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Leselupe.de > Kurzprosa
Zeitzeichen
Eingestellt am 13. 10. 2006 17:40


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Tinka
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2005

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Zeitzeichen

Noch wĂ€rmte die Herbstsonne. Die Luft, angefĂŒllt vom Abschiedsgezwitscher der Vögel, streichelte ihre Haut.
Sie saß im Schatten auf der weiß gestrichenen Gartenbank und zog fröstelnd die Schultern zusammen. Blicklos starre sie auf das Handy in ihren verkrampften Fingern – wissend und doch voll trotziger Hoffnung nicht glauben zu mĂŒssen. Sie legte den schwarzen Kasten neben sich auf die Bank und schob ihn von sich, weit von sich.
Und so, als wolle sie noch mehr Raum zwischen sich und diese Nachricht bringen, stellte sie sich auf ihre FĂŒĂŸe, die sich langsam mit ihr auf den Weg machten - Schritt fĂŒr Schritt.
Ihre blicklosen Augen suchten kein Ziel. Ihr Kopf war zum Bersten leer. Ungesagte Wörter brannten auf ihrer Seele, wollten nicht verstummen und fanden doch kein Gehör mehr. Bilder tauchten auf aus der Vergangenheit, ungebeten und doch quÀlend willkommen.
Ihre FĂŒĂŸe gingen mit ihr und die Sonne schien und wĂ€rmte das Vogelgezwitscher.
Ein KrĂ€chzen zerriss die Luft, drang erbarmungslos in ihre Ohren. Auf einem der schon kahlen Äste saß er, der schwarze Vogel, und Ă€ugte interessiert auf sie herab.
„Nein!“, schrie sie verzweifelt ins GeĂ€st, das sich wie dĂŒrre TotenhĂ€nde ins Blauen des Himmel streckte, „Weg! Weg mit dir!“ Hilflos schlug sie die HĂ€nde vor das Gesicht und begann lautlos zu weinen.
Ohne Eile hob sich der Vogel mit schwerfÀlliger Eleganz und einem letzten heiseren Ruf in die Höhe, breitete seine Schwingen aus und sein Schatten streifte ihre Gestalt.
Kraftlos sank sie zusammen. Und so kauerte ihr Körper an den bemoosten Stamm des alten Apfelbaumes gelehnt, die Arme Halt suchend um sich selbst geschlungen, doch sie griffen ins Leere.
Sie fĂŒhlte sich heimatlos, als sei sie mitgegangen auf diese Reise ins Nichts. Nur die Trauer lebte in ihr. Die Zeit verrann und hatte ihre Bedeutung verloren.
Dann nahm sie wahr, was ihren Blick schon seit einiger Zeit fesselte: Im toten Herbstbunt lag ein Apfel.

"WENN ICH WÜSSTE, DASS MORGEN DIE WELT UNTERGINGE, WÜRDE ICH HEUTE EIN APFELBÄUMCHEN PFLANZEN!"

Irgendwann richtete sie sich wieder auf und setzte ihre FĂŒĂŸe auf den Weg, den sie nun gehen musste – langsam, still - Schritt fĂŒr Schritt.

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