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Leselupe.de > Kindergeschichten
Wunnibald Webs wunderbare Welt (2. Kapitel)
Eingestellt am 03. 02. 2006 21:37


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Mireochs
Hobbydichter
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2. Kapitel
Das Geheimnis hinter der Holzt├╝r

Lenz und Lea hatten an diesem Abend gro├če M├╝he einzuschlafen. Ihre geheimnisvolle Entdeckung am Mainufer ging ihnen nicht aus dem Kopf. Was mag sich nur hinter dieser kleinen Holzt├╝r verbergen? Lenz stieg leise aus seinem Bett und schlich auf Zehenspitzen in Leas Zimmer. „Lea, schl├Ąfst du schon?“, fl├╝sterte er.

„Nein, ich kann nicht schlafen. Ich muss immer an unser Geheimnis denken.“

„Ich auch. Darf ich zu dir kuscheln und bei dir einschlafen?“

„Okay.“

Lenz schl├╝pfte unter Leas Bettdecke und zog sie bis an seinen Hals. „Glaubst du, dass da unten jemand lebt?“, fragte er seine gr├Â├čere Schwester.

Lea dachte einen Moment nach. „Eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen. Warum sollte jemand unter der Erde leben? Morgen schauen wir uns jedenfalls die T├╝r noch einmal genauer an. Vielleicht l├Ąsst sie sich ja irgendwie ├Âffnen.“

Lenz antworte nicht. Er war eingeschlummert.

Am n├Ąchsten Morgen klingelte um halb sieben der Wecker im Schlafzimmer von Mama und Papa. Es lag direkt neben Leas Kinderzimmer. Deshalb war das Gerassel so laut, dass die Kinder sofort wach waren.

„Schl├Ąfst du noch, Lenz“, fragte Lea leise.

„N├Â, der doofe Wecker ist so schrecklich laut gewesen. Da kann man ja nicht mehr schlafen. Denkst du auch gerade an unser Geheimnis?“

„Klaro! Ich bin schon so aufgeregt. Heute Mittag, wenn die Schule aus ist, gehen wir sofort zur Luke und erkunden dort alles ganz genau“, antwortete Lea.

„Hey, was ist denn hier los“, staunte Mama, als sie kurz nach dem gr├Ąsslichen Weckergebimmel ins Kinderzimmer kam, um Lenz und Lea zu wecken. „Ihr habt ja gemeinsam in einem Bett geschlafen. Hat das einen besonderen Grund?“

„N├Â, n├“, antwortete Lea. „Wir hatten einfach Lust gehabt.“

„Na gut. Jetzt aber raus aus den Federn. Heute beginnt die Schule wieder. Jetzt ist es vorbei mit der Tr├Âdelei.“

Lenz und Lea freuten sich nicht besonders auf den ersten Schultag nach den Sommerferien. Viel zu sehr waren sie mit ihren Gedanken bei dem Geheimnis vom Mainufer. Lea konnte kaum das L├Ąuten der Schulglocke nach der sechsten Stunde erwarten. Sofort schnappte sie ihren Ranzen und machte sich auf den Heimweg. Sie brauchte fast eine dreiviertel Stunde. Denn zu ihrem Gymnasium in Marktbreit musste sie mit dem Zug fahren. Lenzis Grundschule war dagegen nur ein paar hundert Meter vom Haus der Bilettis entfernt.

Lenz wartete schon vor der Haust├╝re. „Na endlich bist du da“, empfing er seine Schwester. „Ich kann es kaum noch aushalten und platze bald vor Neugierde.“

Lea hastete ins Haus, dr├╝ckte Mama einen dicken Schmatz auf die Wange und eilte wortlos wieder hinaus zu Lenz.

„Heyheyhey, was ist denn mit dir los? Willst du mir nicht wenigstens erst mal erz├Ąhlen, wie dein erster Schultag heute war?“

„Ach, ganz sch├Ân“, rief Lea und schloss die T├╝r hinter sich. Dann h├Ârte Mama sie nur noch von weitem rufen: „Wir sind am Mainufer und zum Mittagessen wieder zu Hause.“

Lenz und Lea hasteten zur Luke hinter dem Brennnesselfeld. Gemeinsam hoben sie den schweren Deckel zur Seite und stiegen ├╝ber die kleinen Eisentritte in den feuchten Schacht hinab. Es war ihnen zwar wieder mulmig zumute, aber sie hatten l├Ąngst nicht mehr soviel Angst wie gestern.

„Schau, da vorne ist die T├╝r“, rief Lenz mit bebender Stimme. „Ein komisches Gef├╝hl habe ich schon.“

Lea tastete sich vorsichtig zur T├╝r vor, nahm den Griff in die Hand und dr├╝ckte ihn langsam nach unten. Pl├Âtzlich knarrte es ganz laut. Lenz und Lea blieb das Herz vor Schrecken fast stehen.

„Was war das f├╝r ein seltsames Ger├Ąusch, Lea? Ich habe solche Angst“. Lenz zitterte am ganzen K├Ârper.

„Das war die T├╝r. Sie ist nicht mehr verschlossen“, sagte Lea. Ganz langsam stie├č sie die ├Ąchzende Holzt├╝r immer ein St├╝ckchen weiter auf. Dahinter war es stockfinster.

„Lass uns schnell abhauen, Lea. Mir ist das hier zu unheimlich.“

Doch noch ehe Lea antworten konnte, h├Ârten sie eine piepsige Stimme.

„Was geht hier vor sich?“, kr├Ąchzte es aus dem Dunkel. „Wer seid ihr? Was sucht ihr hier?“

Lenz und Lea waren zu Tode erschrocken. Ihre Knien zitterten. „Nichts wie weg hier“, stammelte Lea.

„Halt Kinder, ihr braucht keine Angst zu haben. Nicht weglaufen. Ich tue euch nichts“, sagte die Stimme. „Kommt zur├╝ck“.

Lenz und Lea n├Ąherten sich langsam wieder der ge├Âffneten T├╝r. Lenz nahm allen Mut zusammen und fragte: „Wer bist du, und wo bist du?“

„Kommt durch die T├╝r, dann werdet ihr es sehen“, antwortete die Stimme.

Lenz und Lea krochen auf H├Ąnden und F├╝├čen durch den schmalen Eingang. Sie konnten nicht sehen, wo sie hinkrabbelten. Es war stockfinster.

„Hallo, ihr s├╝├čen kleinen Menschenkinder, schaut mal zur Decke“, meldete sich die Stimme erneut.

Und als Lenz und Lea gespannt nach oben blickten, sahen sie dort etwas an einem Seil h├Ąngen, das nicht gr├Â├čer war als Leas alte Lieblingspuppe Anna. Das unbekannte Etwas knipste eine Taschenlampe an und leuchtete den beiden genau ins Gesicht. Geblendet von dem Strahl verdeckten Lenz und Lea mit ihrem Armen die Augen.

„Guten Tag und herzlich willkommen. Mein Name ist Wunnibald. Wunnibald Web. Ihr k├Ânnt mich aber auch einfach nur Wunni nennen“, stellte sich das Wesen vor. „Ihr braucht euch nicht zu f├╝rchten. Ich tue euch nichts. Ich bin ein Freund aller Kinder.“ Dann wurde es pl├Âtzlich taghell. Lenz und Lea standen vor einem riesigen Holztor. Es war gr├Â├čer als die Garagent├╝r daheim. ├ťber dem Tor sa├č Wunnibald auf einem kleinen Brett und lie├č vergn├╝gt seine F├╝├čchen baumeln. Er war h├Âchstens so gro├č wie ein Rad an Lenzis Fahrrad. Auf seiner lustigen Knubbelnase trug er eine silberne Nickelbrille. Sein Kopf war mit einer schwarzen Schifferm├╝tze bedeckt. Er hatte eine rote Latzhose an, die mit bunten Flicken ├╝bers├Ąt war. Sein gr├╝ngelb gestreiftes T-Shirt schien schon l├Ąnger keine Waschmaschine mehr gesehen zu haben. Am Hals, der unter seinem langen Zottelbart nur zu erahnen war, baumelte eine schwere Silberkette mit schwarzem Anh├Ąnger. Dieser sah aus wie ein Mini-Bleistift.

„Wie hei├čt ihr denn, und wie kommt ihr ├╝berhaupt hier her“, wollte Wunnibald wissen.

„Das ist Lenz und ich bin Lea. Wir wohnen hier ganz in der N├Ąhe im B├Ąrental. Lenz hat durch Zufall den Schacht entdeckt, der nach hier unten f├╝hrt. Aus Neugierde sind wir den Leuchtpfeilen gefolgt und hier gelandet.“

„Ihr seid die ersten Menschen, die den Weg hierher zu mir gefunden haben. Ich freue mich, endlich einmal Besuch bekommen zu haben. Das Leben unter der Erde kann n├Ąmlich manchmal ganz sch├Ân einsam sein“, sagte Wunnibald mit einem sanften L├Ącheln im Gesicht.

Lea konnte zwar nicht gut sch├Ątzen. Aber Wunnibald musste bestimmt schon so alt sein wie ihr Opa. Und der ist fast 70. Aber wieso war er dann so klein wie ein Baby? Vielleicht war er behindert. Oder er war gar kein Mensch, sondern ein unterirdisches Fabelwesen, von dem niemand etwas wei├č. Ob sie ihn einfach fragen sollte? Noch ehe sie dar├╝ber nachdenken konnte, war es aus Lenz schon herausgeplatzt: „Du siehst aber merkw├╝rdig aus. Im Gesicht wie ein Opa, aber dein K├Ârper ist so klein wie der eines Babys. Bis du kein Mensch?“

Wunnibald musste schallend lachen. „Das ist eine gute Frage. Nat├╝rlich bin ich ein Mensch. Ich wachse nur nicht wie ihr Menschenkinder.“

„Das ist aber komisch“, wunderte sich Lenz. „Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der nicht w├Ąchst, und der unter der Erde lebt. Bist du krank?“

„Nein, nein“, antwortete Wunnibald. „Ich bin kerngesund. Aber es ist eine lange Geschichte, weshalb ich so klein bin und nicht oben auf der Erde lebe. Wenn ihr Lust habt, lade ich euch zu einer Limo ein, und dann erz├Ąhle ich euch alles.“

Wunnibald sprang vom dem kleinen Brett ├╝ber dem Tor herunter und landete mit seinen nackten F├╝├čchen genau vor Lea. Wunnibald ging ihr gerade einmal bis zu den Knien. „Hier, hinter diesem Tor, wohne ich schon seit 60 Jahren zusammen mit meinem treuen Hund Sabber. Es ist das Wunnibald-Web-Land. Kommt mit rein, dann zeige ich euch mein Zuhause.“

Als Wunnibald die T├╝r ├Âffnete, trauten Lenz und Lea ihren Augen nicht. Das war keine Wohnung, sondern eine eigene Traumwelt f├╝r kleine Leute. H├Ąuser, Stra├čen – alles war recht winzig. Erwachsene k├Ânnten hier nicht wohnen. Aber f├╝r Kinder war die Gr├Â├če des unterirdischen Landes gerade richtig. An den B├Ąumen wuchsen nicht nur die k├Âstlichsten Fr├╝chte, sondern auch lauter S├╝├čigkeiten: Gummib├Ąrchen, Salzstangen, Schokolade – einfach alles, was nicht nur Kindern das Wasser im Mund zusammenlaufen l├Ąsst. Es gab au├čerdem mehrere kleine Seen. Sie waren gef├╝llt mit unterschiedlichen S├Ąften. Und der kleine Fluss, der sich direkt vor ihnen entlang schl├Ąngelte, f├╝hrte kein Wasser mit sich, sondern Kakao.

„Ich glaub’s nicht“, stammelte Lenz. „Das ist ja wie im Schlaraffenland.“

Lea war sofort in den Orangensaftsee gesprungen - mit Shirt und Hose. ├ťberm├╝tig planschte sie darin herum und trank soviel sie nur konnte. „Lenz, das musst du versuchen. Das ist richtiger Orangensaft. So was phantastisches habe ich noch nie erlebt“, rief sie voller Entz├╝cken.

Lenz h├Ârte nicht, was seine Schwester sagte. Er war auf einen H├╝gel geklettert und hatte dort ein richtiges Paradies entdeckt. In einer gro├čen H├╝tte fand er alles, womit Kinder gerne spielen. Am besten gefiel ihm ein Mini-Motorrad, mit dem man richtig umher kurven konnte. Sofort schwang er sich darauf, startete den Motor und brauste den kleinen Berg hinunter zu Wunnibald.

„Ist ja echt super hier bei dir, Wunni. So was Sch├Ânes gibt’s sonst nur in M├Ąrchen“, sagte Lenz strahlend.

„Prima, dass es euch bei mir gef├Ąllt. Aber sei vorsichtig, Lenz. Nicht, dass du dir noch die Knochen brichst.“

In diesem Moment stieg Lea pitschnass aus dem Orangensaftsee. Erschrocken schaute sie auf ihre Armbanduhr. „Auweia, Lenz, es ist schon ziemlich sp├Ąt. Wir m├╝ssen nach Hause. Sonst macht sich Mama Sorgen.

„Und wann erz├Ąhlst du uns, Wunni, warum du so klein bist und wie das Wunnibald-Web-Land hier unter der Erde entstanden ist?“, fragte Lenz.

„Passt auf, Kinder. Kommt morgen nach der Schule einfach wieder zu mir. Dann werde ich euch alles erkl├Ąren“, antwortete Wunnibald. „Eines m├╝sst ihr mir jedoch versprechen: Ihr d├╝rft niemanden von mir und dem Wunnibald-Web-Land erz├Ąhlen. Sonst werden wir uns nie wieder sehen.“

„Aber warum denn?“, wunderte sich Lea.

„Das erkl├Ąre ich euch morgen.“

„Und wie kommen wir ins Wunnibald-Web-Land rein? Wir haben doch gar keinen Schl├╝ssel“, fragte Lenz.

„Macht euch keine Sorgen. Ich warte hier wieder auf euch. Also dann: Bis morgen. Und versprecht mir: Kein Sterbensw├Ârtchen zu niemand, okay?“

„Abgemacht, Wunnibald“, versprachen Lenz und Lea wie aus einem Mund. „Wir freuen uns schon auf morgen. Tsch├╝├č denn.“

„Macht’s gut, Kinder. Ich freue mich auch.“

Fortsetzung: 3. Kapitel

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