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Leselupe.de > Humor und Satire
Yes I Can !
Eingestellt am 26. 07. 2011 08:21


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Ironbiber
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Jetzt mit „FĂŒnfzigplus“ habe ich mich entschlossen meinem sozialen Umfeld zu beweisen, was wirklich in mir steckt. Vorbei sind die Zeiten, wo die Hatz nach Geld, Sicherheit und die Befriedigung schnöder Triebe kontraproduktive AktivitĂ€ten in meinem Tagesablauf erlaubten. Ich möchte beim Vorbeigehen die Leute tuscheln hören, ich möchte Vertreter von Lebensversicherungen, die mich belauern, vom Hof jagen. Ich möchte meinen Hausarzt in Existenznot bringen und ich möchte die Schlagzeilen der lokalen Presse mit immer neuen Berichten ĂŒber ein Individuum fĂŒllen, das die Fessel des Alters abgestreift hat!

Nicht was Sie meinen! Das ist keine Midlife Crisis und das Wort Torschlusspanik im Nachspann ist geradezu lĂ€cherlich – das ist die gesunde SelbsteinschĂ€tzung eines Mannes, der seinen Körper und dessen Ressourcen genau kennt und mit ihnen nach Belieben spielen kann.

Mein Plan ist so einfach wie simpel: Erst mal ein Motto: „Yes I Can!“ - und schon horcht meine Umgebung auf. So Ă€hnlich hat mal einer gesprochen, der eine ganze Nation von Warmduschern in eine neue Ära fĂŒhren wollte. In diesen drei Wörtern schwingt Optimismus ohne Grenzen – das ist ein SelbstlĂ€ufer mit Erfolgsgarantie.

Jetzt geht es ans Eingemachte. Wie sehen Siegertypen aus? Sie lÀcheln in jeder Krisensituation wohlwollend. Ihr braungebranntes Haupt ruht verklÀrt auf einem gestÀhlten Körper. Ihre Haltung ist aufrecht und aufgeschlossen. Ihr Gang federnd, ihre Stimme magnetisch und ihre Wortwahl erlesen, aber so direkt, dass Widerrede erst gar nicht in ErwÀgung gezogen wird. Sie brauchen nie einen Plan B. Plan A ist immer alternativlos aber genial.

Also zum ersten Schritt meiner Metamorphose : Die Ă€ußere Erscheinung. Na gut – es mĂŒssen so fĂŒnfzehn Kilo runter. Ein kleiner Schritt fĂŒr mich, ein großer fĂŒr meine spĂ€tere Fangemeinde. Und das Rauchen, die Feierabendbierchen und das ungesunde Fastfood kann ich in diesem Zuge auch gleich weglassen. Alles in einem Aufwasch und ohne Kompromisse!

Zum Starttermin am ersten des Monats bin ich bereit und zu allem wild entschlossen. Am Abend zuvor habe ich mir noch mal richtig die Kanne gegeben und nichts ausgelassen, was lebensverkĂŒrzend oder kontraproduktiv ist und diese Orgie bewusst genossen.

Mit dickem SchĂ€del und schalem Geschmack im Mund sitze ich jetzt auf meiner Bettkante und klebe mir Nikotinpflaster auf unauffĂ€llige Körperstellen. Nachmittags dann auf in den nahegelegenen Wald. FĂŒrs Erste mĂŒsste eine Laufstrecke von fĂŒnf Kilometern reichen. Nach fĂŒnfhundert Metern wechsle ich von meinem federnden Laufschritt hin zu normaler Schrittgeschwindigkeit, denn die fĂŒnfzehn Kilo Übergewicht, der Restalkohol und das Pfeifen der Bronchien fordern Tribut. Aber ich habe mal gelesen, dass Walking mit strammem Schritt auch Wunder bewirkt. Ich walke mit strammem Schritt zurĂŒck zum Auto und suche nach meinen Zigaretten im Handschuhfach. „Disziplin 007, Disziplin!“. „Du bist Nichtraucher, Antialkoholiker, hast in zwei Jahren die Teilnahme am Ironman auf Hawaii fest im Terminplan und Nikotinpflaster am ganzen Körper verteilt. Nichts und niemand wird dich aufhalten oder deine Erfolgsstory zum Scheitern bringen“ – „Yes You Can!“

Jetzt geht‘s erst mal ab ins Hallenbad: wenigstens 1000 Meter am StĂŒck und erledigt bevor abends die Putzkolonne kommt. Im Wasser kann man sowieso nicht rauchen. Danach ein gesunder kalorienreduzierter Snack mit Vollkornbrot vor dem prasselnden Kaminfeuer, dazu erlesene GemĂŒsedips und Mineralwasser aus Bergquellen. Als Belohnung fĂŒr den ersten erfolgreichen Tag danach noch einen Apfel. Morgen dann die Trainingseinheit auf dem Ergometer im Fitnessstudio, denn bei fĂŒnf Grad minus und 30 cm Schnee werden ich sicherlich nicht draußen fahren können. Das Nikotinpflaster könnte spröde werden und abfallen oder ein Sturz meinen Trainingsfortschritt beeintrĂ€chtigen.

Das Hallenbad hat geschlossen. Gott sei Dank – ich mag es gar nicht wenn die BadegĂ€ste belustigt auf meine Speckröllchen, die mein BĂ€uchlein links, rechts und hinten eskortieren, schauen. Sie können ja nicht wissen, dass darunter ein Sixpack lauert, der nur darauf wartet durch eiserne Disziplin restrukturiert zu werden.

Ich fahre heim in Vorfreude auf das gesunde Abendessen, dass ich voller Erwartung schon gestern vorbereitet habe. Leider habe ich vergessen, die Weißwurst im KĂŒhlschrank vorsorglich zu entsorgen – na ja die hĂ€tte ich mir eigentlich auch verdient nach dem anstrengenden Tag. Der Salat, zwei Äpfel und die drei Flaschen Bier von der Tankstelle passen auch noch obendrauf. Ich bin mir sicher, dass ein gestĂ€hlter Körper nach Belieben mit Kalorien umgehen kann. Es ist aber wohl besser den Start meines Projektes auf den nĂ€chsten Monat zu verschieben – immerhin weiß ich jetzt wie es geht und dass ich es wirklich drauf habe. Ich zĂŒnde mir eine Zigarette an, nippe am Bierglas und murmle zufrieden: „Yes I Can“.


Version vom 26. 07. 2011 08:21

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