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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Würgen + mein erstes Gedicht
Eingestellt am 04. 05. 2001 18:47


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

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Wawa saß im Bett, drei dicke Kissen im Rücken. Vor sich, in der Landschaft ihrer Bettdecke, galoppierten drei Reiter auf feurigen Pferden auf der Flucht vor einem kleinen Rennwagen auf eine Schlucht zu. Vorsichtig schob sie die Pferde auf den Abgrund zu. Die Reiter, biegsame, mit Stoff überzogene Püppchen waren etwas zu groß für die Pferde, dafür konnte Wawa deren Beine unter den Pferdebäuchen zusammendrehen damit sie fester im Sattel saßen.
Wawa versuchte den Galopp der Pferde dem Rhythmus der dröhnenden Schläge anzupassen, die schon seit einer halben Stunde gegen die Tür hämmerten.

Sie schlief schon länger im Zimmer ihrer Urgroßmutter, ihre Mutter trank wieder oft. Irgendwann in der Nacht war Wawa durch lautes Schreien und Klopfen ihrer Mutter geweckt worden. Zum Glück war die Tür verschlossen. Erst hatten sie in der Dunkelheit still dagelegen und gehofft dass es ihr schnell langweilig würde gegen die Tür zu treten und zu schlagen, wenn sich nichts rührt. Nach einiger Zeit hatten sie Licht gemacht und die Urgroßmutter hatte Wawa die Puppen und Pferde zum Spielen gegeben.
Wawa sang leise „Das wandern ist des Müllers Lust..“ während sie die Reiter den Abhang hinunter stürzte. Einer der Reiterfiguren war ein Mädchen, sie ließ Wawa sanfter fallen, die beiden anderen lagen mit verdrehten Gliedmaßen unter ihren Pferden begraben. Jetzt musste das Mädchen kämpfen, erst gegen das Sportauto, dann gegen die beiden Mitreiter. Die Schläge gegen die Tür waren inzwischen sehr gleichmäßig und dumpf, Wawa vermutete dass ihre Mutter mit dem Kopf gegen die Tür stieß. Während Wawa lauter weiter sang, schlug die Mädchenpuppe auf die anderen Puppen ein. Die Schläge waren gezielt und brutal, Wawa verdrehte die geprügelten Puppen als würden sie sich vor Schmerzen winden. Dieses Spiel erregte sie. Sie klemmte die Bettdecke tief zwischen ihre Schenkel als die weiblich Puppe auf den beiden anderen Puppen herumtrampelte und ihnen an der Kleidung riss. Flüsternd bat sie ihre Urgroßmutter um Bindfaden. Die alte Frau sah Wawa erstaunt an, holte ihr aber dann einige Stücke Schnur.
Als Wawa aufsah um die Bindfäden zu nehmen, bemerkte sie wie blass und verzweifelt ihre Urgroßmutter aussah. Sofort versenkte sie sich wieder in ihr Spiel.
Die Urgroßmutter hatte sich inzwischen angezogen, stand an der Tür und sprach leise und ruhig auf die Mutter ein. Einen Augenblick war es still, dann hallte die nächtliche Wohnung von der Stimme der Mutter die schrie,
„Gib mir sofort das Kind zurück, ich gehe nicht ohne das Kind. Es ist meine Tochter, sie gehört mir“
dann folgte in süßem, sanften Ton,
„Wawa, komm zu mir, ich lese dir dann ganz lange vor, so lange du willst…ich spiele verstecken mit dir, überall in der Wohnung. Morgen kaufe ich dir einen Hund, wenn du jetzt kommst. Du wolltest doch immer einen Hund haben, oder?“
Wawa schüttelte stumm den Kopf und begann einer der männlichen Puppen die Beine weit nach hinten zu drehen und den Kopf in den Nacken zu biegen. Sie stellte sich vor wie die Figur schrie und um Gnade bettelte.
Wawa sang grade mit leicht wiegendem Oberkörper „Guten Abend, gute Nacht...“, als ihre Urgroßmutter plötzlich die Tür aufschloss und einen Spalt öffnete. Einen Augenblick geschah nichts, dann stieß der Arm der Mutter durch den Türspalt und umklammerte die Kehle der Urgroßmutter. Wawa sah kurz hin, dann begann sie die beiden malträtierten Puppen, Rücken an Rücken, zusammenzubinden. Sie hörte das Keuchen aus der zugedrückten Kehle. Fest zog sie die Schlingen zwischen den Beinen hoch, die Köpfe zwang sie ebenso zusammen wie die Hände. Der pfeifende Atem ihrer Urgroßmutter wurde immer leiser und machte dem Geräusch von scharrenden Füssen und wedelnden Armen Platz. Wawa hob den Kopf mit geschlossenen Lidern und hielt sich die zusammengebundenen Puppen vor die Augen. Als sie die Augen schließlich langsam öffnete, sah sie nur die zusammengeknoteten Figuren. Grob drängte sie die Finger zwischen die Körper und zwängte sie ein Stück auseinander. Durch diesen kleinen Spalt sah sie die taumelnde Gestalt ihrer Urgroßmutter, das Gesicht blaurot, die Augen nass hervorquellend, den Mund nach Atem ringend geöffnet. Mit den Puppen vor dem Gesicht stand Wawa aus dem Bett auf und ging langsam zur Tür. Dort blieb sie stehen und sah ihre Mutter zwischen den Puppen durch an. Ihr Gesicht war von trunkener Wut und Ekel entstellt. Die hochgezogenen Lippen ließen Zähne und Zunge im leicht geöffneten Mund sehen. Plötzlich bemerke die Mutter Wawa und ließ die Hände sinken. Wawa nahm ihre Mutter bei der Hand und sagte,
„Komm, gehen wir, du wolltest mir doch morgen einen Hund schenken, wenn ich mitkomme.“


Mit Puppenspiel den Mächten trotzen
Glieder brechen, strecken, reißen, binden,
Gesungne Mauer gegen Invasoren
Selber Macht und Qual verbreiten
Ich bin der Herrscher, dies ist meine Welt

Lied, zertrümmert von gewisperten Versprechen
Wo ist die Macht, die Macht die anderen zu zwingen?
Allein im Spiele war sie mir gegönnt.
Das alte Weib kann mich nicht schützen,
Verkauf mich teuer an die falsche Siegerin.












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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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das

erschlägt einen ja geradezu. aua, aua, das möchte ich nicht erlebt haben! gut geschrieben, gut erzählt und das gedicht ist die krönung des ganzen. für sich allein gestellt hätte es wahrscheinlich rätsel aufgegeben. lg
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Old Icke

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