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Leselupe.de > Kurzprosa
Zaungasts Adventskalender, 7. , 8. u. 9. Kläppchen
Eingestellt am 08. 12. 2006 22:43


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Zaunkönig
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Registriert: Oct 2006

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Siebtes Kläppchen

Tatsächlich, da ist er. Sankt Nikolaus, der Weihnachtsmann. Mit Coca Cola getauft, der geschmacklichen Sternschnuppe, der sprudelnden Illusion von Frische, wenn es direkt aus der Flasche in eine dürstende Kehle rinnt. Nach zehn Sekunden im Glas schmeckts wie kalter Kaffee, nach zwanzig Sekunden wie faule Eier.

Sankt Nikolaus, der Apostel des Überflüssigen und des Überflusses, der erste Botschafter des „American Way Of Life“, der Agent der Süß- und Spielwarenindustrie, der zudem noch gemeinsam mit seinem schwarzen Adlatus Ruprecht für ein botmäßiges Betragen der lieben Kleinen sorgen soll. Neuerdings kann man ihn sogar mieten bei diversen Werbeagenturen und Veranstaltern beziehungsweise Organisatoren von Events, wie der gräßlich moderne Anglizismus lautet. Der alte Gauner ist also auch noch bestechlich geworden.

„Die ganze Figur ist so falsch wie sein angeklebter Bart“, sagt sich Zaungast, „eine Larve, wie alles, was uns auf den ersten Blick als schön und anziehend erscheint.“





Achtes Kläppchen

‚Ah, wie sinnig’, denkt sich Zaungast, ‚eine Tretmühle, das Symbol für die Weihnachtshetze, das Hamstern, den Konsumzwang.’

Aber heute muß man ja kaum noch treten, entweder man wird getreten, oder es geht automatisch voran, zum Beispiel in den Kaufhäusern, Rolltreppe rauf, Rolltreppe runter, auf der unerbittlichen Hatz nach Geschenken.

Und im Wettlauf mit den eigenen, zu Weihnachten besonders hoch geschraubten Ansprüchen, gerät so mancher ins Stolpern in seiner persönlichen Tretmühle, stolpert vielleicht bis in den Wahnsinn oder in den Suizid hinein. Die kontemplativ Veranlagten hingegen suchen ihr Heil bevorzugt in der Gebetsmühle und kehren der Tretmühle menschlichen Emporstrebens und Konsumverhaltens den Rücken zu. Ob sie ihr Heil dort aber auch finden? Zaungast weiß es nicht.





Neuntes Kläppchen

Eine Miniaturbibel. Zaungast denkt sich: Heilige Schrift, Bibel, Buch der Bücher, das futuristische Manifest des Widernatürlichen. In Jahrzehnten oder Jahrhunderten zu anarchischer Vollendung herangereift in kranken Hirnen, dann im Fieberwahn aufs Papier gebannt, verlogen in seinen Aussagen, vermessen in seinen Prophezeiungen, offen für alle Deutungen. Dieses Buch hat Unheil gestiftet, hat Leid hervorgerufen wie kein zweites vor oder nach ihm.


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Werner Fletcher

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