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Leselupe.de > Science Fiction
Zeitzeichen
Eingestellt am 21. 04. 2002 12:28


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Pinky
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Registriert: Apr 2001

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Das Blau wirkte irgendwie gelblich, das Rot schwarz und das Gr├╝n war mehr orange und roch au├čerdem ziemlich streng. Bilder zogen in rascher Abfolge vor├╝ber, waren nicht mehr als ein kurzes Aufblitzen, ein Flackern, sie gingen ineinander ├╝ber, verschmolzen zu einem Film wie bei einem alten Cinematograph, nur dass die Bilder nicht zusammenpassten. Und alles wurde begleitete von einem schrillen Pfeifen und einem dumpfen, scheppernden Dr├Âhnen. Doch von all dem war hier drinnen nichts zu h├Âren. Die Saturn Z3 war schalldicht entworfen, und dass man die wenigen, kleinen Sichtl├Âcher w├Ąhrend der Fahrt nicht ├Âffnen konnte, hatte auch seinen guten Grund. Einer der Pioniere hatte es einmal ohne verschlossene Sichtl├Âcher versucht, um alle Eindr├╝cke der Reise aufnehmen zu k├Ânnen - seither wurde er in allen Geschichtsb├╝cher und fachspezifischen wissenschaftlichen Werken erw├Ąhnt, allerdings ist es nie jemandem gelungen, ihm das klarzumachen. Bis zu seinem fr├╝hen Tod hatte man ihm eine Sonderbehandlung in einer daf├╝r geeigneten Anstalt zukommen lassen.
So konnte man die Verschl├╝sse der Sichtl├Âcher erst ├Âffnen, wenn man angekommen war, und so erfuhren weder Karl noch Moses von den kaleidoskopartigen Bildern rund um ihr Vehikel. Doch sie waren daran ohnehin nur gelinde interessiert: Karl h├Ârte Walkman und Moses d├Âste vor sich in, die F├╝├če auf das Steuerpult hochgelagert.
"Meine Damen und Herren, wir erreichen in K├╝rze unsere Zielzeitzone. Ich darf Sie bitte, das Rauchen einzustellen und die Gurte anzulegen." verk├╝ndete die unpers├Ânliche Lautsprecherstimme einer arbeitslosen Schauspielerin, die schon seit gut f├╝nfzig Jahren tot war.
Moses r├Ąkelte sich in seinem Sitz empor und stie├č Karl neben ihn an. Dieser schreckte hoch und starrte seinen Beifahrer etwas entgeistert an. Dann pfl├╝ckte er sich den Walkman aus den Ohren.
"Sind gleich da", stellte Moses knapp fest und deutete dabei zur Decke, dorthin, wo sich vielleicht der Lautsprecher mit der Frauenstimme befand. Die Aufnahme wurde heutzutage nur noch von Billigzeitreiseveranstaltern verwendet, da sie immerhin ihren Zweck erf├╝llte, und von einem solchen hatten Karl und Moses die Saturn Z3 erworben. Zwar ging ihnen das Gekr├Ąchze der verblichenen Dame vehement auf die Nerven, trotzdem montierten sie den Lautsprecher nicht einfach ab, da er als eine Art Wecker immer noch gute Dienste leistet, wie er es eben getan hatte.
"Noch alles in Ordnung?" wollte Karl wissen. Vor ihnen auf dem Steuerpult blinkten und leuchteten etliche Lichter und flackerten diverse Anzeigen, unterst├╝tzt von einer Unzahl von Kn├Âpfen, die wuchtig prunkten, und von einem Gro├čteil derer Karl und Moses nicht einmal die Funktion kannten. Sie waren f├Ąhig, die Zeitmaschine zu starten und wieder zur├╝ck zu bringen, und das gen├╝gte ihnen.
Moses warf einen Blick auf mehrere der Anzeigen. Sie waren mit dem zum Frachtraum umkonstruierten Passagierraum verbunden und im Nachhinein zus├Ątzlich angebracht worden. Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt waren normal. Der Salzanteil h├Ątte etwas h├Âher sein k├Ânnen, befand sich aber immer noch innerhalb der tolerierbaren Grenzen. Aus irgendeinem Grund war die Lufttemperatur gestiegen und auch die Luftfeuchtigkeit. Da unten musste es das Klima eines Gew├Ąchshauses haben, aber das w├╝rde dem Vieh wohl kaum viel ausmachen, immerhin war es ja doch unter Wasser. Au├čerdem war es ja nicht mehr lange.
"Wir verlassen nun unsere vorgeschriebene Reisedimension", verk├╝ndete die Lautsprecherstimme. Nun wurde es f├╝r die beiden Piloten langsam Zeit, auf manuelle Steuerung umzuschalten. Das Surfen durch den Zeitstrom ging zwar schon gr├Â├čtenteils automatisch, doch Start und Landung mussten immer noch von Hand erfolgen. Wenigstens in dieser alten Saturn.
"Nimm du den Kn├╝ppel", beorderte Moses seinen Beifahrer.
"Was'n? Wieso ich?" wollte dieser wissen.
"Weil ich uns schon bei der Hinreise runter- und wieder weggebracht habe. Und das war gar nicht mal so einfach in dieser Wildnis. Au├čerdem muss ich die Kontrollen hier im Auge behalten."
"Was macht unser Dino?" erkundigte sich Karl.
"Noch kerngesund. Ich hoffe, das bleibt er auch, bis ihn der Zoo in H├Ąnden h├Ąlt."
"Und wir den Scheck."
"Und wir den Scheck", best├Ątigte Moses. Es verhielt sich n├Ąmlich so, dass sich unten in ihrem umgebauten Frachtraum in einem ultraleicht Plexiglas-Titaniumtank ein waschechter Plesiosaurus befand, dessen Bestimmung es war, in einem Becken des Zoos von Los Angeles zu landen, um dort den Besuchern als neue Attraktion zu dienen. Bereits einige Jahre nach Entdeckung und Reifung der Zeitreisen hatte die profitable Ader der Menschen zugeschlagen und es war gang und g├Ąbe geworden, ausgestorbene Tierarten aus der Vergangenheit zu holen, um sie teuer zu verkaufen und auszustellen: Dinosaurier, Mammuts, Nash├Ârner, arbeitende Beamte (man hatte das einzige Exemplar aufgesp├╝rt und mitgenommen) und so weiter. Sp├Ąter war man dann einen Schritt weitergegangen und hatte sich noch mehr geholt: Biedermeierm├Âbel f├╝rs Wohnzimmer, kleinere Naturwunder f├╝r den Vorgarten und Elvis Presley, der nun jeden Abend in Graceland vor seinem Grab sang.
Auch Moses und Karl beteiligten sich an diesem durchaus lukrativen Gesch├Ąft, wobei sich ihre T├Ątigkeit nicht immer g├Ąnzlich innerhalb der gestatteten Normen und Regeln befand. Dinge, wie etwa Fangerlaubnis und Transportgenehmigungen hielten sie f├╝r ├╝berfl├╝ssige Zeitverschwendung. Dennoch gelang es ihnen immer wieder, den K├Ąufern regul├Ąre Papiere f├╝r ihre Waren ├╝bergeben zu k├Ânnen.
"Landungssequenz eingeleitet", stellte Karl fest. "Alle Werte normal. Setze nun zum Absenken der Reisegeschwindigkeit und zum Wechsel in frequentiell niedrigere Zeitdimensionen an. - Druckausgleich." Da im Zeitgef├╝ge starker temporaler Druck herrscht, ist es n├Âtig, sich diesem anzupassen, da es ansonsten geschehen kann, dass s├Ąmtliche Einzelteile aller Beteiligten in f├╝nfzig verschiedenen Momenten in die Geschichte platschen.
"Druckausgleich erfolgreich. Wir tauchen ins siebzehnte Jahrhundert."
Das Summen und Dr├Âhnen au├čerhalb der Zeitmaschine nahm ab und die Bilder flackerten nicht mehr so schnell vor├╝ber. Die Au├čenh├╝lle der Saturn begann in h├╝bschem Violett zu gl├╝hen, wie es bei Bremsman├Âvern durchaus ├╝blich war. Doch etwas anderes dagegen war gar nicht so, wie es h├Ątte sein sollen.
"Moment, da stimmt was nicht!" warnte Moses. "Starker Anstieg der Lufttemperatur im Frachtraum. Das Wasser wird auch w├Ąrmer."
"├ťberhitzung im Motorblock. Wir sollten zusehen, dass wir nach Hause kommen, bevor Dino gekocht wird. Wenn er gar ist, d├╝rfte sich der Zoo weigern zu zahlen."
"Warum, zum Teufel, hitzt sich das Zeug auf?" fluchte Moses.
"Der Bremskraftverst├Ąrker", stellte Karl fest. "Er zeigt eindeutig ├╝berh├Âhte Werte an. Wir sind zu schnell und das Gewicht erschwert das Bremsen. Wir sind zu schwer!"
"Schalt einen Gang runter. Wir versuchen's mit Motorbremswirkung."
Karl schielte irritiert zu seinem Co-Piloten hin├╝ber.
"Du sitzt hier in einer Zeitmaschine", erkl├Ąrte er ihm. "Nicht in deinem Wagen."
"Oh. Verdammt. Na gut. Bremsen zur├╝cknehmen!"
"Dann fliegen wir am Ende zu Hause vorbei!"
"Umkehrd├╝sen halbe Kraft aktivieren."
"D├╝senkl├╝sen ge├Âffnet und aktiviert."
"Hypertemporalen Antigrav-Derivator zuschalten."
"Hypertemporaler Antigrav-Derivator zugeschaltet."
"Zufuhr zu den Fluktuationsaggregaten mindern."
"Zufuhr zu den Fluktuationsaggregaten gemindert."
"Raum-Zeit-Stabilisatortr├Ąger ausfahren."
"Raum-Zeit-Stabilisatortr├Ąger ausgefahren."
"Zum lieben Gott beten."
"Zum lieben Gott gebetet."
Es ging ein Sausen und Brummen und ein schweres R├╝tteln durch die Saturn Z3 als die Ma├čnahmen Wirkung zu zeigen schienen. Sie trudelte zwar schwer durch Raum und Zeit, konnte sich jedoch mehr oder weniger auf ihrem urspr├╝nglichen Kurs halten, was unter anderem auch Moses' Steuerungsgeschick zu verdanken war.
"Wir scheinen es ├╝berstanden zu haben!" keuchte Karl erleichtert und kontrollierte die Anzeigen, die sich langsam wieder normalisierten.
"Man soll den Tag nicht vor dem Abendessen loben!" r├╝gte Moses. Und tats├Ąchlich sprang pl├Âtzlich einer der Zeiger aus seiner lethargischen Position mitten in den roten Bereich der Anzeige und ein schriller Heulton durchdrang die Steuerzentrale. Es r├╝ttelte und bebte und die beiden Piloten wurden geh├Ârig durchgesch├╝ttelt. Rauch quoll an mehreren Stellen empor, Funken spr├╝hten und sogar ein, zwei Flammen schossen hoch.
"Meine Damen und Herren, wir haben im Moment einige kleine Turbulenzen", verk├╝ndete eine beruhigende, weibliche Lautsprecherstimme. "Es gibt allerdings keinen Grund zur Besorgnis. Wir d├╝rfen Sie jedoch bitten, das Rauchen einzustellen und die Gurte zu schlie├čen. Unter ihren Sitzen finden Sie ..."
"Verdammt, was ist los!" br├╝llte Karl zu seinem Beifahrer hin├╝ber.
"Keine Ahnung! Wir werden in eine tiefere temporale Ebene gezogen."
"Was hei├čt das?"
"Wir krachen runter!"
Quer durch den Zeitstrom ging es auf ein Jahr zu, das Jahrhunderte vor ihrer Zielzeit war. Das achtzehnte war schon vorbeigezogen, und sie liefen Gefahr, irgendwo in der Mitte des neunzehnten runterzugehen, und auch wenn die industrielle Revolution gerade voll im Gange sein sollte, so w├╝rden sie mit ihrem Gef├Ąhrt doch einiges an Aufsehen verursachen. Au├čerdem hatten sie keine Lust, in solch einer primitiven Zeit zu stranden. Nach der H├Ąufigkeit der damals gef├╝hrten Kriege, hatte man als junger Mann kaum eine Chancen, sein drei├čigstes Lebensjahr zu erleben.
"Wir sind noch immer zu schwer. Zwar konnten wir den Motor abk├╝hlen, aber jetzt ist der Gegengravitator durchgeknallt und wir plumpsen runter wie ein Stein, wenn wir nicht was tun."
"Aber was k├Ânnen wir tun?" wollte Karl hysterisch wissen.
"Gewicht loswerden."
"Aber was denn blo├č?"
Moses blickte seinen Partner nur schweigend an.
"Nein, also, nein, das ... das kommt gar nicht in Frage!" protestierte dieser.
"Was willst du mitten im neunzehnten Jahrhundert mit einem pr├Ąhistorischen Dinosaurier. Ich bin nicht mal sicher, ob sie da ├╝berhaupt schon was von deren Existenz wussten."
Weitere Funken spr├╝hten und das Revolutionsjahr achtundvierzig r├╝ckte bedrohlich n├Ąher.
"Aber der Zoo zahlt eine Menge Geld f├╝r das Vieh!"
"Nicht, wenn wir niemals ankommen."
Die Alarmglocken wurden schriller, w├Ąhrend die beruhigende Stimme ihre Bem├╝hungen inzwischen aufgegeben hatte. Selbst ein Lautsprecher sah ein, wann es sinnlos war. Der amerikanische B├╝rgerkrieg r├╝ckte n├Ąher und ihren derzeitigen Koordination zufolge hatten sie gute Chancen, daran teilnehmen zu d├╝rfen. Es gab jedoch immer noch, oder besser schon wieder, schwere Turbulenzen, die sie fr├Âhlich durch den Raum schleuderten, sodass sich ihr Standort praktisch sek├╝ndlich ├Ąnderte. Es konnte also von Bruchteilen von Sekunden abh├Ąngen, ob sie in Indochina oder in der Arktis runterkamen. Was sich nicht ├Ąnderte war ihre Richtung abw├Ąrts - bildlich gesprochen, da man in Bezug auf die Zeit wohl kaum von Unten sprechen konnte.
"Also gut!" lenkte Karl widerwillig ein. "Raus mit dem Vieh."
Moses atmete erleichtert auf. Dann dr├╝ckte er einige Kn├Âpfe.
"Ladeklappen ge├Âffnet. Plexiglas-Titaniumtank ge├Âffnet. Es ist rausgeschwappt."
Sofort wurde die Saturn leichter und fing sich wieder. Nicht nur, dass sich ihre Lage wieder stabilisierte, durch den noch halbwegs intakten Hilfs-Gegengravitator gewannen sie sogar wieder allm├Ąhlich an H├Âhe. Mit ├ächzen und St├Âhnen kamen Karl und Moses wieder in jene Zeitebene, die f├╝r ihre Zielzeit und ihren derzeitigen temporalen Standpunkt ├╝blich war. Die Lage war wieder unter Kontrolle.
"Geschafft!" keuchte Karl. "Ob Dino den Sturz wohl ├╝berlebt hat?"
"Oh, ich denke schon", meinte Moses. "Als er ausstieg, befanden wir uns gerade ├╝ber einen See irgendwo in Schottland."
"Name?" erkundigte sich Karl neugierig. Moses blickte auf die Koordination und anschlie├čend in einem Verzeichnis nach.
"Loch Ness", erwiderte er.
"Meine Damen und Herren, wir erreichen in K├╝rze unseren Zielflughafen. Wir hoffen, Sie hatten eine angenehme Reise und wir d├╝rfen Sie bald wieder bei uns begr├╝├čen."

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flammarion
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hallo

pinky, die geschichte ist ein wenig schleppend, aber die pointe am ende rei├čt alles raus! kommt in meine sammlung. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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