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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Zeitzugnisse
Eingestellt am 05. 07. 2011 16:08


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GerhardBakenfalter
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1. Die Bahn hat VerspÀtung (Standard), der Termin leider nicht

Aus einem Konzertbericht:

We zĂ€nk you for travelling with Deutsche Bahn und wĂŒnschen Ihnen trotzdem einen schönen Abend (O-Ton am 17. Februar 2009). Den hatte ich in der Kulturkirche Köln Nippes. Allen Widrigkeiten zum Trotz. Und bin froh und glĂŒcklich, dass ich dabei war.

Deee BÀÀÀÀh. Voll abgefahren, aber nix lĂ€uft. Der Zugteil, der um 17:17 Uhr von Frankfurt nach Köln fahren sollte, fehlte. Der Rest fuhr zunĂ€chst informationsfrei ins Nirwana, hielt dann jedoch in Köln-Deutz, nachdem er stundenlang vor dem Bahnhof gemĂŒtlich gepicknickt hatte. Danach war mir unklar, wie es weitergehen könnte, aber es musste, denn ich wollte doch schon lĂ€ngst in der Hotelpension eingecheckt und die Kulturkirche in Köln-Nippes betreten haben. Also stĂŒrzte ich mich wild entschlossen nicht vor, sondern in die nĂ€chste S-Bahn, fand aufgrund meines intuitiven Orientierungssinnes (mehr Eingebung als Verstand) die Absteige, betrat sie und niemand war da. In Worten: gar keiner. Flugs griff ich zum HĂ€n-dy und brĂŒllte nach Personal. "Dieses kommt nur auf Abruf", sagte man mir (schön, wenn man das um 19:30 schon erfĂ€hrt) und wĂŒrde in 5 min. eintreffen. Daraus wurde aber nichts, wie man mir nach 7 min. mitteilte, ich solle doch schon einmal ins Konzert.

Also raste ich völlig verschwitzt, bewaffnet mit Schirm, Rucksack und einer randvollen Blase los - nur wohin? Wiederum die nĂ€chstbeste U-Bahn zu entern erschien mir um 19:42 Uhr zu riskant, also informierte ich mich fahrplanmĂ€ĂŸig. Und hatte GlĂŒck, es funzte, ich erreichte Nippes und galoppierte zu Fuß weiter. Meilenweiter, bei ca. 37,9° C Nachtlicht im Schatten. 3 Laternen waren nötig, um meinen Weg mit dem Plan abzugleichen - doch dann sah ich eine Kirche und beschloss, dass es diese sein mĂŒsste, denn es war 1 Minute vor Konzertbeginn. Ich stĂŒrmte das blau erleuchtete Gotteshaus, röchelte, ob es denn eine Garderobe zwecks AusrĂŒstungsdepot gĂ€be (dem war nicht so) und wurde trotzdem eingelassen. Ich warf Rucksack, Schirm, Collegetasche und meine ĂŒberflĂŒssige Kleidung in eine Kirchenbank und mich hinterher. SchweiĂŸĂŒberströmt, nach Luft ringend. (
)

Am nĂ€chsten Morgen begab ich mich nach der Zubereitung eines bedingt genießbaren Instantmuckefucks und dem Verzehr von drei Keksen zu Fuß zum Hauptbahnhof. Zwischen zwei DomtĂŒrmen grinste der halbe Mond verstĂ€ndnisvoll, wĂ€hrend sich hinter den Gleisen der Himmel lichtete. Ich betrat mit Latte in der Linken, Brötchen in der Rechten den Bahnsteig und inhalierte sich nahende Ferne, sich entfernende NĂ€he, den Reiter kurz vor der Deutzer BrĂŒcke und rosa Sonnenglut ĂŒber dem Rhein. Ziemlich bald schon konnte ich im ICE Platz nehmen. Heute war zu Übungszwecken die Reihenfolge der Wagen vertauscht, so dass der Deutsche Bahnkunde seine gestern erlernte FlexibilitĂ€t unter Beweis stellen konnte. Ja, unsere Bahn traut uns schon etwas zu. Die Abfahrt des ICEs verzögerte sich nur unwesentlich, nachdem vorĂŒbergehend der Strom ausgefallen war. Der Zugbegleiter schilderte technische Probleme, die dieses verursacht hĂ€tten. Die entstandene VerspĂ€tung wurde in Siegburg tĂŒchtig ausgebaut, da die technischen Schwierigkeiten inzwischen den hinteren Teil des Zuges in Mitleidenschaft gezogen hatten. Der freundliche Zugbegleiter stellte in Aussicht, dass "unser LokfĂŒhrer" den Schaden eventuell beheben könne. Was dieser auch vermochte, denn ca. 20 min. spĂ€ter rollten wir weiter in den jungen Morgen. Und ich kam nur 15 min. zu spĂ€t zur Arbeit – das hatte doch was. Und dann saß ich verklĂ€rt grinsend vor dem PC und wollte nur noch in mein warmes kuscheliges Bett und darĂŒber sinnieren, warum meine AusflĂŒge grundsĂ€tzlich mit Imponderabilien gespickt sind. Es lebe die Herausforderung – aber kann die das nicht auch einmal ohne mich?


2. Die Bahn funktioniert (eher unwahrscheinlich)

Mittwoch, 30. Juni 2010, Frankfurt - Berlin

Lichter Vormittag, Hbf. Frankfurt, Gleis 9 – a voice was repeatedly apologizing all inconveniences (Inglisch vor at onced DBler, heard in 2010) lĂŒmmelte ich mich in den klimatisierten Singlesessel Nr. 71, der den unschlagbaren Vorteil hatte, dass sich meine umfangreiche Übernachtungsequipage nebst Zelt fĂŒr das nĂ€chste Abenteuer locker um mich herum versammeln ließ und stopfte mir die Kopfhörer meines mp3-Kumpels in die Ohren, wĂ€hrend sich der ICE schonend auf den Weg in die Hauptstadt machte. Mit „Elect the Dead Symphony“ stimmte ich mich freudig gespannt auf das Konzertereignis des Abends ein und fragte mich, ob mich Serj Tankian livehaftig und in Farbe (das heißt im weißen Anzug) genauso faszinieren wĂŒrde wie auf der DVD. Ich konnte es kaum fassen, diesen Menschen dank einer wohlĂŒberlegten und vernĂŒnftigen Ticketkaufaktion (Berlin grenzt schließlich beinahe an Frankfurt/mein) im Admiralspalast zu erleben. Die restliche Zeit wurde von mir großzĂŒgig verdöst und so spuckte mich der ICE schon relativ bald mitsamt Tross auf einen sehr heißen Berliner Hauptbahnsteig



3. Höhere Gewalt (vermutlich fest angestellter Zugbegleiter, fÀhrt nahezu tÀglich mit)

Die Fernbahn ist weder kĂ€lte- noch hitzekompatibel. Naturkatastrophen wie Schneefall im Winter (frĂŒher, als sowieso alles noch viel besser war, gehörte ein solches PhĂ€nomen zur Jahreszeit. Man stellte sich darauf, aber nicht daraufhin gleich alles ein) oder Temperaturen um 30° Celsius im Sommer (frĂŒher gehörte
) bringen den Verkehr nach diversen Kollapsen zum Erliegen. Lebenszeichen schwitzendurch sind daher durchaus angebracht, denn man weiß unterwegs ja nicht, ob man jemals wieder nach Hause zurĂŒckkehren wird:

SMS vom 28.01.2011, 18:55

Nicht planmĂ€ĂŸige Raucherpause in Bad Hersfeld, weil ein LKW von der Autobahn aus die ICE-Schallmauer durchbrochen hat und deren Reste erst aus dem Gleisbett geholt werden mĂŒssen. Dauer ungewiss.


SMS vom 21.04.2011, 15.21

Wir sind im Zug und er fÀhrt sogar.


SMS vom 03.06.2011, 19:44 Uhr

Das Teil hat voll die Bremsklöppse im Ar Àhm
gen. Wir schleichen beschaulich durch ThĂŒringen und haben die VerspĂ€tung erfolgreich auf 30 Minuten ausgebaut.

Email vom 05.12.2010:

... Ich fĂŒr meinen Teil bin nicht so faul wie Ihr im Keller Verkrochenen. Zur Abwechslung halte ich mich noch in Leipzig auf und werde mich erst um kurz nach 20 Uhr dem Serviceunterfangen Bahn anvertrauen. Die Hinreise war eigenartig, dafĂŒr dauerte sie aber auch fast doppelt so lange. Immerhin fand sie statt, nachdem mehr als die HĂ€lfte der geplanten ZĂŒge ausgefallen war.

Bei einer satt rĂŒlpsenden Auslastung von 200 % fuhr der ICE in Frankfurt keineswegs los. Der bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgefĂŒllte Großraumwagen gab sich ausgesprochen kuschelig. Niemand musste sich einsam fĂŒhlen, befand sich sein Fuß doch gut behĂŒtet unter demselben seines ebenfalls stehenden Nebenmenschen. Derselbe Niemand schickte sich an, den Nötigungen des Personals zu folgen und freiwillig auszusteigen. [Seinerzeit wurde das Verlassen eines ICE noch nicht mit Bargeld belohnt.] DiesbezĂŒgliche Durchsagen verhallten. Nach einer weiteren halben Stunde unsinniger Stagnation bat der genervte LokfĂŒhrer schließlich darum, dass sich die stehenden Passagiere nicht in die Kurven legen und HĂŒpfen sowie andere abrupte Bewegungen wĂ€hrend der Fahrt (Fahrt? Hoffnung???) tunlichst unterlassen sollten und nahm die Abfahrt trotz ÜberfĂŒllung schließlich auf seine eigene Kappe. Einen Augenblick spĂ€ter bedankte er sich höflich fĂŒr den nicht erfolgten Applaus. Immerhin wurde gelacht und man war abgefahren.

Viele Stunden und launig kommentierte Fahrtunterbrechungen spĂ€ter ertönte nur noch hysterisches Gekicher, als der ICE kurz vor Sibirien noch einen Nothalt wegen notwendiger Notarztanforderung (irgendein Weichei war den Anforderungen der Bahn offensichtlich nicht gewachsen und im Bordbistro kollabiert) einlegte und uns der Moderator - so heißt der Mann am Mikro tatsĂ€chlich, wie uns ein anderer Bahnmitarbeiter ungefragt mitteilte - einlud, doch auf dem Bahnsteig eine TĂŒte frische Luft zu schnappen, es wĂŒrde mit der Weiterfahrt noch ein Weilchen dauern.

Von daher sehe ich der bevorstehenden RĂŒckfahrt frohoholockend und auf’s Äußerste gespannt, um nicht zu sagen mit zittrigen, schweißnassen HĂ€nden, entgegen. Wenn Ihr vor Ostern nix mehr von mir hören solltet, bin ich wahrscheinlich vor Lachen in die Saale oder sonstwie dem Wahnsinn anheim gefallen.“

Beliebte GrĂŒnde fĂŒr außerplanmĂ€ĂŸige VerspĂ€tungen:

Störungen im Betriebsablauf
Sommer
Winter
FrĂŒhling (Horrormone machen auch vor ICEs nicht Halt)
Herbst (depressive Melancholie verlangsamt den Antrieb)
es ist Freitag
AusfÀlle
beschrĂ€nkte BahnĂŒbergĂ€nge, die sich nicht beschrĂ€nken lassen


Baki, die gĂŒldene Bonusbahncard am baumelnden Bande genĂŒsslich faltend


__________________
Auch Motten schmettern links.

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