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Leselupe.de > Humor und Satire
Zahlenlatein
Eingestellt am 15. 03. 2002 07:34


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
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Zahlenlatein

Es ist des Menschen Bestreben, immer etwas zĂ€hlen zu wollen! Sein Geld, seine Erfolge, seine Jahre. WofĂŒr sonst hĂ€tte der Schöpfer Adam und Eva ausgerechnet mit zehn Fingern ausgestattet?
Kaum, dass ihnen dies, nach dem Genuss eines Apfels vom Baum der Erkenntnis, bewusst war, wurden sie auch schon aus dem Paradies verwiesen.
Adam und die StammvÀter der Menschheit kamen noch gut mit diesen zehn Hilfsmitteln zurecht: Der Hausvater zÀhlte seine Jahre, seine Frauen, Rinder, Schafe und seine mÀnnlichen Nachkommen. Dies war mit zehn Fingern gerade noch möglich. Töchter und Nebenfrauen wurden nicht mitgerechnet, er beschrÀnkte sich auf das Wesentliche. Etwas spÀter gab es erste Schwierigkeiten: Man war gezwungen, zu addieren!
Die UrvĂ€ter, zwar allesamt SpĂ€tentwickler, erwiesen sich im Alter als erstaunlich rĂŒstig. Abraham heiratete mit einhundertundzwanzig Jahren noch einmal und zeugte sechs Kinder. Seine Buben mĂŒssen ordentliche Raufbolde gewesen sein! Semiten und Antisemiten berufen sich bis auf den heutigen Tag auf ihn als ihren Stammvater.
Methusalem war hundertsiebenundachzig Jahre alt, zeugte einen Sohn und lebte danach noch siebenhundertzweiundachzig Jahre lang und zeugte Söhne und Töchter. Was macht es da aus, wenn kleinliche ErbsenzÀhler ihn gelegentlich verdÀchtigen, er könne sich dabei um ein oder zwei Jahre verrechnet haben.
Was kĂŒmmertÂŽs den Mond, wenn ihn der Mops anbellt?
Aufbauend auf das bewÀhrte Zehn-Finger-System bastelten findige Hobby-Mathematiker irgendwann Rechenschieber mit zehn Reihen zu je zehn verschiedenfarbigen Perlen. Ein Mensch, der nicht ahnte, welche Lawine er damit lostrat, erfand, darauf aufbauend, die erste Rechenmaschine der Welt. Methusalem hÀtte gestaunt!
Die neue Zeit war nicht mehr aufzuhalten, bald brauchte man einen Computer, um sich auf der Welt zurecht zu finden. Mit der EinfĂŒhrung von Geburtsdaten in Tage, Monate und Jahre, wurde der Mensch registrierfĂ€hig. Nichts bewegt sich heutzutage ohne geburtstagsbezogene Melderegister-Personal-Kranken- und Rentenversicherungsnummern, sowie Buchstaben-Nummern-Codes. Der Mensch braucht eine Haus-Konto- Steuer-, Telefon- und Fax-Nummer, sowie E-Mail-Adresse, er benötigt Post und Bankleitzahlen, um seine alltĂ€glichen GeschĂ€fte erledigen zu können. Die Welt ist ein einziges Nummernschloss!
Er muss seine Geheimnummer wissen, um per Chipkarte an sein Geld zu kommen, benötigt PIN und TAN, Rechnungs- und Kunden-Referenznummern, damit er seine Abgaben entrichten kann.
Ein einziger Tipfehler, - und sein Geld ist fort. Auf Nimmerwiedersehen! Eine andere totsichere Methode, sein Geld loszuwerden, bietet der Kauf einer modernen Telefonanlage aus dem Großhandel. Aus WettbewerbsgrĂŒnden verschweige ich den altehrwĂŒrdigen deutschen Markennamen.
Wir waren beeindruckt, als wir das GerĂ€t daheim aus den Folien- und Styropor-UmhĂŒllungen auspackten! Mattschwarz, gediegen, aber elegant, dazu ein technisches Wunderwerk mit Mobilteil, Lautsprecher, LautstĂ€rkenregelung, Anrufbeantworter, Nummernspeicher, Wiederholungs- und Info-Taste. Man kann sich damit wecken lassen, kann GesprĂ€che umleiten - und natĂŒrlich kann man damit auch telefonieren! Ein viertel Jahr ging alles wunderbar. FĂŒr uns war es ein glĂŒckliches Vierteljahr. Telefonieren machte richtig Spaß, die Telefongesellschaft buchte monatlich beachtliche BetrĂ€ge von meinem Konto ab und unsere Telekomaktien stiegen. Die beste aller denkbaren Ehefrauen meldete bereits persönliche WĂŒnsche an.
Dass die Aktien danach in den Keller stĂŒrzten, hatte sicher auch mit unserer Telefonanlage zu tun. Es begann harmlos: Am Mobilteil blinkte ein rotes LĂ€mpchen. Ich studierte das mitgelieferte deutsche Handbuch und las: "Bei Störung der mobilien GerĂ€t wĂ€hle sie, nachdem sie der Kabel abgesteckt, die TrĂŒcktast: F > 8 . > R * 2 4 3 1 > > 1 2 3 OK in 30 Sekunde schnell". Ich drĂŒckte die "TrĂŒcktasten" schnell und ĂŒbte so lange, bis sich ein Erfolg einstellte: Das Blinklicht verlöschte, dafĂŒr leuchtete ein Dauerlicht am BasisgerĂ€t auf. Wir waren telefonisch nicht mehr erreichbar.
Mein Nachbar, mit dem wir damals noch ein gutes VerhĂ€ltnis hatten, ließ mich von seinem Wohnzimmer aus telefonieren. Mein HĂ€ndler verwies hilfsbereit auf die Service-Nummer des Herstellers. Nach zwei Stunden, in denen mich eine Tonbandstimme auf die Überlastung ihrer Anlage hinwies, meldete sich die technische Störungsstelle. Eine Dame fragte nach meinem Begehr. Sie versprach, mich zu verbinden, dann schnarrte eine blecherne Computer-Stimme: DrĂŒcken sie innerhalb dreißig Sekunden die Tasten:
F > 8 . > R * 2 4 3 1 > > 1 2 3 OK. Ich notierte und ging hoffnungsvoll zurĂŒck in meine Wohnung und tat, wie mir geheißen.
Plötzlich hörte die verstÀndnisvollste Ehefrau der Welt einen animalischen Schrei. Sie eilte herbei, um mich zu beruhigen.
Am nĂ€chsten Morgen fuhren wir zusammen in die Stadt. Im dritten AntiquitĂ€tenladen fanden wir einen Telefonapparat aus dem neunzehnten Jahrhundert. Der reich verschnörkelte schwarze Kasten, mit stabiler Drehscheibe und einer metallenen Hörer-Ablagegabel, ziert nun, zusammen mit einem weißen Biedermeier-Tischchen, unsere Diele.
FĂŒr den ĂŒppigen Blumenschmuck in unserer Wohnung sorgen seitdem die unzĂ€hligen GĂ€ste, die alle unser Telefon besichtigen wollen. Wir sind jetzt angesehene Leute am Ort, man spricht ĂŒber uns, wir werden beneidet. Fast pausenlos schrillt unser Telefon. Stets klappt die Verbindung. Wir werden besucht, man bringt uns Rosen mit, Wein und Pralinen. Manche Besucher wollen das GerĂ€t einfach nur anfassen. Jeder möchte uns einladen. Aber wir lehnen alle Einladungen ab, wir bleiben daheim und hĂŒten unser Telefon.
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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Silvi Degree
Hobbydichter
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Zahlen - Qualen

GrĂŒĂŸ' dich,.lieber Bernhard,echt bildhaft - miterlebbar geschrieben - prima!

Ja, bisweilen bereitet es wahre Qualen,
ein Menschenleben birgt in sich
unendlich' viele Zahlen.
Im "Nummernschloss der kalten Welt"
ist's daher oft mit WĂ€rme und GefĂŒhl
schlecht bestellt.
WinterfrĂŒhlingsgrĂŒĂŸe
Silvi Degree

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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

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Zahlenlatein

So ein Lob, in Reim gegossen,
schaffte man mit Zahlen nie,
dazu braucht es, liebe Silvi,
Dich und Deine Phantasie!
-Bernhard-
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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ja,

ja, die technik des weißen mannes! eine amĂŒsante geschichte ist dir da gelungen. da wĂŒnscht man sich doch glatt, daß dieses zahlenschloß ein luftschloß sein möge. lg
__________________
Old Icke

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