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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Zeit des Schreibens...
Eingestellt am 15. 10. 2002 00:41


Autor
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cyberdiver
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2002

Werke: 5
Kommentare: 1
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....... und so setzte ich mich nach diesem langen Tag an den Tisch, an jenen Tisch an dem ich fast immer am Abend nach langen Tagen sa├č. Alle Dinge darauf waren an dem Platz, den sie immer einnahmen, wie sollte sich auch etwas ge├Ąndert haben, und begann zu schreiben.
Nichts hatte sich ge├Ąndert, es war wie immer, die Worte flossen viel zu langsam, viel zu langsam um jene Gedanken die gleichsam gerahmten Einzelbildern auf einem St├╝ck Cinemascopfilm, m├Ąchtig, verzerrt und viel zu schnell um der Tr├Ągheit der Finger, die fast hilflos ├╝ber die Tastatur hasteten, gerecht zu werden, vor├╝berflossen ohne je im Sinne des Erfassens Gegenstand geworden zu sein.

Und so verblassten diese Bilder, tauchten immer st├Ąrker ein in das graue Kalt des erlebten Vergessens, was blieb war ein schales Erinnern, Bilder die Schwarzwei├čaufnahmen mit viel zuviel Weichzeichner glichen.

Die Anstrengung des bewussten Erinnerns alleine konnte sie wieder schwach und undeutlich zum Leuchten bringen. Fahl blieben sie trotzdem.

Aber immerhin, es war ein Anfang, ein Beginnen, ein sich N├Ąhern, ein Herantasten an den Punkt wo aus dem flie├čenden Streifen Film eine Vermutung wird, ein Ahnen was denn da zu sehen ist.

Gleicht es nicht wirklich dem Film, das Schreiben?
Was dort auf der Leinwand zu sehen ist, Einzelbilder, die aufgefangenen Hundertstel von Sekunden in denen der Schein der Realit├Ąt den unbelichteten Film traf.
Die meiste Zeit nimmt die Technik der Aufzeichnung selbst in Anspruch, das Weiterschieben des Filmstreifens, einem zigtausendfach abrupten Stoppen und nach kaum begreifbarem Verweilen sich wieder weiterbewegen, zu beschleunigen um das n├Ąchste Bild zu erhaschen. Die verbrauchte Zeit der Fortbewegung des Films bleibt f├╝r den Betrachter des Filmes aber im Dunkeln, im Bereich des nicht Wahrnehmbaren.
Gleicht es nicht dem entstehenden Text des Schreibenden der Wort f├╝r Wort zu S├Ątzen f├╝gt? L├Ąsst das nicht den Schluss zu, dass Film die Ansammlung von nicht Sichtbarem ist, das Sichtbare selber aber nur der kleinere Teil des Verweilens?
Die Zeit dazwischen, die F├╝lle zwischen den Zeitfragmenten? Die L├╝cken zwischen den Worten?

Die gedachte Bewegung zwischen zwei Einzelbildern, gleicht sie dem Abstand zwischen zwei Worten?

CD
__________________
..it's me the cyberdiver

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