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Leselupe.de > Humor und Satire
Zeitreise
Eingestellt am 03. 10. 2004 14:24


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huwawa
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Arbeit ist das fĂŒnfte Element

Schon seit langem befassen sich Menschen mit der Möglichkeit von Zeitreisen, bisher mußten sie sich dabei jedoch auf phantastische ErzĂ€hlungen und Filme beschrĂ€nken. Nun ist es einem internationalen Team von Wissenschaftlern aber endlich gelungen, diesen Traum zu verwirklichen und so können wir heute einen amerikanischen Star-Reporter bei einem Besuch im antiken Griechenland begleiten, wo er einen Mann trifft, der eine etwas kuriose Mischung zwischen weltfremdem Sonderling und tiefsinnigem Philosophen darstellt.

„Guten Tag, Mister Diogenes, vermute ich? Ich habe eine lange und mĂŒhsame Suche nach Ihnen hinter mir, aber Dank der genauen Beschreibung Ihres - Ă€h.....Wohnsitzes ist es mir nun doch gelungen, Sie zu finden!

„Auch ich grĂŒĂŸe Euch, ohne große Herzlichkeit freilich, Fremder, der Ihr Euch erdreistet, mir die wĂ€rmenden Strahlen der Morgensonne zu verdecken. Sagt, wer seid Ihr und was fĂŒhrt Euch hierher?“

„Oh, mein Name ist Ted Turner von der Fernsehanstalt CNN. Ich komme aus dem großen Land Amerika, weit jenseits von Atlantis, um im Auftrag des Wirtschaftsmagazins „financial times“ Ihre Meinung zum Thema „Arbeit“ zu erfahren, Mister Diogenes.“

„So, meine Meinung darĂŒber wollt Ihr wissen? Nun, ich glaube, nein, ich behaupte, Arbeit ist neben Feuer, Wasser, Erde und Luft das fĂŒnfte Element! Alles was ich mache ist Arbeit, ich hebe ein Augenlid und arbeite, ich esse eine Olive und arbeite, ich spreche mit Euch und arbeite, ich gewĂ€hre einem Wind, mein Inneres zu verlassen und arbeite, Arbeit ist einfach immer und ĂŒberall zugegen!“

„Also ich denke, ganz so einfach kann man das nicht sehen, Mister Diogenes, hier handelt es sich ja wohl um mehr oder weniger instinktive TĂ€tigkeiten! Arbeit dient doch dem Zweck, BedĂŒrfnisse stillen zu können, lebensnotwendige natĂŒrlich, wie Nahrungsbeschaffung, Wohnen und dergleichen, aber auch höhergestellte AnsprĂŒche sowohl materieller als auch geistiger Natur wollen befriedigt werden, man will sich ja schließlich etwas leisten können!“

„Ja, ja, sich etwas leisten können, man braucht einen gewissen Luxus, so hört man es heute allenthalben! In Athen speisen die wohlhabenden BĂŒrger aus feinsten tönernen Schalen, welche auf Kreta gebrannt wurden und den Wein kredenzt man in silbernen Bechern aus Libya! Sie kleiden sich in edles Tuch aus Asien und in wertvolle Pelze aus den fernsten LĂ€ndern und ich frage Euch: Brauchen wir all diesen sogenannten Luxus?“

„Aber ein florierender Welthandel ist doch alles andere als Luxus, Mister Diogenes, er ist der Motor, welcher das Wirtschaftswachstum antreibt und damit fĂŒr die Erhaltung der ArbeitsplĂ€tze sorgt!“

„Das Wachstum, ja , das ist es, immer mehr und mehr und mehr muß es sein, selbst die gewöhnlichen Bauern fahren nicht mehr mit ihren Handkarren, sondern mit Ochsenwagen auf die Felder und versuchen sich sogar gegenseitig in deren GrĂ¶ĂŸe zu ĂŒbertreffen! Immer mehr Ertrag möchten sie aus ihren Äckern und GĂ€rten herausholen, immer mehr mĂŒssen sie dafĂŒr arbeiten, aber der Lohn dafĂŒr wird immer niedriger, weil die HĂ€ndler in PirĂ€us und Korinth des Überangebotes wegen immer schlechtere Preise bezahlen! Sie, die HĂ€ndler jedoch, sind die einzigen, die wirklich reich werden, sie lassen sich HĂ€user, nein,
PalĂ€ste bauen, welche an GrĂ¶ĂŸe und Prunk den Tempeln der Akropolis kaum mehr nachstehen!“

„Ja aber Sie mĂŒssen doch zugeben, Mister Diogenes, daß dies einen Boom in der Bauwirtschaft auslöst, zehntausende Menschen erhalten Arbeit und kommen somit zu einem veritablen Einkommen!“

„Zu einem veritablen Einkommen! Muß denn schon alle Welt mit diesen modernen lateinischen Fremdwörtern herumwerfen? Und ĂŒberhaupt, was glaubt Ihr, wem die meiste Arbeit an diesen Protzbauten zufĂ€llt? Sklaven sind es, bis aufs Blut geschundene arme Schweine, deren ganzes „veritables Einkommen“ eine karge SchĂŒssel Gerstenbrei am Abend und eine ĂŒppige Tracht PrĂŒgel am Morgen ist, wenn sie zu schwach und zu mĂŒde zum Weiterarbeiten sind! Ich sage Euch, das ist eine ganz schlimme Geschichte mit dieser Sklaverei, so etwas werdet Ihr in Eurer Welt wohl nie gekannt haben, Meister - Törner, wenn ich mich richtig erinnere!“

„Oh, ich kann Ihnen versichern, Mister Diogenes, daß das Unrecht der Sklaverei, nicht zuletzt Dank der Vorreiterrolle des amerikanischen Volkes, in unserer heutigen Welt endgĂŒltig beseitigt ist! Jeder Mensch erhĂ€lt fĂŒr seine Arbeit ehrlichen Lohn, jene die mehr leisten natĂŒrlich mehr, die nicht so strebsamen oder gar faulen dementsprechend weniger bis gar nichts. Ihr mĂŒĂŸt doch zugeben, daß dies die einzig gerechte Regelung ist!“

„Ja, Ihr scheint aus einer großen, freien und gerechten Welt zu kommen, Herr. Hier bei uns sieht die Sache freilich etwas anders aus, auch den kleinen Gewerbetreibenden und Handwerkern wird ihr Fleiß und ihre MĂŒhe von den großen Auftraggebern zumeist nur unzureichend abgegolten. Denn Arbeit, glaubt es mir, Arbeit gĂ€be es wahrlich genug, wenn man all die BedĂŒrfnisse der MĂ€chtigen und der Möchtegerns, der Reichen und der Neureichen befriedigen wollte, nur bezahlen möchten diese feinen Herrschaften allesamt nichts! Es gibt einfach keine Bescheidenheit mehr, dabei brĂ€uchte doch der Mensch wirklich nichts als ein Dach ĂŒber dem Kopf, wie etwa meines hier, zwei Mahlzeiten
am Tag und eine Liegestatt zum Schlafen! Aber was will man denn verlangen in einer Welt, in der die Moral schon völlig verkommen ist und wo selbst die obersten Götter nur noch Bettgeschichten und KriegszĂŒge im Sinn haben! Seid wachsam, Meister Törner, damit es nicht auch bei Euch in Amerika eines Tages so weit kommt!

Ich weiß, ich gerate jetzt ein bißchen vom Thema ab, aber das mußte einfach einmal gesagt werden! Um jedoch zu Eurer ursprĂŒnglichen Frage zurĂŒckzukommen, so kann ich nur wiederholen: Arbeit gibt es im Überfluß, sie ist immer und ĂŒberall zugegen und gewissermaßen das fĂŒnfte Element. Ob allerdings jene, welche am meisten arbeiten auch den meisten Lohn dafĂŒr erhalten, wage ich zu bezweifeln. Aber das wird wohl immer so bleiben, denn mögen sich auch die Zeiten und Welten Ă€ndern, die Menschen werden dies niemals tun! Ich danke fĂŒr Eure Aufmerksamkeit, Meister Törner und bitte Euch, dem Sonnenlicht nun wieder ungehinderten Zutritt auf mein Haupt zu gewĂ€hren! Fahret wohl und kommt gut heim in euer großes, mĂ€chtiges und gerechtes Land!“

Auch ich verabschiede mich von Ihnen, Mister Diogenes, und wenn auch meine Anschauungen nicht immer mit Ihren ĂŒbereinstimmen mögen, so bin ich doch ĂŒberzeugt, daß die Welt noch in zweieinhalbtausend Jahren von Ihnen sprechen wird! Good bye, old fellow, good bye!“




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manchmal sind die anderen klĂŒger als man(n) selbst...denkt

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