Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
305 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zeitzonen
Eingestellt am 01. 05. 2007 20:09


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Zeitzonen - neue Version


Eines Samstagmorgens steht Frank W. auf und verspĂŒrt den Drang, sich, seines kommenden Geburtstags wegen, einen Chronometer zu kaufen. Einen richtig echten aus der Schweiz. Einen mit mechanischem Uhrwerk, ohne Batterie natĂŒrlich. Selbst ist der Mann, besonders beim Aufziehen seines eigenen Zeitmessers. Alles andere wĂ€re auch ein Stilbruch.

Die Uhr symbolisiert fĂŒr ihn Ordnung. Störungsfreie, in einander greifende Funktion. Im Ticken des Takts. Gleichförmigkeit in schöner Form, technisch, glatt geputzt, glĂ€nzend.

Ein endloser Strom sich repetierender Handlungen nebensĂ€chlichen Inhalts. Unterbrechungen durch langweilige Wochenenden sowie von albern betrunkenen Urlauben. Frauen Fehlanzeige. Aufhellungen durch gelegentliche Heimsuchungen eines ungebĂ€rdigen Sohnes. SonntĂ€gliches Fußballspielen mit McDonaldsĂŒnden. Gerne gehabt, gerne wieder abgegeben. Ärger mit dem Familienanwalt inbegriffen.

An seinem 41. Geburtstag, es ist ein Sonntag, steht Frank W. also auf, um sich der Uhr zu bemĂ€chtigen, die er sich selbst geschenkt hatte. „Ja, packen Sie sie ein!“, hat er der VerkĂ€uferin gesagt, die ihn beraten hat bei seiner Erwerbung. „Es soll ein Geschenk sein.“ Frank W. bekommt keine Geschenke. Nur von seinem Sohn und von seiner Mutter. Und diesmal kann der Sohn nicht kommen, da er einen Schullandheimaufenthalt hat.

Heute ist ein besonderer Tag, sagt er sich. Eine Uhr zur Vermessung meiner Tage. Ein Kunstwerk aus Metallen, etwas Glas, wenig Rubin, noch weniger Diamant. Aus viel Gestaltungs- und Formwillen, noch mehr Liebe zum Detail. Ein EinzelstĂŒck einer fast ewigen Handwerkstradition. Aus der Vergangenheit gewachsen, um das Heute zu messen und die Zukunft, die nahe wenigstens, voraus zu planen.

Frank W. macht sich sein FrĂŒhstĂŒck, brĂŒht Kaffee, den er gerne, des leicht empfindlichen Magens wegen, mit viel Milch nimmt. Er holt die Sonntagszeitung. SchlĂ€gt sie auf, um die Ergebnisse seines Lieblingsvereins zu lesen. Obwohl er in den Nachrichten und im Internet alles verfolgt hat, ist der geschriebene Sportbericht doch etwas anderes.

Er sitzt auf die Veranda seiner Wohnung im Paterre. Er schaut in den Garten und in die Landschaft. Sein Auge fĂ€llt auf ein Gedicht ĂŒber die Zeit.

Am Morgen denkt man, man hat Zeit,
Am Abend fĂŒhlt man sich noch weit,
Am nÀchsten Morgen ist man tot.
Am Abend glĂŒht das Abendrot.
Hier klicken


Die vier Verse hinterlassen eine merkwĂŒrdige Unruhe. Irgendetwas will nicht mehr ganz zusammengehen.

Frank W. geht an den kleinen Geschenktisch, den er sich angerichtet hat, betrachtet die wenigen Briefe, einige Karten und die drei Geschenke. Seine Uhr, ein selbst gemaltes Bild seines Sohnes, die obligatorischen Socken der Eltern. Er fragt sich: „Ist das schon alles?“. Er schĂŒttelt den Kopf und nimmt den Schweizer Chronometer in die rechte Hand, der dort kĂŒhl schimmernd liegt und trotzdem ein Loch in die Hand zu brennen scheint. Er zieht ihn mit der linken auf und beschließt, eine Runde um das Geviert zu gehen.

Nachdem er zurĂŒckkommt, denkt er ĂŒber die Zeit nach, nimmt sich den alten Weltatlas aus Schultagen und schlĂ€gt die Karten ĂŒber die Zeitzonen auf. „GMT, Greenwich Mean Time!“ sagt er leise zu sich. Und er sieht, wie nach hinten die Stunden immer nĂ€her zum Vortag und nach vorne immer mehr zum nĂ€chsten Tag streben. Er denkt an die Nachrichten aus der Zeit der Jahrtausendwende, als Reisen um den Globus angeboten wurden mit der Zusicherung, dreimal Sylvester zu feiern.

Frank W. erkennt, dass er ein Zeitproblem hat, ein Problem mit der Zeit, die vergangen ist, ohne dass er davon Notiz genommen hat. Er sieht sie nur in den Linien seines Gesichts und den grau werdenden SchlĂ€fen, an seinem wachsenden Bauch, der den Körper immer mehr in Richtung Birne mit Stakebeinen verformt. Er hat nicht einmal mehr ein ZeitgefĂŒhl gehabt, seit Frau und Sohn ausgezogen und im Nebel der VerdrĂ€ngung unangenehmer Dinge verschwanden. Nur der Sohn ist, wie eine lautstarke fröhliche Unwirklichkeit, immer wieder in dieses dahinplĂ€tschernde Dasein hinein gepoppt, um daraus wieder, fast ohne Spuren zu hinterlassen, hinaus zu fallen. Er legt den Atlas weg.

Wenig spÀter schaltet er den Fernseher ein, weil sonntags um 19:30 Uhr im Zweiten die Geschichtssendung kommt. Die Uhr tickt und zeigt zuverlÀssig an, wann das soweit ist. Er bleibt auch der Sendung wegen des Krimis sitzen. Er bleibt sitzen, als die zweiten Nachrichten kommen. Er merkt nicht einmal, dass er nichts zu Abend gegessen hat.

Danach macht er sich bettfertig. Im Bett liest er und will nicht recht in den Schlaf finden. Er dreht und wendet sich. Er schwitzt und zittert und friert. Er will keine Ruhe finden, so wie die Unruh in seiner Uhr.

Am Morgen versinkt er wieder in der Routine, aus der er erst wieder am Abend auftaucht. Die Uhr tickt, der Atlas liegt umgedreht auf der Karte mit den Zeitzonen. Er nimmt ihn in die Hand und fasst einen Entschluss. Er will sich seine Zeit zurĂŒckzuholen.

Am nĂ€chsten Tag steht Frank W. auf, packt seinen Koffer, geht hinaus und macht sich auf seinen Weg. Die Karte aus dem Atlas hat er mitgenommen. Er wird rĂŒckwĂ€rts um die Erde reisen, immer dem Vortag entgegen, Zeitzone um Zeitzone wird er passieren, um sich zu finden. Irgendwann.


Diese Kurzgeschichte in Gedichtform findet man unter: Hier klicken

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


HansSchnier
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2007

Werke: 9
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HansSchnier eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Walther,

vieles an deiner Geschichte hat mir gut gefallen: Die sprachliche Differenzierung zwischen der Routine und dem Ausbruch aus selbiger, die VerknĂŒpfung der Zeitaspekte (Uhr, Zeitzonen/Reisen, vertane Lebenszeit), das Bild der Aufzieh-Uhr, mit der der Protagonist plötzlich zum Mitverantwortlichen der Zeit wird.

Was mich gestört hat, war die Absehbarkeit der Geschichte und das sehr platte Gedicht - es verleiht der ErzÀhlung eine in meinen Augen unpassende NaivitÀt und erklÀrt einen Sachverhalt, der nicht erklÀrt werden muss.

GrĂŒĂŸe

HansSchnier

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Alte Fassung

Alte Fassung:

Zeitzonen


Frank W., geschieden und allein lebend: eine typische graue Maus. Ein Durchschnittsmensch, morgens 7 Uhr aufstehen, MĂŒslifrĂŒhstĂŒck. Anzug, KrawĂ€ttchen. Aktentasche, Handy. Je nach Jahreszeit Hut und Mantel. Auf den Bahnhof hasten, einsteigen in den FrĂŒhzug. Zeitung lesend vor sich hindösen. GerĂ€usche und GerĂŒche inhalieren. Den Wolken zusehen, wenn die Sonne scheint. Halbneun im BĂŒro, immergleicher Schreibtisch, immergleiche Arbeit. Halbsechs nach Hause, gleicher Weg, selber Zug.

Abends essen, fernsehen, schlafen. Manchmal ein Buch. Ab und zu ein Telefonat. Nichts Bewegendes. Nichts, was notiert werden mĂŒsste.

Ein endloser Strom sich repetierender Handlungen nebensĂ€chlichen Inhalts. Unterbrechungen durch langweilige Wochenenden sowie von albern betrunkenen Urlauben. Frauen Fehlanzeige. Aufhellungen durch gelegentliche Heimsuchungen eines ungebĂ€rdigen Sohnes. SonntĂ€gliches Fußballspielen mit McDonaldsĂŒnden. Gerne gehabt, gerne wieder abgegeben. Ärger mit dem Familienanwalt inbegriffen.

Das hÀtte so weiter gehen können bis in die Rente oder den Tod.

Eines Samstagmorgens steht Frank W. auf und verspĂŒrt den Drang, sich, seines kommenden Geburtstags wegen, einen Chronometer zu kaufen. Einen richtig echten aus der Schweiz. Einen mit mechanischem Uhrwerk, ohne Batterie natĂŒrlich. Selbst ist der Mann, besonders beim Aufziehen seines eigenen Zeitmessers. Alles andere wĂ€re auch ein Stilbruch.

Die Uhr symbolisiert fĂŒr ihn Ordnung. Störungsfreie, in einander greifende Funktion. Im Ticken des Takts. Gleichförmigkeit in schöner Form, technisch, glatt geputzt, glĂ€nzend.

An seinem 41. Geburtstag, es ist ein Sonntag, steht Frank W. auf, um sich der Uhr zu bemĂ€chtigen, die er sich selbst geschenkt hatte. „Ja, packen Sie sie ein!“, hat er der VerkĂ€uferin gesagt, die ihn beraten hat bei seiner Erwerbung. „Es soll ein Geschenk sein.“ Frank W. bekommt keine Geschenke. Nur von seinem Sohn und von seiner Mutter. Und diesmal kann der Sohn nicht kommen, da er einen Schullandheimaufenthalt hat.

Heute ist ein besonderer Tag, sagt er sich. Eine Uhr zur Vermessung meiner Tage. Ein Kunstwerk aus Metallen, etwas Glas, etwas Rubin. Und viel Gestaltungs- und Formwillen, noch mehr Liebe zum Detail. Ein EinzelstĂŒck einer fast ewigen Handwerkstradition. Aus der Vergangenheit gewachsen, um das Heute zu vermessen und die Zukunft, die nahe wenigstens, voraus zu planen.

Frank W. macht sich sein FrĂŒhstĂŒck, brĂŒht Kaffee, den er gerne, des leicht empfindlichen Magens wegen, mit viel Milch nimmt. Er holt die Sonntagszeitung. SchlĂ€gt sie auf, um die Ergebnisse seines Lieblingsvereins zu lesen. Obwohl er in den Nachrichten und im Internet alles verfolgt hat, ist der geschriebene Sportbericht doch etwas anderes.

Er sitzt auf die Veranda seiner Wohnung im Paterre. Er schaut in den Garten und in die Landschaft. Sein Auge fĂ€llt auf ein Gedicht ĂŒber die Zeit.

Am Morgen denkt man, man hat Zeit,
Am Abend fĂŒhlt man sich noch weit,
Am nÀchsten Morgen ist man tot.
Am Abend glĂŒht das Abendrot.
Hier klicken


Die vier Verse hinterlassen eine merkwĂŒrdige Unruhe. Irgendetwas will nicht mehr ganz zusammengehen.

Frank W. geht an den kleinen Geschenktisch, den er sich angerichtet hat, betrachtet die wenigen Briefe, einige Karten und die drei Geschenke. Seine Uhr, ein selbst gemaltes Bild seines Sohnes, die obligatorischen Socken der Eltern. Er fragt sich: Ist das schon alles?“. Er schĂŒttelt den Kopf und nimmt den Schweizer Chronometer in die linke Hand, der dort kĂŒhl schimmernd liegt und trotzdem ein Loch in die Hand zu brennen scheint. Er zieht ihn mit der linken auf und beschließt, eine Runde um das Geviert zu gehen.

Nachdem er zurĂŒckkommt, denkt er ĂŒber die Zeit nach, nimmt sich den alten Weltatlas aus Schultagen und schlĂ€gt die Karten ĂŒber die Zeitzonen auf. GMT, Greenwich Mean Time, sagt er leise zu sich. Und er sieht, wie nach hinten die Stunden immer nĂ€her zum Vortag und nach vorne immer mehr zum nĂ€chsten Tag streben. Er denkt an die Nachrichten aus der Zeit der Jahrtausendwende, als Reisen um den Globus angeboten wurden mit der Zusicherung, dreimal Sylvester zu feiern.

Frank W. erkennt, dass er ein Zeitproblem hat, ein Problem mit der Zeit, die vergangen ist, ohne dass er davon Notiz genommen hat. Er sieht die Zeit nur in den Linien seines Gesichts und den grau werdenden SchlĂ€fen, an seinem wachsenden Bauch, der den Körper immer mehr in Richtung Birne mit Stakebeinen verformt. Er hat nicht einmal mehr ein ZeitgefĂŒhl gehabt, seit Frau und Sohn ausgezogen und im Nebel der VerdrĂ€ngung unangenehmer Dinge verschwunden waren. Nur der Sohn ist, wie eine lautstarke fröhliche Unwirklichkeit, immer wieder in dieses dahinplĂ€tschernde Dasein hinein gepoppt, um daraus wieder, fast ohne Spuren zu hinterlassen, hinaus zu fallen. Er legt den Atlas weg.

Wenig spÀter schaltet er den Fernseher ein, weil um 19:30 Uhr im Zweiten die Geschichtssendung kommt. Die Uhr tickt und zeigt zuverlÀssig an, wann das soweit ist. Er bleibt auch der Sendung wegen des Krimis sitzen. Er bleibt sitzen, als die zweiten Nachrichten kommen. Er merkt nicht einmal, dass er nichts zu Abend gegessen hat.

Danach macht er sich bettfertig. Im Bett liest er und will nicht recht in den Schlaf finden. Er dreht und wendet sich. Er schwitzt und zittert und friert. Er will keine Ruhe finden, so wie die Unruh in seiner Uhr.

Am Morgen versinkt er wieder in der Routine, aus der er erst wieder am Abend auftaucht. Die Uhr tickt, der Atlas liegt umgedreht auf der Karte mit den Zeitzonen. Er nimmt ihn in die Hand und fasst einen Entschluss. Er will sich seine Zeit zurĂŒckzuholen.

Am nĂ€chsten Tag steht Frank W. auf, packt seinen Koffer, geht hinaus und macht sich auf seinen Weg. Die Karte aus dem Atlas hat er mitgenommen. Er wird rĂŒckwĂ€rts um die Erde reisen, immer dem Vortag entgegen, Zeitzone um Zeitzone wird er passieren, um sich zu finden. Irgendwann.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Pete
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Walther,

findest Du es auch interessant, wie viele Leute Deine Geschichte lesen, einige davon Dir einen Kommentar hinterlassen, aber so gut wie Niemand eine Bewertung abgibt?

Diesmal empfinde ich Deine Geschichte als rundum gelungen. Wie ich gelesen habe, hast Du die wohlgemeinten Hinweise von Anderen sehr gut umsetzen können.

Den Titel "Zeitzonen" beziehe ich auf das Leben Deines Lieblingprotagonisten Frank. Er befindet sich offenbar auf dem Übergang zwischen zwei Lebenszeiten. Oder sind es Bewusstseinszeiten?

Geht es Dir genauso?

Die Verbindung der literarischen Gattungen gefÀllt mir gut. Erkenne ich da so etwas wie ein Markenzeichen?

Herzliche GrĂŒĂŸe

Pete

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Pete,

meine Devise lautet: Wenn Dir jemand einen netten Tip gibt oder Dich hart kritisiert, solltest Du erst einmal tief durchatmen und nach dem wahren Kern in der Schelte schauen, bevor Du Dich kĂŒnstlich aufregst. Überhaupt: Wie sollen wir denn weiterkommen, wenn wir uns nicht kritisieren lassen? Warum schreiben wir denn dann in einem Forum, in dem geradezu zu Bewertung und Kritik "gebeten" wird?

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, heißt es im Volksmund drastisch. Gemeint ist, wer es wagt, sich zu veröffentlicchen, muß auch die Pfiffe des Publikums ertragen, nicht nur den so gern erhofften Beifall. Wenn man allerdings eine schlechte Bewertung verteilt, dann mag das ein Fingerzeig sein, daß etwas nicht in Ordnung ist - was aber, bitte? Es ist gerade bei Bewertungen unter "5" in den LeLu dringend erforderlich, dazu einen Hinweis zu geben - sonst wird die nĂ€chste Geschichte des so Geziehenen wieder schlecht. Und es ist auch nicht sehr fair, den so Kritisierten ohne jeden Hinweis zu lassen, warum der Text denn nicht paßt. Auch das ist meine Devise.

So ist auch mein Beitrag an "Anonym" zu werten - ich habe immer Respekt auch und gerade vor schlechten Bewertungen, sie nĂŒtzen nur dem so bewertenden Nichts, wenn man sie nicht erlĂ€utert. Das war der Sinn meines Eintrags.

In der Lyrik mache ich sehr viel Textarbeit, weil ich mich da ein wenig auskenne ("hĂŒstel", man soll sich nicht selbst loben), hier bin ich im Status des Lernenden, den ich in der Lyrik hier auch beinahe 2 Jahre innehatte. Daher danke ich auch fĂŒr jeden noch so kleinen Tip.

Nun zum Text: Der Mensch, in diesem Falle mein Protagonist, ist immer unterwegs, selbst dann, wenn er meint stillzustehen. Zum Ende kommt sein Weg erst, wenn das Licht ausgeht, was danach kommt, ist Spekulation.

Daher ist VerĂ€nderung inert, Teil von uns. Da wir in diesem Falle, seelisch meine ich, wohl eher den Wesen Ă€hneln, die, wenn der Panzer zu eng wird, diesen absprengen, sind unsere Reaktionen auf das Unterwegssein schubweise. Frank W. befindet sich in einer solchen Situation. Es bedarf bei ihm eines Ă€ußeren Reizes, um sein inneres Problem zu erkennen.

Auch daran lĂ€ĂŸt sich feststellen, wie sehr der Mensch Teil der ihn umgebenden Natur ist, auch wenn er sie mit Beton und Asphalt zupflastert. Er wird durch Ă€ußere Reize stimuliert, und dann geschieht im Innern etwas, das wie ein Gewitter nach außen drĂ€ngt und sich entlĂ€dt. Alle Geschichte, die hier von mir publiziert wurden, haben dieses Muster, wenn man sie einmal genau anschaut.

NatĂŒrlich erlebt jeder Mensch solche Zyklen. Auch die Seele scheint dem thermodynamischen Gesetz zu gehorchen. Daher ist alles, was wir schreiben, immer ein wenig autobiografisch.

Die Verbindung von Lyrik mit Belletristik ist ein Markenzeichen. Sie deutet an, daß der Mensch ganzheitlicher ist, als besonders der mĂ€nnliche Teil das gerne einsehen möchte. Beide Kunstformen sind Ausdruck der LebensbewĂ€ltigung und Selbstbespiegelung. Sie sind eine EntĂ€ußerung innerer Gedankenströme. Damit werden sie selbstĂ€ndig, und es gelingt, eine Distanz fĂŒr die nĂŒchterne Betrachtung des Selbsts und der Umwelt zum Erlebten und Erfahrenen herzustellen. Genau das ist auch der Grund, warum ich schreibe. Der Aspekt, anderen evtl. zur Erkenntnis verhelfen zu können, damit das Verarbeitete mehr als nur dem Ich Nutzen stiften möge, kam erst spĂ€ter hinzu.

Walther ist und bleibt aber ein Lyriker. Das kann und will er nicht leugnen. Daher sind seine, also meine, Geschichten auch immer sorgfĂ€ltig komponiert und haben ein poetisches GegenstĂŒck. Diese fĂŒhre ich hier zusammen, unter anderem auch deshalb, weil sich so zwei Welten in der LeLu zusammenfĂŒhren lassen. Und daß das notwendig sein könnte, wĂ€re ein bedenkenswertes BegrĂŒndungsmuster fĂŒr dieses, mein, Tun.

Liebe GrĂŒĂŸe W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!