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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Ypsilons Schwester
Eingestellt am 20. 06. 2010 17:18


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Dr Time
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Ypsilons Schwester

Das Wort „Aquaplaning“ kannte ich bis dahin nur aus der Fahrschule. Um den Wagen unter Kontrolle zu halten, umklammerte ich das Lenkrad, bis die Knöchel blutarm, weißlich hervortraten. Wie war ich hierher geraten? Ich steuerte meinen dreizehn Jahre alten Audi über eine unbeleuchtete Schnellstraße. Oder war es ein Fluss? Starkregen hatte Pfützen in Seen verwandelt und meinen Wagen zu einem Boot gemacht. Mit an Bord waren vier Personen, die ich mehr schlecht als recht kannte. Wir hatten zwei Stunden in einer Dorfdisko abgezappelt und befanden uns nun auf dem Heimweg.

Neben mir saß der Grund, warum ich überhaupt hier im westfälischen Warburg gelandet war. Ihr Name war irgendetwas mit Y in der Mitte, soweit ich mich jetzt, nach über 20 Jahren noch richtig erinnere. Wenn ich heute von ihr spreche, was ich selten tue, nenne ich sie immer das „Mädchen mit Y“, oder einfach nur „Ypsilon“.

Auf dem Rücksitz saßen drei weitere Personen. Ypsilons Bruder, welcher eine Mini-be-Rockte Disco-Queen umschlang. Die Beiden steckten sich abwechselnd ihre Zungen in die Köpfe, als suchten sie dort nach Hirn, welches meiner Ansicht nach definitiv nicht vorhanden war. Die Namen der beiden Hirnforscher habe ich inzwischen ebenso vergessen. So etwas nennt man wohl selektive Wahrnehmung.

Und dann war da noch Ypsilons jüngere Halbschwester, Flo, die eigentlich Florentine hieß. An ihr gab es nichts, was ich jemals vergessen werde. Ihre Augen kullerten wie kleine, speckpolierte Kastanien, und verschwanden ab und zu hinter den zarten, ungeschminkten Lidern, die Flo nur ganz langsam zu und wieder auf schlug, ganz so, als ob ein unbeholfener Marionettenspieler sie bewegte. Unvergesslich bleibt mir auch ihr Mund, der mich mit geschlossenen Lippen, in einer stillen Traurigkeit anlächelte. Ja, sogar ihr Geruch, in dem sich Apfelshampoo mit dem heraus getanzten Schweiß jener Nacht vermischte, wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Ich riskierte einen Blick in den Rückspiegel und sah, wie Flo ihren Kopf an die Seitenscheibe lehnte. Der Fahrtwind formte Regentropfen zu feinen Linien, deren Schatten auf Flo´s makelloser Stirn tanzten. Ypsilon schien grenzenloses Vertrauen in meine Fahrkünste zu haben. Vielleicht war sie aber auch schon zu betrunken, um noch etwas mitzubekommen. Es störte mich auch, dass sie die ganze Zeit den Arm um mich legte. Wie das von Außen ausgesehen haben musste… so als wolle sie sagen:
Du gehörst jetzt mir. Ich geb´ dich nicht wieder her. Vielleicht hatte sie dies schon vor drei Wochen gedacht, als wir uns das erste Mal begegnet waren:

Ich hatte an diesem Tag soeben 20 Betten neu bezogen. Abreisetag in der Jugendherberge, in der ich als Zivi arbeitete. Ein Mädchen - eben das mit „Y“ - stand plötzlich hinter mir.
„Na, wie geht’s?“, fragte sie.
Wie sollte es schon gehen? Ich sagte irgendetwas. Wir machten Smalltalk, sprachen ĂĽber Musik, Filme und all das. Irgendwann kĂĽsste mich Ypsilon unvermittelt auf den Mund und es war alles andere als ein Freundschaftskuss.
Nun, wenn du jung bist und ein Hormonproblem hast, überlegst du in diesem Moment nicht: Hey was soll das und wie alt ist sie eigentlich? Es ist einfach egal und sowieso zu spät in dem Moment, wenn es passiert. Gerade noch fragt man sich, ob die Kleine vielleicht mehr Erfahrung in diesen Dingen hat als man selbst und dann hakt der Verstand auch schon aus. Wenn man weiß, wo der Schlüssel zum Kaminzimmer liegt, nutzt man die Gelegenheit, um dazuzulernen. Auf der Couch riskiert man hässliche Flecken und eine Vorladung beim Beauftragten für Zivildienst und wenn man Glück hat, so wie ich, darf man sich zwanzig Jahre später glücklich schätzen, wenn die Sache in jeder Hinsicht ohne Folgen geblieben ist.

Ohne Folgen, bis auf die Tatsache, dass ich drei Wochen später Warburg und seine Dorfdisko kennenlernten durfte.
„Besuch mich doch mal“, hatte Ypsilon damals im Kaminzimmer gesagt. „Kannst auch bei mir pennen.“
Dann hatte sie mit einem Kuli ihre Adresse auf meinen Bauch gekritzelt.

Und nun war ich hier. Obwohl Warburg nur etwas mehr als eine Autostunde entfernt lag, fühlte es sich an, wie ein fremder Planet. Ich stellte die Scheibenwischer auf die schnellste Stufe und sah abwechselnd nach hinten zu Flo und wieder nach vorne in den strömenden Regen. Tropfen kamen auf mich zu und flogen vorbei wie Sterne. Ich war Han Solo und dort hinten saß Prinzessin Leia. Sie war die Rose im Asphalt, die ich sicher nach Hause bringen würde. Ich musste an den Moment denken, als ich Flo heute zum ersten Mal gesehen hatte:

Die Wohnung, in der ich am Nachmittag meine Sachen abgestellt hatte, war klein und roch nach Rauch aus selbstgedrehten Zigaretten. Ypsilon und Flo wohnten noch bei ihrer Mutter im dritten Stock eines heruntergekommenen Mietshauses. Als ich mich umsah, fragte ich mich, ob hier jemals geputzt worden war. Und seit wann gibt es eigentlich Gardinen? Die hier sahen aus, wie tausend Jahre alt. Das Tageslicht quälte sich mühsam durch den vergilbten Stoff bis ins Wohnzimmer, wo Ypsilons Mutter vor der Glotze saß. Sie war gerade dabei, sich eine Zigarette anzuzünden. Das Feuerzeug wirkte winzig in ihrer fleischigen Hand. Ypsilon seufzte.




„Mama?“
Im Fernsehen lief „Falcon Crest“. Mama antwortete nicht.
„Mama. Ich hab einen Freund mitgebracht. Kann er bei uns pennen, heute Nacht?“
Die Frage weckte flĂĽchtiges Interesse. Eine viel zu groĂźe Flamme brannte ĂĽber dem billigen Feuerzeug, als Mama mich musterte.
„Is´ O.K.“
Und dabei wippte die Zigarette zwischen ihren geschminkten Lippen.
Ypsilon schob mich schnell in den nächsten Raum, so als ob sie sich für ihre Mutter schämte. Im Zimmer nebenan gab es keine Möbel. Nur ein paar Matratzen, einen weiteren Fernseher und auf dem Boden einen überquellenden Aschenbecher. Und dann war da dieses andere Mädchen.
„Meine Halb-Schwester Flo.“, sagte Ypsilon. „Sie spricht nicht viel.“
Und das brauchte sie auch nicht, weil man alles in ihren Augen lesen konnte. Flo saĂź auf der Fensterbank, hatte die Gardine zur Seite geschoben und sah hinaus in den Hof des Hauses.
„Ich zeig dir noch den Dachboden. Kommst du?“, fragte Ypsilon und nahm sich ein paar Videocassetten, die auf dem Boden lagen.
Doch ich konnte meinen Blick für einen langen Moment nicht von Flo abwenden. Sie war vielleicht sechzehn (hoffte ich). Ihr Top ließ den Blick frei auf eine kleine Mulde oberhalb des Schlüsselbeins, das hervortrat, als sie mir endlich den Kopf zuwandte. Die Sonne machte ihren Körper zu einer Skulptur und ihre Haut zur Leinwand. Ich wollte malen, wollte sie berühren.
„Sie ist erst fünfzehn. Lass die Finger von ihr“, sagte Ypsilon, die sofort in meinen Blicken lesen konnte. „Kommst du jetzt mit auf den Dachboden?“

Von diesem Zimmer fĂĽhrte der Weg direkt ĂĽber eine lange, schmale Treppe nach oben. Dort gab es einen weiteren Fernseher, eine weitere Matratze und ein etwas punkig angehauchten Typen.
„Mein Bruder“, sagte Ypsilon und ich glaubte so etwas wie Stolz in ihrer Stimme zu hören.
„Was steht an heute? Gehen wir ins >Yoi<?“ fragte der Bruder, ohne mich zu begrüßen. Ich vermutete, es müsse sich beim >Yoi< um eine Diskothek handeln. Wie dieser schlaksige Punk wohl aussah, wenn er versuchte zu tanzen, womöglich auf Modern Talking? Schon jetzt freute ich mich auf diesen Anblick.
„OK – aber wir müssen Flo mitschleppen. Mama muss heute Nacht arbeiten.“
Die beiden regten sich noch eine Weile ĂĽber den Ballast in Form von Flo auf, weil dies bedeuteten konnte, dass wir vom TĂĽrsteher nicht rein gelassen wĂĽrden. Doch nach einiger Diskussion, in die ich mich nicht wirklich einmischte, stand fest, sie wĂĽrde mitkommen.
„OK. Was machen wir bis dahin?“, wollte ihr Bruder wissen.
„Hab ´n paar Videos mit hochgebracht“, antwortete Ypsilon und gab sie ihrem Bruder. Der musterte die VHS Kassetten.
„Hm – Tanz der Teufel, Nightmare… so’n Schrott. Was ist mit Pornos?“
Obwohl er dabei lachte, war ich mir nicht sicher, wie ernst er das gemeint hatte. Und als Ypsilon antwortete, die Pornos habe man ja schon so oft gesehen und es wäre inzwischen langweilig, war ich mir ebenso wenig sicher, ob es nur Angeberei war. Ich lachte mit, wollte mir keine Blöße geben und so kam es, dass ich meinen ersten Horrorfilm sah. Ypsilon und ihr Bruder stimmten sich mit Bacardi-Kola auf den Abend ein. Ich lehnte ab und trank Wasser. Als das Drehbuch etwa die Hälfte der Schauspieler auf dem Gewissen hatte, ging ich nach unten, weil ich mal aufs Klo musste. Die ganze Zeit hatte ich an Flo denken müssen. Ja - sie war hier die Rose im Asphalt.

Ich kam ins Wohnzimmer, wo Mama inzwischen eingeschlafen war. Die Zigarette brannte noch im Aschenbecher. Plötzlich öffnete sich im Flur die Badezimmertür, und Flo kam heraus. Sie trug nur einen Slip, und hielt sich ein Handtuch vor die Brust. Ihre Haare waren nass vom Duschen. Dann kam sie auf mich zu und wir standen genau zwischen dem Sessel mit ihrer schnarchenden Mutter und dem Fernseher, wo gerade die Tagesschau lief.

„Kannst du mir die umlegen?“
Sie hielt mir eine kleine Kette mit einem Jing-und-Jang-Anhänger hin. Dann drehte sie sich um und nahm das Handtuch herunter. Ihr nussbrauner Rücken war überzogen mit Tröpfchen, die ihre Haut zum Glitzern brachten – selbst hier in diesem schummrigen Licht. Ich strich langsam mit meiner flachen Hand über ihre Schultern.
„Du solltest dich besser abtrocknen.“
Ich fühlte, wie sie lächelte, obwohl ich nur den Rücken sah.
Ein Duft von Apfelshampoo stieg mir in die Nase. Sie hob die langen, dunklen Haare hinten hoch, damit ich die Kette schließen konnte. Ich sah ihre kleinen Härchen unter den Achseln. Ihr jetzt von hinten an die Brust zu fassen, verbot sich einfach. Zu billig – zu sehr Pornofilm, dachte ich. Aber da hatte sie die Arme auch schon wieder unten. Mein Mund war plötzlich ganz nah an ihrem Ohr. Ich sah über die Schultern die Rundungen ihrer Brüste und die Knospen. Ich wollte sie auf den Hals küssen. Doch der Schluss-Gong der Tagesschau unterbrach mein Vorhaben. Ihre Mutter gab ein Grunzen von sich, als würde sie erwachen. Schnell wickelte Flo sich wieder das Handtuch um den Oberkörper lächelte mich an und ging hinaus.

„Was stehst denn du da?“
Die Mutter stellte mir die Frage, als ginge sie davon aus, dass ich sie im Schlaf beobachtet hätte.
„Ich suche das Klo.“ sagte ich wahrheitsgemäß.

Gegen neun machten wir uns auf den Weg ins >Yoi<. Aus heutiger Sicht bleibt festzuhalten, dass Diskothekenbesuche überall gleich sind: unkommunikativ, laut und meist frustrierend. Ypsilon hatte ein paar Freunde getroffen und sich hemmungslos betrunken. Der Punkerbruder knutschte mit irgendeiner hohlgekreuzten Tussi, die so gar nicht zu ihm passte. Und was war mit Flo? Sie hatte sich nicht einmal von mir antanzen lassen. Hatte sich weggedreht, als tanze sie in einer eigenen Welt. Und bei den ruhigen Stücken hatte sie die Tanzfläche verlassen. Aber selbst dann war es zu laut für eine Unterhaltung außerhalb von Smalltalk. Der Abend war eine Katastrophe. Alles in allem war ich froh, nun wieder auf dem Heimweg zu sein. Ich sah wieder in den Rückspiegel.

Verdammt, was dachte sie? War das, was im Wohnzimmer vor dem Fernseher geschehen war, etwa nichts? Ein flĂĽchtiges Atmen im Sturm meiner Phantasie? Ein Hauch von Apfel, und das, wo ich doch eigentlich die ganze Frucht wollte?

Etwa eine halbe Stunde später kamen wir wohlbehalten wieder bei der Wohnung an. Wir schleppten uns ins Zimmer unter dem Dachboden. Ypsilon, der Punk, seine neue Braut und ich. Flo blieb unten im anderen Matratzenzimmer, weil sie schon schlafen wollte. Am liebsten wäre ich auch dort geblieben, aber Ypsilon hätte mich durchschaut. Bereits lallend schlug sie vor, einen Absacker zu trinken und schraubte wieder an der Flasche Bacardi herum. Ihr Bruder hatte plötzlich tatsächlich eine Pornocassette in der Hand. Alle grölten belustigt, als er sie in den Rekorder schob. Alle bis auf mich. Es dauerte nicht lange, bis Alkohol und Porno ihre Wirkung entfalteten. Ypsilon war mit dem Glas in der Hand eingeschlafen, während Punky und seine Queen unbeholfen aneinander herumfummelten. Ich beschloss, nach unten zu gehen bevor mir schlecht wurde. Leise betrat ich das Zimmer. Alles war dunkel. Alles war ruhig.
„Flo?“
Sie lag unter der Decke auf einer der Matratzen. Aber sie antwortete nicht.
„Flo?“
Nichts. Sie schlief wohl wirklich.
Ich legte mich in die andere Ecke des Zimmers, auf eine der Matratzen, welche Ypsilon für mich mit Schalke-Bettwäsche bezogen hatte. Ich drehte mich zur Wand und hörte im Zimmer über mir ein rhythmisches Stöhnen, welches nach einigen Minuten verstummte. Die Nacht hüllte meine Gedanken ein.

Was wĂĽrde mir in Erinnerung bleiben von diesem Wochenende? Der Geruch einer fremden Welt? Eine Vorliebe fĂĽr Frauen, die Apfelshampoo benutzen?

Und plötzlich roch ich es wieder. Jemand hob die Decke an und schlüpfte darunter. Jemand, der nackt war und seine Hände von hinten um meine Brust schlang. Jemand, der nach Apfelshampoo duftete.







__________________
"der erste Entwurf ist immer scheiĂźe"
Ernest Hemmingway

Version vom 20. 06. 2010 17:18
Version vom 20. 06. 2010 19:39
Version vom 22. 06. 2010 13:46

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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Hallo Dr. Time,

was soll ich zu diesem Text sagen? Normalerweise ertappe ich mich beim Lesen dabei, besonders krümelkackrig zu sein. Es gibt dabei allerdings eine Ausnahme. Wenn mich eine Geschichte bereits nach den ersten Zeilen in ihren Bann zieht und dann auch nie wieder los lässt, vergesse ich völlig, dass ich doch nach Stolpersteinen suchen wollte. Ob ich bei deiner Geschichte welche gefunden hätte? Ich weiß es nicht - und mir ist das wurscht. Ich fand die kleine Erzählung einfach nur rundum gelungen. Klasse!

GruĂź Ralph
__________________
Schreib ĂĽber das, was du kennst!

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Spiritogre
Hobbydichter
Registriert: Jul 2010

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Klasse!

Auch mich hat die Geschichte sofort in ihren Bann gezogen. Sehr schön, sehr erotisch, insbesondere, dass nur Andeutungen vorhanden und auch einige Fragen ungeklärt sind.

Eines hat mich aber doch etwas gestört. Die Lebensumstände von Ys Familie fand ich etwas zu klischeehaft.

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

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Sehr schön geschrieben, aber liest sich für mich wie die Lösung zur Aufgabe: "Wie schreibe ich die politisch korrekte Erotikstory?"

Will sagen: Vielleicht wäre es besser gewesen, die Wünsche am Ende nicht in Erfüllung gehen zu lassen und die Erotik nur als Fantasie des Lesers in der Luft schweben zu lassen wie ein Hauch von Apfelshampoo.
__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit Aufklärung Verteidiger: Es ist genug.

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Vera S
Hobbydichter
Registriert: Jan 2014

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Lieber Dr Time,
ich habe zum ersten Mal etwas von dir gelesen und kann die Begeisterung der anderen Leser/innen nicht gänzlich teilen. Auch ich las die Geschichte in einem Durchgang, sie war in der Lage, mich zu fesseln, aber sie hat mich an vielen Stellen geärgert.

Politisch korrekte Erotikstory? Wohl weniger. Die Sicht der Dinge ist doch nur die des Protagonisten, der sich zuerst einmal Ypsilon nimmt, die sich ihm willig bietet, um dann, als er sie besucht, der Halbschwester hinterher zu gieren, die offensichtlich attraktiver ist und sich ihm genau so willig anbietet. Kopf? Gedanken? Empfindungen? Nein, die Personen an sich sind völlig egal, uninteressant. Apfelshampoo, Härchen unterm Arm und Tropfen auf dem Rücken - ach ja, einen traurigen Blick aus polierten Kastanienaugen gibt´s auch noch. Eine Mutter, die sich nicht in den Weg stellt, vereinfacht den Zugang zu dem verlotterten Wesen noch. "Exploitation" wäre das richtige Wort, oder?
Vielleicht bin ich da zu empfindlich, vielleicht ist bei Erotik alles erlaubt und ich darf mich nicht so anstellen... aber beide Mädchen sind minderjährig, richtig? Der Protagonist ist Zivi? Keine Rede davon, dass diese beiden Mädchen offensichtlich nicht viel Zuneigung in ihrem Leben erfahren haben und diese bei fremden Männern suchen? Die Entschuldigung für den Sex mit Ypsilon ist ein "Hormonproblem" und ein ausgehakter Verstand... Reicht das, um ein paar Wochen später zu ihr zu fahren und dann den Verstand ein zweites Mal aushaken zu lassen... mit der noch jüngeren Halbschwester?

Wenn dieser Konflikt wenigstens als solcher eine Rolle spielte, wenn der Protagonist wenigstens Skrupel hätte, könnte ich mit der Geschichte etwas anfangen... Aber dannwäre es nicht diese Geschichte. Als ich die Kritiken las, wunderte mich jedenfalls, dass diese Aspekte niemanden gestört haben... und dann sagst du auch noch, die klischeehaften Lebensumstände seien nicht erfunden, als sei die Tatsache, dass etwas "so gewesen" ist, Garant für eine gute Geschichte.

Dein Erzähltalent stelle ich nicht in Frage, wobei ich einige Ungenauigkeiten störend fand, u.a.: "...eine Mini-be-Rockte Disco-Queen umschlang." (Warum nicht "Mini-berockte", das wäre korrekt.) Quote: "Die Beiden steckten sich abwechselnd ihre Zungen in die Köpfe..." (steckten "einander" abwechselnd die Zungen...), " eine weitere Matratze und einen etwas punkig angehauchten Typen".

Vielleicht liegt es daran, dass ich Mutter einer Fünfzehnjährigen bin, der ich alles andere wünsche als eine Erfahrung wie die, welche Ypsilon mit dem Zivi hatte: benutzt, weggeschmissen. Da erkenne ich auch bittere Lebensumstände nicht als Entschuldigung an, ganz im Gegenteil...

Njchts fĂĽr ungut!
Liebe GrĂĽĂźe
Vera



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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
Kommentare: 685
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Die Geschichte ist insgesamt natĂĽrlich nicht "gut". Zumindest ich habe das nie behauptet.

Sie ist es schon mal gewiss nicht, weil sie nicht aus Teilen besteht, die alle ineinander greifen, sondern eine additive Kettenstruktur hat: Einmal war das, später war dann noch das, am Ende gab's dann das noch...

Und hierbei wartet man als Leser dann dauernd, dass der Autor "endlich mal zu Potte kommt". (Man kann das natĂĽrlich auch als "Spannung-Erzeugen" loben.) Dass endlich mal das sich zeigt, warum die ganze Sache eigentlich geschrieben sein muss. Denn alles, was vorher da steht ist so, dass man gleich merkt, das ist es nicht, ums was es schlieĂźlich gehen wird, das ist noch die Vorbereitung von irgendwas.

Nachdem man aber so lange gewartet hat, nimmt die Kern-Geschichte die letzten zwei, kurzen (!) Absätze ein. Das ist zu wenig, formal geht das nicht so, das bringt die Proportion des Textaufbaus durcheinander: So massig viel Vorbereitung für so wenig Wesen! Der Leser fühlt sich gefrustet.

Was ich gesagt hatte: Es sei sehr schön geschrieben. Das meint, es ist gut lesbar, es hat wenig Fehler, Verschreiber, dumme Wortwiederholungen und dergleichen, schwerfällige Langsätze. Es fließt sprachlich munter voran. Das ist professionell gemacht. Anerkennen muss man das.


Die beiden Mädchen in dem Text sind nicht "ja wohl minderjährig?", sondern sie sind, eindeutige Zahlen werden genannt, fünfzehn. Also Minderjährige. Er, der Erzähler, ist ZDL, also, sagen wir mal irgendwas: neunzehn. Somit ist zwar das was er macht, mit 15-jährigen Mädchen schlafen, schlicht illegal, also eine Straftat gegen das Sexualstrafgesetz, denn es wäre erst keine, wenn sie ein Jahr älter wären, sechzehn.

(Man kann sich kurz an diesen Politiker erinnern, der vor einigen Jahren seine Funktionen aufgeben musste, nachdem herausgekommen war, dass er ein Verhältnis zu einer damals (inzwischen war er gar nicht mehr mit ihr zusammen) 16-Jährigen gehabt hatte. Er konnte dafür weder vor Gericht gestellt noch mit Bußgeld oder sonst was bestraft werden, weil sie genau das Alter hatte, ab dem es erlaubt ist, da er selbst aber kräftig älter war, weiß nicht, um die vierzig, glaube ich mich zu erinnern, ging man in der politischen Klasse allgemein davon aus, dass die Öffentlichkeit sein Verhalten moralisch verwerflich sah und er darum nicht mehr zu halten war. Man legte ihm den Rücktritt wohl von allen Seiten nahe. Hätte er es nicht gemacht, er hätte seiner Partei geschadet. Es gibt also zwei Sachen: was gesetzlich erlaubt ist - und was andere Leute für richtig, gut und normal halten. Gegen beide Codes kann man verstoßen. Und wird, irgendwie, für beides bestraft.)

Aber: Faktisch sind doch alle drei im Grunde "Jugendliche", er ist über irgendeiner juristischen Zahlengrenze, die Mädchen sind unter einer Zahl, die irgendwer festgelegt hat / und sie selbst waren es nicht. Fakt bleibt ja, dass er vier Jahre älter ist, viel ist das nicht. Ob er wirklich sexuell erfahrener ist als die Mädchen, ist noch gar nicht geklärt, bei all dem Pornogegucke und Handtuchfallenlassen, das die da aufführen. Fakt ist ja auch, dass beide Mädchen die Initiative erreifen, ihn ins Bett zu bekommen. Es ist nicht nur freiwillig bei beiden, sondern es ist erwünscht und massiv vorangetrieben.

Was mich ja oft verwundert, irgendwie, dass gerade unter Frauen, diese uralte, aus ganz anderen Tagen der öffentlichen Moral ("Sie hat ein Kind ohne Vater, sie sollte ins Wasser gehen!") stammende rhetorische Figur immer neu wieder hochkommt: "Ich sehe da einen Mann, der das Mädchen einfach nur sexuell benutzt, wegwirft und dann die nächste benutzt!" Im Text steht aber ja wohl, dass beide Mädchen geradezu darum betteln, "benutzt" zu werden. Warum ist da nie möglich, Sex als eine Art unverbindliches Vergnügen für alle Beteiligten zu betrachten. "Ich hab Lust, es mit dir zu machen", heißt, ich habe jetzt Lust, wenn du auch hast, machen wir es einfach, es ist bloß Sex. Es heißt nicht, dass ich damit dir einen Wechsel für die Zukunft ausstelle: "Weil ich heute mit dir schlafe, werde ich dich morgen im Arm halten, wenn dich eine Biene sticht." Wahrlich, ich habe schon junge Mädchen beobachtet, die genau so mit jungen Jungen verfahren sind: "Wenn ich heute mit dir ficke, was juckt mich das morgen, dass ich das mal getan habe!"

Hier in solchen Internetforen schwirren überall Menschen herum, die es meinetwegen selbst so zwar glauben mögen, sich aber doch bitte nicht ständig aufführen sollten, als wären wir uns alle, die wir irgendwas schreiben, vollkommen einig, dass Geschriebenes den Menschen keine sündigen Gedanken eingeben darf. Die Welt mag voller Brüche sei, die Versuchung zum Bösen mag züngeln in den Seelen der Menschen, aber der Schreibende darf das nicht auch noch befördern. Er darf zum Beispiel keinen Text über einen Entführer, Vergewaltiger, Folterer und Serienmörder schreiben, in dem dieser NICHT am Ende "gerichtet" wird, indem aus der Täterperspektive erzählt wird und NICHT dem Leser erklärt wird, dass es die eine Irren ist. Der Leser, wenn man in darüber in Zweifel ließe, könnte vielleicht auf den Gedanken kommen, dass Mädchenzerstückeln voll spannend ist und er selbst es auch mal probieren sollte. Wenn Gott die reale Welt mit Fehlern geschaffen hat, muss der Autor als verantwortlicher Gott seiner Text-Welt-Schöpfungen es wenigstens dort immer wieder richten. Irgendwo muss das Gute ja hin, in den Text also!


Ich hatte die Geschichte irgendwann so zwischendurch mal gelesen und wollte nicht viel dazu sagen, die Zeit war nicht da. Ich habe sie auch komplett wieder vergessen gehabt, musste sie jetzt noch mal lesen, nachdem ich den letzten Kommentar mitbekommen hatte. In der KĂĽrze habe ich seinerzeit meine Kritik nur angerissen: "Versuch einer politisch korrekten Erotik-Story?"

Was ich eigentlich meinte, aber dem Autor so frech nicht vors Hemd feuern wollte, war: "einer Fickstory". Denn das ist sie für mich. Es ist keine Liebesgeschichte, Liebe ist im ganzen Text eigentlich nirgendwo nachweisbar. Es ist keine Erotikgeschichte, jedenfalls keine bedeutende, das Wesen von Diskotheken und blöden Filmen ist besser beschrieben als der Zauber mädchenhafter Erotik. Aber Porno, Einhandliteratur ist es auch wieder nicht, dafür sind die entsprechenden Handlungen viel zu vage bzw. überhaupt nicht gezeigt. Es ist eine unterhaltsame, abenteuerliche Geschichte darüber, wie ein junger Mann zwei junge Mädchen kennen lernt, mit denen ins Bett zu gehen, das reine Vergnügen war. Eine Geschichte über fidelen Jugendgeschlechtsverkehr. Eine Fickgeschichte.

Für mich eigentlich die entscheidende Stelle bein Lesen und auch hinterher immer noch der "künstlerische Höhepunkt" vom Ganzen ist dies:

quote:
Sie trug nur einen Slip und hielt sich ein Handtuch vor die Brust. Ihre Haare waren nass vom Duschen. Dann kam sie auf mich zu und wir standen genau zwischen dem Sessel mit ihrer schnarchenden Mutter und dem Fernseher, wo gerade die Tagesschau lief. „Kannst du mir die umlegen?“ Sie hielt mir eine kleine Kette mit einem Jing-und-Jang-Anhänger hin. Dann drehte sie sich um und nahm das Handtuch herunter.

Es war NIEMALS so.

Jeder, der irgendwann jung war und Sex hatte, jeder, der mehr als drei Böcher gelesen, jeder, der ein paar Erotikfilme gesehen hat, weiß an dieser Stelle gleich, dass es ein Topos aus Fick & Pornogeschichten ist. Es ist einerseits eine für den Jungen, auch den Leser Lust machende Sekunde, andererseits ein Hinweis, dass nachher schon auch noch Sex stattfinden wird. Es ist eine Art Hammersignal seitens der Frau, hallo, hier bin ich, ich seh geil aus und will beschlafen werden!

Es ist dies Fantasie. Nicht das Wirkliche, wie wir es alle kennen und wissen, sondern das Geschichtlein, der Traum vom idealen Leben. Wer schreibt und wer liest, bekommt hin und wieder das, was es in der Wahrheit nie gibt, was so toll aber halt mal wäre.

Und so gesehen ist es eben gewiss kein Versehen, dass die Apfelduftenden unter 16 sind, sondern es gehört in die Vision Sex mit einem blutjungen Mädchen. Die Sachen, die man nicht machen darf, aber gern eigentlich mal wenigstens dabei wäre, die werden einem im Schmuddeltext und Schmuddelkino als Wahrheit vorgeführt. Es ist das ja nicht sehr künstlerisch, aber durchaus legitim, es wird seit Anbeginn des Schreibens praktiziert.

Was ich mit politisch korrekt sagen wollte. Man sagt den Leuten etwas, von dem man weiĂź, dass manche es nicht gut finden werden, denn es ist Schmuddel, das weiĂź man auch, also muss man es so verpacken, dass es vom Mainstream noch geschluckt werden kann. Dies ist dann das Politisch Korrekte.

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