausgrollt und mi in die Grubn eine gschmissn und de laare Schnopfsfloschn hinten noch. Dann hodt er mei Grob mit Erdn zuagschütt und obendrauf a poar Stana glegt, so daß niemand erkennen kann, daß i in der Grubn drin lieg und daß mi a die Tiere vom Woid ned ausgrabn könnan.

Dann is er wieder ham aufs auf sein Hof gfoarn und hodt sich ins Bett glegt und mit der Wolldeckn zuadeckt und sein Rausch ausgschlafn. Er hodt ned die geringste Ahnung ghobt, was der Allmächtige für ihn vorbereitet hodt. Er hodt jo a Todsünd begangen und für des hodt er nu ganz bitter büssn miaßn. Oba des is a andere Gschicht. Die erzöhl i eich später.

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